Ich bin zur FIBO 2026 nach Köln gefahren, absichtlich unvorbereitet. Keine Ausstellerliste, keine Influencerliste, kein Plan, welche Stände ich „abhaken“ will. Ich wollte mit unschuldigen Augen reingehen und rausfinden, was diese Messe mit mir macht.
Und ich sag’s ehrlich: Schon im Zug hatte ich dieses Gefühl, nicht ganz reinzupassen. Genau das ist ja mein Punkt. Ich spreche über Gesundheit, aber ich kenne auch Scham, Vergleich und dieses innere „Was mach ich hier eigentlich“.
Auf der Messe prallen Welten aufeinander: Hyrox gefühlt überall, Hightech-Geräte, Performance-Optimierung und dann diese zweite Welt, die alles überstrahlt: Protein. Riegel, Pulver, Puddings, Sirups, Drinks, so viel, dass es irgendwann weniger nach Vielfalt wirkt und mehr nach System.
Dann kommt die Bubble-Frage: Wie eine Person und wenige Marken eine eigene Realität bauen können. Christian Wolf, More, ESN, Oace. Warteschlangen, Fläche, Aufmerksamkeit. Reichweite wird Raum, Raum wird Macht, Macht wird Umsatz. Ich war dabei gleichzeitig beeindruckt und kritisch.
Was mich am meisten überrascht hat, waren aber die Vorträge, weil sie eigentlich die Hauptbühne verdienen würden. GLP-1 und die Frage, was Abnehmspritzen mit Training und Motivation machen. Paulina Ioannidou über die Gender Gap in der Datengrundlage. Alessandro Falcone mit dem Satz, der bei mir hängen blieb: Wir verwalten oft Krankheit, statt Gesundheit zu fördern. Und Max Huttasch über nachhaltiges Abnehmen ohne Kurzzeitversprechen.
Ich ziehe daraus auch einen größeren Kontext: Deutschland steckt enorm viel Geld in Gesundheit, und trotzdem wachsen Übergewicht und Adipositas. Und wenn man das ernst nimmt, landet man zwangsläufig bei Prävention und bei Politik. Genau deshalb schwingt für mich auf der FIBO immer auch die Frage mit: Zuckersteuer, nicht als Moralkeule, sondern als Strukturinstrument.
Am Ende wird’s persönlich. Ich bin über 40.000 Schritte gelaufen. Und ich habe mir eine Aufgabe gestellt, die eigentlich traurig ist: Ich habe gezählt, wie viele Menschen ich sehe, die ungefähr meine Statur haben. Ich sage klar dazu: Das ist keine Statistik. Das ist mein Eindruck. Aber er hat gereicht, um zu merken, wie sehr diese Messe eine Szene abbildet, nicht die Bevölkerung.
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