5 Minus

Dr. Laura Dalhaus
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  • 5 Minus

    Heilmittelerbringer: Die nächsten Verlierer der "Reform" | Christine Donner & Tobias Niklas

    23.06.2026 | 1 Std.
    Nicht nur Ärzt:innen schlagen wegen des GKV-Spargesetzes beziehungsweise des Beitragsstabilisierungsgesetzes Alarm. Auch die Heilmittelerbringer – von der Physiotherapie über die Ergotherapie bis zur Logopädie – sehen die Versorgung durch die geplanten Maßnahmen massiv gefährdet.
    Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Christine Donner, geschäftsführendem Vorstand des Bundesverbands der Ergotherapeut:innen, und Tobias Niklas, Landesvorsitzendem sowie stellvertretendem Bundesvorsitzenden des Verbands für Physiotherapie (VPT e.V.).
    Christine erläutert zunächst die Aufgaben der Ergotherapie. Im Mittelpunkt steht dabei, Menschen dabei zu unterstützen, möglichst selbstständig zu bleiben und ein Leben in der eigenen Häuslichkeit zu ermöglichen. Die geplanten Einschnitte bewertet sie kritisch: Aus ihrer Sicht drohen längere Wartezeiten, höhere Zuzahlungen und spürbare Verschlechterungen in der Versorgung. Besonders problematisch ist, dass Gesundheit und Einkommen eng miteinander verknüpft sind. Schon heute gibt es viele Menschen, die Schwierigkeiten haben, die Zuzahlungen für Heilmittel aufzubringen.
    Auch in der Physiotherapie sind die Belastungsgrenzen längst erreicht. Tobias berichtet von Behandlungszeiten von 15 bis 20 Minuten, in denen zusätzlich Dokumentation sowie Vor- und Nachbereitung stattfinden müssen. Gleichzeitig sei die wirtschaftliche Situation vieler Praxen schwieriger geworden, da die Vergütung mit den allgemeinen Kostensteigerungen nicht Schritt gehalten habe.
    Ein weiteres Problem sehen beide in der zunehmenden Ambulantisierung. Immer mehr Patient:innen werden früher aus dem Krankenhaus entlassen und benötigen anschließend zeitnah Heilmittel. Die dafür notwendigen Kapazitäten wurden jedoch politisch nicht mitgeplant. Tobias fordert deshalb keine Einzelmaßnahmen mehr, sondern eine grundlegende Gesundheitsreform.
    Auch die politischen Ziele rund um Prävention und die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit werden diskutiert. Laura weist darauf hin, dass sich diese Ziele kaum erreichen lassen, wenn gleichzeitig bei den Heilmittelerbringern gespart wird. Christine bestätigt, dass der Zusammenhang zwischen Heilmitteln und der Vermeidung von Pflegebedürftigkeit in politischen Entscheidungen häufig unterschätzt werde.
    Besonders kritisch blickt sie auf die aktuelle Legislaturperiode. Aus ihrer Sicht kommen Beteiligung und fachlicher Austausch deutlich zu kurz. Dabei verweist sie auf eine Zahl, die den volkswirtschaftlichen Nutzen des Gesundheitswesens verdeutlicht: Investitionen in die Versorgung der Versicherten wirken sich unmittelbar positiv auf die Gesamtwirtschaft aus.
    Vor diesem Hintergrund denken immer mehr Praxen darüber nach, ihr Angebot stärker auf Selbstzahlerleistungen auszurichten. Gerade in der Physiotherapie werde dieser Trend zunehmen, weil wirtschaftliches Arbeiten im regulären Kassensystem zunehmend schwieriger werde.
    Auch der Fachkräftemangel bleibt ein zentrales Thema. Beide sind sich einig, dass die Entwicklung seit Jahren absehbar war. Während die Ärzteschaft teilweise von Zuwanderung profitiert, fehlt es bei den Heilmittelerbringern an wirksamen Maßnahmen, um die Berufe attraktiver zu machen. Tobias verweist darauf, dass Beschäftigte im Sozialversicherungsbereich teilweise deutlich höhere Gehälter erhalten als Physiotherapeut:innen.
    Hinzu kommen strukturelle Probleme in der Ausbildung. Lange mussten angehende Physio- und Ergotherapeut:innen ihre Ausbildung sogar selbst finanzieren. Viele angekündigte Reformen wurden zwar diskutiert, aber nicht umgesetzt. Unklar bleibt zudem, wie der Übergang von der Schulgeldfreiheit zu einer vergüteten Ausbildung gestaltet werden soll.
    Laura betont, dass die Wertschätzung von Aus- und Weiterbildung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Als Beispiel nennt sie die Lymphdrainage: Obwohl Physiotherapeut:innen diese bereits in ihrer Ausbildung erlernen, dürfen sie die Leistung erst nach einer zusätzlichen und aufwendigen Weiterbildung abrechnen.
    Christine kritisiert außerdem den Einfluss der Kostenträger auf politische Entscheidungen. Einerseits werde auf steigende Ausgaben verwiesen, andererseits wolle man Leistungen begrenzen – obwohl eine alternde Gesellschaft zwangsläufig einen höheren Versorgungsbedarf mit sich bringt. Aus ihrer Sicht müssten die Kostenträger stärker Rechenschaft über ihre Entscheidungen ablegen.
    Am Ende sind sich alle drei einig: Das Gesundheitssystem braucht eine echte Strukturreform. Fachleute müssen stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, die Vergütung muss verbessert werden und die Probleme der Versorgung dürfen nicht länger ignoriert werden.
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  • 5 Minus

    Pflege zuhause: Eine Krise zwischen Bürokratie und Lebensrealität | Jennifer Höfer

    16.06.2026 | 51 Min.
    Nicht nur das Gesundheitssystem steht vor großen Versorgungsproblemen – auch die Pflege gerät zunehmend an ihre Grenzen. In dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ spricht Dr. Laura Dalhaus mit Jennifer Höfer von Valentcura. Sie begleitet Pflegebedürftige und ihre Angehörigen durch die oft komplizierten Prozesse rund um Pflegegrad, Leistungen und Anträge und unterstützt sie mit ihrer fachlichen Expertise.
    Schnell wird deutlich: Wer mit Pflege in Berührung kommt, sieht sich häufig einem undurchsichtigen Geflecht aus Anträgen, Vorschriften und Datenschutzregelungen gegenüber.
    Jennifer erläutert den gesamten Weg von der Beantragung eines Pflegegrads über die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) bis hin zur konkreten Organisation der Versorgung. Dabei begleitet sie Betroffene häufig auch persönlich bei den MD-Terminen. Gerade ältere Menschen tun sich oft schwer damit, ihre Einschränkungen offen anzusprechen oder Unterstützung anzunehmen. Gleichzeitig bieten diese Begutachtungen die Möglichkeit, notwendige Hilfsmittel zu identifizieren, die den Alltag erheblich erleichtern können.
    Laura weist darauf hin, dass viele Angehörige die Belastung der Grundpflege unterschätzen. Aus ihrer Sicht sollte man sich gut überlegen, ob man diese Aufgaben selbst übernehmen kann. Gleichzeitig stellt sie infrage, warum der Zugang zu Hilfsmitteln in Deutschland häufig so kompliziert ist, obwohl diese die Selbstständigkeit und Lebensqualität deutlich verbessern können.

    Jennifer hält es für sinnvoll, sehr alten Menschen automatisch Pflegegrad 1 zuzuerkennen. Dadurch könnten aufwendige Begutachtungsverfahren reduziert werden, die Fachkräfte und finanzielle Ressourcen binden. Gleichzeitig beobachtet sie politische Diskussionen, die Leistungen rund um Pflegegrad 1 einschränken und pflegende Angehörige benachteiligen könnten, etwa bei der Anrechnung von Rentenpunkten. Stattdessen sollte aus ihrer Sicht die Unterstützung für Menschen gestärkt werden, die ihre Angehörigen zuhause versorgen. Schließlich findet der Großteil der Pflege in Deutschland weiterhin im häuslichen Umfeld statt.

    Ein weiteres Problem sieht Jennifer in der geringen politischen Vertretung pflegender Angehöriger. Während viele andere Gruppen starke Interessenvertretungen haben, fehlt es hier häufig an einer lauten Stimme. Dadurch entsteht zunehmend der Eindruck, dass die Verantwortung für Pflege wieder stärker auf die Familien verlagert wird.

    Dabei verändert die Pflege zuhause oft die gesamte Familiendynamik. Wenn Kinder plötzlich Verantwortung für ihre Eltern übernehmen, entstehen neue Belastungen und Konflikte. Aus Sicht beider Gesprächspartnerinnen benötigen pflegende Angehörige deshalb deutlich mehr psychische und organisatorische Unterstützung.

    Die Pflegekassen sind verpflichtet, innerhalb von 25 Werktagen über Anträge zu entscheiden. Viele Betroffene suchen jedoch erst Hilfe, wenn die Situation bereits eskaliert ist – oft auch, weil finanzielle Sorgen und geringe Renten den Druck zusätzlich erhöhen.

    Gleichzeitig verlassen immer mehr Fachkräfte die direkte Versorgung und wechseln in administrative Tätigkeiten. Für Laura ist das auch eine Folge von Fehlanreizen und überbordender Bürokratie, die wertvolle Arbeitskraft von der eigentlichen Versorgung abzieht.

    Daraus ergibt sich für sie eine zentrale Frage: Wie viel Versorgungspotenzial ließe sich gewinnen, wenn Prozesse vereinfacht und bestimmte Leistungen ohne aufwendige Begutachtungen zugänglich gemacht würden? Schließlich ist Pflegeberatung bereits heute gesetzlich vorgesehen und gehört eigentlich zu den Aufgaben der Krankenkassen.

    Jennifer sieht hier zahlreiche Möglichkeiten. Neben einer stärkeren Vernetzung mit Hausärzt:innen könnte sie sich beispielsweise auch Beratungsangebote in Apotheken vorstellen. Gerade hochbetagte Menschen haben oft weder die Zeit noch die Möglichkeiten, sich selbstständig durch die Informationsflut zu arbeiten.

    Auch Hausärzt:innen werden regelmäßig mit pflegerischen Fragestellungen konfrontiert, obwohl dies häufig nicht ihr eigentlicher Schwerpunkt ist. Laura betont deshalb, dass solche Aufgaben aus ihrer Sicht stärker von spezialisierten Fachkräften übernommen werden sollten. Ihr Wunsch ist es, dass erfolgreiche Pilotprojekte künftig ausgebaut werden und die Pflegeberatung den Stellenwert erhält, den sie angesichts des demografischen Wandels dringend braucht.

    Zur Website von Jennifer: www.valentcura.de

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  • 5 Minus

    Auch in der Medizin vorhanden: Machtmissbrauch und Rollenbilder | Dr. Andrea Morawe

    09.06.2026 | 59 Min.
    Auf dem Deutschen Ärztetag haben Medizinstudentinnen ein Thema öffentlich gemacht, das in der Medizin viel zu lange weggeschoben wurde: sexuelle Belästigung, sexuelle Grenzüberschreitungen und Machtmissbrauch.
    In der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ spricht Dr. Laura Dalhaus darüber mit Dr. Andrea Morawe.
    Oft kommt bei solchen Berichten sofort die Reaktion: „Bei uns gibt es das nicht.“ Genau deshalb ordnet Andrea zunächst ein, worum es überhaupt geht. Sexuelle Belästigung kann bereits durch unangemessene Kommentare, Blicke oder Gesten entstehen. Von einer sexuellen Grenzüberschreitung sprechen wir dann, wenn die Würde einer Person verletzt wird.
    Auf dem Deutschen Ärztetag berichteten Studentinnen davon, dass sie auf Hotelzimmer eingeladen wurden und Gespräche mit ihnen weniger um Berufspolitik, sondern plötzlich um private Themen kreisten. Gerade in der Berufspolitik treffen junge Frauen häufig auf Strukturen, die noch immer stark vom Bild des „alten weißen Mannes“ geprägt sind.
    Dass solche Erfahrungen keine Einzelfälle sind, zeigt auch eine Umfrage des Marburger Bundes. Fast die Hälfte der Befragten gab an, bereits Machtmissbrauch am ärztlichen Arbeitsplatz erlebt zu haben.
    Ein wichtiger Punkt sind die Hierarchien in der Medizin. Besonders in der Chirurgie sind Ärzt:innen in Weiterbildung darauf angewiesen, bestimmte Eingriffe zu bekommen. Dadurch entstehen Abhängigkeiten von Vorgesetzten, die über OP-Pläne, Weiterbildung und Karrierewege entscheiden.
    Andrea erklärt diese Dynamiken auch über das Konzept der toxischen Männlichkeit. Viele Jungen lernen früh, Gefühle zu unterdrücken, nicht zu weinen und Kontrolle mit Stärke gleichzusetzen. In hierarchischen Systemen kann das problematische Verhaltensweisen verstärken. Das ist keine Entschuldigung, aber ein Erklärungsansatz. Wer merkt, dass Hilflosigkeit oder Frust regelmäßig in Aggression umschlagen, sollte sich Hilfe holen – denn solche Muster können langfristig auch in Gewalt münden.
    Laura und Andrea machen aber auch klar: Machtmissbrauch ist kein rein männliches Thema. Auch Frauen können Machtpositionen ausnutzen oder schlecht führen. Dahinter stehen oft Überforderung, Unsicherheit oder fehlende Reflexion.
    Im Kern geht es beiden um Gleichberechtigung. Frauen wollen keine Sonderbehandlung, sondern faire Strukturen und den Abbau von Machtgefällen.
    Laura spricht dazu auch über den Fall an der Universitätsklinik Essen, bei dem der Chefarzt der Gynäkologie keine Schwangerschaftsabbrüche durchführen wollte – auch keine medizinisch indizierten. Daran diskutieren die beiden, wie sehr Schwangerschaftsabbrüche historisch und politisch immer wieder zur Bevölkerungs- und Geburtenkontrolle genutzt wurden. Für sie ist klar: Frauen müssen ihren Lebensweg selbst bestimmen können. Dafür braucht es familienfreundliche Politik und echte Gleichbehandlung der Geschlechter.
    Im weiteren Verlauf sprechen Laura und Andrea über ihre eigenen Erfahrungen, über Erziehung, Kindheit und gesellschaftliche Rollenbilder. Auch Kinderbücher kommen zur Sprache, weil sie früh prägen, welches Bild von Männern, Frauen und Familie vermittelt wird.
    Andrea bringt außerdem ihre Perspektive aus Ostdeutschland ein. Die Jahre nach der Wende waren dort stark von Arbeitslosigkeit und Unsicherheit geprägt. Solche Erfahrungen wirken bis heute nach und können ein Nährboden für politische Strömungen sein, die traditionelle Rollenmodelle wieder stärker machen wollen.
    Am Ende steht der Appell: Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, in denen Familie, Beruf und Gleichberechtigung zusammen funktionieren. Und jedes Wahlkreuz hat Konsequenzen, auch für die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen.
    Zum Buch von Alicia Baier „Das Patriarchat im Uterus“: https://www.genialokal.de/Produkt/Alicia-Baier/Das-Patriarchat-im-Uterus_lid_55333313.html

    Zum Buch „Wenn die letzte Frau den Raum verlässt“: https://www.genialokal.de/Produkt/Vincent-Immanuel-Herr-Martin-Speer/Wenn-die-letzte-Frau-den-Raum-verlaesst_lid_54081188.html

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  • 5 Minus

    Wir sparen an der Zukunft - Psychotherapie für Kinder und Jugendliche | Katja Udolph

    02.06.2026 | 51 Min.
    Wie sieht die aktuelle Lage der Psychotherapie aus, in Anbetracht des GKV-Stabilisierungsgesetzes? Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Katja Udolph. Diese engagiert sich aktiv gegen die geplanten Einschnitte und vertritt eine Bundestagspetition im Petitionsausschuss.
    Im Mittelpunkt steht die Sorge, dass ausgerechnet ein ohnehin überlasteter Versorgungsbereich finanziell geschwächt werden soll. Nach einer bereits beschlossenen Kürzung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 Prozent drohen durch weitere Regelungen zusätzliche Einschränkungen. Katja macht deutlich, dass dies nicht nur die wirtschaftliche Situation von Praxen verschärft, sondern langfristig auch die Versorgung von Patient:innen gefährden kann. Steigende Kosten für Personal, Miete, Energie und Verwaltung treffen auf ein System, das gleichzeitig weniger finanzielle Spielräume bietet.
    Besonders kritisch sehen beide die Situation von Kindern und Jugendlichen. Schon heute sind die Wartezeiten auf einen Therapieplatz vielerorts enorm. Wenn junge Menschen Monate oder sogar Jahre auf Unterstützung warten müssen, gehen wichtige Entwicklungsphasen verloren. Psychische Erkrankungen in jungen Jahren beeinflussen häufig den weiteren Bildungsweg, die Berufsperspektiven und die gesellschaftliche Teilhabe. Für Laura und Katja ist deshalb klar: Jeder nicht behandelte Fall kann langfristig hohe persönliche und gesellschaftliche Folgekosten verursachen.
    Auch die Reform der Psychotherapeutenausbildung wird kritisch beleuchtet. Katja berichtet, dass Pädagog:innen früher über einen alternativen Weg Zugang zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie hatten. Mit der Neustrukturierung der Ausbildung ist dieser Weg weitgehend weggefallen. Dadurch verliert die Versorgung aus ihrer Sicht eine Berufsgruppe, die gerade im Umgang mit Kindern und Jugendlichen wertvolle Kompetenzen mitbringt. Die ursprüngliche Reformidee sei zwar sinnvoll gewesen, müsse aber an einigen Stellen dringend nachgebessert werden.
    Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bedarfsplanung. Derzeit werden Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen gemeinsam mit Psychotherapeut:innen für Erwachsene erfasst. Das führt dazu, dass Regionen offiziell als ausreichend versorgt gelten, obwohl für junge Patient:innen tatsächlich ein erheblicher Mangel besteht. Katja plädiert deshalb für eine eigenständige Bedarfsplanung, die den tatsächlichen Versorgungsbedarf von Kindern und Jugendlichen abbildet.
    Die beiden sprechen außerdem über die Realität im Praxisalltag. Überlastete Strukturen, Personalmangel und organisatorische Hürden erschweren die Arbeit zunehmend. Katja schildert Probleme mit der Terminservicestelle, über die teilweise sogar Erwachsene auf Termine von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen vermittelt werden. Gleichzeitig erleben Hausärzt:innen und Psychotherapeut:innen täglich Menschen mit dringendem Behandlungsbedarf, für die es oft keine zeitnahe Lösung gibt.
    Auch das Verhältnis zwischen den verschiedenen Fachgruppen wird thematisiert. Laura kritisiert, dass der zunehmende Verteilungskampf um begrenzte Ressourcen die Zusammenarbeit erschwert. Statt gegeneinander um Budgets zu konkurrieren, müssten ambulante Leistungserbringer gemeinsam für bessere Rahmenbedingungen eintreten.
    Beim Thema Primärarztsystem vertreten die beiden differenzierte Positionen. Während Laura die Vorteile einer besseren Steuerung von Patient:innen betont, weist Katja darauf hin, dass psychische Erkrankungen besondere diagnostische und therapeutische Zugänge erfordern. Die psychotherapeutische Sprechstunde erfülle bereits heute eine wichtige Lotsenfunktion und ermögliche eine gezielte Einschätzung des individuellen Hilfebedarfs.
    Zum Abschluss richtet sich der Blick auf die politische Ebene. Katja berichtet von ihrem Engagement als „Frau in Orange“ und ihrem Ziel, psychischen Erkrankungen mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Gemeinsam appellieren beide an die Politik, die ambulante Versorgung nicht weiter zu schwächen. Eine funktionierende Psychotherapie sei kein Luxus, sondern eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, Bildungschancen und langfristige Gesundheit.
    Zur Bundestagspetition: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2026/_03/_22/Petition_196912.html
    Zur Website von Katja: www.diefrauinorange.de

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    Wie kann ein selbstbestimmtes Lebensende aussehen? Ein juristischer Blick | Hendrik Hörnlein

    26.05.2026 | 1 Std. 17 Min.
    Triggerwarnung: Suizid
    Seitdem das Bundesverfassungsgericht das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe aufgehoben hat, besteht in Deutschland ein juristisches Vakuum. Genau darüber spricht Dr. Laura Dalhaus mit dem Fachanwalt für Medizinrecht Hendrik Hörnlein.
    Ausgangspunkt war das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht ein neues Grundrecht abgeleitet hat: das Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Jeder Mensch soll selbst entscheiden können, wie und wann er sterben möchte – unabhängig von äußeren Vorgaben oder Lebenssituationen. Gleichzeitig hat das Gericht dem Gesetzgeber Hinweise gegeben, wie sich dieses Recht mit dem Schutz des Lebens vereinbaren ließe. Deshalb wird heute häufiger von assistiertem Suizid gesprochen als von Sterbehilfe.
    Das Urteil stammt aus dem Jahr 2020. Kurz danach dominierte jedoch die Covid-Pandemie die politische Agenda, sodass eine neue gesetzliche Regelung bislang ausblieb.

    In den vergangenen Jahren sorgten mehrere Fälle für Aufmerksamkeit, bei denen Ärzt:innen Menschen beim Suizid unterstützt haben. Besonders kontrovers diskutiert wurde der Fall einer 40-jährigen Frau mit Depressionen. Hier stellt sich die Frage der Freiverantwortlichkeit besonders deutlich. Grundsätzlich gilt: Suizid ist in Deutschland nicht strafbar – und damit auch die Beihilfe nicht. Juristisch entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Selbsttötung und Fremdtötung.

    Laura berichtet aus ihrer Erfahrung in der Palliativmedizin. Dort gehe es darum, Menschen am Lebensende zu begleiten und Leiden zu lindern. Für sie gibt es Situationen, in denen ein selbstbestimmtes Sterben nachvollziehbar erscheint – etwa bei schweren, unheilbaren Erkrankungen mit absehbarem tödlichem Verlauf. Eine Depression zählt für sie jedoch nicht dazu.

    In der gesellschaftlichen Debatte taucht häufig das sogenannte Dammbruch-Argument auf: Die Sorge, ältere Menschen könnten sich unter gesellschaftlichem Druck eher für einen assistierten Suizid entscheiden. Gleichzeitig erleben Ärzt:innen immer wieder, dass Entscheidungen am Lebensende später juristisch hinterfragt werden. Das führt zu großer Unsicherheit im Umgang mit Patient:innen. Hendrik erläutert deshalb die Unterschiede zwischen direkter und indirekter Sterbehilfe anhand konkreter Beispiele.

    Laura beschreibt außerdem die Realität der Notfallmedizin. Dort werde oft eine Maximaltherapie fortgeführt, weil die Behandlung bereits begonnen wurde und anschließend jede Komplikation weiter therapiert wird. Angehörige seien mit solchen Situationen häufig überfordert. In diesem Zusammenhang sprechen die beiden über Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Hendrik erklärt die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen dieser Instrumente. Neben professionellen Betreuern können auch Angehörige bevollmächtigt werden. Für Laura ist entscheidend, dass es eine Person gibt, die den eigenen Willen zuverlässig vertreten kann. Konflikte innerhalb von Familien entstehen dabei nicht selten – insbesondere, wenn finanzielle oder erbrechtliche Fragen eine Rolle spielen.

    Außerdem diskutieren die beiden die Strafnorm zur Tötung auf Verlangen. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Menschen körperlich nicht mehr in der Lage sind, die letzte Handlung selbst vorzunehmen und dadurch auf Unterstützung angewiesen wären. Laura erzählt in diesem Zusammenhang von einer 103-jährigen Patientin, der sie aus moralischen und juristischen Gründen kein weiteres Leiden ersparen konnte.

    Abschließend geht es auch um Sterbehilfeorganisationen. Diese schaffen bestimmte prozedurale Voraussetzungen, organisieren psychiatrische Begutachtungen und können Menschen beim assistierten Suizid begleiten.

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Über 5 Minus
5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel. Das Gesundheitssystem kollabiert und das hat Konsequenzen. Darüber spreche ich mit Menschen, um Ideen und Lösungswege zu entwickeln. Denn Politik hat leider in den letzten 20 Jahren bewiesen, dass sie es aus unterschiedlichen Gründen nicht kann. Wir starten einen Versuch. https://linktr.ee/LauraDalhaus
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Generated: 6/24/2026 - 4:46:08 AM