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5 Minus

Dr. Laura Dalhaus
5 Minus
Neueste Episode

92 Episoden

  • 5 Minus

    Medizin-Controlling zwischen Widerspruch, Verschlüsselung und Wahnsinn | Martin Sonntag

    15.09.2026 | 55 Min.
    Wie kommt ein Krankenhaus eigentlich an sein Geld? Ein Teil der Antwort heißt Medizin-Controlling. Medizin-Controller:innen beschäftigen sich mit der Verschlüsselung von Leistungen, machen sie damit abrechenbar – und landen regelmäßig in Auseinandersetzungen mit Krankenkassen und dem Medizinischen Dienst.
    Ein Thema, über das sich Dr. Laura Dalhaus immer wieder ordentlich echauffiert. Deshalb hat sie Martin Sonntag, selbst Medizin-Controller, zu „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ eingeladen.
    Im Krankenhaus dreht sich bei der Abrechnung vor allem alles um zwei Bereiche: die DRG-Abrechnung und die Abrechnung der Fachabteilung der Psychiatrie.
    Klingt technisch. Ist es auch.
    Medizin-Controlling kann man sogar studieren. Denn Medizin ist eben nicht schwarz oder weiß – und bei der Frage, was wie abgerechnet werden darf, gehen die Vorstellungen durchaus auseinander.
    Martins Hauptaufgabe besteht darin, Gutachten zu prüfen und Widersprüche zu verfassen. Aktuell gibt es rund 1,3 Millionen Krankenhaus-Abrechnungsprüfungen durch den Medizinischen Dienst. Durch das GKV-Spargesetz könnten es künftig rund zwei Millionen mehr werden.
    Derzeit liegt die Prüfquote bei 10 Prozent. Damit landet jede zehnte Krankenhausrechnung beim Medizinischen Dienst. Etwa die Hälfte der geprüften Rechnungen wird negativ beanstandet.
    Und wenn es anschließend vor Gericht geht, braucht niemand mit einer schnellen Entscheidung zu rechnen. Ein Klageverfahren kann allein in der ersten Instanz gut fünf Jahre dauern. Bis ein Urteil vorliegt, sind die betroffenen Patient:innen häufig schon neun oder zehn Jahre aus dem Krankenhaus entlassen.
    Nur geht die Rechnung dabei nicht wirklich auf: Betrachtet man allein die Zahlen, bringen die Prüfungen weniger ein, als die damit verbundenen Kosten eigentlich rechtfertigen würden.
    Durch die Rechnungskürzungen erhofft sich der Gesetzgeber Einsparungen von 1 bis 1,6 Milliarden Euro. Welche zusätzlichen Verwaltungskosten die veränderten Prüfquoten verursachen, scheint für die Politik dabei keine entscheidende Rolle zu spielen.
    Besonders absurd wird es an einem anderen Punkt: Menschen, die heute Jobs wie Martin machen, kommen ursprünglich häufig aus der Patient:innenversorgung. Gleichzeitig soll dieser Bereich weiter ausgebaut werden – und damit fehlen genau diese Fachkräfte an anderer Stelle in der Versorgung.
    Natürlich landet auch die Dokumentation wieder auf dem Tisch. Der MD hinterfragt regelmäßig, ob das Dokumentierte tatsächlich stimmt. Teilweise entsteht dabei der Eindruck, dass der Nachweis über die geleistete Arbeit wichtiger geworden ist als die eigentliche Arbeit mit und an Patient:innen.
    Laura kritisiert außerdem, dass der Facharztstandard beim Medizinischen Dienst nicht immer eindeutig ist und auch nicht in jedem Fall zu den zu prüfenden Fällen passt.
    Dahinter steckt eine Misstrauenskultur: Der MD geht davon aus, dass Controller:innen zusammensitzen und überlegen könnten, wie sich Krankenkassen bei der Abrechnung austricksen lassen.
    Auch bei der geplanten Verringerung der Zahl der Krankenkassen sieht Laura ein Problem. Gerade kleinere Krankenkassen, die sehr gute Arbeit leisten, könnten dabei verschwinden. Gleichzeitig braucht es keine 93 Krankenkassen.
    Bei all den Prüfquoten, Gutachten, Widersprüchen und Abrechnungen gerät ein Punkt erstaunlich schnell aus dem Blick: die Patient:innenbehandlung.
    Denn hinter jedem Fall, über den entschieden und gestritten wird, steht ein Mensch.
    Martin rechnet im kommenden Jahr mit noch mehr MD-Prüfungen und noch mehr negativen Gutachten. Ein ziemlich ernüchternder Ausblick.
    Die beiden wollen deshalb noch einmal miteinander sprechen, sobald das neue Jahr läuft – und dann schauen, was die Veränderungen für den Alltag im Medizin-Controlling tatsächlich bedeuten.

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  • 5 Minus

    Apotheke oder Hausarztpraxis: Wer übernimmt was? | Leon Preschel

    08.09.2026 | 1 Std. 19 Min.
    Eine Berufsgruppe hat bei „5 Minus“ bislang komplett gefehlt: Apotheker:innen. Nachdem Laura Dalhaus' Aussage zum Impfen in Apotheken ordentlich Diskussionsstoff geliefert hat, ist diesmal Leon Preschel zu Gast – Apotheker und damit direkt mittendrin in einer Versorgung, die politisch immer weiter umgebaut wird.
    Sein Urteil zur Gesundheitspolitik fällt in vielen Punkten negativ aus. Bei der Apothekenreform und der Erweiterung der Kompetenzen sieht er allerdings auch Chancen.
    Los geht es mit einem Thema, das schon vorher für Reibung gesorgt hat: Impfen in Apotheken. Laura erklärt, wie Impfungen in Hausarztpraxen vergütet werden und warum Regresse dabei weiterhin ein reales Risiko sind.
    Dabei wäre das Ziel eigentlich simpel: Die Impfquote soll steigen.
    Danach geht es um POC, also Point of Care-Diagnostik. Apotheker:innen sollen damit Werte wie Vitamin D oder B12 unkompliziert bestimmen können. Leon beschreibt, dass Patient:innen teilweise schon daran scheitern, überhaupt Ärzt:innen zu finden. Apotheken könnten deshalb einen Teil dieser Versorgungslücke auffangen.
    Aber Versorgung funktioniert nicht im Alleingang. Deshalb sprechen die beiden auch über die Zusammenarbeit zwischen Apotheken und Praxen. Leon wünscht sich dafür einen funktionierenden technischen Kommunikationsweg.
    Außerdem erklärt er, was bei einer Medikationsanalyse passiert. Denn in der Realität läuft es eben nicht immer sauber zusammen: Ein:e Fachärzt:in empfiehlt das eine Medikament, ein:e andere:r das nächste – und am Ende passen die Präparate womöglich gar nicht zusammen.
    Auch bei Originalpräparaten und Generika steckt einiges an Sprengstoff drin, vor allem finanziell. Leon spricht außerdem über Import-Arzneimittel und die Unterschiede zu hier vertriebenen Arzneimitteln. Wirkungen und Nebenwirkungen können sich unterscheiden. Deshalb schaut er genau auf die einzelnen Patient:innen und mögliche Wechselwirkungen.
    Und dann geht es an ein größeres Thema: Wie blickt ein Pharmazeut eigentlich auf die Pharmaindustrie? Und was ist von Tino Sorges Aussage zu halten, die Gesundheitsversorgung sei für den Pharmastandort Deutschland verantwortlich?
    Leon trennt hier klar zwischen forschenden Pharmaunternehmen und Generika-Herstellern. Für ihn ist entscheidend, dass Produktionsstätten für Medikamente in Europa bleiben und nicht weiter nach Asien und in andere Regionen ausgelagert werden.
    Laura bringt anschließend das Dispensierrecht auf den Tisch, besonders mit Blick auf den Notdienst. Die Situation kennt sie aus der eigenen Praxis: Sie fährt im Notdienst zu einer Person, verschreibt ein Medikament – und danach darf die Person erst einmal herausfinden, wo überhaupt eine Notapotheke geöffnet hat.
    Leon hat Ideen für eine andere Organisation des Apotheken-Notdienstes. Das Dispensierrecht selbst sieht er jedoch kritisch.
    Laura macht deutlich: Gerade in kritischen und akuten Situationen braucht es die Zusammenarbeit von Apotheken und Praxen vor Ort. Genau dann zählt nicht irgendeine Versandstruktur, sondern eine funktionierende Versorgung direkt vor Ort.
    Auch Leon sieht insbesondere ausländische Versandapotheken kritisch. Für ihn sind sie eher Logistikunternehmen als echte Versorgungsstrukturen.
    Und am Ende bleibt ein Punkt, der sich nicht schönreden lässt: Die Politik darf die Rahmenbedingungen dieser Berufe nicht weiter kaputtmachen. Fachkräftemangel gibt es längst, Apotheken verschwinden und immer weniger Menschen ziehen Medizin überhaupt noch als Beruf in Betracht.
    Leon auf Instagram und TikTok: @leon.pharmazie
    Leon’s Onlineshop: www.leon-pharmazie.shop
    Foto von Leon: Wort & Bild Verlag / Andreas Müller
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  • 5 Minus

    Gynäkologie in 2027: Wie sieht die Versorgung aus? | Esther Scherrenbacher

    01.09.2026 | 1 Std.
    Die ambulante Versorgung steht massiv unter Druck – und das betrifft auch die Gynäkologie. Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Dr. Esther Scherrenbacher.
    Für Esther ist derzeit völlig offen, wie viele Schwangere sie 2027 noch in ihrer Praxis betreuen kann. Grund dafür sind die Auswirkungen des GKV-Spargesetzes. Als Gynäkologin macht sie diese Unsicherheit betroffen, denn bislang war es selbstverständlich, Schwangere zuverlässig versorgen zu können.
    Laura kritisiert außerdem einen Widerspruch im System: Krankenkassen erinnern Patient:innen an Präventionsangebote – teilweise sogar dann, wenn diese Untersuchungen gerade erst stattgefunden haben. Hintergrund ist, dass die Kassen verpflichtet sind, bestimmte Mittel für Prävention einzusetzen. Gleichzeitig werden jedoch Leistungen wie die gynäkologische Krebsvorsorge und die Betreuung von Schwangeren budgetiert.
    Eine klassische Warteliste führt Esther inzwischen nicht mehr. Der organisatorische Aufwand dafür war für ihre MFAs schlicht zu groß. Stattdessen arbeitet sie erfolgreich mit kurzfristig verfügbaren Last-Minute-Terminen. Ihre offene Sprechstunde wird sie mit Blick auf 2027 allerdings neu strukturieren müssen.
    Auch Laura hat in ihrer Praxis bereits verschiedene Konsequenzstufen eingeführt. Viele Leistungen aus ihren Zusatzqualifikationen hat sie bisher ohne zusätzliche Berechnung angeboten. Im kommenden Jahr wird das so voraussichtlich nicht mehr möglich sein. Leistungen aus Bereichen wie Sportmedizin, manueller Therapie oder Ernährungsmedizin wird sie dann häufiger als IGEL-Leistungen abrechnen müssen.
    Zusätzlich kompliziert wird die Situation dadurch, dass ein und dieselbe Leistung nicht einmal gesetzlich und ein anderes Mal privat abgerechnet werden darf. Berufsrechtlich ist genau das untersagt.
    Auch bei der Mammographie zeigt sich für die beiden Ärztinnen ein Widerspruch: Die Leistung wurde budgetiert, während gleichzeitig der Kreis der Patientinnen erweitert wurde, die einen Anspruch darauf haben.
    Esther stammt selbst aus einer Familie von Gynäkologen und ist mit großer Leidenschaft Ärztin. Trotzdem sorgen die aktuellen Rahmenbedingungen bei ihr zunehmend für Unruhe.
    Ein weiteres Thema sind mögliche Regresse. So kann Esther beispielsweise in der Schwangerschaft nicht ohne Weiteres eine TSH-Bestimmung durchführen, obwohl diese Untersuchung die Versorgung in bestimmten Situationen deutlich vereinfachen könnte.
    Laura macht deutlich, dass ein funktionierendes Gesundheitssystem auch eine demokratische Bedeutung hat. Gerade angesichts der aktuellen politischen Lage ist es besonders wichtig, eine stabile und verlässliche Gesundheitsversorgung zu sichern.
    Umso wichtiger ist für beide Ärztinnen der Austausch mit Kolleg:innen. Laura beobachtet inzwischen eine Art zunehmenden Widerstand innerhalb der Ärzteschaft gegenüber politischen Entscheidungen. Die Möglichkeiten, darauf aufmerksam zu machen, sind allerdings begrenzt – streiken dürfen Ärzt beispielsweise nicht ohne Weiteres.
    Viele Patient wissen bislang kaum, welche Veränderungen 2027 auf sie zukommen könnten. Entsprechend groß dürfte bei einigen die Überraschung sein, wenn bestimmte Angebote künftig nicht mehr im bisherigen Umfang verfügbar sind.
    Von Herrn Linnemann wünscht sich Esther vor allem eine Entbudgetierung der ambulanten Versorgung. Hinzu kommen für sie der dringend notwendige Abbau von Bürokratie, eine konsequentere Digitalisierung und mehr Wertschätzung für die Arbeit der niedergelassenen Ärzt:innen seitens der Politik.
    Laura kritisiert, dass die Bedeutung der ambulanten Ärzteschaft für das Funktionieren des gesamten staatlichen Systems politisch offenbar unterschätzt werde. Viele Aufgaben und Bescheinigungen, die heute in den Praxen erledigt werden, könnten nicht einfach auf den stationären Bereich übertragen werden – insbesondere dann nicht, wenn dort zusätzlich umfangreiche Papierstapel bearbeitet werden müssten.
    Zum Abschluss geht es außerdem um § 218. Beim Deutschen Ärztetag 2025 hat sich Laura intensiv dafür eingesetzt, dass sich die Ärzteschaft geschlossen gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen positioniert. Eine einheitliche Haltung innerhalb der Gynäkologie nimmt sie in dieser Frage bislang jedoch nicht wahr.
    Zum Instagram-Profil von Esther: https://www.instagram.com/dr.scherrenbacher

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  • 5 Minus

    Wir bürokratisieren die Pflege kaputt | Christine Vogler

    25.08.2026 | 1 Std. 4 Min.
    Wir alle werden älter – und damit wächst auch die Zahl der Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Ohne Pflege wird das nicht funktionieren. Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Christine Vogler, Vorsitzende des Deutschen Pflegerats.
    In Deutschland kommen 1,7 Millionen Pflegende auf 6 Millionen Pflegebedürftige allein in der ambulanten Versorgung. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird der Bedarf in den kommenden fünf bis zehn Jahren massiv steigen.
    Damit nähert sich das System einem Kipppunkt: Wie lange können wir die notwendige Versorgung unter den aktuellen Bedingungen überhaupt noch finanzieren und sicherstellen?

    Ein großer Teil des Problems ist die Bürokratie. Zwischen 20 und 30 Prozent der Arbeitszeit entfallen auf Dokumentation. Gleichzeitig sorgen zahlreiche Prüfmechanismen dafür, dass nahezu jeder Schritt nachgewiesen werden muss.

    Der Deutsche Pflegerat setzt sich deshalb dafür ein, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern, statt die Belastungen weiter zu erhöhen.

    Laura erlebt die Auswirkungen der Bürokratie regelmäßig im Altenheim. Besonders der Medizinische Dienst bringt sie auf die Palme, wenn für jede mögliche Eventualität eine zusätzliche schriftliche Anordnung verlangt wird.

    Für Christine beginnt der Irrsinn bereits bei den unterschiedlichen Zuständigkeiten und Finanzierungssystemen. Ein Toilettenstuhl wird beispielsweise mal von der Pflegekasse und mal von der Krankenkasse bezahlt – abhängig von der jeweiligen Situation der pflegebedürftigen Person.

    Durch das neue GKV-Stabilisierungsgesetz wurde zudem ein großer Teil dessen zunichte gemacht, was zuvor auf politischer Ebene durch die Deutsche Krankenhausgesellschaft und verdi erarbeitet worden war.

    Laura sieht noch ein weiteres strukturelles Problem: Health Care Professionals bringen häufig ein besonders ausgeprägtes Verantwortungsgefühl mit. Die Kolleg:innen im Stich zu lassen, kommt für viele schlicht nicht infrage – selbst wenn die eigene Belastungsgrenze längst erreicht ist.

    Gleichzeitig unterscheidet sich die Pflege in Deutschland deutlich von anderen Ländern, in denen sie als Studium organisiert ist. Die Pflegeausbildung ist hochkomplex und umfasst zahlreiche Bereiche – von Gyn über Kinder und Psychiatrie bis hin zur Altenpflege.

    Für Laura ist deshalb völlig unverständlich, warum diese gut ausgebildeten Fachkräfte nicht deutlich mehr Verantwortung übernehmen dürfen. Eine Pflegeverordnung kann eine erfahrene Pflegekraft in vielen Fällen besser beurteilen als ein:e Ärzt:in. Auch Christine sieht großes Potenzial in der interprofessionellen Zusammenarbeit: Jeder Beruf sollte seine tatsächlichen Kompetenzbereiche auch ausleben dürfen.

    Die beiden sprechen außerdem darüber, dass identische oder vergleichbare Leistungen unterschiedlich vergütet werden – abhängig davon, wer sie erbringt. Ein Beispiel ist das Impfen, das in der Hausarztpraxis budgetiert ist. Gleichzeitig macht Laura die Vorstellung wütend, dass das Gesundheitssystem auch noch Verantwortung für den Pharmastandort Deutschland übernehmen soll. Währenddessen müssen Pflegekräfte dokumentieren, ob sie einer pflegebedürftigen Person die Haare gekämmt haben. Wie soll das zusammenpassen?

    Auch bei medizinischen Tätigkeiten gibt es Grenzen, die Laura und Christine hinterfragen. Aufgaben wie Drainagen, Blut abnehmen oder Zugänge legen könnten teilweise von Pflegekräften übernommen werden, dürfen aber nur von Ärzt:innen durchgeführt werden. Statt Versorgung zu erleichtern, stehen solche Strukturen einer guten Patientenversorgung mitunter sogar im Weg.

    Doch wie sieht es auf politischer Ebene aus?

    Christine arbeitet als Präsidentin des Deutschen Pflegerats ehrenamtlich. In Deutschland gibt es lediglich zwei Kammern, auf Bundesebene fehlt es jedoch an einer klaren Aufgabenübertragung an die Pflege. Auch zentrale Stellen oder eine Pflegeberichterstattung existieren nicht. Für eine vernünftige Planung der Gesundheitsversorgung ist das aus ihrer Sicht eine Katastrophe.

    Hinzu kommt die aktuelle Diskussion um Kürzungen bei den Pflegegraden. Auch soziale Ungerechtigkeiten werden dadurch verschärft, dass keine Rentenpunkte mehr gesammelt werden sollen, wenn Menschen ihre Angehörigen pflegen.

    Laura würde sich stattdessen ein deutlich einfacheres Prinzip wünschen: Behandelt werden sollte das, was tatsächlich behandelt werden muss.

    Ein Kernproblem bleibt für sie der Medizinische Dienst und die damit verbundene Bürokratie. Das Misstrauen gegenüber Health Care Professionals ist enorm, während bestehende Verwaltungsstrukturen behandelt werden, als wären sie „gottgegeben“. Ähnliches erlebt sie bei den Krankenkassen: Statt Versorgung einfacher zu machen, wird nach Fehlern bei Ärzt:innen gesucht, um Leistungen am Ende nicht bezahlen zu müssen.

    Zur Website vom Deutschen Pflegerat: https://deutscher-pflegerat.de/

    Zum Deutschen Pflegerat auf Instagram: https://www.instagram.com/deutscher_pflegerat/

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  • 5 Minus

    Sind Frauen die besseren Chirurg:innen? | Die Chirurginnen e.v. - Gaby Sbrisny & Paula Beck

    18.08.2026 | 1 Std. 2 Min.
    Die Chirurgie liegt Dr. Laura Dalhaus besonders am Herzen. Umso mehr freut sie sich, in dieser Folge von "5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel" gleich zwei Chirurginnen zu Gast zu haben: Gaby Sbrisny, niedergelassene Allgemeinchirurgin und Gefäßchirurgin, und Paula Beck, Traumatologin und Allgemeinchirurgin vom Verein „Die Chirurginnen“.
    Paula macht deutlich, dass es in der Chirurgie lange dauert, bis man wirklich selbstständig arbeiten kann. Gerade am Anfang ist es entscheidend, erfahrene Kolleg:innen an der Seite zu haben, die einen anleiten und unterstützen.
    Eigentlich müsste die Ausbildung deshalb von Beginn an fest in den Klinikalltag integriert sein. In der deutschen Gesundheitsversorgung läuft Aus- und Weiterbildung jedoch häufig eher nebenher und wird irgendwie zusätzlich zum normalen Betrieb mitgemacht.
    Dass es anders gehen kann, zeigt die Schweiz: Dort erhalten Krankenhäuser Geld für Weiterbildungsassistent:innen und Ausbildungszeit wird innerhalb der regulären Arbeitszeit ermöglicht.
    Auch Gaby sieht deutliche Lücken in der chirurgischen Ausbildung. Gerade die vermeintlich „popelige“ Chirurgie wird im Krankenhaus häufig kaum noch vermittelt – beispielsweise die Behandlung von Lipomen oder eingewachsenen Zehennägeln.
    Laura beobachtet mit Sorge, dass dadurch echte ärztliche Kunst zunehmend verloren geht, während Checklisten-Medizin immer stärker in den Vordergrund rückt.
    Aus ihrer eigenen Zeit in der Chirurgie kennt Laura auch die Selbstzweifel, wenn ein Eingriff nicht so läuft wie geplant. Für Paula gehört genau diese Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln zum Beruf. Komplikationen lassen sich nicht vollständig verhindern – entscheidend ist, wie man damit umgeht. Wer sich irgendwann gar keine Gedanken mehr darüber macht, sollte ihrer Meinung nach überlegen, ob die Chirurgie noch der richtige Beruf ist.
    Laura bringt außerdem eine Studie ins Gespräch, nach der Frauen in der Chirurgie bessere Ergebnisse erzielen als Männer. Gemeinsam diskutieren die drei darüber, welche Rolle das Geschlecht tatsächlich spielt.
    Ein Faktor könnte die Kommunikation sein: So zeigen sich bessere Ergebnisse, wenn Frauen von Frauen operiert werden.
    Gleichzeitig gibt es weiterhin Se*ismus-Vorwürfe und Berichte darüber, dass berufliche Karrieren von Frauen aktiv behindert werden. Paula beobachtet darüber hinaus Unterschiede in der Art und Weise, wie gearbeitet wird.
    Genau deshalb ist der Verein „Die Chirurginnen“ so wichtig. Er schafft Vorbilder und zeigt jungen Frauen, welche unterschiedlichen Karrierewege ihnen innerhalb der Chirurgie offenstehen.
    Denn auch die Chirurgie kämpft längst mit einem Nachwuchsproblem – genau wie viele andere medizinische Fachrichtungen.
    In der Berufspolitik ist inzwischen angekommen, wie wichtig es ist, junge Ärzt:innen frühzeitig einzubinden. Laura erlebt allerdings immer wieder, dass sich PJler nach einem Tertial in der Chirurgie bewusst gegen das Fach entscheiden.
    Eine weitere Herausforderung ist die enorme Menge an praktischer Erfahrung, die notwendig ist, um eine gute Chirurgin oder ein guter Chirurg zu werden. Laura selbst hat immer gerne und viel gearbeitet. Die erforderlichen Stunden im OP vergleicht sie mit einem hochkomplexen Sport oder dem Erlernen eines Instruments: Eine halbe Stunde Training pro Woche reicht schlicht nicht aus, um wirklich gut zu werden.
    Genau darin liegt jedoch auch ein großes Problem. Die notwendige Arbeitsbelastung und der hohe Anspruch führen gleichzeitig dazu, dass viele Menschen ausbrennen.
    Zum Abschluss richten Laura, Gaby und Paula den Blick auf die Gesundheitspolitik. Die drei diskutieren über den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann und darüber, welche Wünsche und Erwartungen sie als Ärztinnen an ihn haben.

    Zum Verein: https://chirurginnen.com/

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    Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
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Über 5 Minus
5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel. Das Gesundheitssystem kollabiert und das hat Konsequenzen. Darüber spreche ich mit Menschen, um Ideen und Lösungswege zu entwickeln. Denn Politik hat leider in den letzten 20 Jahren bewiesen, dass sie es aus unterschiedlichen Gründen nicht kann. Wir starten einen Versuch. https://linktr.ee/LauraDalhaus
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Generated: 9/17/2026 - 5:18:57 AM