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- Als Bühnenmeister trägt er die Verantwortung für alles, was dort
geschieht, sagt Andreas Speichert im Podcast Frisch an die Arbeit. »Vom
Aufbau bis zu freien Fluchtwegen oder wenn Unfälle passieren, bin ich
der Ansprechpartner. Ich bin eigentlich das Mädchen für alles.«
Gerade an der Berliner Volksbühne, die bekannt für ihre
avantgardistischen Theaterstücke, exzentrischen Regisseure und
ausschweifenden Premierenpartys ist, sei das kein leichter Job. »Einmal
musste ich mich zwischen den Regisseur und das Publikum stellen, als der
in einer Performance mit einem Pulverfeuerlöscher auf die Zuschauer
gezielt hat.« Speichert, 62, lag hinterher tagelang im Krankenhaus, da
das Pulver seine Lunge angegriffen hatte. Trotz solcher haarsträubenden
Anekdoten liebt Speichert seinen Job, sagt er.
Den macht er schon seit mehr als 40 Jahren. Vor allem die Zeit nach der
Wende beschreibt er als »grandios«. Regie und Schauspielende konnten
sich in ihrer Kunst frei entfalten und ausprobieren, Regeln gab es kaum.
Die intellektuelle Ostberliner Szene traf sich auf oder vor der Bühne.
»Nach den Vorstellungen zogen wir von einem besetzten Haus zum nächsten,
um dort zu feiern.«
Eine Kehrseite der wilden Zeit sei das Übermaß an Alkohol gewesen,
erzählt Speichert, der von seinen Freunden auch liebevoll »Speiche«
genannt wird. »An Theatern allgemein wird viel gesoffen«, sagt er. Es
sei hart gewesen, zusehen zu müssen, wenn Kollegen daran zugrunde
gingen. »Gott sei Dank ist die Jugend bei uns heute anders drauf«, sagt
er. »Es arbeiten inzwischen auch viel mehr Frauen bei uns in der
Technikabteilung, und das ist gut so«, sagt er. Der Ton sei auf der
Bühne viel angenehmer geworden.
Bald wird Speichert in Frührente gehen, wegen verschiedener
gesundheitlicher Probleme. Unter anderem, weil er während eines Konzerts
einmal acht Meter tief von der Bühne fiel. In Kontakt mit seinen
Kollegen will er auch im Ruhestand unbedingt bleiben. »Die Volksbühne
ist schon irgendwie mein Leben. Natürlich identifiziere mich damit«,
sagt er.
Im Podcast erzählt Andreas Speichert, wie er mit schwierigen Regisseuren
und Körperflüssigkeiten auf der Bühne umgeht. Warum die Kantine der
wichtigste Ort des Theaters ist. Und natürlich zahlreiche Anekdoten aus
vielen Jahren an der Volksbühne.
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20.10.2026 | 45 Min.»Es ist immer eine Freude, wenn man jemanden sieht, der sich mit seiner
Kleidung Mühe gegeben hat«, sagt Leena Zimmermann im Podcast »Frisch an
die Arbeit«. Als Stylistin kleidet sie Schauspielerinnen für Premieren,
Politiker für Staatsbesuche und Führungskräfte für Konferenzen oder
Talkshows ein.
Zimmermann hat eine Schneiderlehre in Berlin absolviert. Nach ihrer
Ausbildung bekam sie einen Job beim Musiksender MTV und durfte dort die
Outfits für die Moderatorinnen und Moderatoren auswählen. Irgendwann
sprach die Schauspielerin Nora Tschirner sie an und fragte, ob sie ihr
beim Styling für eine Premiere helfen könne. Durch Tschirner bekam
Zimmermann den Kontakt zu Schauspielerin Hannah Herzsprung, die sie bis
heute berät.
Meistens wenden sich Frauen an sie, oft fehlt ihnen die Zeit und auch
das Gefühl für das richtige Outfit: »Einmal bin ich mit einer jungen
Schauspielerin shoppen gegangen. Sie hat sich einfach eine externe
Person gewünscht, die mit ihr einkaufen geht«, sagt Zimmermann.
Mit ihrer Freundin Nicole Hogerzeil gründete Zimmermann die Firma
Tarobe, mit der die beiden vor allem Frauen in Führungsrollen beraten.
Oft bräuchten diese Hilfe für ein bestimmtes Event, eine
Podiumsdiskussion oder eine wichtige Ansprache vor ihrem Team: »Kürzlich
kam beispielsweise eine bekannte Managerin zu mir und wollte ein Outfit
mit breiten Schultern für einen Auftritt unter vielen Männern.«
Ihren Kundinnen rät Zimmermann, auch mal mutig zu sein, wenn sie gesehen
werden wollen. Aber in Situationen, in denen ihre Aussagen zählen, in
einer Talkshow beispielsweise, sollten sie sich vor allem wohlfühlen.
»Man trifft immer eine Aussage mit der Kleidung, die man trägt. Vor
allem wird man als Frau sehr stark bewertet. Trägst du jetzt einen Rock?
Bist du sportlich angezogen? Ist es vielleicht ein bisschen zu sexy?«
Gerade im Job sei es schwierig, die passende Kleidung zu finden, in der
man sich sicher fühlt. Das koste oft Zeit. »Man sollte nicht mehr
darüber nachdenken, was man trägt, sondern nur noch darüber, was man
sagt.«
Im Podcast erzählt Zimmermann, wo sie sich inspirieren lässt, welche
Informationen sie von ihren Kundinnen benötigt und warum gerade in
Berlin das Styling oft unterschätzt wird.
»Frisch an die Arbeit« wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es
moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek.
Das Team erreichen Sie unter frischandiearbeit@zeit.de.
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dass du müde bist«, sagt Clown Semen Shuster im Podcast »Frisch an die
Arbeit«. »Du gibst Energie und du bekommst sie vom Publikum zurück.«
Shuster wurde 1972 in Ismail im Oblast Odessa im Süden der heutigen
Ukraine geboren. Er studierte an der Artistenschule in Kyjiw und machte
dort 1992 seinen Abschluss. Im Jahr 2000 zog er mit seiner Familie nach
Deutschland, arbeitete zunächst in Leipzig und später sieben Jahre am
Pariser Lido.
2005 gewann er beim Festival Mondial du Cirque de Demain eine
Bronzemedaille, 2009 beim Internationalen Zirkusfestival von Monte-Carlo
einen Bronzenen Clown. Heute tritt er in Varietés, beim
Weltweihnachtszirkus in Stuttgart und im Circus Roncalli auf.
Dass seine Figur, Housch-ma-Housch, fast ohne verständliche Wörter
auskommt, war kein Karriereplan. In der Zirkusschule lernte Shuster
zunächst Jonglage, Handstand und Akrobatik. Seine Figur und die
Fantasiesprache entwickelte er, als er in den Neunzigerjahren auftrat.
»Es war nicht so, dass ich dachte: Ich bin so clever, erfinde eine
Cartoon-Sprache und dann gehe ich nach Monte-Carlo«, sagt Shuster.
Die Zeiten für Clowns, sagt Shuster, seien komplexer geworden. Menschen
seien durch soziale Medien gewohnt, nach wenigen Sekunden
weiterzuwischen, wenn sie etwas nicht sofort begeistere. Auch im Zirkus
beobachte er gelegentlich, wie jemand zum Telefon greift. »Heute ist es
schwieriger geworden, die Leute zum Lachen zu bringen«, sagt Shuster.
Gerade deshalb sieht er die Aufgabe des Zirkus darin, eine Gegenwelt zu
schaffen. Kinder und Eltern mit einer Szene gleichzeitig zum Lachen zu
bringen, sei für ihn ein »Bingo«.
Bis ein solcher Moment funktioniert, kann jahrelange Arbeit nötig sein.
Shuster schreibt Ideen auf, lässt Requisiten bauen und Animationen
erstellen. Neue Nummern filmt er, um sie auszuwerten. Vor allem probiert
er sie vor Publikum aus. »Du brauchst manchmal Jahre – und niemand
lacht«, sagt Shuster.
Im Podcast erzählt Shuster außerdem, warum er das deutsche
Zirkuspublikum für eines der besten hält und warum die Rolle als Clown
herausfordernder sein kann als die eines Schauspielers.
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kennen« sagt Wolfgang Pauritsch im Podcast Frisch an die Arbeit. Er
lerne immer noch jeden Tag dazu.
Seit mehr als 30 Jahren ist Pauritsch Auktionator und Händler für Kunst
und Antikes. »Ich musste mir meinen Erfolg hart erkämpfen«, sagt er. Der
54-Jährige wurde in Österreich geboren und wuchs bei den Großeltern in
einfachen Verhältnissen auf. Nach der Schule schloss er eine Lehre zum
Rohrschlosser ab.
Der Wendepunkt kam, als er auf einer Auktion in München jobbte und für
eine erkrankte Auktionatorin einspringen musste. »Danach hat mir der
Chef einen Vertrag angeboten«, sagt Pauritsch. Er brachte sich die
Grundlagen selbst bei, besuchte Museen und Sammler und
absolvierte verschiedene Weiterbildungen. »Ich habe das Wissen
aufgesaugt wie ein Schwamm.«
Heute leitet Pauritsch zusammen mit einer Geschäftspartnerin einen Laden
für Auktionen und Antikhandel in Oberstaufen. Zusätzlich ist er
Fernsehhändler in der ZDF-Trödel-Sendung »Bares für Rares«, wo er im
Jahr 50 Drehtage hat. »Die Arbeit dort ist für mich wie Urlaub und macht
viel Spaß. Jeden Tag im Laden zu stehen, ist viel anstrengender«, sagt
Pauritsch.
Pauritsch handelt hauptsächlich mit Kunstwerken und Juwelen, die seien
eine stabile Geldanlage für gut betuchte Kunden, erzählt er. Der
Mittelschicht säße in Krisenzeiten das Geld hingegen nicht mehr so
locker. »Zwischen 50 und 500 Euro verkaufen wir inzwischen kaum noch
Ware«.
Einen herben Rückschlag erlebte der Händler Mitte der Neunzigerjahre,
als in seinen Laden eingebrochen wurde. »Der Schaden betrug mehr als
150.000 Euro und die Leute, deren Besitz ich verkaufen sollte, standen
plötzlich alle auf der Matte«. Doch Pauritsch konnte seine Schulden am
Ende abbezahlen.
Im Podcast Frisch an die Arbeit erzählt Pauritsch, für wieviel Geld er
sein teuerstes Stück versteigert hat, ob er sich schonmal kräftig im
Preis geirrt hat und ob er privat immer noch auf Flohmärkte geht.
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jetzt bin ich derjenige, der ihn wieder ans Licht fördert«, sagt Uwe
Kersten, Maschinenführer und Kieswerkmitarbeiter, im Podcast »Frisch an
die Arbeit«.
Kersten, 62 Jahre alt, ist seit 38 Jahren am Rande des Harzes in der
Kiesgewinnung tätig. Ursprünglich ließ er sich bei der Deutschen Bahn in
Göttingen zum Energieanlagenelektroniker ausbilden. Als die Bahn Mitte
der Achtzigerjahre Personal abbaute, wechselte er in das Kieswerk, in
dem bereits sein Vater beschäftigt gewesen war. »Ich bin dann hier ganz
klassisch, wie man sagt, kleben geblieben.«
Meistens ist Kersten allein in einer Außenstelle des Kieswerks, bedient
Radlader und Bagger, überwacht, wie der Kies mit Maschinen aufbereitet
wird, und belädt die Fahrzeuge der Kunden. Welche Aufgaben an einem Tag
anstehen, entscheidet er weitgehend selbst. »Für meinen Vorgesetzten ist
eigentlich nur wichtig, dass der Laden läuft«, sagt Kersten.
Die Kiesvorkommen, mit denen Kersten arbeitet, stammen überwiegend aus
dem Harz. Verwittertes Gestein wurde während der letzten Eiszeit durch
Flüsse und Schmelzwasser ins Harzvorland getragen und dort abgelagert.
Das Material reiche von feinem Sand bis zu Steinen von der Größe eines
Basketballs, erzählt Kersten. Im Kieswerk wird es gewaschen, gesiebt und
teilweise gebrochen. So entstehen rund 25 verschiedene Produkte für den
Straßen-, Garten- und Hausbau.
Manche Kunden, sagt Kersten, holten lediglich eine Schubkarre Kies ab,
andere bestellen 20.000 Tonnen. Selbst nach all den Jahren dort könne
ihn seine Kiesgrube überraschen, erzählt Kersten. Kersten hat in den
Lagerstätten bereits Hohlräume entdeckt, deren Entstehung er sich nicht
erklären konnte.
Auch fasziniert Kersten die Natur in so einer Kiesgrube. Sobald der
Abbau in einem Abschnitt beendet sei, kehrten Pflanzen und Tiere zügig
zurück. „Die Natur kommt hinter uns her“, sagt Kersten. Es entstünden
schnell Teiche und Feuchtgebiete – und der Naturschutzbund beobachte
dort regelmäßig Schmetterlinge, Vögel und Amphibien.
Heute hilft ihm seine Erfahrung vor allem dann, wenn eine Maschine
ausfällt. »Auch mit fast 62 Jahren lasse ich mich nicht so leicht
unterkriegen. Alles, was sich irgendwie allein lösen lässt, mache ich
selbst«, sagt er. Er ist sich sicher: »Ich habe hier schon 2.000
Probleme gelöst. Warum soll ich das 2.001. nicht auch lösen?«
Im Podcast erzählt Kersten außerdem, wie sich Baumaschinen in den
vergangenen Jahrzehnten verändert haben, warum Kies trotz
Baustoffrecycling knapp werden könnte und weshalb ein Stein mit einem
Loch als Talisman am Rückspiegel seines Hauses hängt.
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