Seltene Erkrankungen gelten als Randthema. Das ist ein Irrtum. Zusammengenommen betreffen sie hunderttausende Menschen. Sie bleiben unsichtbar, weil sie schwer zu erkennen sind, weil sie einzeln auftreten und weil sie nicht ins gewohnte Raster passen.
Für Betroffene ist der Weg oft lang. Symptome sind diffus. Therapien greifen nicht. Erst eine klare Diagnose bringt Orientierung. Sie gibt der Krankheit einen Namen – und den Familien eine Perspektive. Noch wichtiger ist die frühe Diagnose. Beim Neugeborenen-Screening zeigt sich, was Medizin leisten kann: Erkrankungen werden entdeckt, bevor sie Schaden anrichten. Rechtzeitig behandelt, entwickeln sich Kinder oft völlig normal.
In den vergangenen Jahren hat sich viel verändert. Neue Medikamente greifen gezielt ein: in Stoffwechselprozesse, in Zellstrukturen, sogar in genetische Abläufe. Doch noch immer gibt es nur für einen kleinen Teil der bekannten seltenen Erkrankungen wirksame Therapien. Fortschritt braucht Geduld, Forschung und Daten.
Entscheidend sind spezialisierte Zentren. Niemand kann 8.000 Krankheitsbilder überblicken. Aber wer Auffälliges erkennt, muss wissen, wohin er überweist. Vernetzung ersetzt Zufall. Register ersetzen Einzelfälle.
Aktionstage schaffen Aufmerksamkeit. Doch Sichtbarkeit allein reicht nicht. Sie muss Folgen haben: klare Zuständigkeiten, gesicherte Finanzierung, strukturierte Übergänge vom Kindes- ins Erwachsenenalter. Ziel ist kein Schonraum, sondern Selbstständigkeit.
Seltene Erkrankungen stellen Medizin und Gesellschaft auf die Probe. Sie zeigen aber auch, was möglich ist, wenn Wissen geteilt wird und Strukturen tragen. Man muss nur genau hinschauen.