In Deutschland leben rund 800.000 Pflegebewohner – chronisch erkrankt, multimorbid und angewiesen auf gut koordinierte ärztliche Versorgung. Die Realität sieht jedoch oft ganz anders aus. Hausärzte sind überlastet, Pflegekräfte fehlen, und die Kommunikation zwischen Arztpraxis und Heim funktioniert häufig nicht. Wenn Pflegekräfte anrufen, erreichen sie niemanden. Wenn Ärzte zurückrufen, finden sie keine Ansprechpartner vor Ort. Manchmal dauert es Tage, bis eine ärztliche Reaktion möglich ist.
Dr. Irmgard Landgraf, Hausärztin in Berlin-Steglitz, hat dieses Problem für sich gelöst – durch digitale Pflegeheimakten. Seit mehr als 20 Jahren versorgt sie Patienten in Pflegeeinrichtungen und hat wissenschaftlich belegt, wie digitale Vernetzung die Versorgung revolutioniert. Mit ihrem Ansatz sind kürzere Reaktionszeiten möglich, die Patientenergebnisse verbessern sich, Krankenhausaufenthalte nehmen ab, es entstehen erhebliche Kosteneinsparungen – und vor allem profitiert das Pflegepersonal von einer massiven Entlastung.
In dieser Folge sprechen wir mit Dr. Landgraf über die Entwicklung der Heimversorgung über drei Jahrzehnte hinweg und beleuchten die spezifischen Herausforderungen, die entstehen, wenn ältere, multimorbide Patienten mit komplexen Medikationsplänen versorgt werden müssen. Wir analysieren das klassische Kommunikationsproblem zwischen Praxis und Heim sowie seine gravierenden Folgen und stellen die digitale Pflegeheimakte als praktischen Lösungsansatz vor – als Möglichkeit des asynchronen Informationsaustauschs, der endlose Telefonmarathons überflüssig macht. Ein weiteres Thema ist auch die Arzneimittelsicherheit: Wie weniger oft mehr ist und wie gezieltes Deprescribing die Polymedikation sinnvoll reduziert. Dr. Landgraf erklärt zudem die unverzichtbare Rolle des Pflegepersonals als „Augen und Ohren" des Arztes und gibt praktische Tipps zur Zeitplanung von Heimbesuchen. Abschließend berichten wir über das Baden-Württemberg-Innovationsfonds-Projekt, seine Ergebnisse und Erfolgszahlen, und diskutieren, warum gute Versorgungsmodelle nicht automatisch zur Regelversorgung werden – sowie die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen.
Diese Folge ist für Hausärzte, Allgemeinmediziner und Ärzte mit Heimversorgung gedacht ebenso wie für Praxismanager, Pflegeheimleiter, Pflegekräfte und Gesundheitspolitiker – kurz: für alle, die sich leidenschaftlich für eine bessere Versorgung älterer Menschen einsetzen.
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