61 Episoden
- Der Iran-Krieg hat 14 Millionen Barrel pro Tag aus dem Weltmarkt genommen, bei einem globalen Verbrauch von gut 100 Millionen. Nach jeder Lehrbuchlogik hätte der Ölpreis explodieren müssen. Er ist gestiegen, aber die Katastrophe blieb aus. Der Grund liegt nicht bei OPEC, die während der Krise so schwach war, dass die Emirate ausgestiegen sind. Er liegt in Peking. China hat seine Ölimporte von 10 bis 11 Millionen Barrel am Tag auf knapp über 5 Millionen halbiert. Das ist fast die Hälfte der Anpassung, die während der Coronakrise stattfand, als die halbe Weltwirtschaft stillstand.
Adam Tooze erklärt, wie China das durchgesetzt hat: über strategische Reserven von mehr als einer Milliarde Barrel, gekauft in den Jahren niedriger Preise, über einen Exportstopp für Raffinerieprodukte, über angeordnete Verbrauchskürzungen in der Petrochemie und über den schnellen Umstieg auf Elektromobilität. Ohne Peking hätte der Preis wohl 20 bis 30 Dollar pro Barrel höher gelegen. Dazu: warum Öl anders funktioniert als Pipelinegas und ein niedriger Preis deshalb allen Nettoimporteuren nützt, allen voran dem globalen Süden, warum Monopsonie das entscheidende Stichwort ist und China diese Macht auch bei Eisenerz, Kupfer und seltenen Erden einsetzt, bis zur Verhaftung von Managern, und warum Tooze davon ausgeht, dass China den Peak Oil längst hinter sich hat. Erstaunlich bleibt, wie wenig Peking politisch daraus gemacht hat.
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Kapitel:
00:00 – Intro: Der Ölschock, der ausblieb
00:39 – 14 Millionen Barrel Ausfall, keine Preisexplosion
02:18 – China halbiert seine Ölimporte
03:54 – Die drei Machtmittel: Reserven, Exportstopp, Elektroauto
05:40 – Wer profitiert vom niedrigen Ölpreis?
06:12 – Öl ist fungibel: ein Preis für den ganzen Weltmarkt
08:07 – Der globale Süden als größter Gewinner
10:18 – Preiskontrolle statt Übergewinnsteuer
10:55 – Monopsonie: Wenn der Kunde wirklich König ist
12:53 – Eisenerz, Kupfer, seltene Erden: Chinas härtere Mittel
13:54 – Dauerhafte Machtverschiebung oder Taktik?
14:16 – Peak Oil in China und der Fünfjahresplan
16:49 – Blick zurück: 1973, 1979 und das Ende einer Epoche
18:53 – Eine Welt nach OPEC
19:38 – Outro
Collage: Surplus, Material: Doro Zinn
#china #ölpreis #opec #iran #geopolitik #energie #elektromobilität #globalersüden #wirtschaft #surplus - Der Pegel bei Kaub fällt auf wenige Zentimeter, und damit fällt der wichtigste Engpass der deutschen Binnenschifffahrt aus. Nur 5 % der Logistik laufen über den Rhein, aber es sind die kritischen 5 %: Energie und Rohstoffe für die Industriezentren im Westen. Das Niedrigwasser 2018 kostete rund 0,4 % des BIP. Das entspricht ungefähr dem gesamten Wachstum, das für Deutschland im kommenden Jahr überhaupt erwartet wird.
Adam Tooze erklärt, warum die Rheinkrise nur zur Hälfte ein Klimathema ist und zur anderen Hälfte ein Planungsversagen: Die Felsen in der Kaub-Enge sollten schon unter Kohl beseitigt werden, die Arbeiten würden einige zehn Millionen Euro kosten und sind jetzt für die 2030er geplant. Dazu: Warum es historisch keine große Stadt ohne Wasserweg gibt und die Lage am Fluss jetzt vom Standortvorteil zum Risiko wird, warum die Bahn den Ausfall nicht auffangen kann und was Chinas Elektro-Lkw mit Wechselbatterien über die Zukunft der Logistik verraten.
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Kapitel:
00:00 – Intro: Der Rhein und das deutsche Wachstum
00:38 – Kaub: Die Flussenge Deutschlands fällt aus
02:41 – Baustelle seit Kohl: Warum die Felsen noch da sind
04:09 – Was Niedrigwasser kostet: Die Lehren aus 2018
06:42 – Zehn Millionen Ursache, Milliarden Schaden
08:38 – Warum alle großen Städte am Wasser liegen
12:29 – Schiff gegen Schiene: Wer transportiert die Zukunft?
15:06 – Deutsche Bahn, USA, China: Drei Logistiksysteme
16:42 – Ausblick: Dürre als Normalfall
18:47 – Outro
Collage: Surplus, Material: Doro Zinn, IMAGO/Jochen Tack/Bihlmayerfotografie
#rhein #niedrigwasser #kaub #infrastruktur #klimakrise #logistik #industrie #adamtooze #wirtschaft #surplus - Rekordtemperaturen in Europa, leergefegte Straßen wie im Lockdown und massive wirtschaftliche Schäden, von denen nicht alle gesellschaftlichen Schichten gleich betroffen sind. Was kostet uns die Hitze langfristig und kurzfristig wirklich? Adam Tooze analysiert, warum das europäische BIP bis 2030 um fünf bis sieben Prozent schrumpfen könnte, welche Rolle die fehlende Klimatisierung im Vergleich zu den USA und China spielt, und warum der Zugang zu kühlen Räumen zu einer existenziellen Klassenfrage geworden ist.
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Kapitel:
00:00 – Intro: Hitzewellen und technische Ausfälle bei Surplus
01:30 – Lockdown-Gefühle in Paris 03:30 – Allianz-Studie: Vernichten Hitze-Sommer das europäische Wirtschaftswachstum?
05:15 – Klima als Klassenfrage
07:14 – Europas Rückstand: Warum Wohnungen ohne Klimaanlage in China und den USA undenkbar sind 09:20 – Hitzearmbänder und Solarenergie: Die notwendige Anpassung an neue Realitäten
11:18 – Die gigantische Aufgabe der Gebäudesanierung in Europa
14:25 – Chinas Dominanz: Die industriepolitische Herausforderung beim Klimaanlagen-Ausbau
16:24 – Ausblick: Ist der Zug für reinen Klimaschutz bereits abgefahren?
18:41 – Outro
Collage 01: Surplus, Material: Foto von Pawel Janiak auf Unsplash
Collage 02: Material: Getty Images via Unsplash
#Hitzewelle #Wirtschaft #AdamTooze #Klimawandel #Ökonomie #Surplus #Klimatisierung #Klassenfrage #Europa #Hitzeschock - Google, Meta und Oracle galten als bombensichere Anlagen. Jetzt verschulden sich die Tech-Konzerne mit hunderten Milliarden für den KI-Ausbau, und der Markt beginnt, sich dagegen zu versichern: Credit Default Swaps auf Big-Tech-Anleihen, die es vor einem Jahr noch gar nicht gab, kosten bei Oracle inzwischen fast 2 Prozent. Damit rutschen die Papiere in den Junk-Bereich – ein Alarmzeichen.
Adam Tooze erklärt, warum die Kreditrisiken der entscheidende Frühindikator sind, was für eine handfeste Finanzkrise noch fehlt (Wetten mit geborgtem Geld in schwachen Bilanzen) und warum schon ein Abflachen der KI-Investitionen reichen könnte, um eine Abwärtsbewegung auszulösen, wie die Zentralbank von Singapur warnt. Dazu: das ausgebrochene OpenAI-Modell und die Vertrauensfrage in die Technologie selbst, die drei Stimmungsphasen des Marktes von Modellen über Chips bis Apple, und die Frage, ob wir im Rückblick diesen Sommer als den Moment betrachten werden, in dem es hätte klar sein müssen. Aus der Finanzgeschichte gesehen: die 2007-Frage.
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Kapitel:
00:00:00 – Intro: Zwei KI-Nachrichten der Woche
00:58:00 – Credit Default Swaps: Wie der Markt Angst einpreist
02:53:00 – Meta bei 1 Prozent, Oracle bei 2: Big Tech im Junk-Bereich
04:54:00 – Was für eine echte Krise fehlt: Leverage und schwache Bilanzen
07:51:00 – Singapurs Warnung: Wenn die KI-Investitionen abflachen
12:48:00 – Ausgebrochenes OpenAI-Modell: Die Vertrauensfrage
15:49:00 – Drei Phasen des Marktes: Modelle, Chips, Apple
18:24:00 – Ausblick: Die 2007-Frage
20:20:00 – Outro
Bild: IMAGO / MAXPPP
#ki #kiblase #adamtooze #bigtech #openai #nvidia #börse #finanzkrise #wirtschaft #surplus - Der Sozialstaat sei "nicht mehr finanzierbar", sagt Bundeskanzler Friedrich Merz. Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte: Die Sozialquote liegt seit Jahrzehnten stabil bei rund 30 Prozent des BIP. Und das Bürgergeld, über das am lautesten gestritten wird, macht gerade einmal 4,2 Prozent der Sozialausgaben aus, während Rente und Krankenversicherung mehr als die Hälfte stellen.
Patrick Kaczmarczyk erklärt, warum die geplanten Kürzungen keine Entlastung sind, sondern eine Verlagerung der Kosten auf Beschäftigte und Mittelschicht. Dazu: warum die "Stabilisierung" der Krankenkassenbeiträge de facto eine Kürzung ist, was der Blick in die USA über private Absicherung verrät (ähnlich hohe Gesamtausgaben, deutlich schlechtere Ergebnisse) und wie Reformen aussähen, die den Sozialstaat stärken statt schrumpfen.
Außerdem: Das ist die erste Folge mit unserer neuen Co-Hostin Ciara Cesaro-Tadic.
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Kapitel:
00:00 – Intro: Merz und die neue Sozialstaatsdebatte
01:15 – Neue Co-Hostin: Ciara stellt sich vor
01:49 – Was der Sozialstaat umfasst: drei Arten von Leistungen
03:20 – Wer finanziert den Sozialstaat?
04:17 – Sozialausgaben als Wirtschaftsfaktor
06:30 – Sind die Sozialausgaben explodiert?
08:05 – Zwischenfazit + Klingbeil: "Kein Recht auf Faulheit"
10:14 – Grafik: Bürgergeld ist nur 4,2 Prozent des Sozialbudgets
11:23 – Überblick: Diese Kürzungen sind auf dem Tisch
12:28 – Krankenkassen-Reform: Klingt gut, ist eine versteckte Kürzung
14:50 – USA-Vergleich: Beim Zahnarzt ohne Versicherung
18:47 – Zwischenfazit: Die Kosten verschwinden nicht, sie wandern
21:40 – Reformen: Wenn Patrick im Kanzleramt sässe
25:43 – Outro und euer Feedback
Collage 01: Surplus, Material: IMAGO / Herrmann Agenturfotografie, IMAGO / photothek
#sozialstaat #bürgergeld #merz #klingbeil #rente #krankenversicherung #sozialpolitik #wirtschaft #surplus
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