Sie werden angeschrien, unter Druck gesetzt – oder erleben gar Eingriffe, die sie gar nicht wollen. 10 bis 30 Prozent der Frauen erleben bei der Geburt ihres Kindes Gewalt. Woher kommt diese Gewalt? Die Freiburger Historikerin Helena Barop sagt: Aus dem Patriarchat. Darüber hat sie ein Buch geschrieben: „Mythen, Macht und Muttermund - eine feministische Geschichte der Geburt" ist gerade im Siedler-Verlag erschienen. Helena Barop zeigt darin, wie patriarchale Strukturen bis heute die Geburtshilfe prägen. Sie zeichnet nach, wie die die Geburtshilfe von einer reinen Frauensache zu einer männlich dominierten Medizin wurde – mit Folgen, die bis in die heutigen Kreißsäle reichen.
Im Podcast „BZ am Ohr" spricht Helena Barop über die erschreckende Geschichte der Gebärhäuser ab 1750, in denen mittellose Frauen als Übungsobjekte für Medizinstudenten missbraucht wurden. Sie erklärt, warum Frauen überhaupt auf dem Rücken gebären – eine Erfindung der Aufklärung, die nichts mit medizinischer Notwendigkeit zu tun hat. Und sie beschreibt, wie die mechanische Vorstellung von Geburt, die damals entstand, noch immer zu unnötigen Eingriffen führt. Warum liegt die Kaiserschnittrate in Deutschland bei über einem Drittel? Wie hängen Zeitdruck im Kreißsaal und Gewalt unter der Geburt zusammen? Und was bedeutet es, wenn 10 bis 30 Prozent der Gebärenden traumatisierende Erfahrungen machen?
Helena Barop macht aber auch Mut: Noch nie waren Geburten so sicher wie heute, noch nie hatten Frauen und Kinder so viele Rechte. Die Geschichte der gewaltfreien Geburtshilfe ist noch nicht zu Ende erzählt – aber sie muss aktiv weitergeschrieben werden. Was sich im System ändern muss, welche Rolle Hebammen spielen sollten und warum die Ärzteschaft historische Verantwortung übernehmen muss, erklärt die Historikerin in dieser Folge von „BZ am Ohr".