Christian Steiger, Aya Jaff, Julia Bösch, Dominic von Proeck und Timo Mayer diskutieren im Historischen Kaufhaus in Freiburg über Künstliche Intelligenz: Mehr als 2 Billionen Euro – eine Zahl mit 12 Nullen. So viel Geld wird wohl allein dieses Jahr in die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz gesteckt. KI verändert gerade alles: die Dimensionen unseres Wirtschaftssystems, die Arbeit in jedem Unternehmen, den Alltag von uns Menschen. Aber wozu das Ganze? Was soll die KI bewirken – und was bewirkt sie tatsächlich? Macht sie unser Leben wirklich besser?
Um diese Fragen ging es im Live-Podcast am vergangenen Dienstag bei der dritten Ausgabe der „Evolve“, einer Fachkonferenz für KI und Marketing. Organisiert wird die Veranstaltung von Macs, der Marketing Community Freiburg/Südbaden, die Badische Zeitung ist Medienpartnerin. Moderiert wurde der Live-Podcast von BZ-Redakteurin Dora Schöls. Bei der KI-Revolution stehen wir noch ganz am Anfang – darüber waren sich die fünf Gäste einig. Und: Wir sprechen zwar über Technologie, letztlich soll es aber um den Menschen gehen. Nur: Was genau ist der Mehrwert von KI? Da gingen die Meinungen auseinander.
Sie soll „das Leben einfacher und besser machen“, sagte Timo Mayer, Vorstand der Freiburger Digitalagentur Virtual Identity. „KI ist ein Werkzeug. Ein Hammer macht das Leben auch nicht besser, sondern das, was wir daraus machen.“ So sah das auch Julia Bösch, Gründerin des Online-Styling-Services Outfittery. Ihr Produkt verbessere das Leben der Kunden – weil diese sich mit der neuen Kleidung „wohl fühlen und anders auftreten“. Dabei ersetze die KI keine Menschen, sondern gebe mehr Zeit etwa für menschliche Kundenbeziehungen. Entschieden widersprach Autorin Aya Jaff: KI gebe es nur auf Basis von menschlichem Wissen. Die Arbeit etwa von kreativen Menschen werde zum KI-Training verwendet – ohne dass diese Menschen um Erlaubnis gefragt würden.
Wie verändert es das menschliche Miteinander, wenn ein Unternehmen KI-Agenten als eigenständige Mitarbeitende mit Personalakte und Feedbackgesprächen einsetzt, so wie das Schulungs-Startup Leaders of AI? „Wir versuchen, den menschlichen Austausch mehr wertzuschätzen“, betonte Gründer Dominic von Proeck. Regelmäßig treffe sich das Team auf Mallorca – ohne die KI-Kollegen. Allerdings: Wenn die KI immer mehr Aufgaben übernehmen kann, müsse man schon aufpassen, dass man selbst kritisch bleibt, ergänzte Lexware-Chef Christian Steiger: „Wir sind alle Convenience-Schweine, wir lieben es, nicht nachzudenken.“ Dabei brauche es genau das im Umgang mit der KI.
Was bedeutet es, wenn Menschen die KI nicht mehr kontrollieren können? Welche menschlichen Fähigkeiten werden jetzt wieder wichtig? Und lösen wir mit der KI überhaupt die richtigen Probleme? Um diese und weitere Fragen geht es in dieser Live-Folge von BZ am Ohr.