218 Episoden
- Thomas Bergk gehört zur gefährdeten Spezies jener Sommeliers, bei denen selbst das aufdrehen einer schraubverschlossenen Weinflasche den Charakter einer Weltpremiere hat und das Nachschenken von Wasser die Würde eines Rituals trägt, das älter ist als jede Religion, die je eine Kirche gebaut hat. Er erscheint nicht. Er materialisiert sich. Lautlos, präzise, mit der Selbstverständlichkeit eines Naturgesetzes. Keine Flasche ploppt, wenn er den Korken lüftet. Kein Glas klirrt, wenn er es absetzt. Thomas Bergk lebt den Unterschied zwischen Herzlichkeit und Vertraulichkeit, und er zieht diese Grenze mit der Sicherheit eines Architekten, der weiß, wo die tragende Wand sitzt. Er weiß, dass Herr Felsner seinen Rotwein immer eine Viertelstunde vor dem Essen dekantiert haben möchte, dass Frau Hecht Sprudelwasser und Champagner verabscheut. Sein Lächeln ist ein Meisterwerk der Ambiguität ohne dass dabei auch nur ein Muskel zu viel zuckt. Es ist kein aufgesetztes Lächeln, kein Berufslächeln, kein von der Personalabteilung empfohlenes Lächeln. Es ist das Lächeln eines Menschen, der seinen Beruf liebt und deshalb nie aufgehört hat, sich zu wundern, wie viele Menschen an einem einzigen Abend, an einem einzigen Tisch, satt und glücklich und für einen Moment von sich selbst erlöst werden können. Er hat Epochen erlebt, Trends kommen und gehen sehen, Köche aufsteigen und abstürzen, Weinkarten in Flammen aufgehen, den Kani-Trend, den Barrique-Wahnsinn, den Natural-Wine-Taumel. Er hat all das mit der stoischen Gelassenheit eines Mannes beobachtet, der weiß: Am Ende möchte der Gast satt werden, glücklich sein und das Gefühl haben, dass jemand für ihn da war. Der Rest ist Dekoration. Sein Beruf ist seine Berufung. Das klingt pathetisch, ist aber das Nüchternste, was man über ihn sagen kann. Er hätte auch Arzt werden können, Anwalt, Ingenieur. Er hat sich für den Speisesaal, für den Weinkeller entschieden – und zwar mit der Ernsthaftigkeit eines Berufenen, der genau weiß, dass Gastfreundschaft keine dienende Haltung ist, sondern eine der ältesten und würdevollsten Gesten, die ein Mensch einem anderen gegenüber vollziehen kann.
- Unsere Folgen sind nicht selten ungewöhnlich lang. Das hat seinen Grund: Wir möchten den Tiefsinn fließen lassen und Euch unsere Gesprächspartner so präsentieren, wie Ihr sie sonst nie – und vielleicht nie wieder – kennenlernen könnt.
Und um Euch die Scheu zu nehmen, die man verspürt, wenn man einen über drei Stunden langen Zeitstempel sieht, aber auch, um Euch so richtig Lust auf den Kandidaten zu machen, präsentieren wir Euch immer einen Tag vor dem Release einen exklusiven Sneak in die neue Folge. Viel Spaß beim Hören, und wir freuen uns auf Euch mit einem herzlichen „Welcome back“ am Freitag. - Bei Toni fängt Wein an zu klingen. Das ist bekannt. Und er lässt Geschichte vibrieren. Mit seinem „#askToni“ macht Antonio Askitis das – obgleich im Trend befindliche, für viele dennoch unbekannte – Weinbauland Georgien für Dich lebendig und zeigt Dir, warum es so sehr dem Zeitgeist entspricht. Und irgendwie kann fas nur Toni Wein so leben und erklären, wie es nur Toni kann. Also perfekt für einen Deep Dive und vor allem für ein so leidenschaftliches Thema, wie Georgien.
Aufgewachsen zwischen Imbiss und Restaurant in Düsseldorf, Sohn einer griechischen Gastronomenfamilie, geprägt von Skate- und Graffiti-Kultur – und irgendwo dazwischen, in dieser merkwürdigen Mischung aus Straße und Stube, ist ihm Wein passiert. Nicht als Karriereplan. Seine Mutter sagte kurz vor dem Abitur: „Vielleicht wirst du ja Sommelier." Er wusste damals nicht einmal genau, was das ist. Aber der Samen war gelegt.
2002 bis 2006 studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Düsseldorf. 2011 folgte die Ausbildung zum Sommelier an der Deutschen Wein- und Sommelierschule Koblenz. Dazwischen ein Praktikum beim Weingut Karthäuserhof an der Ruwer – einer der stillen, großen Adressen des deutschen Weinbaus. Von 2008 bis 2017 war er Sommelier und Geschäftsführer im D'VINE in Düsseldorf, das 15 Gault-Millau-Punkte, zwei Gläser vom Wine Spectator und die Auszeichnung als „Weinplace" von Gerolsteiner erhielt.
Aber das Entscheidende kam danach. Mit seinem Berufs- und Lebensmotto „Wein ist unkompliziert" hat er das nahezu Undenkbare geschafft: Wein in die nächste Generation zu transferieren. Er spricht die Sprache der Jugend, macht Wein greifbar, ohne ihn zu verunglimpfen. Er wurde zu einer der 25 wichtigsten Weinpersönlichkeiten Deutschlands (Vinum) gekürt, erhielt den VDP Traubenadler-Sommelier und den Schlemmer Atlas Top 50-Titel – und blieb trotzdem der Typ, dem man beim Erklären einfach zuhören will, ohne das Gefühl zu haben, dass er einem etwas beibringen möchte.
Seit April 2023 begleitet er Pommes & Wein am Graf-Adolf-Platz in Düsseldorf – eine Weinbar, in der Hip-Hop läuft, über 750 Weine auf der Karte stehen und das Signature Dish Pommes mit Currywurst heißt. Das ist kein Konzept, dass ist Toni wie er leibt und lebt.
2024 wurde er als Sommelier des Jahres ausgezeichnet. Sein Buch „#askToni – Wein ist unkompliziert" beantwortet über 50 Fragen, die man schon immer stellen wollte, sich aber nie getraut hat. Wer das gelesen hat, weiß: Dieser Mann denkt nicht darüber nach, wie er Wein erklärt. Er erklärt einfach. Und das ist der eigentliche Unterschied. - Unsere Folgen sind nicht selten ungewöhnlich lang. Das hat seinen Grund: Wir möchten den Tiefsinn fließen lassen und Euch unsere Gesprächspartner so präsentieren, wie Ihr sie sonst nie – und vielleicht nie wieder – kennenlernen könnt.
Und um Euch die Scheu zu nehmen, die man verspürt, wenn man einen über drei Stunden langen Zeitstempel sieht, aber auch, um Euch so richtig Lust auf den Kandidaten zu machen, präsentieren wir Euch immer einen Tag vor dem Release einen exklusiven Sneak in die neue Folge. Viel Spaß beim Hören, und wir freuen uns auf Euch mit einem herzlichen „Welcome back“ am Freitag. - Bas van Gijzen macht sein Weinwissen nicht klein, aber er hat die unfassbare Gabe, die Schwellen dafür klein zu halten. Zwischen Glas und Gast. Zwischen Unsicherheit und Neugier. Zwischen „Ich kenne mich damit nicht aus“ und „Davon hätte ich gern noch ein Glas.“ Keiner weiß genau, wann es begann, dass Wein snobistisch und elitär wurde. Irgendwann wurden aus Gläsern Instrumente, aus Beschreibungen Wissenschaften und aus einem Getränk eine Disziplin, in der manche lieber beeindrucken als genießen. Manchmal genügt ein einziges Wort – „Mineralik“ – und schon nicken alle wissend. Niemand möchte derjenige sein, der fragt, was damit eigentlich gemeint ist.
Bas hat etwas begriffen, woran sich erstaunlich viele Menschen vorbeiverkosten. Wein ist selten das eigentliche Thema. Das Thema sitzt auf der anderen Seite des Tisches. Der Mensch. Das Gefühl. Die Beziehung, die entsteht, wenn jemand endlich aufhört, Beeindruckung zu spielen, und einfach trinkt. Das ist vermutlich der Moment, in dem Sommellerie beginnt. Bas van Gijzen ist kein Star-Sommelier im klassischen Michelin-Restaurant-Sinne. Er wird vielleicht keine Bücher schreiben und keine großen Preise gewinnen. Er wird weiter hinter der Theke stehen, Flaschen drehen und Gäste mit seiner unfassbaren Art vom großartigsten Getränk der Welt überzeugen. Die Gäste mögen ihn. Ihn, der als kompletter Quereinsteiger sich bewusst und aus Leidenschaft für den Wein entschieden hat. Zu uns brachte er keine teuren Flaschen mit, aber Geschichten. Und die leichte Verzweiflung eines Menschen, der einfach zu viel über Zahlen und Märkte weiß. Er hat BWL studiert und war in der Finanzbranche, bevor er ausgestiegen ist und sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Das erwähnt er gelegentlich, meistens dann, wenn jemand ihn fragt, warum er so nebensächlich auf Zahlen achtet – und warum bei ihm Weinbeschreibungen dann doch ein wenig anders ausfallen. Modern und traditionell zugleich. Mit Herz. Mit Liebe zum Detail. Ohne eben das Business und das Geld in den Vordergrund zu stellen. Er spricht über Winzer, über Reisen in Weinregionen, über den Genuss von Essen und Trinken als Lifestyle, der nicht laut sein muss. Über das Gefühl, wenn eine Flasche endlich geöffnet wird und alles andere nebensächlich wird.
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Über SOMMELIER
Sie sind Superhelden! Sie sind Sommeliers. Die Experten der Weinwelt, der Worte, der Menschen und des Genusses. Denn sie können einfach alles. Sie sind Gastgeber, Schreiber, Trendsetter, Wissenschaftler, Influencer, Vermittler, Gestalter, Forscher und vieles mehr.
Und oft ist es schade, dass man diese Multitalente, die es verstehen, uns in wenigen Minuten zu begeistern, nicht und nirgends länger und intensiver kennenlernen kann. Wie gerne möchte man sie so richtig ausquetschen? Viele von uns denken an kurze und doch prägende Wortwechsel mit diesen versierten Weinprofis, oft jahrelang zurück. Welche Berufsgruppe vermag sonst so nachhaltig zu beeindrucken? Wir präsentieren die Interessantesten unter ihnen und haben mit ihnen gesprochen. In diesem Podcasts schaffen wir es, diese besonderen Charaktere sicht- und greifbar, hörbar und verständlich zu machen und ihnen zu entlocken, was deren Geheimnisse sind. Einmal in der Woche lädt Silvio Nitzsche einen Gast zum mehrstündigen Zwiegespräch und vermag es, höchst persönliche Erfahrungen und echtes Insiderwissen zu einem unterhaltsamen Hörerlebnis zu machen. Silvio Nitzsche betrieb bis zum letzten Jahr über 15 Jahre lang die WEINKULTURBAR in Dresden/Striesen, die vielfach als beste Weinbar Deutschlands ausgezeichnet wurde. Er selbst erhielt nahezu jede branchenrelevante Auszeichnung, wurde mehrfach als „Sommelier des Jahres“ geehrt und erhielt den „Award of Honor“. Damit ist er selbst einer der interessantesten Sommeliers unserer Zeit und geradezu prädestiniert, diesen besonderen Podcast zu hosten.
Jeder und jede seiner Gäste bekommt die gleichen Fragen, und doch ist jedes Gespräch anders. Ein Podcast für alle, die Freude am Wein und/oder am Gastgeben haben.
Unterstützt und begleitet wird dieses Format von den Weingütern aus dem Programm der Schlumberger Gruppe, die mit den Handelshäusern Schlumberger, Segnitz und Consigliovini sowie dem Bremer Weinkolleg aktiv ist. Die Branchenunterstützung wird in diesen Unternehmen sehr groß geschrieben. Der 2006 verstorbene Hermann Segnitz hat bereits Mitte der achtziger Jahre den „Sommelier des Jahres“ und den „Maitre des Jahres“ ausgelobt und seine tiefe Wertschätzung für diese besonderen Menschen öffentlich kundgetan. Mit diesem Podcast schließen wir an die historische Tradition an und führen sie in zeitgemäßer Form weiter.
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