14 Episoden
Warum lieben Rechtsradikale das antike Griechenland? (über »Bronze Age Mindset«)
19.10.2026 | 1 Std. 25 Min.Dass rechtspopulistische Parteien weltweit Erfolge feiern, daran hat man
sich gewöhnt. Meistens werden deren Wortführer als gefährliche
Vereinfacher dargestellt, als intellektuelle Herausforderung betrachtet
man sie kaum je. Doch tatsächlich hat der sogenannte Vibe-Shift durchaus
einen intellektuellen Überbau, er ist nicht nur populistisch, sondern
auch elitär. Eines der prominentesten Bücher aus der kompromisslos
rechtsradikalen Intellektuellenbubble ist das 2018 erschienene Werk
»Bronze Age Mindset«, das, obwohl im Selbstverlag erschienen, sogleich
ein Verkaufserfolg in den USA wurde. Im Milieu der philosophischen
Strippenzieher der Maga-Bewegung wurde das Buch mit heißen Wangen
gelesen; in Deutschland hingegen hat man es so gut wie nicht
wahrgenommen.
Der anonyme Autor des Buches nennt sich »Bronze Age Pervert«, unter
diesem Pseudonym war er schon vor 2018 auf Twitter zu einiger
Bekanntheit gelangt. Der Bronze Age Pervert sieht sich selbst als einen
Nietzsche-Nachfolger, der sehr viel Philosophie gelesen hat und vom
nietzscheanischen Übermenschen träumt. Seine Helden: die griechischen
Heroen der Bronzezeit wie Achill und Odysseus, die keine Moral kannten,
sondern nur für Schönheit, Ruhm und Stärke lebten. Moral ist für Bronze
Age Pervert nur ein Mittel egalitärer Gesellschaften, große Individuen
kleinzuhalten. Dieses System nennt er »das Langhaus« – dem Konformismus
des Langhauses gilt es zu entkommen, um wieder ein heroisches, großes
Leben in Schönheit und Stärke führen zu können. Mit Nietzsche kämpft er
gegen den »Aufstand der Sklavenmoral« und für ein glanzvolles neues
Barbarentum – für die »blonde Bestie«, wie es bei Nietzsche heißt.
Man kann und muss dem Buch »Bronze Age Mindset« vieles und das
Schlimmste vorwerfen: Es ist antisemitisch, rassistisch und misogyn.
Aber eins ist es nicht: banal oder ungebildet. Leider im Gegenteil. Wie
funktioniert menschenverachtendes, faschistisches Denken für unsere
Gegenwart? Dieser ungemütlichen Frage gehen Ijoma Mangold und Lars
Weisbrod nach in der neuen Folge von »Die sogenannte Gegenwart«.
Patrick Deneens Aufsatz »Wir sind jetzt alle Postliberale« findet sich
in dem von Veith Selk und Julian Nicolai Hofmann herausgegebenen Band
»Postliberalismus? Eine transatlantische Debatte«.
Leo Strauss’ Aufsatz »Three Waves of Modernity« im Volltext hier:
Ab dem 15.1.2025 sind Teile des Archivs von "Die sogenannte Gegenwart?"
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testen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos DIE ZEIT. Hier geht's zum Angebot.- Der »neue Vater«, er war einst ein schillernder Modebegriff. Seit den
Nullerjahren sprach man von ihm: dem feministisch bewegten Mann, der die
ganze Zeit »voll da« sein wollte. Das Kind in der Babytrage umgeschnallt
durch die Windelabteilung von dm laufend, mit Spüliflasche in der Hand
und zersauseltem Haar den Abwasch machend – so prägte er den Zeitgeist.
Und war bei alledem, sowohl von Konservativen als auch von
Feministinnen, starkem Spott ausgesetzt.
Was macht dieser neue Vater eigentlich heute? Wie verhält sich seine
linksliberale Begeisterung fürs Familienleben zur neuen, konservativen
oder postliberal-positiven Idee von Familie, Vaterschaft und
Verantwortung? Und warum zeigt heute sogar der karrierebewusste und
erfolgsorientierte Machertyp seinen Status nicht mehr nur gern mit
teurer Uhr und Segelboot – sondern gibt damit an, dass er – anders als
ein abhängig beschäftigter Lowperformer – frei über seine Zeit mit den
Kindern verfügen kann?
In der aktuellen Folge von »Die sogenannte Gegenwart« sprechen Nina
Pauer und Lars Weisbrod über die »neuen« neuen Väter, die ihnen jetzt
überall begegnen. Sie fragen sich, ob sich die Geschlechter bei der
heutigen Elternschaft einander anpassen, abschaffen oder doch wieder nur
verstärken. Und was all das mit Baby Yoda aus der Star-Wars-Serie »The
Mandalorian« zu tun haben könnte.
Das Thema beginnt bei Minute 17:45.
SHOWNOTES:
Anna Machin: The Life of Dad. The Making of A Modern Father.
Simon&Schuster, 2018.
Star Wars: Baby Yoda Dad
Gewichtsabnahme bei Männern: Vater, Anfang 40, hungrig, Text von Nina
Pauer, 2026
Geschlechterrollen: Wie werde ich meine innere Hausfrau los?, Text von
Nina Pauer, 2024
Karl-Ove Knausgard: Lieben. btb, 2013.
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nach Jahren im kalifornischen Exil erstmals zurück nach Deutschland, um
den Goethe-Preis entgegenzunehmen – und zwar gleich zweimal. Denn sowohl
Westdeutschland als auch die DDR wollen ihn ehren, schließlich beginnt
gerade der Kalte Krieg und damit die Ost-West-Rivalität.
Der polnische Regisseur Paweł Pawlikowski erzählt in seinem Kinofilm
»Vaterland« diese Episode. Hanns Zischler spielt Thomas Mann, Sandra
Hüller die Tochter Erika, wie beide nach zwölf Jahren
Nationalsozialismus durch das zerbombte Deutschland reisen, Alt-Nazis
und Neu-Stalinisten begegnen und nach etwas suchen, was einmal
Deutschland war, aber vielleicht auch nur im Kopf von Thomas Mann
existiert hat.
Der Film hat fast etwas Gespenstisches, weil er sich anfühlt, als passe
er mitten in unsere Gegenwart. Warum? Wo ist das mythische Deutschland
Goethes, auf das sich Thomas Mann berief (»Wo ich bin, ist Deutschland«)
und für das er selbst steht, eigentlich geblieben? Gab es das überhaupt
je? Und wenn ja, kommt es aktuell, von rechts außen, womöglich wieder
zurück?
Diesen Fragen widmen sich Nina Pauer und Ijoma Mangold in einer neuen
Folge des Feuilleton-Podcasts »Die sogenannte Gegenwart«.
Shownotes:
Thomas Mann: »Deutsche Hörer! Radiosendungen nach Deutschland.«
Neuausgabe mit einem Vorwort und einem Nachwort von Mely Kiyak, S.
Fischer, 2025.
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testen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos DIE ZEIT. Hier geht's zum Angebot. - Das Wort »Post« ist Latein und bedeutet »nach« – und schon seit vielen
Jahren sind Intellektuelle geradezu verliebt in diese Vorsilbe. Bekannt
und berüchtigt sind inzwischen Begriffe wie »Postmoderne« und
»Postkolonialismus«. Aber was ist der »Postliberalismus«, von dem
neuerdings alle reden?
Die kurze Antwort: Der Postliberalismus ist eine politische Philosophie,
die über den Liberalismus hinausgehen will. Die Postliberalen glauben,
dass die Schwächen, Konstruktionsfehler und Leerstellen des Liberalismus
verantwortlich sind für die politische und gesellschaftliche Großkrise,
in der wir stecken – und er will Alternativen zu dieser Krise anbieten.
Seine Gegenmittel: Tugend. Familie. Religion. Und ein guter Schuss
Paternalismus. Der Postliberale will den einsamen Individualismus, der
uns angeblich plagt, überwinden und stattdessen wieder eine gemeinsame
Idee des Guten in den Mittelpunkt stellen. Eine Idee, auf die wir alle
verpflichtet sind. Und zwar selbst dann, wenn wir ganz individuell gar
keine Lust auf sie haben. Vielleicht will der Postliberale den
Liberalismus sogar ganz abschaffen; das jedenfalls befürchten die
(liberalen) Kritiker der postliberalen Philosophie.
Egal wie man zu ihm steht: Der Postliberalismus gehört zu den
wichtigsten Theorietrends der letzten Jahre. Vielleicht ist er
tatsächlich die zentrale Leitidee einer neuen Gegenwart, die angebrochen
ist, jetzt, wo die Anziehungskraft von Wokeness, Kulturkampf und
Linksliberalismus schwindet. Der Einfluss (und die Gefährlichkeit) des
Postliberalismus zeigt sich vor allem in den USA, wo zentrale Figuren
der Trump-Regierung mit ihm verbunden sind: Vizepräsident JD Vance gilt
als rechter Postliberaler, Verteidigungsminister Pete Hegseth hat beim
postliberalen Politikwissenschaftler Patrick Deneen studiert.
In der neuen Folge von »Die sogenannte Gegenwart« sprechen Ijoma Mangold
und Lars Weisbrod über die angesagte Hype-Theorie aus der politischen
Philosophie und fragen: Wie autoritär ist der Postliberalismus wirklich?
Kann es auch einen linken Postliberalismus geben? Und was ist eigentlich
das »gemeinsame Gut«, auf das wir uns verpflichten sollen? Müssen wir
jetzt sonntags alle wieder in die Kirche gehen? Oder tut’s auch eine
Gewerkschaftsmitgliedschaft?
Und noch ein Hinweis:
Am 14. Oktober kommt »Die sogenannte Gegenwart« für einen Livepodcast
nach Düsseldorf. Tickets gibt es hier.
Shownotes
Wir sprechen über die Bücher
- »Why Liberalism Failed« von Patrick Deneen aus dem Jahr 2018
- »Postliberalismus? Eine transatlantische Debatte« herausgegeben von
Veith Selk und Julian Nicolai Hofmann und gerade erschienen bei
Suhrkamp
- dazu die Rezension im Deutschlandfunk von Nils Schniederjann
- »Politics of Virtue« von John Milbank und Adrian Pabst aus dem Jahr
2016
Außerdem über die Aufsätze
- »In search of the common good: The postliberal project Left and
Right« von Stefan Borg – eine gute Einführung ins Thema
- »States that are essentially by-products« von Jon Elster. Der
Aufsatz ist unter anderem in Elsters wichtigem Buch »Sour Grapes«
von 1983 abgedruckt.
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überall, wo es Podcasts gibt.
Klodian Makashi soll ein Konzert des umstrittenen Rappers Kanye West in
Albanien organisieren. Das Problem: Es gibt kein Stadion im Land, das
groß genug ist. Seine Lösung: Dann bauen wir halt eins. Für eine einzige
Nacht – und in zwei Monaten.
Zwischen Größenwahn, moralischen Fragen und Massenprotesten beginnt ein
riskantes Mega-Projekt.
"Mission Kanye" finden sie hier auf Apple Podcasts und hier auf Spotify.
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Über Die sogenannte Gegenwart
Was kommt nach dem Zeitalter der Wokeness? Leben wir schon in der posttherapeutischen Gesellschaft? Warum spielen Erwachsene heute so gern mit Lego? Und was verrät die Serie “White Lotus” über den Niedergang des Westens? Vom neuen Katholizismus bis zur KI, von Dark Academia bis zum Samba-Schuh von Adidas: Im Feuilleton-Podcast sprechen wir über die großen und die kleinen Phänomene, die unsere Zeit ausmachen – die ZEIT-Redakteure Nina Pauer, Ijoma Mangold und Lars Weisbrod begleiten die Hörerinnen und Hörer durch die Gegenwart.
Dieser Podcast wird produziert von Pool Artists.
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