Was passiert, wenn KI nicht mehr nur Texte zusammenfasst, sondern als
psychologischer Lebensbegleiter auftaucht – als Gesprächspartner,
Beruhigungsmaschine, Spiegel, Ersatzfreund, Minitherapeut to go? Nina
Pauer gesteht, warum sie lieber "Hallo" in ein Chatfenster tippt, als
noch einmal vier Minuten in Instagram-Clips zu versinken – und wie sich
das sauberer, ruhiger, sogar selbstermächtigender anfühlen kann. Ijoma
Mangold schwärmt von Claude wie von einem klugen Buch, das
zurückspricht: elegant, klar, literaturfähig. Und Lars Weisbrod? Er ist
der Spalter – mit einer fast pathologischen Abneigung gegen die höfliche
Willfährigkeit der Maschine. Wer sich von Social Media schon einmal
"zerstört" fühlte, fragt nicht neugierig nach dem nächsten
Silicon-Valley-Geschenk.
Ist das, was wir da führen, überhaupt ein Gespräch? Oder eher eine
Simulation von Reziprozität – ein Programm, das per Design nicht
widersprechen darf, weil es gefallen, binden, monetarisieren soll? Ist
KI die ultimative Schmeichelmaschine, die uns so präzise spiegelt, dass
es schon peinlich wird ("Bin ich wirklich so leicht zu haben?") – oder
erfüllt sie, wie Bücher es immer getan haben, eine alte Kulturtechnik
der Selbsterkenntnis, nur eben turbo-beschleunigt? Ijoma Mangold wirft
die provokante These in den Raum: Bücher als Small Language Models – und
KI als Weltbibliothek, die deine Suchbewegungen abkürzt. Lars Weisbrod
hält dagegen: Genau der Widerstand, das Unbequeme, das "Nein" mache
Kunst und Denken aus. Und Nina entdeckt in der KI etwas, das
gleichzeitig tröstet und verstört: eine entgrenzte Mütterlichkeit,
Hypervalidierung fürs überreizte Nervensystem, Beruhigung statt
Vertiefung – "posttherapeutisch" eben.
Wenn die Maschine immer verfügbar ist, was bleibt dann knapp – und damit
kostbar? Körper, Wald, Knien zum Gebet in der Kirchenbank? In dieser
Folge der Sogenannten Gegenwart wird gestritten, gespiegelt, getröstet
und widersprochen. Genau das, was die KI (noch) nicht kann. Was sie
hingegen schon sehr gut kann: den Inhalt einer Podcastfolge
zusammenfassen – weshalb wir für diesen Text auf ihre Dienste
zurückgegriffen haben.
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Ab dem 15.1.2025 sind Teile des Archivs von "Die sogenannte Gegenwart?"
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