In der neuen Folge von „Der Denkwandler®“ geht es um eine Frage, die auf den ersten Blick provokant klingt: Warum bauen wir heute Gebäude, die als besonders nachhaltig gelten und schaffen damit gleichzeitig neue Abhängigkeiten für die nächsten Jahrzehnte?
Ich spreche darüber, warum moderne Mehrfamilienhäuser mit Staffelgeschoss, Gründach und einer kleinen Photovoltaikanlage oft genau das Gegenteil von dem erzeugen, was versprochen wird. Obwohl sie als besonders ökologisch vermarktet werden, erzeugen viele dieser Gebäude nur etwa 5 bis 8 % ihrer benötigten Energie selbst. Der Rest muss über Jahrzehnte teuer von außen eingekauft werden, inklusive aller Preisentwicklungen, Umlagen und politischen Einflüsse.
Für mich liegt das Problem dabei weniger in einzelnen Technologien als in der Art, wie wir Gebäude heute grundsätzlich denken. Wenn Energie künftig einer der größten Kostenfaktoren für Mieter und Eigentümer wird, dann muss sich Architektur daran orientieren. Statt Dachflächen für Prestige und Luxus zu verschenken, sollten Gebäude möglichst viel Energie selbst erzeugen, auf dem Dach, an Fassaden und als Teil eines ganzheitlichen Konzepts.
Ich spreche außerdem darüber, warum wir in unseren Projekten immer Heizung, Warmwasser, Haushaltsstrom und Mobilität gemeinsam betrachten und warum daraus Modelle wie Energieflatrates entstehen, die für Mieter einfacher und für Vermieter wirtschaftlich stabiler werden können.
Wirklich nachhaltiges Bauen entsteht nicht durch immer mehr Technik oder Zertifikate, sondern durch einfache Systeme, die langfristig funktionieren und Menschen unabhängiger machen.