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Studio Kindler

Jean-Philippe Kindler
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  • Studio Kindler

    Folge 43: Die Folgen der "Reformen"

    05.07.2026 | 55 Min.
    Vor drei Tagen hat die Bundesregierung ein Reformpaket bestehend aus 34 Maßnahmen vorgestellt, mit dem noch der letzte Rest an Produktivität aus den Körpern der arbeitenden Menschen gequetscht werden soll.
    Die gesundheitlichen und ökonomischen Folgen der Beschlüsse lassen sich ganz gut vorhersagen. Warum? Weil es 1996 einen sehr ähnlichen Versuch gab, Arbeiter*Innen zu disziplinieren, das von Schwarz-Gelb initiierte "Programm für mehr Wachstum und Beschäftigung". Damals wurde die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall von 100% auf 80% gesenkt. Die Begründung damals war beinahe wortgleich mit der von vor drei Tagen: Die Leute würden zu wenig arbeiten, Deutschland habe einen Wettbewerbsnachteil, es braucht mehr Produktivität und Investitionen.
    Nicolas R. Ziebarth und Martin Karlsson haben untersucht, zu was das 1996er Programm geführt hat und die Ergebnisse verdeutlichen, was die Folge der aktuellen Reformen sein werden: Die krankheitsbedingte Abwesenheit aufgrund von nicht ansteckenden Diagnosen ging zwar um 30% zurück, allerdings gingen Menschen mit ansteckenden Erkrankungen dafür häufiger krank zur Arbeit. Dieses als "Präsentismus" bekannte Phänomen bleibt in der Debatte allerdings medial völlig unterbeleuchtet.
    Und das ist tatsächlich einigermaßen wahnsinnig: Präsentismus kostet ein deutsches Unternehmen pro Mitarbeiter/Jahr etwa 2400 Euro. Die Kosten für Absentismus liegen bei nur 1200 Euro pro Mitarbeiter/Jahr. Es ist also doppelt so teurer für deutsche Unternehmen, wenn Mitarbeiter*Innen krank zur Arbeit gehen im Vergleich zu dem, was Unternehmen bezahlen müssen, wenn ihre Mitarbeiter*Innen sich krank schreiben lassen.
    Die Folgen von Präsentismus sind verheerend, wie die Whitehall-ll-Studie zeigt: Menschen, die regelmäßig krank zur Arbeit gehen, sind einem viel höheren Risiko ausgesetzt, chronisch zu erkranken. Auch das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko steigt enorm.
    Es zeigt sich also: Der deutsche Staat versucht derzeit, auf Kosten der arbeitenden Menschen, Schritt zu halten im globalen, imperialen Wettbewerb.
    Quellen und Links:

    - Studie Folgen 1996er Programm 1
    - Studie Folgen 1996er Programm 2
    - Studie Kosten Präsentismus
    - Studie Whitehall-ll
    - Volle Kanne Beitrag Präsentismus
    - Novitas BKK Erklärvideo Präsentismus

    Ticketlink für "KUNST & KAMPF" mit Olivier David und mir in Hamburg.

    Danke fürd Zuhören/Zuschauen!
  • Studio Kindler

    Folge 42: Wenn Reiche reicher werden, nennen Medien das "Inflation"

    22.06.2026 | 1 Std. 7 Min.
    Als ich vor einigen Tagen ein Reel postete, in dem ich Lebensmittelpreise aus dem Jahr 2002 zu erraten versuchte, gab es einige Kommentare á la: "Naja, das nennt sich halt Inflation, Teuerungen haben nichts mit Politik zu tun".
    Genau das habe ich mir mal angeschaut anhand der Preissteigerungen im Supermarkt und bei der Miete. Wir werden sehen: Vor allem die Inflation der Jahre 2021-2023 war Greedflation: Unternehmen nutzten die inflationäre Stimmung in der Bevölkerung um Preise (und damit Gewinne) massiv zu steigern.
    Wenn Geld von unten nach oben umverteilt wird, ist das ein unpolitischer, naturalisierter Vorgang namens “Inflation”, wenn Geld von oben nach unten umverteilt werden soll, wird das stets als politischer Vorgang diskutiert und dementsprechend scharf als ideologisch kritisiert.

    Links und Texte:

    - ZDF Doku "Wer verdient an unseren Lebensmitteln"
    - Text: "Investoren treiben Mieten in die Höhe"
    - Erklärvideo Isabelle Weber zur Seller's Inflation
    - Interviewausschnitt Zohran Mamdani
    - Studie Umverteilung durch Mietzahlungen

    Danke fürs Zuhören! Teilt die Folge gerne mit euren Liebsten oder bei Social Media, das hilft immer sehr.
  • Studio Kindler

    Folge 41: Die Gesundheitsreform wird Menschenleben kosten (Mit Hörerin Enky)

    30.04.2026 | 50 Min.
    Folge 41: Die Gesundheitsreform wird Menschenleben kosten - mit Hörerin Enky 

    Ich wollte immer schon gerne regelmäßig Folgen mit Menschen aufnehmen, die Studio Kindler hören und was zu erzählen haben. Enky hatte sich bei mir in Reaktion auf Folge 34 gemeldet, damals ging es um die Krankentage-Diskussion. Sie erzählte mir, dass ihr Vater letztes Jahr durch einen Schlaganfall starb - weil er krank zur Arbeit gegangen ist. Nun steht uns die Gesundheitsreform der Bundesregierung bevor. Teil der Reform ist die „Teilzeitkrankschreibung“. Warum das so gefährlich ist, was es bedeutet, wenn der eigene Vater an Überarbeitung stirbt und Enkys Perspektive auf die gesundheitspolitischen Entscheidungen im Allgemeinen hört ihr in Folge 41 von Studio Kindler. 

    Ich danke Enky wirklich von ganzem Herzen, dass sie ihre Geschichte erzählt hat. Checkt doch mal ihr TikTok-Profil aus: @sorgenkynd

    <3
  • Studio Kindler

    Folge 40: Wie geht Bock auf Sozialismus? Mit Tina und Odie von der KSP

    21.04.2026 | 1 Std. 20 Min.
    In Folge 40 treffe ich mich mit Tina und Odie und spreche über die „Kampagne für eine sozialistische Partei“ (KSP). Wir reden darüber, wie und ob man es schaffen kann, sozialistische Praxis über zivilgesellschaftliches Engagement und echte Begegnung zu etablieren. Was daran schwierig ist und warum die KSP erst einmal herausfinden will, ob Leute Bock auf Sozialismus haben, erfahrt ihr in dieser Episode. Ein ganz herzliches Dankeschön an die beiden fürs Mitmachen!

    Wenn ihr auf dem Laufenden bleiben wollt über die Diskussionen und Aktivitäten in den unabhängigen, zivilgesellschaftlichen Projekten, in denen KSP-Mitglieder aktiv sind bzw. die sie aufbauen (Mietergewerkschaft, Freie Lernhilfe & Musikschule, Zeichenzirkel, Erwerbslosen- und Familiencafés, solidarische Restaurants und Kneipen, Sportprojekte etc.), sowie die nächsten Stammtische und sozialistischen Salons, eine Frage, Kritik oder Hinweise loswerden wollt, gehts hier zur offenen Austauschgruppe

    Willkommen sind alle Interessierten, unabhängig davon, ob oder wo sie sonst noch organisiert sind. 

    Und hier alle weiteren KSP-Kanäle.

    #GesellschaftOrganisieren
  • Studio Kindler

    Folge 39: Der Remigrationskanzler

    15.04.2026 | 1 Std. 5 Min.
    2023 gehen Millionen von Menschen auf die Straße - gegen den „Masterplan Remigration“, vorgestellt vom rechtsextremen Martin Sellner bei einer Geheimkonferenz nahe Potsdam. Das Ganze löste damals eine Protest-Welle aus, „Remigration“ wurde sogar zum Unwort des Jahres. 

    Drei Jahre später, im April 2026, redet Kanzler Friedrich Merz davon, dass 80% der in Deutschland lebenden Syrer*Innen in ihr Heimatland zurückkehren sollen. Grund genug, die aktuelle Migrationspolitik der Merz-CDU mit dem Konzept der „Remigration“ zu vergleichen. Wir werden sehen: Friedrich Merz möchte das umsetzen, was Martin Sellner 2023 als feuchten Traum der Rechtsextremen vorgestellt hat.
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Über Studio Kindler
Wie werden politische Entscheidungen sprachlich vorbereitet und gerechtfertigt? Das schaut sich Autor und Comedian Jean-Philippe Kindler einmal die Woche anhand von Clips, Studien und Zeitungsartikeln an. Wer die Wirkungsweise von Herrschaft verstehen will, muss sich mit den dazugehörigen Codes beschäftigen.
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