In dieser Folge von „Freiraum für Führungskräfte“ spricht Nicole Zätzsch mit der Autorin, Rednerin sowie Leadership- und Vertrauensexpertin Karin Lausch. Sie arbeitet als Executive Coach und Keynote Speakerin und ist Bestseller-Autorin. Ausgezeichnet wurde sie unter anderem als LinkedIn Top Voice und Personio HR Top Voice 2024. Karin Lausch setzt sich mit großer Klarheit und Leidenschaft für zukunftsfähige Führung, vertrauensvolle Zusammenarbeit und psychologische Sicherheit ein. Bereits in ihrem ersten Buch Trust Me vertritt sie die These, dass Vertrauen immer eine eigenverantwortliche Entscheidung ist und langfristig der bessere Weg.
Im Mittelpunkt des Gesprächs steht ihr aktuelles Buch Feel Safe. Be Brave.. Darin zeigt Karin Lausch, warum psychologische Sicherheit weit mehr ist als ein Wohlfühlkonzept und weshalb Mut, Klarheit und das Aushalten von Unbequemem zu den zentralen Aufgaben moderner Führung gehören.
Was psychologische Sicherheit wirklich bedeutet
Psychologische Sicherheit meint die Bereitschaft, zwischenmenschliche Risiken einzugehen. Es geht darum, sich zu trauen, Fehler sichtbar zu machen, Fragen zu stellen oder den Status quo zu hinterfragen, ohne Angst vor Bloßstellung oder Ausgrenzung zu haben. Entscheidend ist, dass die Person selbst dabei nicht infrage gestellt wird, auch wenn sie den vermeintlich störungsfreien Ablauf unterbricht.
Der Ursprung unserer Schutzmechanismen
Viele unserer Anpassungsstrategien entstehen früh. Anhand einer Kindergarten-Situation beschreibt Karin Lausch, wie uns schon früh vermittelt wird, dass Harmonie und Gehorsam oft wichtiger sind als die eigenen Gefühle oder die eigene Meinung. Diese Muster wirken im Erwachsenenalter weiter und führen dazu, dass Mitarbeitende im Arbeitskontext schweigen, obwohl ihre Perspektiven wertvoll wären.
Psychologische Sicherheit als Wirtschaftsfaktor
Fehlende psychologische Sicherheit ist kein weiches Thema, sondern ein relevanter ökonomischer Faktor. Mangelnde emotionale Bindung, inneres Kündigen und kollektives Schweigen verursachen enorme Kosten. Zusätzlich wird ein erheblicher Teil der Arbeitszeit für Tätigkeiten aufgewendet, die niemand kritisch hinterfragt, weil der Mut dazu fehlt.
Die fünf Handlungsfelder für Führung
Mit Vereinbarung, Vertrauen, Verbindung, Verantwortung und Veränderung beschreibt Karin Lausch einen klaren Rahmen, mit dem Führungskräfte psychologische Sicherheit aktiv gestalten können. Besonders zentral ist die Vereinbarung. Begriffe wie Augenhöhe oder Offenheit brauchen eine gemeinsame Definition, damit sie im Alltag Orientierung geben und nicht zu leeren Schlagworten werden.
Der Juckpulli als Metapher
Viele Menschen verharren jahrelang in belastenden Situationen. Karin Lausch vergleicht das mit einem kratzenden Pullover auf nackter Haut, den man anbehält, um sich nicht zu blamieren. Dabei bindet das Aushalten enorm viel kognitive Energie, die für Kreativität, Lernen und Leistung fehlt.
Fazit
Wahre psychologische Sicherheit entsteht nicht durch komplexe Konzepte, sondern in den kleinen Mikromomenten des Alltags. Wenn Führungskräfte den Mut haben, sich verletzlich zu zeigen, Klarheit zu schaffen und Räume für echte, auch unbequeme Gespräche bewusst auszuleuchten, entsteht die Grundlage für Innovation, Gesundheit und echte emotionale Bindung im Team.
Links zum Buch:
https://shop.haufe.de/prod/feel-safe-be-brave
https://www.amazon.de/dp/3689510759/ref=sr_1_1
Link zu LinkedIn:
https://www.linkedin.com/in/karin-lausch/?originalSubdomain=de