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Flurfunk Geschichte

Daniel und Solveig
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    FG068 - Von Gottes Gnaden: Friedrich Wilhelm IV.

    30.04.2026 | 2 Std. 13 Min.
    Friedrich Wilhelm IV. lehnte 1849 die Kaiserkrone ab – und gab damit einer ganzen Generation den Korb. Aber warum? Daniels Lieblingspreußenkönig bekommt endlich seine eigene Folge – zur Freude des einen, zum leisen Leid der anderen: Solveig findet die Hohenzollern bräsig, jedenfalls deutlich weniger unterhaltsam als die Habsburger. Zusammen schauen wir diesmal tief in Briefe, Reden und private Notizen – von der Kindheit im Exil bis zur Revolution 1848 – und fragen: Was hat diesen Mann geformt? Und was war ihm am Ende wichtiger als die Kaiserkrone?

    Die Folge ist eine Doppelfolge mit Flurfunk Paulskirche, Folge 11: Erwählter Kaiser der Deutschen. Dort geht es um die Ereignisse von 1848 aus der Perspektive der Nationalversammlung.

    Kindheit im Exil und stete Ermahnungen

    Friedrich Wilhelm IV. wird 1795 geboren. Seinen zwölften Geburtstag erlebt er im Exil in Memel – Napoleon hat Preußen besiegt, die Familie ist geflohen. Der Kronprinz überrascht seine Mutter mit einem kleinen Geschenk. Königin Luise antwortet mit einem Brief, der Druck aufbaut: Preußens Größe sei dahin, der Vater unglücklich – und von ihm, dem Kronprinzen, erwarte sie Fleiß, Gehorsam und Opferbereitschaft. Auch sein Erzieher und sein Vater mahnen in dieselbe Richtung: Gehorsam, Ordnung, Opfer. Den Hang zum Zeichnen und zur Kunst soll er bitte zurückstellen.

    König des Friedens

    Mit dem Tod Friedrich Wilhelms III. 1840 besteigt Friedrich Wilhelm IV. den Thron. Er amnestiert die Demagogen – die Brüder Grimm dürfen nach Berlin, Arndt zurück nach Bonn. Liberale Geister schöpfen Hoffnung. In seinen Huldigungsreden – zuerst in Königsberg, dann in Berlin – betont er die Verbindung von Volk und König und seine Verantwortung vor Gott. Dabei tut er etwas Neues: Er tritt als erster König in der preußischen Geschichte vor die Menschen und hält eine Volksansprache – fragt sein Volk nach einem „ehrenfesten Ja" und bekommt es von tausenden Stimmen zurück. Der schönste Satz dieser Rede, so findet zumindest Daniel, ist der verklausulierte Friedensappell: Wem der Sinn nicht nach einer sogenannten glorreichen Regierung steht, der fasse Vertrauen zu mir. Er will kein zweiter Friedrich der Große werden, sondern ein friedvoller Patriarch.

    Der göttliche Draht

    Novalis hat es formuliert, Friedrich Wilhelm hat es gelebt: Die Monarchie beruht auf dem Glauben an einen höher geborenen Menschen. Die Konstitution besteht aus der Verantwortung des Monarchen vor Gott – nicht aus einem Stück Papier. Dazu kommt eine mystisch-sakrale Überzeugung, die Friedrich Wilhelm selbst gegenüber seinem Freund Bunsen formuliert: Es gebe Dinge, die man nur als König wisse – nicht weil man den Schlüssel zu Papas Aktenschrank bekommt, sondern weil der Heilige Geist auf mystische Weise eingibt, was das Volk braucht. Das klingt für heutige Ohren befremdlich. Für Friedrich Wilhelm war es der Kern seiner Identität.

    Der Dom der Einheit

    Als Kronprinz hatte Friedrich Wilhelm 1815 seine Hände in den Rhein getaucht und sich drei Kreuze auf die Stirn gezeichnet. Der Kölner Dom – seit Jahrhunderten Bauruine, Baukran inklusive – wird für ihn zum Symbol deutscher Einheit und konfessionellen Friedens. Als König fördert er 1840 den Dombauverein, gibt 50.000 Taler und legt 1842 den Grundstein – mit Metternich und Erzherzog Johann gegenüber, die mindestens genauso viel geben wollen, damit bloß kein falscher Eindruck preußischer Vorherrschaft entsteht. Seine Rede zur Grundsteinlegung bewegt alle – der preußische König geht dem Erzbischof auf der Estrade entgegen, dessen Vorgänger sein Vater noch in die Festung Minden gesperrt hatte. Doch der neue König scheint einen Hang zum Katholizismus zu haben und bietet dem Papst – ganz ernst gemeint – Schloss Brühl als Exilresidenz an, als die Revolution von 1848 den Kirchenstaat bedroht.

    Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zur Eröffnung des " Vereinigten Landtags" am 11. April 1847

    Bankrotterklärung

    Im Laufe des Revolutionsjahres 1848 scheint sich der König mit einer neuen - konstitutionellen - Identität anzufreunden. Doch am 12. Oktober 1848 streicht die preußische Nationalversammlung mit 217 zu 134 Stimmen die Worte „Von Gottes Gnaden" aus dem Verfassungsentwurf. Der Abgeordnete Schulze-Delitzsch vergleicht die Formel mit einer bankrotten Firma, die man nicht ins neue Geschäft hinübernehme. Was die Mehrheit für eine leere Floskel hält, ist für Friedrich Wilhelm der Kern seines Selbstverständnisses – und das Ende seiner Kompromissbereitschaft. Das Ministerium wird entlassen, General Wrangel rückt in Berlin ein, die Nationalversammlung wird aufgelöst. Aus eigener Machtvollkommenheit oktroyiert Friedrich Wilhelm seinem Land dann doch eine Verfassung – im Wesentlichen das, was die Versammlung erarbeitet hatte, aber eben von ihm gegeben, nicht erkämpft. Mit „Von Gottes Gnaden" im Titel und später redigiert. An Kaiser Franz Joseph schreibt er 1854: Er habe eine „miserable, französisch-moderne Konstitution" beschworen, aber sein Wort sei heilig.

    Weltbild als Architektur

    Nach 1848 ist Friedrich Wilhelm nach Aussage von Zeitgenossen nicht mehr der Alte. In architektonischen Entwürfen versucht er weiterhin sein Weltbild festzuhalten. Sein bleibendes Vermächtnis ist die Potsdamer Parklandschaft mit Friedenskirche und Schloss Charlottenhof. 1857 erleidet er Schlaganfälle, sein Bruder Wilhelm übernimmt. Am 2. Januar 1861 stirbt er in Sanssouci und wird in der von ihm selbst geplanten Friedenskirche in Potsdam beigesetzt. Sein Herz liegt gesondert bei seiner Mutter im Mausoleum Charlottenburg.

    Gruft in der Friedenskirche mit den Sarkophagen Friedrich Wilhelms IV. (vorne) und Königin Elisabeths (dahinter)

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    FG067 - Kaiser Wilhelms große Liebe: Elisa Radziwill

    09.04.2026 | 1 Std. 17 Min.
    In dieser Folge widmen wir uns einer Beziehung, die weit über eine private Romanze hinausging und als Sinnbild für das komplexe Verhältnis zwischen Deutschland bzw. Preußen und Polen gelesen werden kann. Wir untersuchen die Begegnung zwischen dem preußischen Prinzen Wilhelm I. und der polnischen Adeligen Elisa Radziwiłł und gehen der Frage nach, welche historischen Weichenstellungen durch das Scheitern dieser Verbindung möglicherweise verpasst wurden.

    Eine Fortsetzung unserer Reihe zu preußischen Frauen

    Mit dieser Folge löst unser Gast Michael ein Versprechen ein, dass er in einer früheren Folge gegeben hat. Denn schon im Rahmen unseres Frauenjahres war Michael bei uns zu Gast und hat uns von preußischen Königinnen erzählt. Im zweiten Teil ging es damals dann um morganatische Ehen und Mätressen. Heute geht es um eine Ehe, die eigentlich die Chance hatte, Staatsräson und wahre Liebe zu vereinen. Am Ende aber doch nicht sein durfte.

    Das Haus Radziwiłł: Macht und europäische Verflechtung

    Zunächst sprechen wir über die Bedeutung des Hauses Radziwiłł. Wir stellen fest, dass diese Familie keineswegs zum niederen Adel gehörte, sondern als eines der einflussreichsten Geschlechter im polnisch-litauischen Raum agierte. Mit ihrem enormen Grundbesitz und ihren bedeutenden Residenzen, wie dem Palais Radziwiłł in der Berliner Wilhelmstraße oder dem heutigen Präsidentenpalast in Warschau, waren sie über Jahrhunderte eng mit den europäischen Dynastien verwoben. Wir beleuchten in diesem Zusammenhang auch die politische Struktur Polens als Adelsrepublik mit Wahlkönigtum, die in deutlichem Kontrast zum preußischen Herrschaftsverständnis stand.

    Die Hürde der Ebenbürtigkeit und das System der Gutachten

    Der entscheidende Wendepunkt der Geschichte liegt in der Frage der Ebenbürtigkeit der Radziwiłł mit den Hohenzollern. Wir stellen dar, wie sich mit dem Aufstieg Brandenburg-Preußens zur Königswürde die Maßstäbe für standesgemäße Ehen verschärften. Trotz ihres historischen Ranges galten die Radziwiłls plötzlich nicht mehr als gleichrangig mit den Hohenzollern. Wir diskutieren, wie dieser neue dynastische Standesdünkel durch insgesamt 22 juristische Gutachten, unter anderem durch den Geheimrat Friedrich von Raumer, untermauert wurde. Sogar eine Adoption Elisas durch den Zaren Alexander I. oder einen preußischen Prinzen wurde in Betracht gezogen.

    Politische Dimensionen und historische Folgen

    Abschließend betrachten wir die langfristigen Folgen dieser Entscheidung vor dem Hintergrund der Heiligen Allianz. Wir sehen die verbotene Ehe als Beispiel für ein starres politisches System, das keine Abweichungen zuließ, insbesondere da Preußen nach dem Wiener Kongress in ein fragiles internationales Gleichgewicht eingebunden war. Die Geschichte von Wilhelm und Elisa bleibt für uns daher mehr als eine Liebesgeschichte; sie ist ein aufschlussreiches Fallbeispiel für die harten Grenzen des dynastischen Denkens und die vertanen Möglichkeiten in den preußisch-polnischen Beziehungen.

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    FG066 - Heinrich Schliemann - Mit Dynamit nach Troja

    12.03.2026 | 1 Std. 25 Min.
    In dieser Folge beschäftigen wir uns mit einer der bekanntesten und zugleich umstrittensten Figuren der Archäologiegeschichte: Heinrich Schliemann. Sein Name ist untrennbar verbunden mit der Suche nach dem historischen Troja – und mit spektakulären Grabungen, die ihm Ruhm, aber auch viel Kritik einbrachten. Wir sprechen über seinen ungewöhnlichen Lebensweg im 19. Jahrhundert, seine Begeisterung für antike Dichtung und darüber, wie aus dieser Leidenschaft eine der berühmtesten archäologischen Unternehmungen der Geschichte wurde.

    Der ungewöhnliche Weg von Heinrich Schliemann

    Zu Beginn der Folge schauen wir uns an, wie der Lebensweg von Heinrich Schliemann überhaupt zur Archäologie führte. Anders als viele Wissenschaftler seiner Zeit begann er seine Karriere nicht an einer Universität, sondern im Handel. Schliemann arbeitete zunächst als Kaufmann und war in verschiedenen Ländern erfolgreich. Durch seine Geschäfte gelang es ihm, ein beträchtliches Vermögen aufzubauen. Gleichzeitig entwickelte er eine außergewöhnliche Begabung für Sprachen und brachte sich zahlreiche Fremdsprachen selbst bei. Diese internationale Erfahrung und seine finanzielle Unabhängigkeit ermöglichten es ihm später, sich ganz seiner neuen Leidenschaft zu widmen: der Suche nach den Schauplätzen der antiken Epen.

    Die Faszination für Homer und die Welt der Ilias

    Ein entscheidender Ausgangspunkt für Schliemanns archäologische Ambitionen waren die Werke des Dichters Homer. Besonders das Epos Ilias prägte seine Vorstellung von der antiken Welt. Während viele Gelehrte des 19. Jahrhunderts die Geschichten aus der Ilias vor allem als Mythologie betrachteten, war Schliemann überzeugt, dass sich hinter den Erzählungen reale historische Ereignisse verbergen könnten. Für ihn waren die Beschreibungen der Stadt Troja, des Trojanischen Krieges und der darin auftretenden Figuren nicht nur dichterische Erfindung, sondern mögliche Hinweise auf reale Orte und vergangene Kulturen. Diese Überzeugung sollte zum Ausgangspunkt seiner Grabungen werden.

    Die Suche nach Troja

    Im Mittelpunkt der Folge steht Schliemanns entschiedene Suche nach der sagenhaften Stadt Troja. Schließlich begann er mit Ausgrabungen an einem Hügel in der heutigen Türkei: Hisarlık. Dieser Ort war bereits zuvor von anderen Forschern als möglicher Standort der antiken Stadt diskutiert worden. Schliemann ließ dort großflächig graben, weil er überzeugt war, dass sich unter dem Hügel die Überreste von Troja befinden müssten. Dabei gingen er und seine Arbeiter mit großer Geschwindigkeit vor. Um schneller zu den vermeintlich ältesten Schichten vorzudringen, ließ Schliemann große Teile des Hügels abtragen. In der Folge sprechen wir darüber, wie dieses Vorgehen später zu massiver Kritik führte, weil dabei wichtige archäologische Schichten zerstört wurden. Die drastischen Methoden brachten ihm den Ruf ein, sich gewissermaßen „mit Dynamit nach Troja“ gegraben zu haben.



    Der spektakuläre Fund des Schatzes des Priamos

    Einer der bekanntesten Momente in Schliemanns Grabungen war der Fund eines Goldschatzes, den er mit dem trojanischen König Priamos in Verbindung brachte. Der Schatz bestand aus zahlreichen goldenen und wertvollen Objekten und machte Schliemann schlagartig weltberühmt. In der Folge sprechen wir auch darüber, wie Schliemann diesen Fund präsentierte und welche Rolle dabei seine Frau Sophia Schliemann spielte. Berühmt wurde ein Foto, auf dem sie den Schmuck trägt, der angeblich aus dem Schatz des Priamos stammt. Der Fund sorgte weltweit für Aufmerksamkeit, löste jedoch gleichzeitig auch Diskussionen über Datierung, Fundumstände und den Umgang mit den Artefakten aus. Mehr darüber erzählen wir in unserer NACHKLAPP-Folge für alle Unterstützer*innen auf Steady.

    Weitere Ausgrabungen in Mykene

    Schliemanns Interesse beschränkte sich nicht nur auf Troja. Wir sprechen auch über seine späteren Ausgrabungen in der antiken Stadt Mykene. Dort entdeckte er mehrere reich ausgestattete Gräber mit wertvollen Beigaben. Besonders bekannt wurde eine goldene Totenmaske, die Schliemann mit dem legendären Herrscher Agamemnon in Verbindung brachte. Auch hier zeigt sich, wie stark Schliemanns Interpretation der Funde von den homerischen Erzählungen geprägt war. Seine Ausgrabungen in Mykene trugen maßgeblich dazu bei, die bronzezeitlichen Kulturen Griechenlands stärker ins Blickfeld der Forschung zu rücken.

    Zwischen Genie und Kritik

    Zum Ende der Folge werfen wir einen Blick auf Schliemanns Vermächtnis. Einerseits trugen seine Grabungen entscheidend dazu bei, das öffentliche Interesse an der Archäologie zu wecken. Seine Entdeckungen machten die Welt der bronzezeitlichen Kulturen der Ägäis international bekannt. Gleichzeitig wird seine Arbeit bis heute kritisch betrachtet. Viele seiner Grabungsmethoden gelten aus heutiger Sicht als problematisch, weil durch das schnelle und teilweise zerstörerische Vorgehen wichtige archäologische Informationen verloren gingen. Trotz dieser Kritik bleibt Heinrich Schliemann eine zentrale Figur der Archäologiegeschichte – ein Mann, der mit großer Leidenschaft versuchte, die Welt der homerischen Epen mit der archäologischen Realität zu verbinden.

    Hast du Lust, mit uns am 15. März in die Ausstellung „Roads Not Taken“ im Deutschen Historischen Museum zu gehen? Dann melde dich jetzt per Email an:

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    FG065 - Hermann und der deutsche Geist

    12.02.2026 | 1 Std. 53 Min.
    In dieser Episode tauchen wir tief in die Symbolik und Bedeutung von Arminius, dem Cheruskerfürsten, ein. Wir diskutieren, wie er als „Hermann“ zum Inbegriff des deutschen Nationalgefühls wurde und welche Rolle er in der Identitätsstiftung spielt. Dabei beleuchten wir die komplexen historischen und kulturellen Kontexte, die seine Figur umgeben, und wie diese über die Jahrhunderte hinweg – vom antiken Schlachtfeld bis in die bürgerlichen Wohnzimmer des 19. Jahrhunderts – interpretiert wurden.

    Hermann und die deutsche Identität

    Wir beginnen mit einer Einführung in die Figur des Hermann und seiner historischen Bedeutung, insbesondere im Kontext der Varusschlacht. Wir fragen uns: Welche Rolle spielt er in der Konstruktion des deutschen Nationalbewusstseins? Dabei beleuchten wir die verschiedenen Narrative, die sich um Hermann ranken, und wie diese durch die Wiederentdeckung des Tacitus eine neue Dynamik erhielten. Besonders im 19. Jahrhundert wurde Hermann zur „Urzelle“ des Deutschseins hochstilisiert, wobei wir zeigen, dass diese Identität oft über eine künstliche Abgrenzung zu allem „Undeutschen“ definiert wurde.

    Zwischen Befreiungskrieg und Denkmalbau

    Im weiteren Verlauf widmen wir uns der Rezeption Hermanns während der Nationalbewegung. Wir diskutieren, wie Literaten wie Friedrich Gottlieb Klopstock oder Heinrich von Kleist (in „Die Hermannsschlacht“) Hermann als Symbol für Einheit und Widerstand gegen äußere Bedrohungen – insbesondere gegen Napoleon Bonaparte – verwendeten. Ein zentraler Ort dieser Verehrung ist Detmold am Teutoburger Wald. Hier realisierte Ernst von Bandel mit dem Hermannsdenkmal ein Lebensprojekt, das schließlich unter Kaiser Wilhelm I. zur Vollendung kam und den Sieg über Frankreich zementieren sollte.

    Nationalismus und Antisemitismus

    Ein zentrales Thema unseres Gesprächs ist der Zusammenhang zwischen der deutschen Identitätssuche und dem Antisemitismus. Solveig analysiert, wie die Konstruktion eines „reinen deutschen Volkes“ mit dem Ausschluss der jüdischen Bevölkerung einherging. Dies wird schon beim Wartburgfests 1817 deutlich, wo die „Germanomanie“ in der Verbrennung von Saul Aschers Werken gipfelte. Ideologen wie Jakob Friedrich Fries forderten die „Ausrottung der Judenschaft“, da sie diese als Fremdkörper im „deutschen Geist“ betrachteten. Der Nationalismus jener Zeit war somit von Beginn an ein Projekt der Ausgrenzung.

    Die Karlsbader Beschlüsse und die Angst vor dem Geist

    Wir ordnen die Karlsbader Beschlüsse von 1819 neu ein: Diese waren nicht nur staatliche Repression des Systems Metternich, sondern eine direkte Reaktion auf die Radikalisierung der Nationalbewegung. Der Mord von Karl Ludwig Sand an August von Kotzebue wird hierbei als Wendepunkt sichtbar, an dem die Suche nach Freiheit endgültig in einen fanatischen und gewaltbereiten Patriotismus umschlug, der alles „Weichliche“ und „Fremde“ tilgen wollte.

    Hermann "Ari" bei Netflix

    Abschließend werfen wir einen Blick darauf, wie Hermann heute gesehen wird. Wir reflektieren über die problematische Nutzung der Figur während des Nationalsozialismus und fragen uns, welche Bedeutung Hermann und sein Denkmal in der heutigen Zeit noch haben.
    Dazu wirft Solveig ab 14. Februar noch einen gesonderten Blick auf die Netflix-Serie "Barbaren" und erzählt euch in diesem Video auf YouTube, was sie von deren Darstellung hält. Jetzt schon folgen und benachrichtigen lassen!

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    FG064 - Irgendwas mit Bismarck | Planlos zur Einheit

    29.01.2026 | 1 Std. 12 Min.
    In der Fortsetzung unserer Bismarck-Reihe konzentrieren wir uns auf das Entscheidungsjahr 1866. Wir fragen nach der Herkunft des Mythos vom „Reichsschmied“ und wie planvoll der Weg zum deutschen Nationalstaat war. Wir blicken auf verschiedene Akteure. analysieren die technischen Innovationen auf dem Schlachtfeld und diskutieren mögliche alternative Geschichtsverläufe.

    Attentat und Kriegsbeginn

    Kurz bevor der Konflikt mit Österreich im Mai 1866 eskalierte, hätte es auch schon wieder vorbei sein können: Ein junger Mann namens Ferdinand Cohen-Blind feuerte in Berlin fünf Schüsse auf Bismarck ab. Bismarck überwältigte seinen Attentäter höchstpersönlich, doch die öffentliche Reaktion war überraschend unterkühlt. Liberale Blätter sahen in Cohen-Blind fast schon einen Patrioten, der das Land von einem „Unhold“ befreien wollte. Wir besprechen, wie Bismarck diesen Moment für seinen Heldenmythos nutzte und wie schließlich ein Streit um Zuständigkeiten in Schleswig-Holstein den offiziellen Kriegsgrund gegen Österreich lieferte.

    Mit der Bahn nach Böhmen

    Bei Ausbruch des Deutschen Krieges standen die meisten Wetten wahrscheinlich gegen Preußen. Nicht nur Friedrich Engels sah die Preußen noch als unerfahrene „Friedensarmee“ und gegen Dänemark hatten die Österreich deutlich mehr Beachtung bekommen. Der preußische Generalstabschef Helmuth von Moltke setzte auf Schnelligkeit und Risiko. Für einen schnellen Aufmarsch nutzte er das wachsende Eisenbahnnetz und brachte die österreichische Nordarmee unter General von Benedek schnell in Bedrängnis.

    Preußen und sein neuer Bund

    Nach dem Sieg wurden die Karten in Deutschland neu gemischt. Wir beleuchten die Gründung des Norddeutschen Bundes und das Schicksal vieler kleinerer deutscher Staaten. Während Staaten wie Hannover von der Landkarte verschwanden, musste die freie Stadt Frankfurt die preußische Härte schmerzhaft spüren. Wir erzählen die tragische Geschichte des Frankfurter Bürgermeisters Karl Fellner, der sich angesichts der preußischen Geldforderungen und Kanonendrohungen das Leben nahm. Gleichzeitig entsteht mit der neuen Bundesverfassung der erste deutsche Bundesstaat. Erweitert um die süddeutschen Staaten entsteht daraus noch im Krieg gegen Frankreich 1871 das deutsche Kaiserreich.

    Die „Englische Alternative“ und liberale Träume

    Zum Ende werfen wir einen Blick auf einen hypothetischen Wendepunkt der Geschichte. Was hätte es bedeutet, wenn der Kronprinz (später Friedrich III.) früher an die Macht gekommen wäre? Wir diskutieren die sogenannte „Englische Alternative“: Friedrich war mit Victoria, der Tochter von Queen Victoria, verheiratet und galt als Hoffnungsträger für einen britisch geprägten Liberalismus in Preußen. Hätte ein starkes Parlament den "preußischen Militarismus" frühzeitig einhegen können? Wir klären, warum diese Idee falschen Vorstellungen folgt und welche fortschrittlichen Ideen letztlich durch die konservative Führung umgesetzt wurden.

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Wir sind Daniel und Solveig und begeistern uns für Geschichte. Wir haben lange zusammen im Museum gearbeitet und Führungen gemacht. Im Mittelpunkt unserer Folgen stehen Menschen, ihre Lebenswelt und die Frage, warum sich unsere Sicht auf frühere Epochen immer wieder verändert. Jeden Monat erzählen wir Euch eine unserer Lieblingsgeschichten. Dir gefällt Flurfunk Geschichte? Wir freuen uns über eine nette Bewertung oder eine Nachricht von dir. Du kannst uns auch über ko-fi unterstützen: https://ko-fi.com/flurfunkgeschichte Oder auch regelmäßig durch eine Mitgliedschaft auf Steady: https://steadyhq.com/de/flurfunk-geschichte/ Für deine regelmäßige Unterstützung bedanken wir uns mit einer Bonus-Folge "Nachklapp" zum Thema der aktuellen Folge. Links: https://flurfunk-geschichte.de/ https://www.instagram.com/flurfunk_geschichte/ https://www.facebook.com/flurfunkgeschichte/ https://twitter.com/flurgeschichte https://www.threads.net/@flurfunk_geschichte Email: [email protected]
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Generated: 5/5/2026 - 3:41:30 PM