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- Im Lukasevangelium (11,42–46) kritisiert Jesus die Pharisäer und Gesetzeslehrer. Sie achten penibel auf religiöse Vorschriften, etwa auf die Abgabe des Zehnten von Kräutern und Gemüse, verlieren dabei aber das Wesentliche aus dem Blick: die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Die Zehntabgabe sollte ursprünglich der Versorgung der Priester und Leviten dienen. Jesus wirft seinen Gesprächspartnern vor, sich in der Übererfüllung von Gesetzen zu verlieren und zugleich das eigene Ansehen und ihre Privilegien in den Vordergrund zu stellen. Auch das Bild von den unsichtbaren Gräbern hat einen konkreten Hintergrund: Wer ein Grab berührte, galt als kultisch unrein. Unmarkierte Gräber konnten Menschen unbemerkt verunreinigen. So, erklärt Bibelwissenschaftlerin Sandra Huebenthal, wird die Kritik an der Doppelmoral anschaulich: Menschen predigen moralische Maßstäbe, handeln aber selbst entgegengesetzt. Es gehe jedoch nicht darum, die Pharisäer direkt mit heutigen Personen gleichzusetzen. Vielmehr lade der Bibeltext dazu ein, die eigene Gegenwart kritisch zu betrachten – etwa dort, wo Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit sprach Jesus: Weh euch Pharisäern! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Gewürzkraut und allem Gemüse und geht am Recht und an der Liebe Gottes vorbei. Man muss das eine tun, ohne das andere zu unterlassen. Weh euch Pharisäern! Ihr liebt den Ehrenplatz in den Synagogen und wollt auf den Straßen und Plätzen gegrüßt werden. Weh euch: Ihr seid wie Gräber, die man nicht mehr sieht; die Leute gehen darüber, ohne es zu merken. Darauf erwiderte ihm ein Gesetzeslehrer: Meister, mit diesen Worten beleidigst du auch uns. Er antwortete: Weh auch euch Gesetzeslehrern! Ihr ladet den Menschen unerträgliche Lasten auf, selbst aber rührt ihr die Lasten mit keinem Finger an. (Lk 11,42-46)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
- „Diese Generation ist eine böse Generation, weil sie ein Zeichen fordert." Jesu Worte aus Lukas 11,29 klingen hart. Doch Professorin Sandra Huebenthal, Professorin für Exegese und biblische Theologie an der Universität Passau, betont, dass es darauf ankommt, den Text aus dem Zusammenhang zu verstehen. der Prophet Jona, von dem Jesus hier spricht, war einer der Propheten, die kein Zeichen nötig hatten, sondern nur durch ihre Predigten gewirkt haben. Jona steht hier für eine Botschaft, die ohne spektakuläre Wunder auskommt. Jesus kritisiert nicht den Wunsch nach Zeichen, sondern die Haltung, mit der Menschen sie als Beweis oder Kontrolle einfordern. Auch heute sehnen wir uns nach eindeutigen Zeichen, die unseren Glauben bestätigen. Doch oft sind es nicht außergewöhnliche Erscheinungen, sondern persönliche Erfahrungen, Begegnungen oder erfahrene Heilung, die uns überzeugen und unseren Blick verändern.Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit, als immer mehr Menschen zu Jesus kamen, begann er zu sprechen: Diese Generation ist eine böse Generation. Sie fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein Zeichen gegeben werden außer das Zeichen des Jona. Denn wie Jona für die Einwohner von Nínive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für diese Generation sein. Die Königin des Südens wird beim Gericht mit den Männern dieser Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Sálomos zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Sálomo. Die Männer von Nínive werden beim Gericht mit dieser Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie sind auf die Botschaft des Jona hin umgekehrt. Und siehe, hier ist mehr als Jona. (Lk 11,29-32)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
- Jesus verweigert bei einem Essen mit Pharisäern die rituelle Reinigung vor dem Mahl. Ist Jesus unhöflich? Auf den ersten Blick vielleicht. Doch in der Bibelstelle Lukas 11,37–41 geht es nicht um Hygiene, sondern um kultische Reinheit, erklärt Sandra Huebenthal, Professorin für Exegese und biblische Theologie an der Universität Passau. Jesus unterwirft sich nicht den Reinheitsritualen, die über die Vorgaben der Tora hinausgehen. Stattdessen hält er seinen Gastgebern den Spiegel vor: Sie achten auf die äußere Reinheit, vernachlässigen aber das, worauf es ebenso ankommt – Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.Jesu Aufforderung, Almosen zu geben, richtet den Blick auf die Armen. Es reicht nicht, nach außen den Anschein moralischer oder religiöser Integrität zu erwecken. Entscheidend ist, wie Menschen tatsächlich handeln. Dabei richtet sich die Kritik nicht allein an die Pharisäer. Das Lukasevangelium erzählt für eine wohlhabende Zielgruppe. Auch sie soll sich angesprochen fühlen: Wer die Bibel liest, muss genau hinsehen – und darf die Armen nicht vergessen.Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit lud ein Pharisäer Jesus ein, bei ihm zu essen. Jesus ging zu ihm und begab sich zu Tisch. Als der Pharisäer sah, dass er sich vor dem Essen nicht die Hände wusch, war er verwundert. Da sagte der Herr zu ihm: O ihr Pharisäer! Ihr haltet zwar Becher und Teller außen sauber, innen aber seid ihr voll Raffsucht und Bosheit. Ihr Unverständigen! Hat nicht der, der das Äußere schuf, auch das Innere geschaffen? Gebt lieber als Almosen, was ihr habt; und siehe, alles ist für euch rein. (Lk 11,37-41)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
- Was bedeutet es, „selig“ zu sein? Im Evangelium nach Lukas (11,27–28) wird deutlich: Selig sind diejenigen, die das Wort Gottes hören und es befolgen. Für die katholische Theologin Marie Euteneuer ist das ein Aufruf zu einer bewussten Haltung. Glückseligkeit hängt nicht von Herkunft oder einer zugeschriebenen Nähe zu Gott ab, sondern davon, sich auf Gottes Wort einzulassen und danach zu handeln. Dieses Wort zeigt sich für Euteneuer besonders im Leben Jesu: in der Liebe zu Gott und zum Nächsten und in der Hinwendung zu Menschen am Rand der Gesellschaft. Die Bibel versteht sie dabei nicht als zeitloses Regelwerk, das wortwörtlich auf jede Situation übertragen werden kann. Vielmehr gilt es, die Bibel im jeweiligen historischen und menschlichen Kontext zu lesen. Entscheidend bleibt für sie die Haltung: hören – und dem Gehörten nachfolgen.Aus den Evangelium nach Lukas:In jener Zeit, als Jesus zum Volk redete, erhob eine Frau aus der Menge ihre Stimme und rief ihm zu: Selig der Schoß, der dich getragen, und die Brust, die dich gestillt hat! Er aber erwiderte: Ja, selig sind vielmehr, die das Wort Gottes hören und es befolgen. (Lk 11,27-28)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
- Marie Euteneuer versteht die Dämonen und unreinen Geister als Bilder für das, was Menschen gefangen nehmen kann – etwa eine Sucht oder andere Dinge, die von den Menschen Besitz ergreifen können. Jesus macht deutlich: Das Böse wird nicht durch das Böse überwunden. Entscheidend ist vielmehr die Befreiung durch Gottes Wirken. Doch frei zu sein von etwas bedeutet noch lange nicht, frei zu sein für etwas. Ein leer gewordener Raum kann wieder von dem eingenommen werden, was zuvor gefangen hielt. Deshalb brauchen gewonnene Freiräume eine neue, positive Gestaltung. Für Marie Euteneuer bedeutet das: Die Freiheit, die uns geschenkt wird, bewusst mit Gutem zu füllen und den eigenen Alltag entsprechend zu gestalten.Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit trieb Jesus einen Dämon aus, der stumm war. Als der Dämon ausgefahren war, da konnte der Mann reden. Alle Leute staunten. Einige von ihnen aber sagten: Mit Hilfe von Beélzebul, dem Herrscher der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. Andere wollten ihn auf die Probe stellen und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. Doch er wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Jedes Reich, das in sich selbst gespalten ist, wird veröden und ein Haus ums andere stürzt ein. Wenn also der Satan in sich selbst gespalten ist, wie kann sein Reich dann Bestand haben? Ihr sagt doch, dass ich die Dämonen mit Hilfe von Beélzebul austreibe. Wenn ich aber die Dämonen durch Beélzebul austreibe, durch wen treiben dann eure Söhne sie aus? Deswegen werden sie eure Richter sein. Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist das Reich Gottes schon zu euch gekommen. Solange ein bewaffneter starker Mann seinen Hof bewacht, ist sein Besitz sicher; wenn ihn aber ein Stärkerer angreift und besiegt, dann nimmt ihm der Stärkere seine ganze Rüstung, auf die er sich verlassen hat, und verteilt seine Beute. Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. Wenn ein unreiner Geist aus dem Menschen ausfährt, durchwandert er wasserlose Gegenden, um eine Ruhestätte zu suchen, findet aber keine. Dann sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe. Und er kommt und findet es sauber und geschmückt. Dann geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als er selbst. Sie ziehen dort ein und lassen sich nieder. Und die letzten Dinge jenes Menschen werden schlimmer sein als die ersten. (Lk 11,14-26)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
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