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  • Morgenimpuls

    Die Kirche ist nicht die Titanic

    01.04.2026 | 4 Min.
    Kannst Du dich noch an den Film Titanic erinnern? Der war Ende der 1990er Jahre ein Riesenerfolg – obwohl der Ausgang der Geschichte ja absolut vorhersehbar gewesen ist. Der Prager Soziologe und Priester Tomas Halik benutzt in einem seiner Bücher die Geschichte der Titanic, um etwas Wichtiges über die Zukunft unserer Kirche zu sagen. Erstmal glaubt er, dass die Kirche eine Zukunft hat – trotz aller Probleme aktuell. Doch sie muss ihre Gestalt ändern – und da kommt der Vergleich mit der Titanic ins Spiel. Wir diskutieren ja auch in der deutschen Kirche leidenschaftlich über Strukturmaßnahmen. Da sagt er: Alles gut und schön und auch notwendig. Aber: Maßnahmen wie das Zusammenlegen von Pfarreien, den verstärken Einsatz von ausländischen Priestern erinnern ihn an das Hin- und Herschieben der Liegestühle auf der Titanic. Er möchte weder eine billige Modernisierung der Kirche noch eine Flucht in die Vergangenheit. Wird also unsere Kirche komplett versinken? Nein! Eine bestimme Gestalt von Kirche wird untergehen, aber auch in ihrer gegenwärtigen Gestalt gibt es viele Schätze, die auf eine andere Gestalt von Kirche gerettet und umgeladen werden müssen. Ich finde es wohltuend, dass Tomas Halik deutlich die Probleme anspricht, keine einfachen Lösungen verspricht und trotzdem nicht verzweifelt. Das Werden der neuen Gestalt der Kirche setzt er in Verbindung mit dem Osterfest, das wir ja diese Woche feiern. Er ist überzeugt: Die Erneuerung der Kirche ist vor allem die Erneuerung des Glaubens und eine Erneuerung des Begreifens, Durchdenkens und der Ausdrucksformen des Glaubens. „Seht, ich mache alles neu“ – dieses Zitat aus der Offenbarung des Johannes ist die Zusage Gottes an uns und unsere Kirche. Wir brauchen keine Angst vor Veränderungen zu haben. Jesus ist am Karfreitag gestorben – und gegen jede menschliche Wahrscheinlichkeit ist er wiederauferstanden. Auch manches an unserer Kirche wird vergehen – aber wir alle haben die Hoffnung auf die Auferstehung – anders als bei der Titanic wartet am Ende auf uns nicht der Eisberg, sondern Ostern und das Ewige Leben. Das ist doch mal eine Aussicht!
  • Morgenimpuls

    Die Passion in ungewöhnlicher Form

    31.03.2026 | 4 Min.
    Als erstes gibt es die Einladung, in ein Labyrinth zu gehen. In Bögen laufen, die scheinbar nicht enden. Dann führen sie zur Mitte und dann wieder nach draußen. Dieses Labyrinth ist der Beginn eines erstaunlichen Abends in einer Kolumbariumskirche:Danach die Erlaubnis, in den sakralen Kirchenraum einzutreten, der in durchleuchtend gläserne Tore eröffnet wird. Und dann große, längliche Schiefertafeln und Kreide und die Aufforderung, eigene Zweifel an Gott und am Glauben aufzuschreiben. Zunächst schüchternes Umschauen, machen es die anderen auch? Ja, sie schreiben. Dann werden die Tafeln in den Mittelgang gelegt und manchmal fallen sie auch mit großem Getöse auf den Boden und zerspringen. Und dann ein Wechsel von Pantomime, Musik, Gesang, Licht und Dunkelheit, Ergriffen sein und auch erschrocken. Der darstellende Pantomime stellt Szenen aus der Passion Jesu nach und manchmal war ich, ob der Dringlichkeit der Darstellung so erschrocken, dass ich mich hinter meinem, vor Mitsitzenden versteckt habe, um nicht hinsehen zu müssen. Ganz vieles hat sich mir trotzdem aufgedrängt: die Szene vor dem hohen Rat, in der aus dem Off die ganzen heutigen Vorwürfe an Jesus hineingerufen werden und dem schrillen Wort auch blendend weißes, wie hineingeworfenes Licht das Erschrecken deutlich machen. Und dann das Verstrickt werden Jesu in innere Zweifel und Ängste am Ölberg und das Hängenbleiben in diesen gespannten Seilen der Angst, in denen er sich immer schneller und immer enger verheddert. Und dann den Kreuzweg. Der Pantomime lädt sich all die im Mittelgang liegenden Tafeln mit unseren Zweifeln und Ängsten auf und das kann gar nicht gut gehen und er fällt und es scheppert und man ahnt, eigentlich ist das das Ende. Ist es aber nicht. Und sehr erleichtert erahnen alle nach Musik und Gesang und leuchtendem Auf und Ab, kommt der eben Gefallene und nimmt zwei an der Hand und sie gehen nach Emmaus, erzählen von brennenden Herzen und hoffen sehr, selbst aufzubrechen und Licht zu werden. Vielleicht schaffen Du und ich in dieser besonderen Woche, das Geschehen von damals auch anders zu erleben und in Licht umwandeln zu lassen. Von IHM.
  • Morgenimpuls

    Neu anfangen

    30.03.2026 | 3 Min.
    Seit fast 40 Jahren gibt es vor Ostern und Weihnachten die Nacht der Versöhnung hier in Olpe. Als Bußgottesdienst hat sie immer das Anliegen, den Teilnehmenden einen Rahmen zu bieten, um sich mit der eigenen Schuld, mit persönlichen Fehlern oder Schwächen, mit den Brüchen des Lebens auseinanderzusetzen. Gleichzeitig möchte sie aber auch den Raum öffnen neu anzufangen, umzukehren, sich mit sich selbst und/oder dem anderen zu versöhnen. Und sie möchte die Möglichkeit bieten, alles Schwere in Gottes Hände zu legen, um seine Unterstützung für den Neuanfang und Vergebung zu bitten.Und dieser Abend heute steht unter dem Thema: Neu anfangen. Die Nacht der Versöhnung lädt ein, die Blickrichtung zu wechseln, zu schauen, wo man auf andere zugehen kann, an welchen Stellen man das Gespräch suchen und versuchen kann, die Position des Anderen zu verstehen, ohne sich ihr anschließen zu müssen und gleichzeitig selbst bereit zu sein, die Hand, die jemand anderes mir reicht, zu ergreifen, das Gesprächsangebot zu nutzen, nicht mehr kompromisslos auf der eigenen Sichtweise zu beharren und nur die persönlichen Interessen in den Mittelpunkt zu stellen.Nach dem Bußgottesdienst um 19:30 Uhr, der immer wirklich unter die Haut geht, gibt es die Möglichkeit, einen Einzelsegen zu empfangen oder ein Beicht- oder Lebensgespräch zu führen. Bei Tee und Gebäck sind dann alle Teilnehmenden eingeladen miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Vielleicht ist das eine gute Idee für die eine oder den anderen von Euch, die Karwoche mit diesem besonderen Abend zu beginnen und ihn ganz bewusst nochmal als einen Neuanfang zu setzen für diese unglaubliche Woche, die mit Jesu Abendmahl mit seinen Jüngern beginnt, mit Verrat, Verzweiflung, Verurteilung und Tod weitergeht und nach Todesnacht und allem Nichtwissen in der strahlenden Auferstehung Jesu mündet.
  • Morgenimpuls

    Begegnungen können etwas verändern

    29.03.2026 | 4 Min.
    Manchmal ist man ahnungslos und dann passiert einfach etwas. Der Palmsonntag ist ein Tag, liebe Hörerinnen und Hörern, an dem wir an den Beginn der Passion Jesu denken, an den Weg, den er geht, getragen von Liebe und Verantwortung. Und auf diesem Weg begegnen auch wir ihm als Menschen, vielleicht etwas ahnungslos, wie zufällig in unserem Leben. Und gerade in diesen Begegnungen kann sich etwas verändern.Da sind zwei Ahnungslose, die Jesus heute begegnen: Simon von Cyrene, ein Mann, der gerade von der Arbeit kam, müde und erschöpft. Er wurde gezwungen, das Kreuz eines anderen zu tragen. Er wollte nicht, aber er hatte auch keine Wahl. Und doch erwuchs aus dieser zufälligen Begegnung etwas Neues. Simon musste ein Stück des Weges gehen, anfangs widerwillig, später vielleicht mit innerer Freiheit. Diese Begegnung hinterlässt Spuren, sie wird erinnert und weitergegeben. Die Erinnerung ist sogar so stark, dass wir heute noch die Namen seiner beiden Söhne Alexander und Rufus kennen.Auch ein anderer Zeuge, ein Hauptmann, dem die Geschichte den Namen Longinus gegeben hat, begegnet dem Leidenden auf diesem Weg, ein Soldat gewohnt an Härte und Gewalt. Er wird plötzlich still. "Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn", sagt er dann. Ein Moment der Erkenntnis mitten im Alltag, im scheinbar Gewöhnlichen.Beide, Simon und Longinus, sind ahnungslose Zeugen. Sie wollen nichts Besonderes tun. Und doch begegnet ihnen das Besondere, der Besondere. Begegnungen, die herausfordern, die auf dem Weg rufen, auch wenn wir es nicht geplant haben.Palmsonntag, der heutige Tag, erinnert uns daran: Wer dem Weg folgt, begegnet oft Herausforderungen oder Kreuzen. Aber gerade auf diesem Weg kann das Herz geöffnet werden. Wo entdecke ich den Sohn Gottes? Vielleicht nicht im großen Zeichen, sondern in den unerwarteten Begegnungen, in den Menschen am Rand des Weges.Und so lädt uns heute der Palmsonntag ein, genau hinzuschauen, wahrzunehmen, mitzugehen. Denn Zufall gibt es bei Gott ja nicht. Alles kann zu einer Begegnung werden, die unser Herz verändert. Eine solche Begegnung wünscht euch Stefan Wißkirchen, Hochschulpfarrer in Düsseldorf.
  • Morgenimpuls

    Liebe hat mehr Recht als Hass

    28.03.2026 | 4 Min.
    Morgen beginnt die Karwoche, eine Zeit, die uns an das erinnert, was Menschen als Dunkelstes tun können. Der Schriftsteller Max Frisch hat einmal ganz hart formuliert: "Gesetzt den Fall, Sie haben noch keinen umgebracht. Womit erklären Sie sich das?" Ein unbequemer Gedanke, der uns aus der Komfortzone holt. Denn er erlaubt uns nicht, Gewalt immer nur bei den anderen zu verorten, bei den Fanatikern, bei den Tätern, die in den Nachrichten kommen, bei denen, die die großen Konflikte dieser Welt lenken. Max Frisch hat nach dir gefragt, nach dem, was in dir steckt, und auch natürlich in mir.Wir Menschen reden gern davon, das Gute zu wollen, und doch kennen wir alle dunkle Regungen, verletzten Stolz, Machtfantasie, Rivalität und ab und an auch Rache. Die kleinen Kriege im Alltag, in Worten und im Schweigen, in der Kälte, sie zeigen uns, Gewalt beginnt selten mit der Faust, sie beginnt in deinem Herzen.Die Bibel ist da erstaunlich ehrlich, sie verschweigt nicht, wozu wir Menschen fähig sind, auch im Namen Gottes, Menschen, die überzeugt sind, im Recht zu sein, die nicht ertragen, dass jemand anders glaubt, denkt oder hofft. Hass, Verleumdung und Gewalt, sie gehören zur Geschichte der Menschheit und auch zur Geschichte des Glaubens. Und sie sind, weiß Gott, nicht eine ferne Vergangenheit. Deshalb brauchen wir christliche Hoffnung, die nicht naiv sein will.Die Mystikerin Madeleine Delbrêl sagt: "Der Christ liebt niemals christlich, wenn er das Böse außer Acht lässt." Liebe heißt nicht, das Dunkle zu verdrängen, sondern ihm etwas entgegenzusetzen. Vielleicht beginnt der Friede genau hier, indem ich mir eingestehe, wozu auch ich manchmal fähig wäre und mich trotzdem immer neu für einen anderen, einen neuen Weg entscheide: für das Wort statt der Härte, für Vergebung statt Vergeltung, für die leise, aber starke Hoffnung, für die auch diese Karwoche stehen wird.Die Liebe hat am Ende mehr Recht als der Hass.

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Über Morgenimpuls

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.
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Generated: 4/1/2026 - 6:06:34 AM