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  • Morgenimpuls

    Das Reich Gottes ist keine Utopie

    23.05.2026 | 4 Min.
    "Jede Nacht um 12:30 Uhr, wenn das Fernsehen rauscht, lege ich mich aufs Bett und male mir aus, wie es wäre, wenn ich nicht der wäre, der ich bin, sondern Kanzler, Kaiser, König oder Königin." Rio Reiser hat diese Worte gesungen in seinem berühmten Lied "König von Deutschland". Eine satirische Fantasie, ein Spiel mit dem: Was wäre, wenn. "Das alles und noch viel mehr würde ich machen, wenn ich König von Deutschland wär".Solche Gedankenspiele kennen wir manchmal: Was wäre, wenn wir mehr Möglichkeiten hätten, mehr Einfluss, mehr Freiheit oder einfach ein ganz anderes Leben. Solche Bilder nennt man Utopien – Entwürfe einer besseren, oft fiktiven Welt. Schon Thomas Morus hat vor über fünfhundert Jahren mit seinem Buch Utopia einen idealen Staat beschrieben, nicht weil er glaubte, dass es ihn wirklich gibt, sondern um der eigenen Gegenwart einen Spiegel vorzuhalten.Ist das Evangelium auch so eine Utopie – eine schöne Idee, aber letztlich weltfremd? Jesus spricht immer wieder vom Reich Gottes, und er meint damit nicht nur eine ferne Zukunft, nicht ein Irgendwann, sondern eine Gegenwart, die schon begonnen hat. Das Reich Gottes ist kein Wunschtraum, sondern eine Wirklichkeit, die dort aufscheint, wo Menschen anders handeln: nicht Utopie, sondern Realität; nicht Zukunft, sondern jetzt; nicht Wunsch, sondern Verantwortung.Jesus beschreibt ein Reich, das keine Alleinherrschaft ist. Es braucht keine Untertanen, sondern Menschen, die mitwirken, Menschen, die Anteil bekommen an Würde, Freiheit und Verantwortung. "Von Gottes Gnaden", so nannten sich früher die Könige. Das konnte gefährlich werden, wenn menschliches Verhalten einfach auf Gott abgeschoben wurde.Heute gilt dieser Satz ganz anders. Wir alle, jeder von uns, lebt aus Gottes Gnade, und genau deshalb tragen wir Verantwortung. Verantwortung für mein Handeln übernehmen, Gnade vor Recht, verzeihen können, wo es möglich ist, und sorgsam umgehen mit dem, was mir an Fähigkeiten, Begabungen und Möglichkeiten anvertraut ist.Das Reich Gottes entsteht nicht im "Was wäre, wenn", sondern dort, wo Menschen jetzt handeln. Gott traut uns das zu. Du bist König deines Lebens.
  • Morgenimpuls

    Sie haben mir einen Namen gegeben

    22.05.2026 | 4 Min.
    Ganz herzlich grüße ich Dich heute aus Assisi, wo wir gestern sehr spät am Abend angekommen sind. Nach gutem und ergiebigem Schlaf und gutem Frühstück ist heute Vormittag die erste Erkundung der Stadt und einiger Stätten geplant, die mit den frühen Jahren des Franziskus zu tun haben: der Dom und das Elternhaus mit der Chiesa Nuova, die Piazza del Comune mit der Erinnerung an das Leben in der kleinen Stadt im Mittelalter und der dortigen Kirche im ehemaligen Tempel der Minerva.Und ganz am Anfang unseres Stadtspazierganges im Dom San Rufino, der mit seiner prachtvollen Fassade begeistert, steht rechts in einer Ecke ganz unspektakulär der Taufstein. Er ist der originale Taufstein, an dem tatsächlich Franziskus und Klara und ein Kaiser getauft worden sind. Dort werden wir mit der Gruppe eine kurze Tauferinnerungsfeier halten. Die Tauferinnerung wird ja am eindrücklichsten immer in der Osternacht gefeiert mit den Fragen nach dem Widersagen an das Böse und dem Glauben an den einen Gott. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass wir sehr wenig bedenken, wie groß dieser so einfache Ritus ist, der durch übergießen mit Wasser jeden Täufling in die Gemeinschaft der Christen und in das Volk Gottes aufnimmt.Ein Text, den ich in einem frühen Reisebegleitheft gefunden habe, gebe ich Dir und uns heute mit in den Tag."Ich bin getauft. Sie haben mir einen Namen gegeben.Ich bin keine Nummer, kein ES und kein Fall. Ich bin von Ewigkeit gewollt. Bezeichnet mit dem Siegel des Lebens.Ich bin getauft. Sie haben mir Wasser über den Kopf gegossen.Sie haben mir den Heiligen Geist zugesagt. Ich bin nicht haltlos hinausgetrieben in eine Welt, in der Hass und Geistlosigkeit den Ton angeben.Ich bin getauft. Sie haben mir keine Lehre aufgeschwätzt, kein Vorbild präsentiert, nicht mit Argumenten vor die Entscheidung gestellt.Lange bevor ich mich entscheiden konnte, hat sich EINER für mich entschieden. Jetzt ist es an mir, ob ich seine Entscheidung annehme.Ich bin getauft. Sie haben mir eine Heimat angeboten: die Kirche.Sie haben mir einen Auftrag gegeben: die Kirche.Ich kann weghören wenn Christus mich ruft.Ich kann weglaufen, wenn er mich braucht.Ich kann auch warten und schweigen, hören und aufbrechen, eine Spur suchen und mein Leben finden."
  • Morgenimpuls

    Populärer Heiliger

    21.05.2026 | 4 Min.
    Heute Abend geht es also los. Die Gruppe der DOMRADIO-Hörer, die sich angemeldet hat, trifft sich heute Abend am Flughafen in Köln. Und dann geht es nach Rom und von dort mit dem Bus nach Assisi. Warst Du schon mal dort? Ich gebe gerne zu, dass ich schon sehr oft dort war und mir diese Stadt sehr ans Herz gewachsen ist. Zum einen, weil die Stadt immer noch aus der Entfernung sehr mittelalterlich aussieht und wenn man durch ihre Gassen geht, immer das Gefühl hat, Franziskus oder andere Brüder von ihm oder Klara und ihre Schwestern könnten einem geradewegs über den Weg laufen. Und zum anderen, weil es viele Ordenshäuser dort gibt und man immer wieder Ordensleuten über den Weg läuft, was ja hier in Deutschland nicht mehr so oft vorkommt; und auch weil in diese kleine Stadt noch so viele Menschen kommen, die Franz und Klara sehr verehren und ihre Kirchen besuchen, Gottesdienste feiern, Andenken kaufen und das herrliche Flair Umbriens genießen.Franziskus hat vor 800 Jahren gelebt und dann ist ja immer die Frage danach, warum er immer noch so populär ist, sehr verständlich. Im Laufe der Jahrhunderte waren es immer andere Aspekte, die die Menschen beeindruckt haben. Am Anfang sein Leben in freiwilliger Armut, obwohl er aus sehr reichem Haus war. Dann sein Dienst an den Aussätzigen und anderen Kranken, obwohl es damals kein Heilmittel gegen die Lepra gab und eine Ansteckung tödlich war. Dann seine Liebe zur Kirche, obwohl sie damals in chaotischen Zuständen war und kaum noch Gott im Mittelpunkt stand. Ebenso sein geschwisterlicher Umgang mit seinen Brüdern, die auf Augenhöhe und ohne Hierarchie zusammenleben wollten. Später die Ablehnung jeglichen Waffentragens, wodurch im zersplitterten Italien plötzlich kaum noch Städtekrieg möglich waren. Und heute ist den meisten die Liebe zur Schöpfung ein Begriff, der sich bei Franziskus im Sonnengesang manifestierte, wobei den meisten nicht klar ist, dass dieser wunderbare Sonnengesang kein liebes Sonne- Mond- und Sterne-Liedchen ist, sondern ein Loblied auf den Schöpfergott.Du merkst schon, dieser Mensch Franziskus hat so viele Seiten in seinem eigenen und dem Leben über die Jahrhunderte angeregt, dass man irgendwie nie fertig wird. Aber der wichtigste Punkt in diesem Leben war die Begegnung mit Christus am Kreuz von San Damiano. Dort erhält er den Auftrag, seine Kirche wieder aufzubauen und damit sind seine Brüder und Schwestern damals und bis heute beschäftigt.
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    Ein unglaublicher Mensch

    20.05.2026 | 4 Min.
    Morgen Abend werden wir mit einer Gruppe DOMRADIO-Hörer nach Assisi aufbrechen um Franziskus und Klara von Assisi näher kennen zu lernen und auch Carlo Acutis. Und am Sonntag besuchen wir die Einsiedelei Carceri oberhalb der Stadt. Das Klostergebäude wurde gebaut zur Zeit, als Bernhardin von Siena dort Oberer war. Und dort ist oben unter der Dachkante auch das Logo eingemeißelt, das er quasi erfunden hat. Ein Kreis von Sonnenstrahlen mit den Buchstaben IHS, ins Deutsche übersetzt als "Jesus, Heiland, Seligmacher". Ignatius von Lojola hat dieses Logo später für seinen neu gegründeten Jesuitenorden verwendet und so hat es sich gerade in Europa sehr stark verbreitet.An diesen Bernhardin denken die Franziskanerminoriten heute besonders. Bernhardin war ein begnadeter Prediger und Friedensstifter. Der Papst wollte ihn viermal zum Bischof ernennen und er hat es immer abgelehnt. Nun wollte er ihn zum Bischof von Siena berufen, was Bernhardin wieder ablehnte. 1427 hielt er dennoch in dieser Stadt 45 Tage lang seine wohl schönsten Predigten auf der Piazza del Campo, die alle mitgeschrieben wurden und überliefert sind. Bernhardin wirkte friedenstiftend in italienischen Städtekriegen und wurde schon zu Lebzeiten als Heiliger verehrt. Sein Ruhm beruht aber vor allem auf seinen Predigten in der Sprache des Volkes, die von seinen Hörern gesammelt und überliefert wurden. Sie beschäftigen sich mit dem familiären, sozialen und politischen Leben jener Zeit und waren auch den ersten humanistischen Strömungen gegenüber aufgeschlossen. Sie überzeugten durch ihre Klarheit und ihren gesunden Menschenverstand, waren reich an Beispielen, kräftigen Tönen und witzigen Aussprüchen. Wegen seines Christussymbols hat er viel Ärger bekommen, wurde mehrfach der Häresie angeklagt und zum Papst vorgeladen, aber immer wieder freigesprochen.Wenn jemand aus Liebe zu Christus so predigen kann, dass die Menschen ihn verstehen und er die Botschaft des Evangeliums unters Volk bringt, dass sie die Mitschriften heute noch kennen, die Berufung zum Bischof fünfmal abgelehnt hat und sogar angeklagt wurde, eine Irrlehre zu verbreiten, dann muss dass ein unglaublicher Mensch und Ordensmann gewesen sein und es ist gut an ihn zu denken.
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    Musik wäscht den Staub des Alltags von der Seele

    19.05.2026 | 3 Min.
    Manchmal, wenn Zeit ist, höre ich gerne geistliche Musik. Das ist Musik, die biblische oder liturgische Texte nimmt und sie vertont; ob aus dem Mittelalter von Hildegard von Bingen, Claudio Monteverdi aus der Zeit der Renaissance, Händel, Bach oder Praetorius aus dem Barock und noch sehr viele mehr. Und es ist oft ein sehr diffuses Gefühl: Die Musik entführt scheinbar Geist und Seele in eine ganz andere Sphäre und beschwingt oder wühlt auf, beruhigt oder tut einfach gut.Und ganz oft bleibe ich dann so sehr in den Noten und Klängen gefangen, dass ich Raum und Zeit vergesse und ganz berührt bin, wenn nach langer Zeit ein Nachrichtenjingle kommt oder die CD zu Ende ist. Musik wäscht den Staub des Alltags von der Seele, heißt es nicht umsonst. Und noch ganz anders geschieht es, wenn man selbst singt oder ein Instrument spielt oder elektronisch Musik macht.Vorige Woche ist mir das seit langem mal wieder passiert. Wir haben uns zu viert auf der Orgelempore der Mutterhauskirche getroffen, um zwei wundervolle Gesänge zu üben und zu wiederholen, die wir schon lange kennen, aber nur noch selten singen. Für das Jubiläumsfest einiger unserer Schwestern wollten wir das aber gern mal wieder tun. Und ich bin immer wieder verblüfft darüber, wenn die Melodie angespielt wird und die ersten Töne kommen, dann singt es quasi ganz von allein aus mir heraus. Und es kamen in meinem Hinterkopf ganz viele Szenen wieder deutlich hervor, die mit diesen Gesängen und den Feierlichkeiten aus den ersten Ordensjahren zusammenhängen. Und es war dann, nach der kurzen Probe, den ganzen Nachmittag wie eine Dauerschleife eines Filmes mit dieser wunderschönen Musik.Heute ist vielleicht ein guter Tag, um mal wieder die Lieblingsmusik zu hören oder mal etwas ganz anderes und die Seele mit schönen Klängen umarmen zu lassen. Gönn es Dir. Es wird Dir guttun.
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Über Morgenimpuls
Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.
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