100 Episoden
- John Coltrane wäre dieses Jahr 100 geworden. Statt eines weiteren Nostalgie-Projekts legen Branford Marsalis und Dianne Reeves ein ebenso respektvolles wie eigenständiges Tribute-Album vor: live entwickelt, voller Wärme, Tiefe und musikalischer Eleganz.
Der bekannte Saxofonist Branford Marsalis wollte bewusst keinen musealen Nachbau liefern. Sein Vorbild war die Magie des legendären Duos John Coltrane und Johnny Hartman.
Für dieses Vorhaben brauchte es eine Stimme mit Persönlichkeit - und Marsalis fand sie in der mehrfach Grammy-prämierten Dianne Reeves. Die Sängerin verbindet mit dem Projekt eine persönliche Geschichte, denn schon als Kind hörte sie Coltrane im Elternhaus.
Gemeinsam mit Joey Calderazzo am Klavier, Eric Revis am Bass und Justin Faulkner am Schlagzeug entstand ein Tribut voller Feingefühl, das nicht in Ehrfurcht erstarrt. - Das Album "Los Ojos Del Cóndor" der schweizerisch-ecuadorianischen Brüder Alejandro und Estevan Gutiérrez ist ausdrücklich als Liebesbrief an Südamerika gedacht. Deshalb spielt ihre Kopfkinomusik jetzt noch deutlicher mit den Musiktraditionen der Anden.
Der Kondor ist der schwerste flugfähige Greifvogel der Erde, mit einer Flügelspanne von bis zu 3,20 Metern. Den Indios galt er als Götterbote; heute ist der majestätische Vogel vom Aussterben bedroht. "Wir stellten uns vor", sagt Alejandro Gutiérrez, "wie dieser große Vogel aus seiner Höhe Geschichten sehen kann und sie in sich aufnimmt."
Das von Dan Auerbach produzierte Album bedient neue Klangfarben: Neben den charakteristischen Gitarren kommen Instrumente wie Charango, Marimba, Bombo, Harmonium, Orgel und traditionelle Perkussion zum Einsatz. Gleichzeitig wirken die cineastischen Stücke reduziert; hier lauert garantiert kein Panflöten-Kitsch.
Weitere Gäste an der Hörbar sind u.a. Hellsongs aus Schweden mit einem ungewöhnlichen Cover, der Pianist Raphael Gualazzi mit einem Disney-Klassiker und die isländische Sängerin und Songschreiberin Arny Margret. - Hin und her, vor & zurück, Freiheit und Repression: Für sein neues, viertes Album beschäftigt sich der finnische Trompeter mit den Wechselfällen der Menschheitsgeschichte. Und doch bedeutet Zukunft für ihn Hoffnung. Das zeigt er mit groovigem Scandi-Jazz.
Der Absolvent der renommierten Sibelius-Akademie wird auf "Pendulum" grundsätzlich. Es geht ihm um die großen Herausforderungen in Geschichte, Kultur und Politik. Wie man sowas in Instrumentaljazz übersetzt? Lassen Sie sich überraschen!
Das Besondere am Martti Vesala Soundpost Quintet ist seine Verbindung von akustischem Modern Jazz mit einer ausgesprochen nordischen Klangästhetik: Raum, Ruhe und Melancholie hört man da, aber eben auch aufgeweckte, druckvolle Sounds. Mit: Trompeter Vesala, Petri "Pope" Puolitaival (Saxophone, Flöten), Joonas Haavisto (Klavier, Rhodes), Juho Kivivuori (Kontrabass, E-Bass) und Ville Pynssi (Schlagzeug, Percussion).
Außerdem heute an der Hörbar: Americana-Sängerin Shelby Lynne, das estnisch-flämische Quartett Estbel, das französische Projekt Roseaux mit schwedischer Unterstützung, Albanien meets Apulien in Form von Hasa-Mazzotta - und viele andere Acts mehr. - Die Wochenendausgabe der Hörbar reist durch musikalische Welten: von Lucibelas Kapverden über Jazz, Folk und Global Pop bis zu Richard Thompson.
Mit vertrauten Namen, überraschenden Begegnungen und Musik, die sich um Genregrenzen herzlich wenig kümmert.
Traditionelle Musik trifft auf Jazz, Pop und überraschend moderne Arrangements. Folk zeigt sich dabei mal archaisch, mal urban, mal experimentierfreudig. So verbindet Leléka osteuropäische Wurzeln mit Jazz und einer eindringlichen Stimme.
Auch die dunklere Seite bekommt ihren Raum: Chamber - L’Orchestre de Chambre Noir verbindet Folk und Rock mit kammermusikalischer Dramatik. Dazwischen öffnen sich Türen zu feinem, weltoffenem Songwriter-Pop, wie bei Piers Faccini. Mit Richard Thompson ist einer der großen britischen Folkrock-Erzähler dabei. Und Quadro Nuevo zeigen, wie sich selbst ein Welthit in ganz neue Klangfarben übersetzen lässt.
Melancholie und Leichtigkeit, Fernweh und Groove - das ist die Hörbar am Wochenende. - Die L.A. Times nennt ihn den "besten Rocksongschreiber nach Dylan und den besten E-Gitarristen nach Hendrix". Auch auf seinem neuen Album mischt Richard Thompson sein tiefes Verständnis von Folk mit dem launigen Gestus des Rockrebellen und Storytellers.
Thompson hat den britischen Folkrock entscheidend mitgeprägt. Mit Fairport Convention setzte er den Folk Ende der 1960er unter Strom. Heute, mit 77 Jahren, zählt er zu den großen Songwritern und Gitarristen seiner Generation.
Sein neues Album "Hippies, Thugs and Heroes" ist bereits sein 20. als Solokünstler. Darauf blickt Thompson zurück, ohne sich in Nostalgie zu verlieren. Alte Freunde und falsche Gurus tauchen auf, geliebte Weggefährten und frühere Ichs. Manche Figuren sind real, andere erfunden. Und Thompson klingt zugleich vertraut und überraschend gegenwärtig.
Weitere Highlights an der Hörbar sind heute u.a. das Frankfurter Ensemble Bändi mit finnischem Tango-Crossover, das Cuareim Quartet mit Wurzeln in Uruguay und Griot Baye Magatte aus dem Senegal.
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