100 Episoden
- Die Hörbar streunt heute mit ZAZ über die Boulevards und Gassen von Paris, sie flaniert mit Till Brönner über eine sonnige Piazza im Süden von Italien, und sie hockt sich in eine kleine Fado-Kneipe, um dem Charme der "Saudade" von Matilde Cid zu erliegen.
Die Stimme von ZAZ - bürgerlich Isabelle Geffroy - erkennt man nach wenigen Takten. Seit ihrem Welthit "Je veux" steht die Französin an der Spitze. Dabei hat sie sich nie auf französischen "Amélie"-Klischees ausgeruht, sondern immer frech mit Folk, Weltmusik und Pop gemischt.
Währenddessen, in Italien: Hier hat der deutsche Startrompeter und Sänger Till Brönner noch einen Koffer, hat er doch seine Kindheit in Rom verbracht. Daher ist sein Album "Italia", auf dem er Italo-Pop von den 60ern bis in die 80er aufleben lässt, mehr als ein Nostalgieprojekt.
Und an eine große Musiktradition knüpft auch die Fadista Matilde Cid an. Sie verbindet die Tiefe und Melancholie des Stils mit ihrer Offenheit für Jazz, Bossa Nova und moderne Klangfarben. Das Ergebnis ist ein Fado, der respektvoll und zeitgenössisch zugleich ist.
Weitere Gäste an der heute Hörbar sind u.a. die Beatles, Branford Marsalis, Hermanos Gutiérrez und die irische Ein-Mann-Band The Divine Comedy. - Seit Jahrhunderten treffen in der österreichischen Hauptstadt die Kulturen, Sounds und Sprachen aus Ost, West, Nord und Süd zusammen.
Diesen Schmelztiegel hörbar macht nun das Quintett Baba Yaga, mit Musiker*innen aus Österreich, Montenegro und Israel.
Die Baba Yaga ist eine Hexe der slawischen Überlieferung. Wahrscheinlich mal eine Natur- oder Muttergöttin, wurde sie im Christendom zur gruseligen Figur umgedeutet. Die Band Baba Yaga will das eher Ambivalente der Baba Yaga retten - und tut das mit Musik.
Auf dem neuen Album "Odiseja" hört man Sinti- und Roma-Musik, Klezmer, Pop, plus weitere europäische Weltsounds. Für "Odiseja" ließen sich Baba Yaga von der mythischen Reise des Odysseus inspirieren: einem Trip voller Begegnungen, Sehnsüchten, Gefahren und wilder Abenteuer. Gesungen wird auf Bosnisch-Serbisch-Kroatisch, Jiddisch, Romanes, Griechisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Und auch stilistisch herrscht die größtmögliche Vielfalt. - Den Schweizer Gitarristen Louis Matute gibt’s in verschiedenen Aggregatzuständen: mit seinem Large Ensemble als Septett - oder ganz reduziert, wenn er seine Jazz- und Latin-Arpeggien mit Elektronik ummantelt. Sein neues Album klingt hell und freundlich.
Die neue Veröffentlichung hat Matute "The World Is Stable Now" getauft - in Anspielung u.a. an Aldous Huxley’s "Schöne Neue Welt". Was ironisch gemeint ist, klar. Aber Matute widersteht dem Zynismus und lässt sich durch so subtile wie fingerfertige Vignetten tragen. Alles ist im Fluss: Ohne Overdubs, in einem Take eingespielt, begleitet von drei Freunden an Bass, Klavier und Perkussion.
In der Schweiz hat Louis Matute sich bereits als spannender Akteur zwischen Jazz und unkonventionellem Gitarrenpop etabliert. Seine Musik hat etwas Filmisches, und wer die Hermanos Gutiérrez mag, sollte hier unbedingt reinhören.
Weitere Gäste an der Hörbar sind u.a. die deutsch-libanesische Jazzband Masaa, die Fadosängerin Ana Moura, Sgatto aus Barcelona und das A-Cappella-Sextett SLIXS. - John Coltrane wäre dieses Jahr 100 geworden. Statt eines weiteren Nostalgie-Projekts legen Branford Marsalis und Dianne Reeves ein ebenso respektvolles wie eigenständiges Tribute-Album vor: live entwickelt, voller Wärme, Tiefe und musikalischer Eleganz.
Der bekannte Saxofonist Branford Marsalis wollte bewusst keinen musealen Nachbau liefern. Sein Vorbild war die Magie des legendären Duos John Coltrane und Johnny Hartman.
Für dieses Vorhaben brauchte es eine Stimme mit Persönlichkeit - und Marsalis fand sie in der mehrfach Grammy-prämierten Dianne Reeves. Die Sängerin verbindet mit dem Projekt eine persönliche Geschichte, denn schon als Kind hörte sie Coltrane im Elternhaus.
Gemeinsam mit Joey Calderazzo am Klavier, Eric Revis am Bass und Justin Faulkner am Schlagzeug entstand ein Tribut voller Feingefühl, das nicht in Ehrfurcht erstarrt. - Das Album "Los Ojos Del Cóndor" der schweizerisch-ecuadorianischen Brüder Alejandro und Estevan Gutiérrez ist ausdrücklich als Liebesbrief an Südamerika gedacht. Deshalb spielt ihre Kopfkinomusik jetzt noch deutlicher mit den Musiktraditionen der Anden.
Der Kondor ist der schwerste flugfähige Greifvogel der Erde, mit einer Flügelspanne von bis zu 3,20 Metern. Den Indios galt er als Götterbote; heute ist der majestätische Vogel vom Aussterben bedroht. "Wir stellten uns vor", sagt Alejandro Gutiérrez, "wie dieser große Vogel aus seiner Höhe Geschichten sehen kann und sie in sich aufnimmt."
Das von Dan Auerbach produzierte Album bedient neue Klangfarben: Neben den charakteristischen Gitarren kommen Instrumente wie Charango, Marimba, Bombo, Harmonium, Orgel und traditionelle Perkussion zum Einsatz. Gleichzeitig wirken die cineastischen Stücke reduziert; hier lauert garantiert kein Panflöten-Kitsch.
Weitere Gäste an der Hörbar sind u.a. Hellsongs aus Schweden mit einem ungewöhnlichen Cover, der Pianist Raphael Gualazzi mit einem Disney-Klassiker und die isländische Sängerin und Songschreiberin Arny Margret.
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