205 Episoden
Maximilian Lorenz: Was ist mehr wert - der Stern oder der Blick in den Spiegel?
10.08.2026 | 1 Std. 28 Min.Send us Fan Mail
Folge 205: Es gibt in Köln eine Straße, die noch nicht nach ihm benannt ist, in der ihm aber schon verdächtig viel gehört. Carsten Henn und Buddy Zipper treffen Maximilian Lorenz in seiner Vinothek in Wurfweite vom Dom, wo sich Sternerestaurant, Weinbistro Heinz Hermann, Kochstudio, Straßenküche und Catering auf wenigen hundert Metern drängen. Die Bank gegenüber ist noch zu haben. Er lacht nicht wirklich dabei - er sagt: „Was ist mehr wert - der Stern oder der Blick in den Spiegel?"
Aus der Ortsbegehung wird schnell die schonungsloseste Gastro-Analyse, die dieser Podcast je aufgezeichnet hat. Lorenz redet über sterbende Landgasthäuser, über Lieferdienste, die ganze Mahlzeiten ersetzen, und über die unbequeme Frage, ob ein Sternerestaurant wirtschaftlich noch Sinn ergibt. Seine Antwort: Er würde heute keines mehr eröffnen. Und er hat 2025 kein einziges besucht.
Dazu die Geschichte, die alles erklärt: Erbe vom Großvater, samt Hinweis, er könne es versaufen oder sich was damit aufbauen. Es folgten Nächte am Spülbecken, Preisvergleiche bei Blumenkohl und ein Neid in der Szene, den er bis heute als Antrieb verbucht.
Der Bruch kam 2024. Seit ein Großhändler ihm 600 übrig gebliebene Perlhuhnkeulen anbot, weil sonst der Müll gewartet hätte, kocht Lorenz „Nose to Flosse": ganze Tiere, neue Cuts, im Keller reifen Wollschwein-Schinken bis Dezember. Ein Konzept, das den Stern hätte kosten können. Er hat es trotzdem gemacht. Außerdem: warum er Werkswohnungen kauft statt Obstkörbe zu verteilen, warum seine Catering-Broschüre aus leeren Blättern mit der Zeile „Vielen Dank für Ihre Notizen" besteht, und warum kalte Käsespätzle in einer deutschen Arena ihn mehr aufregen als jede Restaurantkritik.
Am Ende bleibt ein Mann Mitte 30, der sich selbst als „väterlichen Freund, der manchmal ein Arschloch sein kann" beschreibt und als Lieblingsrestaurant das seiner Oma nennt. Wegen des Geflügelsalats.
Wer wissen will, wohin die deutsche Spitzengastronomie steuert, sollte diese Folge nicht überspringen. Die Bank gegenüber steht übrigens immer noch leer.
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Folge 204: Buddy deckt in Essen eines der größten Mysterien der gastronomischen Geschichte auf: Wer ist eigentlich dieser Sascha Perrone von „Essberichte", der ganz NRW abfotografiert, aber im Netz praktisch unauffindbar bleibt? Das Gerücht sagt: geboren in einem kleinen kalabrischen Bergdorf. Die Wahrheit: Düsseldorf-Gerresheim. Kein Pate, keine Mafia – ein Ex-Finanzmann und eine Schnapsidee zum Hochzeitstag 2013. Weil er online kein einziges brauchbares Restaurant fand, zückte er das iPhone und machte es einfach selbst.
Aus der „Jungfrau zum Kinde" wurde eine kompromisslose One-Man-Show: Sascha schreibt, fotografiert, layoutet und verlegt seinen Restaurantführer komplett allein – rund 300 Seiten, an die 100 Restaurants, und immer selbst bezahlt. Das Buch gibt's nicht am Kiosk, sondern nur in den Läden, die drinstehen, und exklusiv am Nikolaustag bei Zurheide. Heute ist er Hausfotograf der Sterneküche, wird als Flatrate gebucht und durfte am Tag der Deutschen Einheit als einziger Fotograf Christian Bau beim Staatsbankett begleiten – sein bisheriges Highlight.
Es geht um Tomaten, die bei Oma in Kalabrien anders schmecken als die „Wasserbombe aus Holland", um zwei Kater namens Brunello und Montalcino, um Influencer, die im klimatisierten Bus einfliegen, 45 Minuten knipsen und wieder verschwinden. Und um die große Frage, warum heute keiner mehr das Zehn-Gänge-Menü will, sondern Soul Food: zwei Teller, eine geile Flasche – und um neun auf der Couch. Dazu gibt's Sterne-Hype als geplatzte Blase, das ewige Montags-Drama der Gastronomie, No-Show-Gebühren, warum Expandieren für ihn keinen Sinn ergibt und die Geschichte vom Objektiv, das ein Drei-Sterne-Koch zu Kleinholz verarbeitete – und das bis heute durch ganz Deutschland geistert. Denn die Gastronomie vergisst nicht.
Ehrlich, unbestechlich, selbstbezahlt. Carsten lässt sich entschuldigen (Schriftsteller, also Nachtarbeiter).
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Folge 203: Mitten in Köln, wo das 4711-Glockenspiel die Marseillaise schmettert, steht seit Jahrzehnten ein Soul-Food-Tempel: das Ristorante Alfredo. Carsten Henn und Buddy Zipper nehmen Platz bei Roberto „Tino" Carturan – Gastronom, ausgebildeter Bariton und der einzige Wirt der Stadt, bei dem freitagabends nach dem Dessert Verdi serviert wird. Seit 1999, mit einem Flügel, der eigentlich nur für einen Probeabend geliehen war und das Haus nie wieder verlassen hat.
Mit am Tisch: Sohn Giacomo, gelernter Winzer und studierter Önologe, der jahrelang die Produktion eines süddeutschen Weinguts verantwortete – bis der Familienbetrieb rief. Seit einem Jahr ist er zurück, keinen Moment bereut, sagt er. Und dann ist da noch Nonno Otto, 91, der noch jeden Mittag persönlich über die Qualität wacht. Natürlich mit einem Gläschen Rotwein, egal was auf dem Teller liegt. Weißwein? Kommt nicht infrage – der Mann ist bekennender Rossista.
Es geht um Pappardelle mit Entenragout, die seit 1973 auf der Karte stehen und damit älter sind als mancher Stammgast. Um den ewigen Glaubenskrieg Butter gegen Olivenöl, in dem Tino eine klare, fast schon süditalienische Position bezieht – während Buddy tapfer die Nussbutter verteidigt. Um Risotto-Philosophie zwischen Vialone und Carnaroli, um Domingo am Nebentisch in den großen Kölner Opernjahren und um ein Zicklein am Spieß in der Alta Langa, dessen Duft Tino nach Jahrzehnten noch auf der Zunge hat.
Nebenbei erfährt man, warum ein Restaurant mit 36 Plätzen am Wochenende geschlossen bleibt und trotzdem niemandem etwas fehlt. Warum man eine Küche erst richtig versteht, wenn man den Koch singen gehört hat. Und warum zwei Kinder, die ein komplettes Menü essen, ohne einmal aufs Handy zu schauen, für einen Gastronomen das schönste Kompliment der Woche sind.
Drei Generationen, ein Flügel, null Molekularküche – dafür eine Familiengeschichte, bei der am Ende sogar Pavarotti mitsingen darf. Wer nach dieser Folge nicht sofort einen Tisch für Freitagabend reserviert, hat nicht richtig zugehört.
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Folge 202: Fisch, der reift statt vergammelt – und einer, der dafür den Beraterjob hinschmiss.
Diesmal sind die Soul Food Passionistas in Köln-Ehrenfeld zu Gast, im Restaurant Kluth, einer der spannendsten Neueröffnungen der Stadt – und haben einen Lieferanten mitgebracht: Niklas Herpertz von La Goonery, den Mann hinter dem Dry-Aged-Fisch, der gerade durch die Kölner Gastro-Szene rollt. Sein Credo: gereift ist nicht gleich alt. Frischer Fisch schmeckt mild, der eigentliche Geschmack kommt erst übers Reifen – kontrolliert, akribisch, kopfüber aufgehängt, weil der Fisch bekanntlich vom Kopf her stinkt.
Es geht um Handwerk statt Industrie: stressfreies Schlachten nach eigener Ikejime-Art, der Sweet Spot aus Feuchtigkeit und Temperatur, sieben bis vierzehn Tage Reife – und warum die Köpfe bewusst dranbleiben. Dazu die Origin Story, auf die Carsten die halbe Folge hinfiebert: ein australisches Weingut, das Buch „The Whole Fish", gelesen mit der Taschenlampe im Dachzelt-Jeep – und die Entscheidung, statt mit kommerziellem Bluefin-Thunfisch lieber mit regionalem Fisch aus Forellenzucht, Stör und Zander anzufangen.
Außerdem: warum Franzosen gereiften Fisch ausspucken, der Deutsche aber erstaunlich offen ist, wie der Vertrieb plötzlich Türen in Drei-Sterne-Küchen öffnet, weshalb Niklas' Vater im Rentner-Minijob die Kisten ausfährt („nur nette Kunden!") und was neun Monate Fisch in der Schwangerschaft mit Geschmacksprägung zu tun haben. Zum Schluss landet eine dry-aged Lachsforelle mit fermentiertem Rhabarber auf dem Teller – Slogan inklusive: wie frisch, nur besser. Kompliment an die Helden vom Kluth - die demnächst auch mal vor's Mikro müssen.
Allzeit eine Handbreit Wasser unterm Kiel, ihr Helden am Herd.
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Folge 201: Buddy fährt extra aus Essen an, Carsten sitzt schon da: In Folge 201 landen die Soul Food Passionistas in der Kölner Südstadt, bei Enrico Sablotny und Lukas Winkelmann. Schon die Namen sind eine Geschichte für sich – Enrico klingt italienisch, ist es aber gar nicht (Mutter aus Spanien, Nachname ostpreußisch), und Winkelmann wandert irgendwo zwischen Sauerland und Hagen. Zwei Gründer, fifty-fifty, Good Cop und Bad Cop im täglichen Wechsel. Der Name trägt den „Pott" im Herzen, auf dem Teller aber findet ausdrücklich keine Ruhrpott-Reminiszenz statt: Hier meint Pott Mentalität, nicht Menü – schnörkellos, ehrlich, direkt.
Im Gespräch: die Küche mitten im Gastraum (keine Wand, kein Versteck, kein Kühlhaus), das 5-Komponenten-Prinzip, das in einem überdrehten Dezember als Notbremse entstand und längst zum Stil wurde, und ein 6-Gänge-Menü, das heimlich aus zehn Servierungen besteht – Kaviar des Feldes und Robuchons Butter-Kartoffel-Püree mit noch mehr Butter inklusive. Dazu der Weg dahin: Enricos Lehrjahre zwischen einem Düsseldorfer Dönerladen und der Patisserie im Wasserturm, Lukas' zehn Jahre Bar, der gemeinsame Start im Restaurant „8" und zweieinhalb Jahre Suche nach genau diesem Souterrain mit offener Theke.
Dann kam der Stern, mit dem keiner gerechnet hatte – beide um die 30, den Laden selbst abgerissen und wieder aufgebaut, ganz andere Sorgen. Dazu die schönste Stern-Geschichte überhaupt: einmal abmontiert, signiert, dem langjährigsten Mitarbeiter zum Abschied geschenkt. Und während Lukas die wohl ratloseste Weinbegleitung der Stadt einschenkt – Mosel-Kabinett, argentinischer Chardonnay und ein polnischer PiWi, bei dem reihenweise Sommeliers danebentippen –, geht es um Viertagewoche, Schnullerfeen, Schalke-Aufstieg und die Frage, warum Fenchel das spacigste Gemüse der Galaxis ist.
Unaufgeregt, klug, mit echtem Wiedererkennungswert: ein Restaurant, das genau das geworden ist, was die beiden wollten – und eine Folge, die Lust macht, sofort einen Tisch in der Südstadt zu reservieren.
Ab nach Köln, ihr Helden am Herd.
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Über Soulfood Passionistas
Soul Food Passionistas – so nennen sich die Gastro Survival Passionistas heute, in der Neubesetzung. Carsten und Buddy treffen Menschen - Helden am Herd, Trendsetter, Küchengötter, Foodies, Weinmacher, Hotelmaniacs oder Genußmenschen – und machen das was sie am besten können: quatschen, talken, essen + trinken. Ursprünglich haben Ralf Bos (ja, der Trüffelgott und Food-Legende) und Buddy den Podcast gegründet - nun hat sich das Podcastteam, neu gefunden. Die Soul Food Passionistas holen nicht nur mega-prominente Gäste ans Mikrofon, sondern auch Menschen die tolle Ideen oder neue Perspektiven in die Gastronomie und Kulinarik bringen. Carsten Henn, Bestseller-Autor, Juror, Food- und Weinexperte und Buddy Zipper, hochmotivierter Gast der gehobenen Gastronomie sowie Hobbykoch, Moderator und leidenschaftlicher Podcaster sehen ihren lockeren Talk als „Hub für gute Zeiten“ – d.h. gute Laune ist nicht nur Teil des Programms – sondern steht bei diesem „Schaumwein-Podcast“ (… so hat es auch schon immer Ralf betont) und „Good-Food-Talk“ (…Buddys Perspektive) im Mittelpunkt. Neben dem „Who-is-Who“ der Gastroszene (u.a. Tim Mälzer, Nelson Müller, Cornelia Poletto, Lucki Maurer, Alexander Herrmann, Björn Freitag, Kevin Fehling, Christoph Rüffer, Mario Kotaska, Johann Lafer, Mike Süsser und viele bekannte Küchengötter waren schon da) – kommen auch gerne „kulinarisch-vorbelastete“ Akteure wie Günther Jauch, Horst Lichter oder Bernd Stelter zu den beiden Passionistas. ...und wer einmal reingehört hat, weiß warum dieser Podcast so beliebt ist: Offen, ehrlich und "direkt auf die Schnauze". Buddy und Carsten - beide immer leicht chaotisch vorbereitet - gönnen sich im Podcast stets ein Gläschen feinsten Inhalts und nehmen sich etwas von dem wir heutzutage nur noch wenig haben: Zeit für Euch, die Gäste und die Themen. Feedback, Anregungen und Kritik sind erwünscht: info@soulfoodpassionistas.de - Mehr Infos über https://www.soulfoodpassionistas.de
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