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Blanker Horror

Heinz Christian Frickenschmidt
Blanker Horror
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175 Episoden

  • Blanker Horror

    Lamia, Lilith, Lamaschtu: Die Dämonin, die niemand loswird

    21.08.2026 | 21 Min.
    Sie steht am Wegrand, sie ist schön, sie liebt dich — und sie mästet dich, um dein Blut zu trinken. Die Lamia ist eine der ältesten Schreckgestalten der Menschheit und zugleich eine der traurigsten. In dieser Folge folgen wir ihr von einer antiken Vampirbraut in Korinth über eine libysche Königin, der eine eifersüchtige Göttin alle Kinder nahm, bis hinab zu den Flüssen Mesopotamiens, wo ihre Urahnin Lamaschtu schon tausend Jahre früher gefürchtet wurde. Und wir fragen, was diese Dämonin über eine Angst verrät, die nie verschwunden ist – die Angst um die Kinder, den Tod ohne Grund, und die Frau, der man das Gesicht des Ungeheuers gab.

    📚 QUELLEN & WEITERFÜHRENDE LITERATUR
    • Duris von Samos (um 280 v. Chr.), Fragment (FGrH 76 F 17) – überliefert die archetypische Lamia-Sage von der libyschen Königin, Tochter des Belos.
    • Aristophanes, Der Frieden (421 v. Chr.) und Scholien dazu – früheste literarische Erwähnungen; der Scholiast leitet den Namen von laimós („Schlund") her.
    • Diodor von Sizilien, Bibliotheke 20,41 (um 30 v. Chr.) – rationalisierte Fassung der Lamia als grausame, trunksüchtige Königin; Deutung der „herausnehmbaren Augen".
    • Plutarch, Über die Neugier 2 (um 100 n. Chr.) – die Fabel von den Augen, die die Lamia in ein Gefäß legt.
    • Philostrat, Das Leben des Apollonios von Tyana 4,25 (um 220 n. Chr.) – die Vampirbraut von Korinth und Menippos; nennt das Wesen Empousa/Lamia.
    • Antoninus Liberalis, Metamorphosen 8 (um 150 n. Chr., nach Nikander) – die Sage von der Lamia/Sybaris am Berg Kirphis bei Delphi und ihrer Tötung durch Eurybatos.
    • Statius, Thebais 1,562–669 (92 n. Chr.) – das kindermordende Scheusal, das Apollon gegen Argos sendet und das der Held Koroibos erschlägt.
    • Byzantinische Sisinnios-/Gyllou-Beschwörungstexte – die Dämonin muss ihre „zwölfeinhalb Namen" preisgeben; Hintergrund der Schutzamulette gegen Kindstod.
    • Sappho, Fragment 178 (um 600 v. Chr.) – früheste Nennung der verwandten Gello.
    • Hieronymus, Vulgata, Jesaja 34,14 (um 400 n. Chr.) – übersetzt das hebräische Lilith mit Lamia.
    • Walter Farber, Lamaštu. An Edition of the Canonical Series (Eisenbrauns 2014) – Standardwerk zur mesopotamischen Vorläuferin Lamaschtu.
    • Sarah Iles Johnston, Restless Dead. Encounters Between the Living and the Dead in Ancient Greece (University of California Press 1999) – deutet Lamia, Gello und Mormo als „reproductive demons", die Geister der zu früh oder im Kindbett Gestorbenen.
    • John Keats, Lamia (1819), nach Robert Burton, The Anatomy of Melancholy (1621) – prägt das moderne Bild der schlangengestaltigen Verführerin.
    Anmerkung: Die antiken Quellen widersprechen sich in vielen Einzelheiten. Dieses Video gibt die wichtigsten Überlieferungsstränge wieder
    ----Kanalmitglied werden:https://www.youtube.com/channel/UCVOHv0EU1d-B5szK53LumEA/join-----Author: Cris FrickenschmidtMehr zu "Blanker Horror": www.blankerhorror.de
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    Das Haus der Toten: Das jahrtausendealte Geheimnis der Moura

    14.08.2026 | 18 Min.
    Am Rand einer Quelle, in der kürzesten Nacht des Jahres, sitzt eine Frau von unwirklicher Schönheit und kämmt ihr goldenes Haar. Sie bietet dir einen Schatz – für einen einzigen Kuss ohne Angst. Fast niemand besteht diese Probe. Die Moura Encantada ist eine der bekanntesten Gestalten der portugiesischen und galicischen Volkssage – und zugleich eine der am meisten missverstandenen. In dieser Folge folgen wir ihr von der Quelle bis in echte, aufgegrabene Gräber und entdecken, dass ihr Name eine ganz andere Geschichte erzählt als die von der maurischen Prinzessin: eine Geschichte über die Toten, über das Umbenennen der Besiegten – und darüber, warum manche Grenzen nicht überschritten werden dürfen.

    📚 QUELLEN & WEITERFÜHRENDE LITERATUR
    • José Leite de Vasconcelos, Tradições Populares de Portugal (1882) – Grundwerk der portugiesischen Ethnografie; liefert die klassische Definition der Moura als Wesen in „Belagerungszustand" und die Vermutung einer Verschmelzung mit älteren Quell- und Naturgottheiten.
    • José Leite de Vasconcelos, Etnografia Portuguesa (posthum 1933–1988) – vielbändiges Standardwerk; ordnet die Moura in den weiteren Kontext des Volksglaubens ein.
    • Zófimo Consiglieri Pedroso, Contribuições para uma Mitologia Popular Portuguesa (1882) – bezeichnet die Mouras als „weibliche Wassergeister".
    • Teófilo Braga, Contos Tradicionais do Povo Português (1883) – frühe Sammlung der Erzählstoffe, u. a. Varianten der Entzauberungssagen.
    • Alexandre Herculano, Lendas e Narrativas (1851) – literarische Bearbeitung der Reconquista-Legende von der maurischen Prinzessin.
    • Francisco Martins Sarmento – Ausgrabungen der Citânia de Briteiros (ab 1875); nutzte Moura-Sagen und -Flurnamen als Hinweis auf lusitanische und keltiberische Fundstätten.
    • Isidoro Millán – philologische Herleitung von Mouro/Moura aus der keltischen Wurzel mrvos („der/die Tote"), verwandt mit lat. mortuus.
    • Isabel Cardigos, The Enchanted Calendar of the Mouras Encantadas – Deutung der Schlangenfrau als der „unverfügbaren" Frau und Analyse, warum die Erlösung strukturell scheitern muss.
    Anmerkung: Volkssagen existieren in unzähligen regionalen Varianten. Dieses Video gibt die verbreitetsten Motive wieder.
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    1589: Die grausamste Werwolf-Hinrichtung Europas – und ihr wahres Motiv

    07.08.2026 | 21 Min.
    Im Herbst 1589 wird bei Bedburg im Rheinland ein wohlhabender Bauer als Werwolf zu Tode gebrochen. Sein Name: Peter Stubbe. Sein Fall wurde in ganz Europa gedruckt und prägte unser Bild vom Werwolf bis heute. Doch je genauer man hinsieht, desto weniger geht die Geschichte auf – bis hin zu einem Gast am Schafott, der dort eigentlich nichts zu suchen hatte. Eine Spurensuche zwischen Aktenlage, Flugschrift und dem Krieg, der alles erklärt.

    📚 Quellen & weiterführende Literatur (Auswahl):
    • „The Damnable Life and Death of one Stubbe Peeter", London 1590 (Übers. George Bores) – die zentrale Primärquelle; deutscher Originaldruck verschollen.
    • Tagebuch des Hermann von Weinsberg, Kölner Ratsherr – unabhängige zeitgenössische Bezeugung.
    • Holzschnitt/Einblattdruck, zugeschr. Lukas Mayer (Nürnberg); Kupferstich Franz Hogenberg.
    • Montague Summers, „The Werewolf" (1933) – Wiederabdruck der Flugschrift von 1920.
    • Rolf Schulte, Untersuchung zu Männern in den Hexenprozessen (um 2000) – Werwolf als männliches Pendant zur Hexe.
    • Elmar Lorey (1945–2019), Forschungen zu Werwolfprozessen der Frühen Neuzeit – Werwolf als instrumentalisierbare Prozessvariante (elmar-lorey.de).
    • Zum politischen Kontext: Kölner/Truchsessischer Krieg 1583–1588.
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    Er trug glühendes Eisen, um seine Unschuld zu beweisen – Bingen 858. Der erste Poltergeist-Fall?

    31.07.2026 | 26 Min.
    Im Jahr 858 verzeichnen die Fuldaer Annalen – eine der wichtigsten Geschichtsquellen des ostfränkischen Reiches – einen Vorfall, der zwischen Wikingerüberfällen und Kometenerscheinungen völlig aus dem Rahmen fällt: In einem Gutshof bei Bingen am Rhein warf ein „böser Geist" drei Jahre lang Steine, hämmerte gegen Wände, verriet Diebstähle, deckte eine Affäre des Dorfpriesters auf, trieb einen unschuldigen Mann mit seiner Familie aufs offene Feld und brannte am Ende fast die gesamte Siedlung nieder. Der aus Mainz entsandte Exorzismus scheiterte.
    In dieser Folge gehen wir Schritt für Schritt durch die Quelle, schauen uns an, wer sie geschrieben hat und warum, klären den Rechtsvorgang des Gottesurteils mit glühendem Eisen, und stellen vier Lesarten nebeneinander – von der schlichten Menschenhand über serielle Brandstiftung bis zu der Frage, wie viel davon erst am Schreibpult in Fulda entstanden ist. Aufgelöst wird nichts. Aber alles, was wir wirklich wissen, liegt am Ende auf dem Tisch.
    QUELLEN & LESELISTE
    Primärquelle
    Annales Fuldenses (Fuldaer Annalen), Eintrag zum Jahr 858
    Lateinische Edition: Friedrich Kurze (Hrsg.), Annales Fuldenses sive Annales regni Francorum orientalis, Monumenta Germaniae Historica, Hannover 1891
    Englische Übersetzung mit Kommentar: Timothy Reuter, The Annals of Fulda (Ninth-Century Histories, Bd. 2), Manchester University Press

    Zum Autor und zum Kloster Fulda
    Rudolf von Fulda: Vita Leobae (836) und Miracula sanctorum in Fuldenses ecclesias translatorum (ca. 843–847), ediert von Georg Waitz, MGH SS 15/1, 1887
    Gangolf Schrimpf (Hrsg.), Kloster Fulda in der Welt der Karolinger und Ottonen (Fuldaer Studien 7), Frankfurt am Main 1996

    Region und Gesellschaft
    Matthew Innes, State and Society in the Early Middle Ages: The Middle Rhine Valley 400–1000, Cambridge University Press 2000
    Gottesurteil / Eisenprobe
    Robert Bartlett, Trial by Fire and Water: The Medieval Judicial Ordeal, Oxford 1986

    Gespenster- und Dämonenglaube im Mittelalter
    Claude Lecouteux, Geschichte der Gespenster und Wiedergänger im Mittelalter, Böhlau, Köln 1987
    Jean-Claude Schmitt, Die Wiederkehr der Toten. Geistergeschichten im Mittelalter (frz. Original 1994)

    Wortgeschichte
    Jacob und Wilhelm Grimm, Deutsches Wörterbuch, Eintrag „Poltergeist"
    Erasmus Alberus, Novum dictionarii genus, 1540
    Rationalistische Einordnung und moderne Fälle
    Herbert Schäfer, Poltergeister und Professoren. Über den Zustand der Parapsychologie, Bremen 1994
    F. Karger / G. Zicha, „Physikalische Untersuchung des Spukfalls in Rosenheim 1967", in: Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie 11 (1968), S. 113–131

    Zur Ergotismus-Debatte
    Alessandra Foscati, Saint Anthony's Fire from Antiquity to the Eighteenth Century, Amsterdam University Press 2020
    Annales Xantenses (Annalen von Xanten), Eintrag zum Jahr 857

    ----Kanalmitglied werden und unterstützen:https://www.youtube.com/channel/UCVOHv0EU1d-B5szK53LumEA/join-----Musik: ArtlistAuthor: Cris FrickenschmidtMehr zu "Blanker Horror": www.blankerhorror.de
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    Warum Vorarlberg jedes Jahr eine Hexe sprengt (und was das mit Rom zu tun hat) - Funkenbrennen

    24.07.2026 | 20 Min.
    Jedes Jahr am ersten Wochenende nach Aschermittwoch werden in Vorarlberg dreißig Meter hohe Holztürme errichtet — und mitsamt einer sprengstoffgefüllten Hexenpuppe angezündet. Der Brauch heißt „Funken", gehört zum UNESCO-Kulturerbe, und die gängige Erklärung lautet: uraltes Heidentum, Vertreibung der Winterdämonen. Aber stimmt das?
    In dieser Folge gehe ich einem Zuschauervorschlag nach und entdecke eine Geschichte, die viel überraschender ist als jeder Mythos. Das Feuer reicht möglicherweise bis in die römische Antike zurück — zu den Vestalinnen und dem heiligen Feuer, das am 1. März, dem alten römischen Neujahr, neu entzündet wurde. Die Hexe hingegen ist kaum 200 Jahre alt: eine Erfindung des 19. Jahrhunderts, inspiriert von den Brüdern Grimm, um einem sterbenden Brauch neues Leben einzuhauchen. Und sie steht in scharfem Kontrast zu den echten Hexenverfolgungen in Vorarlberg, bei denen über 120 Menschen — neunzig Prozent davon Frauen — hingerichtet wurden.
    Eine Folge über Feuer, Mythen, politische Identität und die Frage, wer eigentlich das Recht hat, eine Geschichte zu erzählen.

    Quellen & weiterführende Literatur:
    — Manfred Tschaikner: „Damit das Böse ausgerottet werde." Hexenverfolgungen in Vorarlberg im 16. und 17. Jahrhundert. Bregenz, 1992.
    — Manfred Tschaikner: „Die Lust, Hexen zu verbrennen. Bemerkungen zur Brauchtumspflege." In: Der Bludenzer, 1996.
    — Manfred Tschaikner: „Wohin mit den Funkenhexen? Ansichten zu einem umstrittenen Brauchtum." In: Vorarlberger Nachrichten, 3./4. Februar 2024.
    — Manfred Tschaikner: „Von der Fasnachtsschlacht zur Hexenverbrennung." Vortrag, Vorarlberg Museum.
    — Reinhard Johler: Die Formierung eines Brauches. Der Funken- und Holepfannsonntag. Studien aus Vorarlberg, Liechtenstein, Tirol, Südtirol und dem Trentino. Wien, 2000.
    — Matthias Zender: Die Termine der Jahresfeuer in Europa. Erläuterungen zur Verbreitungskarte. Göttingen, 1980.
    — Franz Josef Fischer: Der Funken- und Küachlesonntag in Vorarlberg und Liechtenstein. Verlag der Heimat, 1921.
    — Hermann Bausinger: Zur Kritik der Folklorismuskritik, 1969.
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Generated: 8/27/2026 - 2:59:39 AM