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Das Wort zum Schabbat

Ricklef Münnich || ahavta - Begegnungen
Das Wort zum Schabbat
Neueste Episode

147 Episoden

  • Das Wort zum Schabbat

    Schemini Azeret || Bleibt noch einen Tag!

    02.10.2026 | 21 Min.
    Diese Auslegung zum Schabbat an Schemini Azeret wurde am 9. Oktober 2020 aufgezeichnet.
    Rabbiner Alexander Nachama erklärt Schemini Azeret, das Schlussfest am achten Tag, als eigenständigen Feiertag, der direkt auf Sukkot folgt. Sukka und Feststrauß fallen weg. Beim Kiddusch spricht man aber erneut den Segen Schehechejanu, der sonst den Beginn eines Festes markiert. Anders als Pesach, Schawuot oder Sukkot hat Schemini Azeret keinen erkennbaren Anlass: Die Tora (4. Mose 29,35) nennt nur Festversammlung, Arbeitsruhe und Opfer.
    Eine Deutung findet Nachama bei Raschi. Nach dem Midrasch bittet Gott die Wallfahrer vor der Heimkehr um ein kleines Festmahl. Wie ein Vater, dem der Abschied seiner Kinder schwerfällt, sagt er: Bleibt noch einen Tag. Schemini Azeret erscheint so als zärtliche Zugabe nach Rosch haSchana, Jom Kippur und Sukkot, bevor der Winter beginnt. Ein Midrasch des Rabbi Levi deutet den Festkalender: Wegen des Goldenen Kalbs im Tammus erhält Israel in Tammus, Aw und Elul keine Feste. Der Tischri gleicht dies aus, indem Rosch haSchana, Jom Kippur und Sukkot für diese drei Monate stehen. Damit wird Schemini Azeret zum eigentlichen Fest des Tischri.
    In der Liturgie beginnt an Schemini Azeret das Gebet um Regen für Israel, wo ausbleibender Winterregen eine Katastrophe bedeutet. Rabbi Chama ben Chanina vergleicht den Regentag mit der Erschaffung von Himmel und Erde. Rabbi Tanchum bar Chija hält ihn sogar für größer als die Gabe der Tora, weil er die ganze Welt erfreut, Mensch und Tier. Wer den ersten Regen nach dem langen israelischen Sommer erlebt, versteht das als Wunder.
    Ich frage, ob im Regen wie im Johannesevangelium auch das Bild des herabkommenden Geistes mitschwingt. Nachama betont, dass Leben und Torastudium den Regen als Nahrungsgrundlage voraussetzen. Er verbindet ihn mit Hoschana Rabba als letzter Gelegenheit, das Urteil zum Guten zu wenden, mit dem Wunsch nach einem guten Kwittel, mit dem Wasserschöpffest und mit dem Schwenken der vier Arten als möglichem Regenritual. Zum Schluss beschreibt er Simchat Tora unter den Corona-Bedingungen, ohne Tanz und Umzug mit der Tora. Für mich bleibt die Kawana entscheidend.


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  • Das Wort zum Schabbat

    Sukkot || Vollmond über der Laubhütte

    25.09.2026 | 33 Min.
    Diese Auslegung zum Wochenabschnitt Haasinu wurde am 25. September 2020 aufgezeichnet.
    Rabbiner Alexander Nachama ordnet den Wochenabschnitt Haasinu (5. Mose 32,1–52) zunächst in den besonderen Schabbat ein, an dem er gelesen wird: den Schabbat Schuwa. Der Name stammt aus den ersten Worten der Haftara – „Kehre zurück, Israel, zum Ewigen, deinem Gott, denn du bist gestrauchelt durch deine Sünde“ (Hosea 14,2). Nachama erinnert an den aschkenasischen Brauch, dass Rabbiner früher nur zweimal im Jahr vor die Gemeinde traten, um zu predigen: am Schabbat Hagadol vor Pessach und am Schabbat Schuwa, um zur Umkehr aufzurufen. Auch heute gilt es, die zehn Bußtage zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur zu nutzen, um zu prüfen, wo man anderen Unrecht getan hat, und sich zu versöhnen. Angesichts der Schadenfreude, mit der mancher über die Fehler anderer herzieht, bleibt fragwürdig, was das neue Jahr bringt – doch zur Umkehr ist es nie zu spät, und Gott eröffnet die Möglichkeit, Negatives hinter sich zu lassen.
    Haasinu ist ein Lied der Hoffnung und der Warnung, eines von drei Liedern, die auf Mosche zurückgehen: neben dem Lied am Schilfmeer (Schirat Hajam) und Psalm 90. Der Text ist in schwerem Hebräisch verfasst und deshalb beim Vortrag ohne Vokale eine Herausforderung. In der Tora steht er zweispaltig geschrieben; der zweite Teil einer Zeile bekräftigt jeweils den ersten – „meine Rede tropfe wie Regen“ / „meine Rede fließe wie Tau“.
    Inhaltlich beruht die Hoffnung des Liedes auf Gottes Treue: „Ein Fels ist er, ein Gott der Treue ohne Fehl.“ Treue zeigt sich darin, dass man nicht nur in guten, sondern gerade in schweren Zeiten zusammenhält. Trotz goldenem Kalb und ständigem Murren bleibt Gott Israel treu – das gibt Sicherheit für kommende Herausforderungen. Das Adlerbild, das über den Jungen schwebt und sie auf seinen Schwingen trägt, drückt Mosches Hoffnung aus, dass Gott sein Volk führt und Israel keinem fremden Gott verfällt. Nachama überträgt das auf die Gegenwart: Wenn Menschen zum „Fußballgott“ erhoben werden, gilt es zu erkennen, dass sie nur Menschen sind. „Ich kann töten und beleben, verwunden und heilen“ zeigt: Alle Macht liegt bei Gott; Ärzte haben ihren wichtigen Anteil, wären ohne Gottes Hilfe aber machtlos.
    So passt das Lied in die Gegenwart: Es erinnert an Gottes Macht, an seine erwiesene Treue und daran, dass nichts Gewesenes vergessen wird – gerade an Jom Kippur, wenn das Schicksal besiegelt wird. Nachama schließt mit dem Gebet um Einschreibung in das Buch des Lebens und dem Wunsch Chatima Towa.


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  • Das Wort zum Schabbat

    Schabbat Haasinu || Mosches letztes Lied

    18.09.2026 | 21 Min.
    Diese Auslegung zum Wochenabschnitt Haasinu wurde am 25. September 2020 aufgezeichnet.
    Rabbiner Alexander Nachama ordnet den Wochenabschnitt Haasinu (5. Mose 32,1–52) zunächst in den besonderen Schabbat ein, an dem er gelesen wird: den Schabbat Schuwa. Der Name stammt aus den ersten Worten der Haftara – „Kehre zurück, Israel, zum Ewigen, deinem Gott, denn du bist gestrauchelt durch deine Sünde“ (Hosea 14,2). Nachama erinnert an den aschkenasischen Brauch, dass Rabbiner früher nur zweimal im Jahr vor die Gemeinde traten, um zu predigen: am Schabbat Hagadol vor Pessach und am Schabbat Schuwa, um zur Umkehr aufzurufen. Auch heute gilt es, die zehn Bußtage zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur zu nutzen, um zu prüfen, wo man anderen Unrecht getan hat, und sich zu versöhnen. Angesichts der Schadenfreude, mit der mancher über die Fehler anderer herzieht, bleibt fragwürdig, was das neue Jahr bringt – doch zur Umkehr ist es nie zu spät, und Gott eröffnet die Möglichkeit, Negatives hinter sich zu lassen.
    Haasinu ist ein Lied der Hoffnung und der Warnung, eines von drei Liedern, die auf Mosche zurückgehen: neben dem Lied am Schilfmeer (Schirat Hajam) und Psalm 90. Der Text ist in schwerem Hebräisch verfasst und deshalb beim Vortrag ohne Vokale eine Herausforderung. In der Tora steht er zweispaltig geschrieben; der zweite Teil einer Zeile bekräftigt jeweils den ersten – „meine Rede tropfe wie Regen“ / „meine Rede fließe wie Tau“.
    Inhaltlich beruht die Hoffnung des Liedes auf Gottes Treue: „Ein Fels ist er, ein Gott der Treue ohne Fehl.“ Treue zeigt sich darin, dass man nicht nur in guten, sondern gerade in schweren Zeiten zusammenhält. Trotz goldenem Kalb und ständigem Murren bleibt Gott Israel treu – das gibt Sicherheit für kommende Herausforderungen. Das Adlerbild, das über den Jungen schwebt und sie auf seinen Schwingen trägt, drückt Mosches Hoffnung aus, dass Gott sein Volk führt und Israel keinem fremden Gott verfällt. Nachama überträgt das auf die Gegenwart: Wenn Menschen zum „Fußballgott“ erhoben werden, gilt es zu erkennen, dass sie nur Menschen sind. „Ich kann töten und beleben, verwunden und heilen“ zeigt: Alle Macht liegt bei Gott; Ärzte haben ihren wichtigen Anteil, wären ohne Gottes Hilfe aber machtlos.
    So passt das Lied in die Gegenwart: Es erinnert an Gottes Macht, an seine erwiesene Treue und daran, dass nichts Gewesenes vergessen wird – gerade an Jom Kippur, wenn das Schicksal besiegelt wird. Nachama schließt mit dem Gebet um Einschreibung in das Buch des Lebens und dem Wunsch Chatima Towa.


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  • Das Wort zum Schabbat

    Erew Rosch HaSchana || Abrahams Schweigen

    11.09.2026 | 38 Min.
    Diese Auslegung zur Akedat Jizchak wurde am 18. September 2020 aufgezeichnet.
    Zu Erew Rosch HaSchana 5781 sprach Rabbiner Dr. Walter Rothschild nicht über einen Wochenabschnitt, sondern über die Festtagslesung: Weil Rosch HaSchana 5781 wie auch im neuen Jahr 5787 auf den Schabbat fällt, tritt der Feiertagsabschnitt an die Stelle der Parascha. Gelesen werden 1. Mose 21 und 22 – nach Rothschild zwei versuchte Morde: an Hagar und Jischmael, dann an Jizchak. Warum ausgerechnet diese Texte am Tag des Gerichts stehen, an dem Menschen um Vergebung für ihre vergleichsweise kleinen Verfehlungen bitten, bleibt für ihn die offene Frage.
    Er liest Genesis 22 als zehnte und letzte Prüfung Abrahams und stellt die theologische Kernfrage: Hat Abraham bestanden – oder versagt? Abraham zeigt Gehorsam, Glauben und Vertrauen. Doch zwischen Vers 2 und Vers 3 fehlt, was man erwarten müsste: Einspruch, Protest, Verhandlung. Derselbe Mann, der um Sodom mit Gott feilscht, steht schweigend früh auf und geht. Drei Tage Weg ohne ein einziges Wort. Rothschild betont, dass gerade das Ungesagte im Text zu lesen ist: das doppelte „Hineni“, die betonte Wendung „Abraham, sein Vater“, der Vers, in dem Bauen, Schichten, Binden und Legen in einem Atemzug geschehen, und das fehlende Komma in „Gott wird sich das Lamm ersehen, mein Sohn“.
    Der Engel spricht: „Jetzt weiß ich, dass du gottesfürchtig bist.“ Ist das Lob oder Vorwurf? Rothschild fragt, was Gott vom Menschen will – blinden Gehorsam oder Partnerschaft, Widerspruch, Dialog. Er zieht die Linie zur Gegenwart: zu Menschen, die im Namen Gottes töten, und zur Grenze zwischen Glaube und Fanatismus. Zu viel Religion, sagt er, sei auch schlecht für die Seele.
    Zuletzt wendet er sich Jizchak zu, dem Sohn einer greisen Mutter, über den gelacht wird, der sich keine Frau sucht, der von seinen Söhnen getäuscht wird und erblindet. Rothschild trägt diese Hinweise zusammen und wagt eine Vermutung: eine Behinderung, vielleicht ein Kind, um dessen Zukunft die Eltern fürchten. Vater und Sohn gehen gemeinsam hinauf – zurück gehen sie nicht. Etwas ist zerstört. Jizchak bleibt das Zwischenglied zwischen Abraham und Jakob. Das Rätsel des Tages, sagt Rothschild nach Jahrzehnten im Rabbinat, ist ungelöst.


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  • Das Wort zum Schabbat

    Schabbat Nizawim || Vom Fürsten bis zum Wasserschöpfer

    04.09.2026 | 33 Min.
    Die Auslegung zur Parascha Nizawim wurde am 11. September 2020 aufgezeichnet.
    Rabbiner Dr. Walter Rothschild sprang kurzfristig für den erkrankten Landesrabbiner ein und legt den Wochenabschnitt Nizawim (5. Mose 29,9–30,20) aus der Doppelparascha Nizawim-Wajelech aus.
    Ausgangspunkt ist der erste Vers: „Ihr steht heute alle vor dem Ewigen.“ Rothschild geht die Aufzählung Wort für Wort durch: Stammesoberhäupte, Älteste, Amtsleute, alle Männer, dann die Kinder, die Frauen, der Fremde im Lager und schließlich der Holzsammler und der Wasserschöpfer. Gerade die, die die Knochenarbeit tun, gehören mit in den Bund, sonst wären sie nicht genannt. Auch die Grammatik trägt Deutung: Der Text wechselt vom Plural in den Singular, vom „euer Gott“ zum „dein Gott“. Ich hebe den demokratischen Zug in dieser Parascha hervor, ganz Israel von oben bis unten. Rothschild verbindet das mit dem Herbst 2020, in dem Zusammensein nur über Bildschirme möglich war und vielen körperlich wie spirituell fehlte.
    Zentral wird der Satz, dass der Bund auch mit denen gilt, die heute nicht hier sind. Die rabbinische Tradition liest darin die noch nicht Geborenen, also uns. Rothschild sieht darin Kontinuität und Schicksalsgemeinschaft: Moses spricht zur nächsten Generation, kurz bevor sie ohne ihn über den Jordan zieht.
    Kritisch bleibt Rothschild bei den Fluchworten und dem Bild von Sodom und Gomorra. Mit einem Gott, der schnell zornig wird und keine zweite Chance gibt, hat er Schwierigkeiten. Als Rabbiner kann er Trauernden nicht sagen, sie hätten ihr Unglück verdient, gerade am 11. September nicht. Eine Hebeltheologie, in der ein Ritual das gewünschte Ergebnis erzwingt, lehnt er ab, und Religion aus Angst will er nicht. Der Mensch ist frei zu entscheiden und trägt die Verantwortung für die Folgen.
    Ich bringe Vers 29,28 in Bubers Übersetzung ein: Das Geheime ist bei Gott, das Offenbare bei uns und unseren Kindern. Rothschild verweist auf die Punkte über „lanu ulwanenu“ in der Torarolle als Zeichen der Verbindung über die Generationen. Nach Gottes Plan zu forschen ist nicht unsere Aufgabe, das Wort ist nahe, im Mund und im Herzen, um es zu tun. Von dort führe ich zum christlich-jüdischen Dialog und zu Paulus, der diesen Vers im Römerbrief zitiert.


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Über Das Wort zum Schabbat
Mit Rosch HaSchana, dem Neujahrsfest im Herbst, beginnt das jüdische Jahr. Die Festtage des Volkes Israel sind gemäß der Gebote der Tora festgelegt. Die Zeit aber wird vom Schabbat, dem siebenten Tag der Woche, strukturiert. Ihn hat Gott selbst mit der Schöpfung der Welt eingeführt. Am Schabbat wird in den Synagogen ein Stück der Tora vorgelesen. Die Wochenabschnitte führen das Jahr über durch die fünf Bücher Mose. Das Ende und zugleich der neue Anfang der Lesungen ist an Simchat Tora, dem Fest der Tora-Freude zum Abschluss des Laubhüttenfestes. Bei ahavta - Begegnungen erklärt immer Freitags ein Rabbiner, Kantor oder Lehrer den jeweiligen Tora-Abschnitt. Die Video-Aufnahmen findest du bei https://plus.ahavta.com und auch bei YouTube unter https://youtube.com/@ahavta. plus.ahavta.com
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Generated: 10/7/2026 - 9:58:13 AM