22 Episoden
Antifeminismus und Antisemitismus: Verschränkungen moderner Ressentiments – Autoritarismus und Geschlecht Folge 2
15.09.2026 | 52 Min.Diese Folge widmet sich der Frage, warum antifeministische und antisemitische Denkmuster in autoritären und rechten Bewegungen häufig zusammenwirken. Ausgehend von aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen – einem spürbaren Rechtsruck und der zunehmenden Normalisierung autoritärer Positionen – werden beide Phänomene zunächst getrennt betrachtet, bevor ihre strukturellen Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden.
Der erste Teil beleuchtet Antisemitismus als Projektionsleistung, bei der gesellschaftliche Widersprüche externalisiert werden, sowie als modernes Phänomen, das sich zunehmend über Codes und Chiffren äußert. Der zweite Teil widmet sich Antifeminismus als politischer Ideologie gegen gesellschaftliche Gleichstellung und Geschlechteremanzipation, mit besonderem Fokus auf Männlichkeitsvorstellungen und die vielzitierte „Krise der Männlichkeit“.
Im weiteren Verlauf wird gezeigt, wie beide Ressentiments auf ähnlichen psychischen Mechanismen beruhen – Projektion, Ambivalenzabwehr, das Bedürfnis nach klaren Ordnungen – und wie sie sich in aktuellen Verschwörungsnarrativen wie „Kulturmarxismus“ oder dem „Großen Austausch“ verbinden.
Verantwortlich für Produktion und Inhalt dieser Folge ist die Podcasterin.
Literatur zum Thema
Blumenthaler, L. (2021, 3. Mai). Zum Verhältnis von Antisemitismus und Antifeminismus. Amadeu Antonio Stiftung. https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/zum-verhaeltnis-von antisemitismus-und-antifeminismus-69135/
Brown, W., Gordon, P. E., & Pensky, M. (2018). Neoliberalism’s Frankenstein. In W. Brown, P. E. Gordon & M. Pensky (Eds.), Authoritarianism: Three inquiries in critical theory (pp. 7 44). University of Chicago Press.
Bundeszentrale für politische Bildung – bpb. (o. J.). Moderner Antisemitismus. https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/was-heisst-antisemitismus/glossar-antisemitismus/559888/moderner-antisemitismus/
Decker, O., Kiess, J., Heller, A., & Brähler, E. (2022). Antisemitismus als individuelles Ressentiment und gesellschaftliches Sediment – empirische Befunde. In O. Decker, J. Kiess, A. Heller & E. Brähler (Hrsg.), Autoritäre Dynamiken in unsicheren Zeiten: Neue Herausforderungen – alte Reaktionen? Leipziger Autoritarismus-Studie 2022 (S. 197–220). Psychosozial-Verlag.
Fetz, S. (2024). Antifeminismus und Antigenderismus. In C. M. Klapeer, J. Leinius, F. Martinsen, H. Mauer & I. Nüthen (Hrsg.), Politik und Geschlecht: Perspektiven der politikwissenschaftlichen Geschlechterforschung (S. 181–191). Verlag Barbara Budrich.
Fachstelle Entschwörung. (2026, 16. Februar). Mythenbildung statt Transparenz: Die Debatte um die Epstein Files. Amadeu Antonio Stiftung. https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/mythenbildung-statt-transparenz-die-debatte-um-die-epstein-files-159573/
Hessel, F., & Misiewicz, J. (2020). Antifeminismus und Antisemitismus in der Gegenwart: Eine Fallanalyse zu Verschränkung und kultureller Codierung. In Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (Hrsg.), Wissen schafft Demokratie: Schwerpunkt Antisemitismus (Bd. 8, S. 168–179). Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft.
Hermann, M. (2020). Antimoderner Abwehrkampf: Zum Zusammenhang von Antisemitismus und Antifeminismus. In Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (Hrsg.), Wissen schafft Demokratie: Schwerpunkt Kontinuitäten (Bd. 7, S. 26–35). Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft.
Kalkstein, F., Pickel, G., & Niendorf, J. (2024). Antifeminismus und Antisemitismus – eine autoritär motivierte Verbindung? In O. Decker, J. Kiess, A. Heller & E. Brähler (Hrsg.), Vereint im Ressentiment: Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2024 (S. 161–178). Psychosozial-Verlag.
Kracher, V. (2021, 6. Juli). Ideologie: Was Transfeindlichkeit mit Antisemitismus zu tun hat. Belltower.News. https://www.belltower.news/ideologie-was-transfeindlichkeit-mit-antisemitismus-zu-tun-hat-118187/
Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen. (2024). Antisemitische Chiffren und Codes [PDF]. https://www.verfassungsschutz.sachsen.de/download/Antisemitische_Chiffren_und_Codes.pdf
Müller, R. (2019). Ressentiment und Faschismus. weiter denken. Journal für eine kritische Gesellschaftsanalyse, Nr. 2/2019. https://weiter-denken-journal.de/herbst_2019_faschistische_versuchungen/Ressentiment_und_Faschismus.php
Pfahl-Traughber, A. (2007, 24. Juli). Ideologische Erscheinungsformen des Antisemitismus. Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/30327/ideologische-erscheinungsformen-des-antisemitismus/
Salzborn, S. (2022). Antisemitismustheorien. Springer VS.Geschlecht und Verschwörungstheorie – Autoritarismus und Geschlecht Takeover Folge 1
01.09.2026 | 1 Std. 6 Min.Wir haben den heutigen Podcast im Rahmen des von Dr. Katharina Hoppe geleiteten Seminar "Autoritarismus und Geschlecht” aufgenommen. In diesem Seminar haben wir uns mit Begriffsdefinitionen von Autoritarismus bis Antigenderismus, deren Verschränkungen und auch mit Themen mit konkreterem Gegenstandsbezug beschäftigt, wie zum Beispiel Frauen in rechten Bewegungen oder Tradwives beschäftigt. Inspiriert durch einen Vortrag des Cornelia-Goethe-Centrums wollen wir uns in dieser Folge mit dem weiten Feld der Verschwörungstheorien auseinandersetzen. Eingeladen haben wir hierfür Newal Yalcin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung in Frankfurt und eine der Vortragenden
bei der Veranstaltung “Autoritarismus, Verschwörungstheorien, Geschlecht”. Mit ihr wollen wir heute über ihr aktuelles Forschungsprojekt “Connecting the Dots: Rekonstruktion der sozialen Produktion verdächtigen(den) Wissens” sprechen und uns darüber hinaus auch allgemeiner mit
dem Thema der Verschwörungstheorien auseinandersetzen: Was genau sind Verschwörungstheorien und was ist ihre Funktion?Dabei wollen wir vor dem Hintergrund unseres Seminars einen besonderes Augenmerk auf Frauen in der verschwörungstheoretischen Szene legen, werden uns hierfür auch ein konkretes Beispiel anschauen und der Frage nachgehen, wie und auf welchen Ebenen Verschwörungstheorien und Geschlecht verschränkt sind.
Verantwortlich für Produktion und Inhalt dieser Folge sind die Podcasterinnen.
Shownotes
Das Forschungsprojekt “Connecting the Dots: Rekonstruktion der sozialen Produktion verdächtigen(den) Wissens” ist ein vom DFG, FWF und SNF gefördertes Verbundprojekt mit verschiedenen Standorten in der BRD, Österreich und der Schweiz. An folgenden Standorten und Institutionen wird daran geforscht:
DE / Frankfurt a.M.: Goethe Universität Frankfurt - Institut für Sozialforschung unter der Leitung von Prof. Dr. Sarah Speck.
DE / Bremen: Universität Bremen - SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik unter der Leitung von Dr. Nils Christian Kumkar.
AU / Wien: Sigmund Freud PrivatUniversität Wien - Fakultät für Psychologie unter der Leitung von Dr. Markus Brunner.
CH / Basel: Universität Basel - Professur für Sozialstrukturanalyse unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Nachtwey.
Literatur zum Thema
Kumkar, Nils C., Sarah Speck, Markus Brunner, Florian Knasmüller, Simon Kreienbaum, und Oliver Nachtwey. „Doing Conspiracy Theory: Reconstructing the Social Production of a Specific Form of ‘Social Critique’“. Journal of Political Sociology 4, Nr. 1 (2026). https://doi.org/10.54195/jps.19471.
Thiem, Annika. „Conspiracy Theories and Gender and Sexuality“. In Routledge Handbook of Conspiracy Theories, herausgegeben von Michael Butter und Peter Knight. Routledge, 2020.
Blum, Rebekka. „Das Verhältnis von Antifeminismus und Verschwörungsdenken“. In Verschwörungsdenken, herausgegeben von Florian Hessel, Pradeep Chakkarath, und Mischa Luy. Psychosozial-Verlag, 2022. https://doi.org/10.30820/9783837978711-193.
Löwenthal, Leo. Falsche Propheten: Studien zur faschistischen Agitation. Übersetzt von Susanne Hoppmann-Löwenthal. Mit Norbert Guterman. Suhrkamp, 2021.Wie geht Konservatismus in Zeiten des Rechtsautoritarismus? Mit Thomas Biebricher
01.04.2026 | 1 Std. 22 Min.Parteien der rechten Mitte stecken seit einigen Jahren international in einer ernsten Krise, sagt unser Gast Thomas Biebricher, Heisenberg-Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Theorie, Ideengeschichte und Theorien der Ökonomie. Immer schlechter werdende Wahlergebnisse und die Herausforderung durch den Rechtsautoritarismus setzen ihnen in vielen Ländern Europas und darüber hinaus zu. Woran das liegt und welche Folgen der konservative Niedergang für liberale Demokratien hat, analysiert Professor Biebricher in seinem Buch „Mitte Rechts: Die internationale Krise des Konservatismus“ und in weiteren Publikationen. In dieser Folge sprechen wir mit ihm über seine internationale Krisendiagnose und was sie für Deutschland bedeutet. Wie steht es um die Union angesichts des bundesweit voranschreitenden Aufstiegs der AfD? Wie ist der bedrohliche Erfolg des Rechtsautoritarismus zu erklären und was können die demokratischen Parteien dagegen tun? Was es eigentlich bedeutet, in einem prodemokratischen Sinn „konservativ“ zu sein, erklärt Thomas Biebricher ebenso wie seine These, dass das Schicksal dieses Mitte-Konservatismus uns alle angeht.
Shownotes:
Aktuelle wissenschaftliche Publikationen von Prof. Biebricher zum Thema:
• Biebricher, Thomas (2023): Mitte/Rechts. Die internationale Krise des Konservatismus. Berlin: Suhrkamp. https://www.suhrkamp.de/buch/thomas-biebricher-mitte-rechts-t-9783518430996
• Biebricher, Thomas (2026): Krise des Konservatismus – Krise der Demokratie? In. APuZ, vom 30.01.2026. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/konservatismus-2026/574879/krise-des-konservatismus-krise-der-demokratie/
Aktuelle Zeitungsinterviews und -gastbeiträge von Prof. Biebricher zum Thema
• „Es gibt Schnittmengen zwischen Union und AfD“. Streitgespräch über Brandmauern mit Christian Stecker in der TAZ, vom 10.01.2026. https://taz.de/Streitgespraech-ueber-Brandmauern/!6140137/
• „Die Kosten der Brandmauer sind hoch – und doch braucht es sie“. Gastbeitrag in der Zeit, vom 08.11.2025. https://www.zeit.de/kultur/2025-11/brandmauer-debatte-cdu-afd-minderheitsregierung-thomas-biebricher
• „Das wird die CDU nicht unbeschadet überstehen“. Interview in der Süddeutschen Zeitung, vom 15.09. 2025. https://www.fb03.uni-frankfurt.de/178211435/SZCDU15_09.pdf- Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie bestimmte Gewohnheiten entstehen? Und ob es dabei wirklich nur um „intrinsische Motivation“ geht – oder ob nicht auch Ihre Umgebung einen entscheidenden Anteil daran hat, warum Sie sich auf eine bestimmte Weise verhalten? In dieser Folge widmen wir uns dem Phänomen des „Nudging“ und gehen der Frage nach, wie Verhaltensweisen durch subtile „Anstupser“ beeinflusst werden. Zu Gast ist diesmal Tim Seitz, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für interpretative Sozialforschung, der in seiner Dissertation das sanfte Regieren durch Verhaltensexperimente untersucht hat. Wir sprechen über seinen ethnographischen Forschungsansatz, seine Analysemethoden und die besonderen Herausforderungen der Feldforschung. Außerdem geht es darum, warum sich Forschungsprozesse im Rückblick oft viel geradliniger erzählen lassen, als sie sich im Moment des „Mitten-drin-Steckens“ tatsächlich anfühlen.
Shownotes:
https://www.fb03.uni-frankfurt.de/127537327/Dr__Tim_Seitz
Seitz, Tim (2023): Die Praxis des Nudging. Sanftes Regieren durch Verhaltensexperimente. Bielefeld: transcript (Sozialthoerie). Zum Verlag
Seitz, Tim (2017): Design Thinking und der neue Geist des Kapitalismus. Soziologische Betrachtungen einer Innovationskultur. Bielefeld: transcript. Zum Verlag
Weiterführende Literatur:
Latour, Bruno. 1999. Circulating Reference: Sampling the Soil in the Amazon Forest. In Pandora's hope: Essays on the reality of science studies, ed. Bruno Latour, 24–79. Cambridge, MA, London: Harvard University Press.
Scheffer, Thomas. 2013. Die trans-sequentielle Analyse ‐ und ihre formativen Objekte. In Grenzobjekte: Soziale Welten und ihre Übergänge, ed. Reinhard Hörster, Stefan Köngeter and Burkhard Müller, 89–114. Wiesbaden: Springer VS.
Bröckling, Ulrich. 2017. Gute Hirten führen sanft. Über Menschenregierungskünste, 1st edn. suhrkamp taschenbuch wissenschaft, vol. 2217. Berlin: Suhrkamp. - Es ist soweit: Nach gut zweijähriger Pause geht Talk Social Science To Me mit einer neuen Staffel an den Start. Das Team hat sich etwas verändert, doch die Idee ist gleich geblieben. Mitarbeiter*innen des Fachbereichs für Gesellschaftswissenschaften an der Goethe-Universität stellen im Gespräch die Inhalte und Ergebnisse ihrer Arbeit vor – verständlich, persönlich und für ein breites Publikum. Für unsere Neustart-Folge konnte es eigentlich nur eine Wahl geben: Friederike Alm, die Erfinderin und Mitbegründerin unseres Podcasts, spricht mit Markus Rudolfi über ihre Dissertation in der Migrationsforschung, ihren Blick auf Migrationspolitik, neue berufliche Aufgaben und natürlich ihren Frankfurter Lieblingsort. Riki ist Politikwissenschaftlerin und promovierte 2024 mit einer Arbeit über die Migrationspolitik Kanadas, Frankreichs und Deutschlands im historischen Vergleich. Heute arbeitet sie als internationale Migrationsforscherin für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Ihr Buch „The Politics of Us and Them – The Migration Politics Nexus“ ist gerade im Verlag Barbara Budrich erschienen.
Veröffentlichungen der Autorin:
Alm, Friederike (2025): The Politics of Us and Them – The Migration Politics Nexus. A Comparative-Historical Analysis of Canada, France, and Germany (Verlag Barbara Budrich)
Veröffentlichungen der Autorin:
Alm, Friederike (2025): The Politics of Us and Them – The Migration Politics Nexus. A Comparative-Historical Analysis of Canada, France, and Germany (Verlag Barbara Budrich)
Alm, Friederike (2024). COVID-19’s Impact on Migration Politics in Germany and Canada. Sage Video Interview. https://sk.sagepub.com/video/covid-19-impact-on-migration-politics-in-germany-and-canada
Alm, Friederike/Winter, Elke (2024). Einwanderungstraumland Kanada? Perspektiven und Impulse für die deutsche Einwanderungs- und Integrationspolitik. GWP – Gesellschaft. Wirtschaft. Politik., Jg. 73, Nr. 1, S. 68-79. https://doi.org/10.3224/gwp.v73i1.08.
Alm, Friederike (2021). Why Compare Canada? – On the Benefits of a Comparative-Historical Analysis of Candian Migration Politics. Zeitschrift für Kanadastudien, Ausgabe 71, S. 100-115.
Alm, Friederike (2020). The Reluctant Multiculturalist – Investigating Possibilities for Applying Canadian Multicultural Policies in Germany. Journal of Identity and Migration Studies, Jg. 14, Nr. 1, S. 84-100.
Weiterführend:
Brubaker, Rogers (1990): Citizenship and Nationhood in France and Germany. Harvard University Press.
Kymlicka, Will (1995): Multicultural Citizenship. A Liberal Theory of Minority Rights. Oxford University Press.
European Migration Network (EMN): https://home-affairs.ec.europa.eu/networks/european-migration-network-emn_en
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