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- Wöchentliche Heilige, vorgestellt von Bernadette Spitzer.Sie ist der Tradition nach nicht mehr und nicht weniger als die erste Christin in Europa, die Frau aus Lydien, einer Landschaft im Westen der heutigen Türkei: Lydia. Konkret Lydia von Philippi.Lydia – Purpurhändlerin aus Philippi
Von ihr berichtet die Apostelgeschichte. Lydia stammte aus Thyatira in der heutigen Türkei und lebte im griechischen Philippi als Purpurhändlerin. Die Farbe Purpur war damals sehr wertvoll. Um damit handeln zu können, brauchte man Geld. Lydia war demnach wohlhabend. Vielleicht hatte sie sich in Philippi angesiedelt, weil die Stadt auf der Haupthandelsstrasse, der «Via Egnatia», lag, die nach Rom führte. Und dort nannte man die Frau aus Lydien dann eben „die Lydierin“. Möglich ist auch, dass sie Sklavin gewesen war, denn diese wurden oft nach ihrer Herkunftslandschaft benannt.
Wie auch immer - Lydia war Hausherrin. Sie war demnach entweder ledig oder verwitwet, jedenfalls alleinstehend. Sie sympathisierte mit dem Judentum, ohne es anzunehmen. Als sie Paulus während seines Aufenthaltes in Philippi kennenlernte und ihn von Christus sprechen hörte, ließ sie sich sofort taufen und alle Angehörigen dazu. Somit wurde sie die erste Christin in Europa.
Lydia als Gastgeberin der Gemeinde
Nachdem man Paulus in Philippi ins Gefängnis geworfen und am nächsten Morgen wieder frei gelassen hatte, kehrten er und sein Begleiter noch einmal bei ihr ein, um sich zu verabschieden. In ihrem Haus versammelte sich fortan die Christengemeinde von Philippi und unterstützte Paulus finanziell, was wohl auch ihr Verdienst war. Lydia war somit herausragend: als erste Christin Europas, als Gemeindeleiterin und als Mäzenin. Namenstag haben heute auch Benno und Peter.
Bernadette SpitzerVon Bischofsstab bis Besenstiel. Mit 365 Heiligen durchs Jahr.Wiener Dom-Verlag.ISBN: 978-3-85351-294-4
Erhältlich im Webshop des Wiener Dom-Verlags. - Wöchentliche Heilige, vorgestellt von Bernadette Spitzer.
Hätte es im 15. Jahrhundert schon das Internet gegeben, wer weiß, ob wir nicht um diesen großen Heiligen ärmer wären: Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens.
Ignatius nimmt die Bibel an sich Er wurde 1491 auf Schloss Loyola im Baskenland geboren. Mit etwa 13 wurde er Page am Hofe des königlichen Schatzmeisters. Er war ein leidenschaftlicher Spieler und liebte schöne Frauen. Mit 26 Jahren trat der ehrgeizige junge Mann in den Dienst des kastilischen Vizekönigs zu Navarra. Doch dann wurde während einer Schlacht sein Bein von einer Kanonenkugel zertrümmert. Ignatius war monatelang ans Bett gefesselt. Aus Langeweile wollte der Dreißigjährige Ritterromanzen lesen, aber im elterlichen Schloss gab es nur ein Buch über das Leben Jesu und Heiligenlegenden. Und eben kein Internet, sonst – tja… So aber las er notgedrungen die Legenden, und die bewirkten in ihm eine allmähliche Änderung seiner Lebenseinstellung. Er wollte nun ein geistliches Leben führen.
Ignatius von Loyola: Gründer des Jesuitenordens
Es dauerte mehrere Jahre, bis Ignatius die für ihn passende Form fand. Mit 43 gründete er in Paris mit sechs Studienkollegen eine Bruderschaft, die sie später die Gesellschaft Jesu nannten. Neu war, dass sie keine Ordenstracht trugen, keine fixen Gebetszeiten hatten und sich ganz dem Papst und der Mission unterstellten. Das Konzept ging voll auf.
Ignatius von Loyola starb mit 64 am 31. Juli 1556 in Rom an einem Magenleiden. Da hatte der Orden bereits 1000 Mitglieder. 1622 wurde er heiliggesprochen.
Namenstag haben heute auch Elisabeth und Helena.
Bernadette SpitzerVon Bischofsstab bis Besenstiel. Mit 365 Heiligen durchs Jahr.Wiener Dom-Verlag.ISBN: 978-3-85351-294-4
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Während der Schlacht von Solferino 1859 beobachtete der Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant, der zufällig in der Gegend war, dass die einzigen, die sich um die Verletzten kümmerten, Ordensmänner waren, die sich dabei selbst in Todesgefahr begaben.
Kamillus von Lellis: Inspiration für Henry Dunant
Weithin sichtbar waren auf ihren schwarzen Kutten rote Kreuze. Henry Dunant beschloss, eine Hilfsorganisation zu gründen, und das rote Kreuz der Ordensmänner als Symbol zu wählen. Der Gründer des Ordens war der Italiener Kamillus von Lellis.
Der Lebenswandel des Kamillus von Lellis
Er kam 1550 Pescara als Sohn eines Offiziers zur Welt. Nach einer Karriere in der Kirche sah es bei ihm lange nicht aus. Er war Soldat, spielsüchtig und cholerisch. Seinen Soldatendienst musste er wegen einer chronischen Wunde am Fuß aufgeben. Seine Spielsucht kostete ihn buchstäblich sein letztes Hemd, und seine Zornausbrüche seine Stelle in einem römischen Krankenhaus.
Mit 24 Jahren wurde Kamillus gläubig und änderte seinen Lebensstil radikal. Er wurde Krankenpfleger und Priester. Die herkömmliche Krankenpflege war ihm aber nicht ausreichend. Er gründete daher mit 32 Jahren einen Orden, der heute nach ihm Kamillianer genannt wird. Seine Mitglieder pflegen Kranke auch unter Lebensgefahr.
Bernadette Spitzer
Von Bischofsstab bis Besenstiel. Mit 365 Heiligen durchs Jahr.
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Im Heiligenlexikon steht unterhalb des Namens der heutigen Seligen: Deckname Alexander Halka. Diesen brauchte sie, weil sie Autorin und Verlegerin war und als Frau zu ihrer Zeit nicht ernst genommen worden wäre. Und einen Orden hat sie nebenbei auch gegründet.
Mutter Afrikas: Maria Theresia Gräfin Ledochowska brennt für Afrika
Ihr richtiger Name war Maria Theresia Gräfin Ledochowska. Die Schriften, die sie verfasste und in ihrem eigenen Verlag herausgab, hatten alle ein Thema: Afrika. Ledochowska brannte für Afrika und die Abschaffung der Sklaverei und hat den Beinamen „Mutter Afrikas“ erhalten. Wie kam es dazu, dass die österreichische Adelige mit polnischen Wurzeln aus Loosdorf bei Melk diesen internationalen Titel erhielt?
Maria Theresia Ledochowska: Von der Hofdame zur Ordensgründerin
Ledochwska kam 1863 zur Welt. Mit 22 Jahren trat sie in den Dienst der Großherzogin Alice von Toskana in Salzburg. Kurz darauf hörte sie von Kardinal Charles Lavigerie, der sich gegen die Sklaverei einsetzte, und verließ den Hof, um sich dem Fundraising für die Mission zu widmen. Sie sammelte Mitarbeiterinnen um sich. Daraus entstand eine Vereinigung zum Kampf gegen die Sklaverei in Afrika, aus der der Orden der Missionsschwestern vom heiligen Petrus Claver wurde; deren Aufgabe war die finanzielle Unterstützung der Missionare, und die Herausgabe religiöser Bücher in afrikanischen Sprachen; dafür wurde im Missionshaus Maria Sorg in Bergheim bei Salzburg eine eigene Druckerei errichtet.
Mit Medien gegen die Sklaverei
Maria Theresia Ledochowska war ein Marketinggenie. 1899 verfasste sie das Drama: „Zaida“, in dem sie die Folgen der Sklaverei vor allem für Frauen thematisierte. Sie gab Zeitschriften heraus und kuratierte Wanderausstellungen, um über das Leben in Afrika und vor allem über die Sklaverei zu informieren. Sie organisierte mehrtätige Informationsveranstaltungen und hielt Vorträge, was für eine Frau ihrer Zeit sehr ungewöhnlich war. Doch auch nach Afrika gingen Schriften, denn Maria Theresia gab Schulbücher in Hunderten afrikanischen Sprachen heraus. Die Zeitschrift „Echo aus Afrika“ erscheint seit 1920.
Und so wurde aus der Gräfin und Missionsnärrin auch noch die „Mutter Afrikas“, die selbst nie in Afrika war. Maria Theresia Ledochowska starb mit 59 am 6. Juli 1922 in Rom und wurde 1975 seliggesprochen. Ihre Schwester Ursula ist übrigens eine Heilige. Aber das ist eine andere Geschichte, nämlich die vom 29. Mai.
Bernadette SpitzerVon Bischofsstab bis Besenstiel. Mit 365 Heiligen durchs Jahr.Wiener Dom-Verlag.ISBN: 978-3-85351-294-4
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Ramon Llull wollte im 13. Jahrhundert mithilfe einer Maschine die Existenz Gottes beweisen. Im 20. Jahrhundert übersetzten Programmierer seine Regeln in Computersprache und stellten fest, dass sie funktionierten. Ramon Llull war ein um 1232 in Palma de Mallorca geborener Adeliger, der auf dem königlichen Hof lebte, sich der Dichtkunst widmete, Ehemann und Vater zweier Kinder war.
Ramon richtete sein Leben neu aus
Mit 31 Jahren kam die Wende: Vier Christusvisionen ließen Ramon sein Leben neu ausrichten und den Weg der Mission einschlagen. Er wurde Laienmitglied der Franziskaner, studierte Arabisch, Philosophie, Medizin und Theologie. Darüber hinaus verfasste er fast 300 Werke, darunter viele Dichtungen und das meist in seiner Muttersprache katalanisch.
Ramon und der erste Computer
Mit seinem Hauptwerk, der Ars Magna, wollte er zur Bekehrung mithilfe der Vernunft beitragen. Die von ihm konstruierte Maschine bestand aus sieben Scheiben, die verschiedene religiöse Begriffe oder Zahlen trugen. Das Drehen der Scheiben ergab immer wieder andere Verknüpfungen und wird als erster Computer eingestuft. Er starb mit etwa 83, wurde zunächst als Ketzer verurteilt und 1847 schließlich seliggesprochen.
Bernadette Spitzer
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