Wöchentliche Heilige, vorgestellt von Bernadette Spitzer.
Den heiligen Cölestin V. kannten bis vor ein paar Jahren hauptsächlich Kirchenhistoriker. Durch den Rücktritt von Benedikt XVI. im Jahr 2013 geriet der heilige Cölestin V. wieder ins Bewusstsein.
Vom Einsiedler Pietro Angelerio zu Papst Cölestin V.
Pietro Angelerio war bereits 80 Jahre alt, als er im Juli 1294 zum Papst gewählt wurde. Davor war der Bauernsohn Einsiedler und Gründer des Ordens der „Einsiedler von Murrone“, später in Cölestiner umbenannt, der sich rasch ausbreitete. Pietro galt als integer und heilig. Zum Papst wurde er ohne sein Wissen als Kompromisskandidat nach einer zweijährigen Sedisvakanz gewählt.
Cölestin legt das Amt nach wenigen Monaten nieder
Als er von seiner Wahl erfuhr, dachte er zunächst an die Flucht, beugte sich jedoch dem Drängen seiner Anhänger. Im Amt war er überfordert, politisch abhängig und innerkirchlich von Kardinal Caetani unter Druck gesetzt. Schließlich erkannte er, dass es ihm nicht gelingen würde, die Kirche selbst zu führen. Am 13. Dezember 1294 trat er daher zum Entsetzen des Volkes nach nur fünf Monaten im Amt zurück. Sein Nachfolger, Bonifatius VIII., ließ ihn in Ehrenhaft nehmen, um eine Kirchenspaltung zu verhindern. Cölestin starb eineinhalb Jahre später und wurde 1313 heiliggesprochen.
Bernadette Spitzer
Von Bischofsstab bis Besenstiel. Mit 365 Heiligen durchs Jahr.
Wiener Dom-Verlag.
ISBN: 978-3-85351-294-4
Erhältlich im Webshop des Wiener Dom-Verlags.