Seit die NSDAP-Mitgliederkartei online zugänglich ist, geben Millionen Menschen den Namen eines Verwandten ein und warten auf das Ergebnis. Sekunden später steht es da – und mit ihm oft eine Frage, die weit über Genealogie hinausgeht: War der Mensch, den ich kannte, wirklich der, für den ich ihn hielt? Die Datenbank-Funde berühren Erinnerungen, Loyalitäten, Scham, Erleichterung und manchmal auch alte Verletzungen, die in Familien lange ungesagt geblieben sind.
Im Zentrum dieser Folge steht nicht nur die Einordnung der NSDAP-Mitgliederkartei, sondern auch die innere Bewegung, die sie auslösen kann: das Schwanken zwischen Nähe und Distanz, zwischen dem Wunsch nach Wahrheit und dem Bedürfnis, lieber nicht zu wissen. Was löst Schweigen in Familien aus, wie können transgenerationale Belastungen weiterwirken und warum ist es so schwer, Menschen in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit zu begegnen?
Darum geht es in diesem „Gefühlserben“-Extra. Und um die Frage, ob Menschen, die nicht in der Partei waren, deswegen zu „den Guten“ zählten. Dies vorweg: nein, nicht unbedingt.
Eine Folge über die Last der Wahrheit, die Macht des Verschwiegenen und die Frage, wie wir mit den Brüchen unserer Herkunft leben können, ohne sie zu beschönigen.