München ist Bechers Geburtsstadt – kein Wunder, dass er sie bedichtet hat. Der Lyrikband „München in meinem Gedicht“ von 1946 geht aber nicht in der pathetischen Heimatbeschwörung auf, die man an anderer Stelle antrifft und erwarten mag. Stattdessen ist „München in meinem Gedicht“ ein hochpolitischer Band, der viel über die unmittelbare Nachkriegszeit verrät: Verlegt hat den Band der Jugendfreund und erste Becher-Verleger Heinrich F. S. Bachmair in seinem neu gegründeten Starnberger Verlag – und am Ende steht ein zwölfteiliger Gedichtzyklus über die Weiße Rose.
28 Becher und die Religion (mit Jens Schröter)
18.06.2026 | 1 Std. 21 Min.
Religiöse Verweise sind im Werk Bechers überall zu finden. Es wird Zeit, dass wir mit einem Theologen darüber sprechen! Das tun wir in der heutigen Folge. Zu Gast ist Jens Schröter, Professor für Exegese und Theologie des Neuen Testaments sowie die antiken christlichen Apokryphen an der Humboldt-Universität zu Berlin. Thema sind Bechers frühe Mariengedichte, seine De-Profundis-Dichtungen, das Lied „Lenin“ und die „Poetische Konfession“ (1954).
27 Becher und Thomas Mann
11.06.2026 | 1 Std. 7 Min.
Thomas Mann und Becher hatten ein gutes Verhältnis – bereits beim Hochverratsprozess 1926-28 (siehe Folge 6) hatte sich Mann für Becher eingesetzt. In der Exilzeit intensiviert sich der Kontakt: Becher fragt Mann um Beiträge für die Zeitschrift „Internationale Literatur“ an und beide lesen ihre Werke gegenseitig. 1949 und 1955 gelingt es Becher, Mann zweimal nach Weimar zu holen. Wir hören Auszüge aus den Schiller-Reden Bechers und Manns, schauen in den vorangegangenen Briefwechsel und in Bechers Texte über Thomas Mann.
26 Hölderlin, Goethe, Schiller – Becher und die Klassiker
04.06.2026 | 1 Std. 1 Min.
Während Becher Hölderlin und Schiller in seiner Jugend bereits zugetan war, wendet er sich Goethe erst in den Exiljahren zu. 1949 und 1955 kommt es ihm in seiner kulturpolitischen Rolle zu, für beide Klassiker wichtige Jubiläen zu begehen und mit Reden zu begleiten. Wir sprechen über Bechers Verhältnis zu den Klassikern und seine Deutung von Hölderlin, Goethe und Schiller.
25 Die Moral des Dichters in der frühen DDR (mit Anne Rabe)
28.05.2026 | 54 Min.
Was weiß man heute als politische Schriftstellerin mit DDR-Herkunft über Johannes R. Becher? Und wie soll man mit der Generation derer umgehen, die die DDR aufbaut haben und literarisch in ihr gewirkt haben? Diese Fragen diskutieren wir mit der Schriftstellerin Anne Rabe, deren jüngstes Buch „Das M-Wort“ (2025) und deren Theodor-Heuss-Gedächtnis-Vorlesung 2025 an der Universität Stuttgart mit dem Titel „‚Sind wir noch zu retten?‘ Über Demokratie und Moral“ wir zum Anlass nehmen, Becher (auch) als Moralist zu beleuchten.
Mit Kristin Eichhorn und Toni Bernhart
Immer donnerstags.
Johannes R. Becher (1891–1958) ist bekannt als Dichter der Hymne der DDR und als deren erster Kulturminister. Doch sein Leben war sehr viel abenteuerlicher, als dieser vermeintliche Zielpunkt erahnen lässt. Er war Expressionist und Sprachzertrümmerer par excellence, verfasste Poetiken, galt als Repräsentant des Sozialistischen Realismus und schrieb spätromantische Lieder. Mit fast allen, die in Kunst und Literatur, später auch in der Politik Rang und Namen hatten, stand er in Verbindung und überlebte drei Suizidversuche. Seine Spuren führen, ausgehend von der Münchner Bohème der Zeit der Klassischen Moderne, nach Paris, Wien, Prag und Moskau und ebenso nach Jena, Bad Saarow oder Bad Urach.
Bechers Geschichte ist ein wilder Ritt durch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, kompliziert, verworren und verwoben mit der deutsch-deutsch-deutschen Geschichte. Davon wird dieser Podcast erzählen und Fragen stellen, die heute relevanter denn je erscheinen: Was verbindet Ost und West? Was bringt ein politisches System zum Kippen und was kann man dafür oder dagegen tun? Wie politisch soll die Kunst sein und verliert sie dadurch automatisch an Qualität?
Mit diesen und weiterführenden Fragen befassen sich die Literaturwissenschaftler:innen Kristin Eichhorn und Toni Bernhart von der Universität Stuttgart und nähern sich dem umfangreichen und vielschichtigen literarischen Schaffen des Schriftstellers Johannes R. Becher.
Konzept, Redaktion, Regie, Produktion und Stimmen: Kristin Eichhorn, Toni Bernhart
Grafik: Lea Mina Rossatti, unter Verwendung eines Fotos von Johannes R. Becher, Moskau 1931, Quelle: Akademie der Künste, Berlin, Johannes-R.-Becher-Archiv
Musik: Hans C. Miersch (Intro und Outro), Toni Bernhart (Seilbahnseilmusik als Hintergrund für Textzitate)
Mit Unterstützung der Hochschulkommunikation der Universität Stuttgart und in Zusammenarbeit mit HORADS 88,6, dem Campusradio für die Region Stuttgart und Ludwigsburg
Die Entwicklung der Seilbahnseilmusik wurde unterstützt durch einen Arbeitsaufenthalt im Studio für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste, Berlin, und durch eine Beihilfe des Amtes für Kultur der Autonomen Provinz Bozen/Südtirol
Höre Wiederanders. Der Johannes-R.-Becher-Podcast, Eine Stunde History - Deutschlandfunk Nova und viele andere Podcasts aus aller Welt mit der radio.de-App