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Micz & Flo
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Neueste Episode

113 Episoden

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    EGL112 Tuxer Sagen I – Die Gefrorene Wand

    24.09.2026 | 30 Min.
    Auf unserer Hüttentour durch die Tuxer Alpen hat Flo etwas ganz Ortsverbundenes mitgebracht: die Sagen dieser Gegend, präsentiert Flo vor genau der Landschaft, aus der sie stammen. Anders als das Märchen trägt die Sage stets einen Wahrheitskern in sich: konkrete Orte, reale Figuren, geschichtliche Bezüge. Sie kennt kein tröstliches "Wenn sie nicht gestorben sind …". Hier geht auch schlecht aus, was schlecht ausgeht. Während unser Blick über die raue Bergwelt schweift, malen wir uns aus, wie aus einem Massiv ein schlafender Riese wird. Denn im Zentrum der Tuxer Sagen kommt es immer wieder zum selben Dreiklang: Landschaft, Naturgewalt und Schicksalsgemeinschaft. Die Natur erscheint dabei ambivalent, sie kann strafen und ebenso helfen. Und sie ist, ganz ähnlich wie im asiatischen Animismus, beseelt: bevölkert von Berggeistern, rätselhaften Frauen und Felswänden, die noch die Kratzspuren alter Geschichten tragen. Der Mensch ist in dieser übermächtigen Umgebung nur ein winziges Körnchen und sollte sich in Demut üben. In dieser Folge widmen wir uns der Sage von der gefrorenen Wand: der Geschichte einer reichen Alm, deren Bewohner übermütig werden, die Kirche verhöhnen und schließlich Butterkugeln ins Tal schleudern. Hochmut und die Verschwendung kostbarer Lebensmittel werden hart bestraft. Zwei weitere Sagen heben wir uns für die nächste Folge auf.
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    EGL111 Beim Laufen reden und laufend reden: Quanten, Bücher, Kartenspiele und zwei Wanderwege

    27.08.2026 | 47 Min.
    Diese Sommerepisode ist vollgepackt mit Büchern, Spielen, einem Film und zwei Wanderungen. Flo und Micz treffen sich, um Episode 111 (Schnapszahl) aufzunehmen und erwandern sich ganz entspannt die Stimmung, die den Claim „Beim Laufen reden und laufend reden“ begründete: beim Wandern ohne Hintergedanken mal alles raushauen, was einen gerade so beschäftigt. Micz beginnt mit seinem gefährlichen Halbwissen über Quantenphysik und Quantenfeldtheorie um sich zu werfen und Flo hammert die Bälle mit vollem Elan auf die Tribüne. So ist allen geholfen und das Niveau der Sommerfolge abgesteckt. Verlinkt in den Shownotes sind neben den Quantenschmökern „In Search of Schrödinger's Cat“ von John und Mary Gribbin aus dem Jahr 1984 und Adam Beckers „Was ist real? Das ungelöste Problem der Quantenphysik“ von 2018 auch Elizabeth Grosz und „Jacques Lacan. A Feminist Introduction“ aus dem Jahr 1990. Außerdem landet mit Georg Hermanns „Kubinke“ ein älterer Roman auf der Leseliste, diesmal nicht nur als gedrucktes Buch, sondern auch als Hörfassung: Peter Schiff liest „Kubinke“ für ARD Sounds. Micz kramt immer noch einen Dan Simmons aus. Diesmal „The Guiding Nose of Ulfant Banderoz“ aus dem Jahr 2012. Brett- und Kartenspiele sind „Quarto!“ für zwei Personen, Zank-Patience, „Cabo“, dessen Regeln im verlinkten Erklärvideo anzuschauen sind. Und schließlich „Durak“, ein traditionelles russisches Kartenspiel, auf Deutsch „Dummkopf“. Der Film: „Evil Does Not Exist“ von Ryusuke Hamaguchi aus dem Jahr 2023. Und weil diese Folge nicht nur geredet, sondern auch erlaufen wurde: die Hochrieshütte auf 1569 Metern und der Meraner Höhenweg verlinkt. Let the sun shine on me (and you and you and you).
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    EGL110 Scherbenland – Xbergs Identity Property

    13.08.2026
    In dieser Sommerfolge machen wir es uns vermeintlich leicht: keine große Vorbereitung, einfach zusammen ins Kino und danach beim Laufen reden. Wir sehen im Kino Zukunft den Dokumentarfilm „Scherbenland“ an und stolpern prompt in einen Metaclash, als wir merken, dass ein Interview des Films direkt vor der Tür dieses Kinos aufgenommen wurde. Anschließend spazieren wir Flos alte Laufroute nach entlang der Rummelsburger Bucht und Alt-Stralau. Dabei versuchen herauszufinden, was dieser Film eigentlich mit uns gemacht hat. „Scherbenland“ ist weniger die erhoffte historische Ton-Steine-Scherben-Doku als vielmehr eine Liebeserklärung an Kreuzberg – ein Heimatfilm, dessen Schauplatz auf ein bis zwei Quadratkilometer schrumpft. Drei Musik-Perspektiven werden verwoben: das Rap-Trio RAPK mit ihrer Kiez-Attitüde und ihrem Lebensgefühl „Land Kreuzberg“, die Liedermacherin Maike Rosa Vogel mit ihrer klaren, ergreifenden Stimme und ihren Songs um soziale und ökolgische Ungerechtigkeiten, sowie der starken Stimme von Rio Reiser mit Ton Stein und Scherben. Micz ist skeptisch, ja fast empört: ihm fehlt die Einordnungen, das Thema, der rote Faden. Er hat das Gefühl, in die Irre geführt zu werden. Besonders bei der Frage, ob verschnittenes Wasserwerfer-Material und ein Rio-Reiser-Konzert zeitlich und örtlich (DDR? West-Berlin? Mainzer Straße 1990?) überhaupt zusammenpassen. Flo hält dagegen: Der Film schaffe ein Gefühl, ein Lebensgefühl, auch wenn die Collage nicht ganz zusammenklebt. Den meisten Raum im Film nimmt RAPK ein. Das Rap-Trio wird ausführlich porträtiert, mit vielen Songs, Konzertmitschnitten aus der Columbiahalle und intimen Momenten in Hinterhöfen, Kinderzimmern und auf Kreuzberger Dächern. In diesen Passagen bekommen wir das Gefühl einem Promotionvideo der Band zu folgen. Dennoch vermittelt sich ein Bezug; RAPK sind keine Zugezogenen mit einem ungelösten Konflikt oder auf Suche nach einer neuen Heimat, sondern die Einheimischen, die einfach geblieben sind, hineingewachsen in den Kiez wie Fische ins Meer. Ihr Widerstand ist weniger Parole als Lebensgefühl. Wir tauchen auch in die Stadtgeschichte und linke Tradition von Kreuzberg ein: das von der Mauer umschlossene Insel-Kreuzberg mit seinen toten Ecken, billigem Wohnraum, hohem Migrationsanteil, „Fahnenflüchtigen“ und der queeren Szene. Wir sprechen über die Hausbesetzerbewegung, den Schwenk zum „Das Private ist das Politische“ und die Autonomen-Szene. Es geht auch um die Räumungen von der Mainzer bis zur Liebigstraße und um den ritualisierten, fast sportlichen revolutionären 1. Mai. Am Ende bleibt Ambivalenz: ein Film, der vor allem ein Gefühl transportiert, dem aber der rote Faden und die politische Dringlichkeit fehlen. Muss man sehen? Möchte man gesehen haben, wenn man Kreuzberg liebt!
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    EGL109 Von der Physik zum Bewusstsein: Karl Fristons Free Energy Principle und das Markov Blanket (Bewusstsein 4)

    30.07.2026 | 41 Min.
    Diese Episode schafft es auf die ZWEI! Im Ranking der Episoden, die zeigen, was Krankheit mit Bewusstsein macht, steht Episode 18, „Schmerz, Rippenbruch und leiblich verankerte Kognition“, immer noch auf Platz eins, gefolgt von der hier vorliegenden Episode. Sie veranschaulicht die Wirkung einer Sommergrippe auf stringentes Denken. Verwunderlich ist nur, dass mir erst beim Schneiden auffällt, wie unzusammenhängend ich mich durch das Thema und den Berliner Norden knödele.

    Mit dieser Episode schlagen wir eine Brücke zurück zu Mark Solms und Episode 106: „Bewusstsein auf den Kopf gestellt“. Solms beschreibt eine plausible biologische Entwicklung, in der Bewusstsein graduell von der einfachen Selfhood einer Amöbe bis hin zu „uns“ entstanden sein könnte. Gemeinsam mit Karl Friston veröffentlichte er 2018 das Paper How and Why Consciousness Arises: Some Considerations from Physics and Physiology. Aufmerksame Leser:innen werden sofort mit dem Finger auf das Wort „physics“ im Titel zeigen, denn Solms befasst sich doch vor allem mit der „physiology“.

    Gut erkannt. Karl Friston ist zwar Neurowissenschaftler und arbeitet somit ebenfalls am Übergang von Körper und Geist. Sein Free Energy Principle ergänzt Solms' Modell jedoch kongenial, indem es die graduelle Entwicklung des Bewusstseins nicht nur biologisch, sondern bis zurück in Chemie und Physik nachzeichnet. Anders formuliert: Die Entwicklung verläuft graduell, nicht sprunghaft, und sie bleibt in den Gesetzmäßigkeiten der Natur verankert. Gerade das macht das Bündnis der beiden Ansätze so schlüssig und geschlossen.

    In dieser Episode versuchen wir, die (in Anführungszeichen) "mathematische, probabilistische Membran" zu erklären, die sich zwischen Organismus und Umwelt spannt: das Markov Blanket. Es beschreibt eine probabilistische Grenze, an der Innen und Außen voneinander getrennt werden. Diese Trennung ist einerseits biologisch gegeben, andererseits mathematisch beschreibbar. Ein System kann niemals unmittelbar auf die Welt zugreifen, sondern sie nur über sensorische Zustände wahrnehmen und über aktive Zustände auf sie einwirken. Alles, was wir Realität nennen, entsteht deshalb hinter dieser Membran als beständig aktualisierte Hypothese. Das Gehirn ist eine Vorhersagemaschine. Doch Fristons Konzept gilt nicht nur für lebendige Selfhood. Seine Ideen lassen sich ebenso auf die Wall Street übertragen, auf Künstliche Intelligenz, Wetterphänomene, Viren oder Einparkhilfen.
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    EGL108 Empfindungsfähigkeit oder die Entwicklung des Bewusstseins (Bewusstsein 3)

    16.07.2026 | 1 Std. 27 Min.
    In dieser Folge spazieren wir während der Aufnahme durch das periphere Lichtenberg und erkunden dabei die Tiefen des evolutionären Bewusstseins. Flo stellt Micz das Buch „Sentience – The Invention of Consciousness" von Nicholas Humphrey vor, einem britischen Neurophysiologen, Psychologen und Philosophen, der auf 50 Jahre Forschung zurückblickt und dabei eine ziemlich umfassende These aufstellt: Bewusstsein, so Humphrey, ist eine biologische Erfindung der Evolution, und echtes, gefühltes „phänomenales Bewusstsein" haben nur Säugetiere und Vögel. Fische, Reptilien, Insekten und auch Oktopusse fallen da raus. Das zeigt auch das Arche-Noah-Gemälde von Bruegel dem Älteren: Darauf abgebildet sind lauter Tiere aus dem Zoo, wie Micz bemerkt, also Tiere, die nach Humphrey eine echte Empfindungsfähigkeit entwickelt haben. Bevor Flo die Kernthesen von Nicholas Humphrey ausführlicher vorstellt, machen wir einen Ausflug in die Verhaltensforschung, in dem es sehr anekdotisch zugeht: der blinde Affe Helen, der trotz herausoperiertem visuellen Kortex „wie ein Frosch" sehen kann (Blindsight); die tragische Geschichte der iranischen Frau HD, die nach einer Augen-OP zwar sehen könnte, sich aber als Blinde wohler fühlt; Affen, die bei Rot schneller reagieren als bei Blau - und das nicht, wie ursprünglich angenommen, aus einem Ästhetik-Empfinden, sondern aus dem puren Überlebenswillen; sowie die Sinnessuche bei Säugetieren und Vögeln, die sich auch in Masturbation ausdrücken kann. Warum können wir empfinden? Was ist der evolutionäre Vorteil? Kommen wir zum theoretischen Kern: Humphrey baut die Entwicklung von Bewusstsein wie ein Ingenieur auf dem Reißbrett in drei Stufen. Stufe 1 beschreibt die „Sentition" – eine der Wortschöpfungen von Humphrey, die sich aus Sensation und Action zusammensetzt: Reiz trifft auf Zelle, sichtbare Reaktion folgt, noch ganz ohne Gefühl. In der 2. Stufe ist schon ein Proto-Selbst entstanden, durch abgespeicherte Reiz-Reaktions-Kopien – d. h. das Tier verfügt über eine mentale Map, auf der Reiz und Reaktion im Inneren ablaufen können, ohne dass es zu einer äußeren Reaktion kommt. Und in Stufe 3 macht es schlagartig „Whoosh" (auch eine gern rezitierte Wortschöpfung): Durch Rückkopplungsschleifen im Gehirn entsteht das phänomenale Selbst. Voraussetzung dafür ist die Warmblütigkeit. Damit erhöhen sich die Reaktionsgeschwindigkeiten in den Leiterbahnen der Nervenzellen, und es entstehen bestimmte Zelltypen für die Rückkopplungseffekte, die die Grundlage für das phänomenale Bewusstsein sind. Deshalb fühlt der Hund mit seinem wertenden Selbst aber nicht der Oktopus. Micz ist recht angetan vom „Roh-Material" von Flos Erzählung, aber so recht „Whoosh" hat es bei ihm nicht gemacht: Dieser Sprung von mehreren Hundert Millionen Jahren aus dem Nichts zum phänomenalen Bewusstsein will nicht so recht zünden. Wir diskutieren zum Abschluss über Gradienten, Panpsychismus und die Frage, ob ein Tyrannosaurus Rex vielleicht doch masturbieren konnte. Am Ende bleibt die zentrale, starke Idee: Es gibt keine Stelle im Gehirn, die Rot sieht – es gibt nur das Erleben von „Redness". Qualia als Erlebnisfähigkeit. Und die Erkenntnis, dass jedes Tier auf der Arche sein eigenes kleines Fotoalbum der Empfindungen mit sich trägt...
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Über Eigentlich Podcast
Reden beim Laufen und laufend Reden - über Film, Technik und Psychotherapie
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