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Die Geldfrage

Dezernat Zukunft
Die Geldfrage
Neueste Episode

40 Episoden

  • Die Geldfrage

    Maultaschen, Milliarden und die Mütterrente: Ein Blick ins Zahlenwerk des Bundeshaushalts

    30.07.2026 | 34 Min.
    Der Bundeshaushalt ist ein 3000-Seiten-PDF in Verwaltungssprache, aber wer ihn richtig liest, findet mehr über unsere Gesellschaft heraus, als man denkt. Dafür hat das Dezernat Zukunft zwei interaktive Tracker entwickelt. Philippa Sigl-Glöckner spricht mit DZ-Data-Scientist Alexander Marx über die beiden neuen interaktiven Dashboards des Dezernat Zukunft: der Haushalts-Tracker, der jeden Haushaltstitel seit 2016 erfasst, kategorisiert und ihn auch für Menschen ohne Vorwissen durchsuchbar macht, und den Investitions-Tracker, der private Unternehmensinvestitionen von der Ankündigung bis zur Umsetzung verfolgt.
    Beide Datensätze erzählen ähnliche Geschichten. 22 Prozent der Haushaltsausgaben gehen ins Alter, fast exakt der Bevölkerungsanteil über 65. Auch die Investitionsdaten zeigen den demografischen Wandel, mit starkem Wachstum bei Kliniken, Pharma und Biotech. Im Haushalt finden sich zudem lange Linien, von DDR-Rentenzahlungen über Corona-Hilfen bis zu Flutschäden. Und politische Kompromisse wie Rente mit 63 und Mütterrente lassen sich bis heute in einzelnen Titeln nachverfolgen.
    Das Wichtigste:
    Der Haushalts-Tracker erfasst alle Bundeshaushalte seit 2016 auf Titelebene und kategorisiert sie nach Verwendungszweck. Damit man nicht die Verwaltungssprache kennen muss, hat das Team zusätzlich Begriffe aus der politischen Debatte auf die Titel gelegt. Wer nach Mütterrente sucht, findet sie, obwohl sie im Haushalt als Beitragszahlungen für Kindererziehungszeiten geführt wird.
    Der Investitions-Tracker verfolgt angekündigte Unternehmensinvestitionen und ob sie tatsächlich umgesetzt werden.
    Die Rente im Bundeshaushalt: 22 Prozent der Bundesausgaben fließen ins Alter, 23 Prozent der Bevölkerung sind über 65. Haushalt und Demografie laufen parallel, auch bei privaten Investitionen in Gesundheit und Pharma.
    Die Digitalausgaben sind stark gewachsen. Von 17 Titeln mit rund 450 Millionen Euro 2016 auf 35 Titel mit knapp 10 Milliarden Euro heute. Die Zahl der Titel hat sich verdoppelt, das Volumen verzwanzigfacht.Der Haushalt reicht weit zurück. Über eine Milliarde Euro für Rentenleistungen an ehemalige NVA-Angehörige, Zahlungen an NS-Opfer, ein sichtbarer Corona-Buckel zwischen 2020 und 2023
    Zum Nachlesen/Nachhören:
    Der neue Haushaltstracker des Dezernat Zukunft.
    Der neue Investitionstracker des Dezernat Zukunft.
    Mehr zur Investition von Sanofi in das Insulinwerk.
    Mehr zum Erdinger Datenzentrum.
    Ein Artikel der Zeit über das Geschäftskonzept der Harry Bäckerei.
  • Die Geldfrage

    Bundeshaushalt 2027 (Die Geldfrage live)

    06.07.2026 | 42 Min.
    Am 6. Juli 2026 hat das Kabinett den Bundeshaushalt 2027 verabschiedet. Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Florian Schuster-Johnson haben diese Folge live aufgenommen (die Soundqualität kann daher eine andere als sonst sein) und analysieren, was drinsteckt und was fehlt. Ihr zentraler Befund: Verteidigung prägt diesen Haushalt wie nie zuvor und überholt erstmals die Rente als größten Posten. Die öffentliche Spardebatte trifft dagegen Größenordnungen, die das eigentliche Problem kaum berühren.
    Das Wichtigste:
    Verteidigung ist das Thema des Haushalts. Mit rund 150 Milliarden Euro überholt sie erstmals die Rente. Etwa ein Fünftel der Bundesausgaben fließt in Verteidigung, und sie erklärt fast 75 Prozent der Neuverschuldung. Das Defizit des Bundes dürfte 2027 bei rund 4,3 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen.
    Die Spardebatte verfehlt die Dimension. Beim Sparen geht es meist um hunderte Millionen, bei der Verteidigung um hunderte Milliarden. Die 20-Milliarden-Lücke wurde vor allem über Haushaltstechnik geschlossen, über Rücklagen, Verschiebungen zwischen Kernhaushalt und Sondervermögen und Entnahmen aus dem Klima- und Transformationsfonds.
    Es wird in Beton investiert, weniger in Köpfe. Straße, Schiene, Krankenhäuser, Digitalisierung stehen im Vordergrund. Die Kitas bekommen unterm Strich rund eine Milliarde weniger, obwohl Bildung und Betreuung für den technologischen Anschluss an China und die USA zentral wären.
    Der deutsche Fiskalrahmen zwingt zu Kurzfristdenken. Die Schuldenbremse rechnet jährlich ab, dazu kommt ein zweites, europäisches Regelwerk. Beide Regime auf denselben Haushalt zu legen, erzeugt Komplexität. Die 2024 reformierten europäischen Regeln mit ihrer mittelfristigen Perspektive wären eine bessere Blaupause.

    Zum Nachlesen:
    Mit unserem Haushaltstracker können Sie den Haushalt selbst durchsuchen.
    Unsere neueste Ausgabe des Geldbriefs behandelt ebenfalls den Bundeshaushalt 2027.
  • Die Geldfrage

    Können die USA es sich leisten, Europa bei KI auszusperren?

    23.06.2026 | 53 Min.
    Die USA haben Europa den Zugang zu Claude Mythos, dem leistungsstärksten Modell von Anthropic, gesperrt. Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Paul Görlich vom Dezernat Zukunft darüber, ob ein vollständiger KI-Abschnitt Europas realistisch ist und was das Szenario "Europe 2031", ein vielbeachtetes Zukunftsbild einer Gruppe von KI-Experten, richtig und falsch einschätzt.
    Das Wichtigste:
    Die US-Hyperscaler planen bis 2031 ungefähr 5,2 Billionen Dollar Investitionsausgaben in KI-Infrastruktur. Allein 2026 werden rund 700 Milliarden Dollar ausgegeben, ungefähr dreimal so viel wie das gesamte Apollo-Programm. Wer Europa ausschließt, kann diesen Ausbau nicht refinanzieren.
    Ein vollständiger Abschnitt Europas wäre für die US-Labs ein doppeltes Eigentor: Er würde den Markt kampflos an chinesische Open-Source-Modelle übergeben, die bereits heute nur ungefähr vier bis sechs Monate hinter den amerikanischen Frontier-Modellen liegen.
    Europa hat kein eigenes Frontier-Modell und keinen Chip-Hersteller auf NVIDIA-Niveau. Dafür hält es einen entscheidenden Hebel weiter oben in der Wertschöpfungskette: ASML und sein Exzellenzcluster aus deutschen Zulieferern wie Trumpf und Zeiss produzieren die einzigen Maschinen der Welt, mit denen Chips der neuesten Generation hergestellt werden können.
    Die EU plant 20 Milliarden Euro für große Datenzentren, die europäische Grundlagenmodelle trainieren sollen. Das Geld wäre besser in Infrastruktur investiert, die KI-Modelle laufen lässt statt sie zu trainieren, und in die Breitenadoption von KI im Mittelstand.
    Zum Nachlesen/Anschauen:
    Programm der EMPN Conference (Link zum Stream auf LinkedIn, auf X vormittags (9:30–13:30 CEST) und auf X nachmittags (14:00–18:00 CEST))
    Europe 2031 Projekt
    KI-Modellpreise
    Adoption Index und Ausgaben für die USA
    China & KI im High Capacity Podcast
  • Die Geldfrage

    Fantastisches Energiekapital und wo es zu finden ist

    04.06.2026 | 48 Min.
    Ein Drittel der Stromkosten entsteht im Verteilnetz. Und das steht unter Druck: Solarstrom fließt dezentral ein, E-Autos laden, Wärmepumpen ersetzen Gas. Die rund 900 deutschen Energieversorgungsunternehmen müssen bis 2045 rund 647 Milliarden Euro in Strom- und Wärmenetze investieren. Doch vielen kommunalen Stadtwerken fehlt dafür das Eigenkapital. Die Lücke, die sich nicht aus eigener Kraft schließen lässt, beträgt 13 Milliarden Euro bis 2035.
    Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Mediha Inan vom Dezernat Zukunft und Johanna Bronisch von Neon Neue Energieökonomik. Sie erklären, warum die Lösung in einer Art Zahlenmagie liegt: Hybridkapital, das beim Stadtwerk wie Eigenkapital wirkt, kommunale Haushalte aber wie ein Kredit belastet. Hannover zeigt, wie das in der Praxis geht. Die Stadt hat der enercity AG 700 Millionen Euro als Konzernkredit bereitgestellt und damit Investitionen von 3,5 Milliarden Euro ermöglicht. Was fehlt, ist ein bundesweiter Rahmen aus Kommunalkrediten, Landesbürgschaften und einer Bundesrückbürgschaft über den Deutschlandfonds.
    Das Wichtigste:
    Rund 900 EVU brauchen bis 2045 rund 647 Mrd. Euro für den Netzausbau. 13 Mrd. Euro Eigenkapital lassen sich nicht aus eigener Kraft aufbringen, vor allem bei kommunalen Stadtwerken.
    Das Verteilnetz hat über 800 Betreiber. Die Struktur ist historisch gewachsen, kaum koordiniert und digitalisiert.
    Hybridkapital ist der Ausweg: Nachrangige Konzernkredite stärken die Kreditwürdigkeit der Stadtwerke, ohne kommunale Haushalte direkt zu belasten.
    Gebraucht wird ein „Deutschland-Standard": Kommunen als Kreditgeber, Länder als Bürgen, der Bund als Rückversicherer über den Deutschlandfonds.
    Zum Nachlesen/Nachhören:
    Die gemeinsame Studie von Agora Energiewende, Stiftung Klimaneutralität und Dezernat Zukunft „Eigenkapitalfür die Energiewende“
    Das Webinar von Agora Energiewende, Stiftung Klimaneutralität und Dezernat Zukunft. Es wird die Studie vorgestellt und mit Expert:innen aus der Praxis darüber diskutiert.
    Das Projekt Grids & Benefits zeigt, dass dynamische Netzentgelte ein wirksames Instrument sind.
    Hier wird die Situation der bayerischen Bauern erklärt.
    Die Geschichte der Stromnetze
  • Die Geldfrage

    Die neuen Eckwerte: Zwei Haushalte in einem

    29.04.2026 | 30 Min.
    Heute hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil die Eckwerte des Bundeshaushalts 2027 vorgestellt. Die Ausgaben sind 36 Milliarden Euro höher als zuletzt geplant, und trotzdem soll irgendwie gespart werden. Wie passt das zusammen?
    Philippa Sigl-Glöckner und  Dr. Florian Schuster-Johnson analysieren, was die Zahlen bedeuten, wo getrickst wird und welche Risiken bleiben.

    Das Wichtigste:
    Trotz einer Haushaltslücke von 36 Milliarden Euro steigen die geplanten Ausgaben auf rund 540 Milliarden. Ein Teil der Lücke wird durch pauschale Einsparungen von einem Prozent pro Ministerium und technische Kniffe bei der Schuldenbremse gestopft.
    Im Haushalt gibt es gerade zwei Welten: eine, in der plötzlich alles finanziert wird: Verteidigung bekommt weitere Milliarden, in das das THW wird investiert, Stromsubventionen steigen; und eine andere, in der das Geld so knapp ist, dass der Bund die Kosten für Weiterbildung kurzerhand in den Haushalt der Bundesagentur für Arbeit verschiebt.
    Die Finanzplanung setzt stark auf Optimismus: 3 Milliarden Euro an Effizienzgewinnen im Digitalministerium und globale Mehreinnahmen sind bisher vage Versprechen ohne konkrete Maßnahmen.
    Langfristig drohen größere Lücken. Es braucht eine bessere Priorisierung statt Rasenmäher-Kürzungen.

    Zum Nachlesen:
    Die Eckwerte zum Bundeshaushalt 2027
    Der Military Procurement Tracker des Kiel Instituts
    Der Bericht der Bundesagentur für Arbeit zu Herausforderungen für junge Menschen am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt
Weitere Nachrichten Podcasts
Über Die Geldfrage
Die Geldfrage – Der Podcast des Dezernat Zukunft „Die Geldfrage“ beginnt dort, wo Polit-Talkshows meist enden – bei den entscheidenden Fragen rund ums Geld. Wir erklären, kommentieren und ordnen ein: Wie finanziert sich der Staat? Wofür gibt er wie viel aus? Klar, verständlich und auf den Punkt. Für alle, die Finanzpolitik wollen. Ein Podcast vom Dezernat Zukunft. Für Fragen oder Feedback schreibt an info@dezernatzukunft.org
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