237 Episoden
- Wie viel von dem, was wir als großen Wein wahrnehmen, lässt sich wissenschaftlich erklären?
Prof. Dr. Jochen Vestner, Professor für Önologie an der Hochschule Geisenheim, spricht mit Wolfgang Staudt über die Entwicklung moderner Weinbereitung – von Pasteur und Reinzuchthefen bis zu kontinuierlichem Monitoring und künstlicher Intelligenz.
Es geht um die Frage, was ein Aromaprofil tatsächlich über einen Wein verrät, warum Intensität noch keine aromatische Qualität bedeutet und weshalb Begriffe wie Eleganz, Harmonie, Feinheit oder Länge wissenschaftlich so schwer zu fassen sind.
Vestner und Staudt sprechen außerdem über Mineralität und Herkunft, die Grenzen von Weinkritik und analytischer Qualitätsbestimmung, klimatisch gestresstes Lesegut sowie die emotional aufgeladene Debatte um Low Intervention.
Dabei entsteht ein überraschender Gedanke: Gerade mehr Wissen und präzisere Analytik können es Winzern ermöglichen, weniger einzugreifen.
Und schließlich geht es um KI: Was kann sie im Keller heute tatsächlich leisten? Wo liegen Unterschiede zwischen kleinen Spitzenbetrieben und großen Kellereien? Und nach welchem Ziel soll ein datengetriebenes System überhaupt entscheiden, wenn schon der Mensch kaum eindeutig definieren kann, was einen großen Wein ausmacht? - Ein Fahrgast kommt von einer Reise zum Etna zurück und ist irritiert: Überall ist vom Vulkan die Rede – aber warum schmecken die Weine dann so unterschiedlich? Manche Nerello Mascalese wirken hell und fein, andere herb und tanninbetont. Und spätestens beim Carricante aus Milo scheint das einfache Bild vom „Vulkanwein“ nicht mehr zu funktionieren.
In dieser Folge von Fahrgast-Fragen gehe ich der Frage nach, was die Herkunft Etna tatsächlich ausmacht. Es geht um die Pioniere um Giuseppe Benanti, den Aufstieg des Nordhangs, Nerello Mascalese zwischen Pinot- und Nebbiolo-Vergleichen, die zunehmende Bedeutung der Contrade und um Milo und Carricante als ganz andere Seite des Berges.
Und natürlich um die Frage, ob man den Vulkan tatsächlich schmecken kann. Meine These: Der Vulkan liefert kein Aroma. Er liefert Bedingungen. Große Herkunft entsteht deshalb nicht durch einen gemeinsamen „Etna-Geschmack“, sondern gerade durch die Unterschiede, die innerhalb dieses gewaltigen vulkanischen Systems sichtbar – und schmeckbar – werden. - Ein Trollinger Rosé für 100 Euro: Provokation, Marketing oder großer Herkunftswein? Mit dieser Flasche beginnt mein Gespräch mit Matthias Aldinger über die Frage, wie Qualität, Vertrauen und Reputation über Generationen entstehen.
Matthias erzählt, wie sein Großvater Gerhard mit dem Untertürkheimer Gips die materielle Grundlage des heutigen Weinguts schuf, wie sein Vater Gert den württembergischen Qualitätsanspruch neu formulierte und wie er und sein Bruder Hansjörg einen erfolgreichen Betrieb weiterentwickeln, ohne ihn lediglich zu verwalten. Es geht um familiären Unternehmergeist, ökologischen Weinbau, „kontrolliertes Nichtstun“ im Keller und den Aufbau einer eigenständigen Sektproduktion.
Fünf Weine führen durch das Gespräch: der Gips Trollinger Rosé, der ungeschwefelte SINE, der aus Trauben aus Marsannay erzeugte Marcène, das Marienglas Spätburgunder GG und der Lämmler Lemberger GG. Im direkten Vergleich wird die zentrale Frage der Folge konkret: Wo endet die Handschrift des Winzers, wo beginnt der Ort – und kann die Reputation eines Erzeugers irgendwann auf seine Herkunft übergehen? Ohne großes Getöse: Sven Ellwanger und die stille Modernisierung Württembergs
14.08.2026 | 1 Std. 35 Min.Heute geht es ins Remstal, nach Großheppach zum Weingut Bernhard Ellwanger. Mein Gast ist Sven Ellwanger, der den Betrieb gemeinsam mit seiner Schwester Yvonne führt.
Auf den ersten Blick wirkt dieses Weingut bodenständig, gewachsen und angenehm unaufgeregt. Im Gespräch zeigt sich aber schnell, wie viel Bewegung in diesem Betrieb steckt: Sauvignon Blanc, Junges Schwaben, Bio-Weinbau, Piwis, Spontangärung, starke Privatkundschaft, Rotweinambition – und eine Region, die noch immer mit alten Klischees zu kämpfen hat.
Im Zentrum der Episode stehen drei Weine: ein Muskat-Trollinger Rosé, ein Roter Riesling und eine Lemberger-Syrah-Cuvée.
Der Muskat-Trollinger Rosé zeigt, dass Duftigkeit, Frucht und Leichtigkeit nicht banal sein müssen. Sven beschreibt ihn als einen der wichtigsten Weine des Betriebs – trocken ausgebaut, aromatisch, frisch und mit einem kleinen Anteil maischevergorener Partie, der dem Wein zusätzlichen Grip gibt.
Der Rote Riesling erzählt eine besondere Geschichte: Im Weinberg wurde eine Mutation in einer alten Rieslinganlage entdeckt – eine Fruchtrute mit weißen Rieslingtrauben, eine andere mit rötlichen Beeren. Aus diesem Zufall wurde eine eigene Selektion, die heute als ernsthafter Wein im Sortiment steht: körperreicher, fülliger und säureärmer als klassischer Riesling, aber dennoch mit eigener Riesling-Prägung.
Die Lemberger-Syrah-Cuvée führt schließlich mitten in die Frage, wie sich Württemberg heute verändert. Lemberger bringt kühle Beerenfrucht, Frische und regionale Identität; Syrah ergänzt Würze, Körper, Pfeffer, dunklere Noten und Struktur. Im Glas begegnen sich regionale Herkunft und internationale Rebsorte erstaunlich selbstverständlich.
Außerdem sprechen wir über Svens Zeit in Neuseeland, Sauvignon Blanc und Fumé Blanc, über die Gruppe Junges Schwaben, über Bio-Weinbau, Bodenaufbau, Humus, Begrünung und Pflanzenschutz, über den Gravitationskeller, über ProWein, Wine Paris, Export, alkoholfreie Produkte und die Zukunft eines Familienweinguts mit großer Sortenvielfalt.
Eine Folge über ein Württemberg, das sich leise verändert hat – pragmatisch, beharrlich, bodenständig und im Glas sehr überzeugend.ProWein unter Druck: Frank Schindler über Fehler, Konkurrenz und die neue Rolle der Messe
31.07.2026 | 1 Std. 40 Min.Die ProWein steht unter Druck: Wine Paris wächst, Nischenmessen gewinnen an Glaubwürdigkeit, der Weinmarkt schrumpft und die Branche sucht neue Käufer, neue Zielgruppen und neue Orientierung. Frank Schindler, Director der ProWein, spricht offen über Fehler der Messe, die neue europäische Positionierung, Hosted Buyers, ProWein Zero+, ProSpirits, die internationalen Satelliten-Messen und die Frage, was eine Weinmesse heute überhaupt noch leisten muss.
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Über Genuss im Bus - der mobile Wein-Podcast
"Genuss im Bus ist der mobile Weinpodcast von Wolfgang Staudt. Wolfgang trifft sich mit interessanten Typen der Weinszene und Persönlichkeiten, die den Wein ebenso lieben wie er selbst. In seinen Gesprächen versucht er herauszufinden, wie die so ticken, was sie begeistert und was sie zu den spannenden Themen rund um den Weingenuss zu sagen haben.
Podcast-WebsiteHöre Genuss im Bus - der mobile Wein-Podcast, Easy German: Learn German with native speakers | Deutsch lernen mit Muttersprachlern und viele andere Podcasts aus aller Welt mit der radio.de-App

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