76 Episoden
- Das Flötenkonzert von Jacques Ibert gilt als das bekannteste Flötenkonzert des 20. Jahrhundert, entstanden ist es 1934 für den französischen Flötenvirtuosen Marcel Moyse, der viel dazu beigetragen hat, dass die Querflöte in Frankreich und den USA wieder populär wurde.
Ibert folgt in seinem Konzert nicht der Mode der Zeit - von der damaligen Avantgarde mit ihrer Zwölftonmusik und dem Bemühen, möglichst «atonal» zu schreiben hielt er nichts. Vielmehr verwendete er Elemente des Jazz und interessierte sich für die Musik der Renaissance und des Barock. Auch die drei Sätze des Flötenkonzerts erinnern in ihrer Anmutung an die barocken Tänze Allemande, Sarabande und Gigue.
Wo liegen die Herausforderungen bei diesem Konzert? Wie setzt sich die Flöte gegen das Orchester durch? Die beiden Flötisten Felix Renggli und Kaspar Zehnder sind Gäste von Eva Oertle und vergleichen fünf Aufnahmen dieses virtuosen Bläserkonzerts.
Erstausstrahlung: 01.03.2021 - Heuer würde der bedeutende deutsche Komponist Hans Werner Henze seinen 100. Geburtstag feiern. Stilistisch zwischen Avantgarde und Postmoderne schuf er ein riesiges Œuvre mit seiner ganz eigenen Tonsprache. Die Sinnlichkeit und die reiche Klangfarbenfantasie seiner Musik lassen kaum jemanden kalt.
Mehr als 40 Bühnenwerke hat er komponiert, zehn Sinfonien, Kammermusik und Solistisches wie auch Filmmusik. In seinen Sinfonien widerspiegelt sich unter anderem sein politisches Engagement und das Weltgeschehen im 20. Jahrhundert. Seine 7. Sinfonie bezeichnete er als «diejenige, die dem Modell der klassischen Sinfonie am nächsten kommt». Sie ist viersätzig, beginnt mit einem wilden Tanz, der langsame Satz ist ein berührendes, tiefschürfendes Lied (inklusive Düsternis), das Scherzo ist eine Hommage an den romantischen Dichter Friedrich Hölderlin und die Qualen, die der Poet in der grausamen Autenriethschen Nervenklinik durchleiden musste. Im Finale vertont Henze schliesslich Hölderlins vielinterpretiertes Gedicht «Hälfte des Lebens».
Als Henze-Premiere in der Diskothek auf SRF 2 Kultur hören wir dieses eindrückliche Werk des polyglotten, mondänen und «genialen Musik-Verführers», der sich nicht durch den Fortschrittszwang der Avantgarde und deren Dogmen einengen liess. Gäste von Moritz Weber sind Titus Engel, Chefdirigent der Basel Sinfonietta und Schweizer Musikpreisträger 2025, und die Musikwissenschaftlerin Doris Lanz. - Jeweils in der letzten Diskothek-Ausgabe des Monats stellen wir die Gewinnerinnen und Gewinner der vorangegangenen Sendungen vor. Die in der Diskothek prämierten Interpret:innen und Ensembles treten hier auch mit anderem Repertoire oder in anderer Besetzung auf.
In diesem Monat:
Gérard Grisey: Partiels für 16 oder 18 Instrumente
Joseph Haydn: Streichquartett G-Dur op. 33 Nr. 5
Giacomo Carissimi: Jonas. Oratorium
Dmitri Schostakowitsch: Cellosonate d-Moll op. 40 - Als Schostakowitsch 1934 seine Cellosonate schrieb, war er ein erfolgreicher Jung-Komponist, verheiratet – und durch eine kurze Affäre beflügelt. Doch Diktator Stalin droht schon damals den Künstlern. Beides hört man in dieser Sonate, die von vielen Cello-Stars eingespielt wurde.
Und weil diese Sonate des damals 28-jährigen Dmitri Schostakowitsch bei Solistinnen und Publikum gleichermassen beliebt ist, stellen wir sie in dieser Sendung vor. Aus den zahlreichen Aufnahmen hat Jenny Berg fünf zum Vergleich ausgesucht, Gäste im Studio sind die Cellistin Carla Keller und der Tonmeister Andreas Werner. - Giacomo Carissimi gehört zu den wichtigsten italienischen Komponisten des frühen Barocks und gilt als einer der Wegbereiter des Oratoriums. Von Rom aus prägte er die Entwicklung dieser noch jungen Gattung und beeinflusste zahlreiche Komponisten in ganz Europa, darunter auch Marc-Antoine Charpentier.
Carissimis Oratorium Jonas ist vermutlich in den 1640er-Jahren entstand. In kaum mehr als zwanzig Minuten erzählt Carissimi hier die alttestamentliche Geschichte des Propheten Jonas: seine Flucht vor Gottes Auftrag, den Sturm auf See, den Aufenthalt im Bauch des Walfisches und schliesslich die Umkehr der Stadt Ninive.
Mit einfachen Mitteln erzielt Carissimi eine grosse dramatische Wirkung. Eindrucksvolle Chorszenen schildern den tobenden Sturm, während die Solisten die Handlung vorantreiben und die inneren Konflikte der Figuren sichtbar machen. Besonders bemerkenswert ist die enge Verbindung von Text und Musik, die bereits auf spätere Meister des Oratoriums wie Schütz und Bach vorausweist.
In der Diskothek vergleicht Eva Oertle gemeinsam mit dem Cembalisten Thomas Leininger und dem Chordirigenten Raphael Immos fünf unterschiedliche Aufnahmen von Carissimis Jonas.
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Über Diskothek
In der «Diskothek» reden wir über Musik und ihre Interpretationen. Zwei versierte Gäste mit guten Ohren vergleichen im Blindtest verschiedene Aufnahmen eines Werks und exponieren sich mit ihren Urteilen. In mehreren Hörrunden wird die Auswahl immer kleiner, bis die «beste» Aufnahme übrigbleibt – Spiel und Hörschulung zugleich.
Die Werke stammen aus allen Epochen der klassischen Musik, vom Mittelalter bis zur Gegenwart.
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