Zen

Rei Ho Christoph Hatlapa Roshi
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252 Episoden

  • Zen

    Z00251 Tatsächlich gibt es kein einziges Wesen, das zu erretten wäre. (Sesshin 05.09.2025)

    07.2.2026 | 37 Min.
    Diese Aussage des Diamant-Sūtras scheint dem Bodhisattva-Gelöbnis, alle Lebewesen zu erretten, zu widersprechen. In Abschnitt 25 heißt es jedoch: »Würde der Tathāgata meinen, dass es ein solches Wesen gäbe, so wäre er der Vorstellung von einem Selbst, einer Person, einem Lebewesen oder einer Lebensspanne verhaftet.« Doch wie lässt es sich leben, ohne in die Getrenntheit verstrickt zu sein? Schließlich sind wir von Lebewesen mit einer Identität umgeben und nehmen sie auch so wahr. In der Blumenpredigt hält der Buddha schweigend eine Blume hoch. Damit weist er darauf hin, dass sie aus Nicht-Blumenelementen besteht und man sie aus diesem Grund als Blume bezeichnen kann. Tatsächlich hält der Buddha drei Blumen hoch: die Blume, die Nicht-Blume und die allumfassende Blume. Allerdings ist es nicht leicht, diese dreifache Dimension jedes Begriffs in der Praxis jederzeit präsent zu haben. Einerseits gibt es den Geisteszustand, in dem wir uns mit den anderen Wesen verbunden fühlen und mit der Buddha-Natur in Kontakt sind. Dem gegenüber steht ein Geisteszustand, in dem wir gestresst vom Leben in der Getrenntheit den Kontakt zur Buddha-Natur gänzlich verloren haben. In solchen Momenten erscheint uns der Buddha als vollkommenes Wesen unerreichbar. Die Prajñāpāramitā besagen jedoch, dass die fünf Bereiche des Anhaftens auch ein Konstitutiv des Buddha-Wesens sind. Der Buddha setzt sich aus Nicht-Buddha-Elementen zusammen. Das Reine besteht aus dem Unreinen. So setzen sich auch unsere Beziehungen aus Ärger und Nichtverstehen zusammen. All das ist Teil der Welt, die von organischer Liebe zusammengehalten wird. Wenn wir diese organische Liebe verinnerlichen, können wir zunehmend in dem Zusammenhang bleiben, in dem wir uns tatsächlich befinden. Das Diamant-Sūtra möchte uns in eine Welt hinübergeleiten, die nichts und niemanden ausschließt.

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    Z00250 »Ein Tag ohne Arbeit ist ein Tag ohne Essen« (Sommer-Sesshin 19.07.2025)

    24.1.2026 | 33 Min.
    Dieser Ausspruch von Hyakujō Ekai ist in Fall 125 des Shūmon Kattōshū festgehalten. Damit wehrte er sich gegen die Befreiung von der anstrengenden Gartenarbeit im hohen Alter. Für ihn war es von größter Bedeutung, Arbeit als zentrales Element des klösterlichen Lebensstils zu praktizieren. Daher verfasste er entsprechende klösterliche Regeln, die bis heute in Zen-Klöstern umgesetzt werden. Auch in der Choka Sangha sind Meditation und Samu Kernelemente der Praxis, die das Gemeinschaftsleben und damit den Gruppengeist stärken. Was im absoluten Samadhi der Meditation erfahren wird, drückt sich im positiven Samadhi bei der Arbeit aus. Die gemeinschaftliche Arbeit unterstützt die Sensibilisierung für andere und die gegenseitige Spiegelung. Gerade dieser Alltagsbezug ist einer der größten Schätze der Zen-Praxis.

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    Z00249 Dem duftenden Gras folgen… (Sommer-Sesshin 18.07.2025)

    10.1.2026 | 49 Min.
    In diesem Teisho beschäftigt sich Christoph Rei Ho Hatlapa damit, wie wir die Zeichenlosigkeit im Alltag verwirklichen können. Er zeigt uns Wege, wie wir in der uns umgebenden Realität unterwegs sein können, ohne ständig etwas einzuordnen, und dabei trotzdem mit unserem jeweiligen Gegenüber in Verbindung bleiben. Bei dieser Herausforderung kann uns die Natur eine hervorragende Lehrmeisterin sein. Sie lädt uns ein, uns mit offenem Blick und ohne Einordnung in ihr zu bewegen. In Koan 36 des Hekiganroku unternimmt Chôsa einen solchen Spaziergang: Zunächst folgt er den duftenden Gräsern und kehrt auf der Spur der fallenden Blüten zurück. Um sich auf diese Weise mit offenem Blick und ohne Einordnung in die Natur hineinzubegeben, bedarf es eines tiefen Vertrauens in die Zeichenlosigkeit. Dieses Vertrauen können wir mit unserem Herzen aufbauen können, indem wir uns berühren und tragen lassen vom Meer der Mitwelt und so in einen mitfühlenden Kontakt zur Natur treten. Dabei sind wir nicht mit einem Ziel oder der Absicht etwas zu verändern unterwegs. Chôsa ging absichtslos im intuitiven Kontakt mit der Landschaft und sagte später: »Das gesamte Universum ist dein Auge. Das gesamte Universum ist dein ganzer Körper. Das gesamte Universum ist ein eigenes Leuchten.«

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    Z00248 ToGenJi – Verborgene Pfirsichblüte (Sommer-Sesshin 17.07.2025)

    27.12.2025
    In Koan 8 des Kattōshū findet sich Reiun Zhigins Erleuchtungsvers: »30 Jahre lang suchte ich einen Schwertmeister. Wie oft sind Blätter gefallen und neue Knospen zum Vorschein gekommen. Aber seitdem ich die Pfirsichblüten gesehen habe, habe ich nie wieder gezweifelt.« Anscheinend ist es Reiun beim Betrachten der Blüte gelungen, gleichzeitig die Nicht-Blüte zu sehen. Indem er die vielen Elemente erfasste, die mit ihr in einem Bedingungszusammenhang stehen, erkannte er gleichseitig die Zeichenlosigkeit der Wirklichkeit. Allerdings ist diesem Erlebnis ein langer Prozess vorangegangen. Schon der Entschluss in ein Kloster zu gehen, wurde früher auf eine harte Probe gestellt. Und auch heute braucht es Vertrauen in den Weg, um sich der Zen-Praxis zu stellen und die Zweifel zu überwinden, denen jeder Übende begegnet. Dabei kann ein Zen-Meister unterstützen. Reiun ist allerdings einsam erwacht. Shin’ichi Hisamatsu bemerkte dazu: »Obwohl das einsame Erwachen ohne jeden Meister oftmals als unwahres Erwachen zurückgewiesen wird, würde ich aus diesem Grund darauf bestehen, dass gerade dieses einsame Erwachen ohne Meister, das Erwachen im letztgültigen Sinne darstellt.« Für Hisamatsu war der endgültige Meister das wahre Selbst, das aus dem Kern des Ich-Selbst hervorbricht. Er verglich das formlose Selbst mit einer Raupe, die sich verpuppt und schließlich ihren Kokon als Schmetterling durchbricht. Dabei vereinigt sich die Puppe nicht etwa mit dem Schmetterling, indem sie sich selbst aufgibt, sondern sie verneint sich selbst. Als Reiun die Pfirsichblüte verneinte und das Universum darin erkannte, gab es dafür keine handelnde Ursache von außerhalb. Hilfreich für das Erwachen war für Hisamatsu die wechselseitige Teilhabe an direkter Selbsterforschung. Er empfahl, sich einer Gemeinschaft anzuschließen, die sich auf diesem Weg gegenseitig unterstützt. Eben dazu laden Christoph Rei Ho Hatlapa und die Choka Sangha in diesem Teisho ein – gemeinsam mit den Pfirsichbäumen auf dem Gelände und dem ToGenJi-Tempel, dessen Name »Verborgene Pfirsichblüte« bedeutet.

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    Z00247 Frieden beginnt in dir. (Rohatsu 03.12.2025)

    13.12.2025 | 44 Min.
    Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht in den Medien von Drohnenangriffen und Aufrüstung berichtet wird. In vielen Koans ist ebenfalls von Schlägen und Stößen die Rede – etwa im Fall 100 des Hekiganroku, in dem ein Schwert den ganzen Himmel überschneidet, gegen das ein Haar geblasen wird. Doch wer im Zen-Kontext die todbringende Klinge und das lebenspendende Schwert führt, will damit keinesfalls sein Gegenüber verletzen. Das wahre Geheimnis der Kampfkunst besteht vielmehr darin, die Waffen im entscheidenden Moment ruhen zu lassen. Der wahrhaft reife Krieger hat den Mut, sich selbst kennenzulernen. Er stellt sich seinen inneren Drachen, verkörpert durch verdrängte Gefühlen und Gewaltimpulse, statt sie nach außen zu projizieren. Hass überwinden wir allein durch Liebe. Der wahre Feind ist der Irrglaube, vom Rest des Universums getrennt zu sein. Diesen Irrtum und die damit verbundenen Gierstrukturen gilt es im eigenen Herzen zu transformieren. Wer täglich übt, Unheilsames zu vermeiden, Heilsames zu verwirklichen und Bodhicitta zu erwecken, sendet friedvolle Signale in die Welt aus. Darin liegt das Wesen der Friedensarbeit.

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