Zen

Rei Ho Christoph Hatlapa Roshi
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256 Episoden

  • Zen

    Z00255 Der Geist ist ein Künstler. (Herbst-Sesshin 25.10.2025)

    04.04.2026 | 33 Min.
    Christoph Rei Ho Halapa beschäftigt sich in diesem Teisho mit der Beziehung von Bewusstsein und Materie im Kontext der Herausforderungen durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI). Insbesondere angesichts der Sorge, Maschinen könnten das menschliche Bewusstsein überflügeln oder gar übernehmen. In Fall 102 des Shūmon Kattōshū heißt es: »Der Geist ist wie ein Künstler, der unaufhörlich die fünf Skandhas hervorbringt. Es gibt nichts auf der ganzen Welt, das nicht vom Geist hervorgebracht wird.« Demnach geht alles Sein aus dem Bewusstsein hervor, als zwei untrennbare Aspekte der Wirklichkeit. Auch die Quantenphysik bestätigt diesen inneren Zusammenhang: Materie existiert nicht unabhängig vom Bewusstsein des Beobachters. Bewusstsein ist allerdings kein materielles Nebenprodukt, sondern ein eigenständiges, nicht reproduzierbares Phänomen auf Quantenebene. Daher können Maschinen niemals echtes Bewusstsein entwickeln, da ihnen eine »Innenseite« fehlt, also die Möglichkeit, Erleben oder Empfindung zu erfahren. Somit verweist die KI das Menschliche nicht auf Abwege, sondern zurück zu seiner eigentlichen Stärke: Mitgefühl, Einfühlung und geistige Tiefe.

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    Z00254 Was ist Zen? (Herbst-Sesshin 24.10.2025)

    21.03.2026
    In Fall 211 des Shūmon Kattōshū fragte ein Mönch: »Was ist Zen?« Touzi Datong antwortete: »Zen.« Der Mönch fragte weiter: »Was ist, wenn der Mond noch nicht voll ist?« Touzi sagte: »Ich schlucke drei oder vier Zehntel.«

    Gerade am Anfang erhofft man sich von seinem Zen-Lehrer Antworten auf die vielen Fragen, die man hat. Doch meist fallen diese eher einsilbig aus. Auch die Koan erscheinen uns je nach Lebenslage tiefgründig oder unverständlich, hilfreich oder abwegig. Beide zielen darauf ab, uns zu ermutigen, uns selbst zu erforschen, statt Antworten zu erwarten. Mit zunehmender Praxis wandelt sich das Verhältnis: Nicht mehr »wir üben Zen«, sondern »Zen übt mit uns« und wird zu einer lebendigen, lebenslangen Begleitung. Zen lehrt, dem Natürlichen zu folgen: weder zu erzwingen noch zu vermeiden, sondern das Leben in all seinen Formen anzunehmen – auch Beziehungen, Begehren und alltägliche Schwierigkeiten. Leben und Zen sind eins.

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    Z00253 Mayoku gräbt Unkraut aus. (Herbst-Sesshin 23.10.2025)

    07.03.2026
    In diesem Teisho über das Erwachen im Alltäglichen bezieht sich Christoph Rei Ho Hatlapa auf Koan 175 des Kattōshū. Darin möchte der Gelehrte Jushū Ryōsui von Meister Majoko belehrt werden. Doch statt mit ihm zu sprechen, beginnt Majoko wortlos, im Garten Unkraut zu jäten. Am nächsten Tag weist Majoko ihn erneut ab und fragt ihn schließlich durch die geschlossene Tür: »Wer ist da?« In diesem Moment erfährt Ryōsui eine tiefe Verwirklichung – er erkennt sein wahres Wesen. Wie Dogen es beschreibt, war er nach eingehender Selbsterforschung in der Lage, sich selbst zu vergessen. Er durchschaute sämtliche Identifikationen als Trugbilder und nahm das Selbstähnliche in allen Wesen wahr. Das ist ein großer Augenblick. Im Japanischen spricht man in diesem Zusammenhang von Kenshō. Was Ryōsui dorthin geführt hat, war kein Gespräch, sondern unmittelbares Erleben. Mayoku hat es ihm vorgemacht, wie man dem Buddha begegnet. Nämlich indem er Unkraut jätete. Im aktiven Samadhi strahlte er das Wesentliche aus. Und das tun wir auch, wenn wir voll konzentriert bei der Sache sind. Wenn wir die alltäglichen Dinge wirklich erleben, reicht das vollkommen aus, um die grundlegende Güte dessen, wer wir sind, anzunehmen. Dazu gehören auch die schattigen Seiten, die wir an uns haben und durchdringen können. Doch wenn wir nicht der Buddha sind, dann ist niemand der Buddha.

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    Z00252 Wo immer ihr steht, ist der rechte Ort. (Sesshin 07.09.2025)

    21.02.2026 | 26 Min.
    In diesem Teisho weist Christoph Rei Ho Hatlapa darauf hin, dass gerade unsere Alltagswelt am besten geeignet ist, uns mit unserer Buddha-Natur in Verbindung zu bringen. In den Vorträgen des Rinzai Roku, Abschnitt XII, heißt es dazu: »Für den Buddha-Dharma ist keine Mühe nötig. Ihr müsst nur normal sein und nichts tun. Seid Meister jeglicher Situation, und wo immer ihr steht, ist der rechte Ort. Obwohl ihr noch Überreste vergangener Verblendungen und Karmas mit euch tragt, so werden doch diese selbst zum Meer der Befreiung.« Rinzai lädt uns in diesem Abschnitt dazu ein, uns selbst zu vertrauen und im positiven Samadhi zu leben. Die Umstände formen uns, aber wir haben die Fähigkeit, meisterlich damit umzugehen, wenn wir die Verantwortung dafür übernehmen. Handeln wir entsprechend, begreifen wir das Universum zunehmend als den wahren Körper der Wirklichkeit. Ohne Anfang und ohne Ende ist es eine leuchtende Perle. Mitten im Alltag sind wir geborgen im ewigen Feld des Stirb und Werde. Wenn wir uns selbst eine Insel bleiben, stehen wir staunend im grenzenlosen Meer der Wirklichkeit, die uns aus tausend Augen anschaut.

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    Z00251 Tatsächlich gibt es kein einziges Wesen, das zu erretten wäre. (Sesshin 05.09.2025)

    07.02.2026 | 37 Min.
    Diese Aussage des Diamant-Sūtras scheint dem Bodhisattva-Gelöbnis, alle Lebewesen zu erretten, zu widersprechen. In Abschnitt 25 heißt es jedoch: »Würde der Tathāgata meinen, dass es ein solches Wesen gäbe, so wäre er der Vorstellung von einem Selbst, einer Person, einem Lebewesen oder einer Lebensspanne verhaftet.« Doch wie lässt es sich leben, ohne in die Getrenntheit verstrickt zu sein? Schließlich sind wir von Lebewesen mit einer Identität umgeben und nehmen sie auch so wahr. In der Blumenpredigt hält der Buddha schweigend eine Blume hoch. Damit weist er darauf hin, dass sie aus Nicht-Blumenelementen besteht und man sie aus diesem Grund als Blume bezeichnen kann. Tatsächlich hält der Buddha drei Blumen hoch: die Blume, die Nicht-Blume und die allumfassende Blume. Allerdings ist es nicht leicht, diese dreifache Dimension jedes Begriffs in der Praxis jederzeit präsent zu haben. Einerseits gibt es den Geisteszustand, in dem wir uns mit den anderen Wesen verbunden fühlen und mit der Buddha-Natur in Kontakt sind. Dem gegenüber steht ein Geisteszustand, in dem wir gestresst vom Leben in der Getrenntheit den Kontakt zur Buddha-Natur gänzlich verloren haben. In solchen Momenten erscheint uns der Buddha als vollkommenes Wesen unerreichbar. Die Prajñāpāramitā besagen jedoch, dass die fünf Bereiche des Anhaftens auch ein Konstitutiv des Buddha-Wesens sind. Der Buddha setzt sich aus Nicht-Buddha-Elementen zusammen. Das Reine besteht aus dem Unreinen. So setzen sich auch unsere Beziehungen aus Ärger und Nichtverstehen zusammen. All das ist Teil der Welt, die von organischer Liebe zusammengehalten wird. Wenn wir diese organische Liebe verinnerlichen, können wir zunehmend in dem Zusammenhang bleiben, in dem wir uns tatsächlich befinden. Das Diamant-Sūtra möchte uns in eine Welt hinübergeleiten, die nichts und niemanden ausschließt.

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