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Heulen oder Handeln? Der Krefeld Podcast

Projekt MIK
Heulen oder Handeln? Der Krefeld Podcast
Neueste Episode

38 Episoden

  • F 36: Was möchte wirstadt erreichen, Frau Schweikart und Herr Usinger?

    23.12.2024 | 1 Std. 16 Min.
    Unsere Gäste: Barbara Schweikart, Ökonomin und Jochen Usinger, Innenarchitekt. Beide  gehören zu wirstadt, einer Initiative von Krefelder:innen, die sich für die Entwicklung der Innenstadt engagieren und seit Jahren in die Debatten um die Stadtplanung einbringt. Die Gruppe ist ein loser Verbund von interessierten und sachkundigen Bürger:innen. Auch Claudia Schmidt gehört dazu, die Autorin der „Kulturhistorischen städtebaulichen Analyse“ von Krefeld. Als „Labor für Stadtkultur“, als „think tank für Stadtideen“ versucht „wirstadt“ die Öffentlichkeit zu mobilisieren und Politik und Verwaltung auf die Sprünge zu helfen. 
    Wir sprechen mit unseren Gästen über den Zustand der Innenstadt und über die Anstrengungen, sie erfolgreich in eine Zukunft als Ort für Wohnen, Arbeiten und Handel zu überführen.  „Wir wollen dazu beitragen, dass die Schönheit der Bausubstanz in Krefelds Innenstadt wieder sichtbar wird“, sagt Babara Schweikart. „Wir haben die 15-Minuten Stadt eigentlich schon dastehen, wir müssen sie nur sichtbar machen“ ergänzt Jochen Usinger. 
    Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Transformation der Wälle, da sind sich die Mitglieder von wirstadt mit vielen Experten einig. Aber es gebe noch andere, die zügig anzugehen seien: das Seidenweberhaus, dessen Abriss sie ablehnen und das Missverständnis um den Platz neben der alten Kirche, der kein Platz sondern eine Baulücke sei. Baulücken und nur im Erdgeschoss wiedererrichteten Gebäude in der Innenstadt haben sie besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Mit dem Projekt 100 Häuser schufen sie Bebauungslösungen. „Der Handlungsdruck, diese Baulücken zu schließen, liegt bei der Stadt: Sie sind ein Schandfleck und es wird Wohnraum benötigt“ sagt Barbara Schweikart.
    Beide beklagen die geringe Qualität der Architektur der letzten 40 Jahre. Viel belanglose Architektur sei da zu finden, kein einziges identitätsstiftendes Bauwerk für Krefeld sei unter den neuen Gebäuden. Sie schlagen vor, sich „bei allen Neubauten an der Qualität zu messen, die die Innenstadt ursprünglich mal hatte.“
  • F35: Wie geht es Wohn- und Obdachlosen Menschen in Krefeld, Herr Firneburg und Herr Vander?

    12.12.2024 | 1 Std. 1 Min.
    Unsere Gäste: Ludger Firneburg, seit 2018 Geschäftsführer der Diakonie Krefeld/Kreis Viersen, und Jan Vander, Sozialarbeiter bei der Diakonie, Leiter der Wohnungsnotfallhilfe. Die Diakonie, der Wohlfahrtsverband der Evangelischen Kirche, engagiert sich neben der Stadt, der (katholischen) Caritas und anderen Trägern in der Wohnungsnothilfe. Sie unterhält in Krefeld vier Einrichtungen für wohnungs- und obdachlose Menschen: erstens eine Beratungsstelle, zweitens eine Tagesaufenthaltsstätte als niedrigschwelliges Versorgungsangebot und sicherer Aufenthaltsort für Menschen auf der Straße, drittens die Bahnhofsmission und viertens Einrichtungen des betreuten Wohnens für Menschen in extremen Lebenssituationen (drohende oder akute Wohnungslosigkeit, Haftentlassung, Armut, Überschuldung, Drogenabhängigkeit). 
    Wir sprechen mit Ludger Firneburg und Jan Vander über Wohnungs- und Obdachlose Menschen in Krefeld.
    Der Anlass unseres Gesprächs: Krefeld hat in den Augen vieler Bürger ein sichtbares, wachsendes Problem mit Wohnungs- und Obdachlosen, die sich zum Teil Alkohol und Drogen konsumierend in der Innenstadt aufhalten, in Hauseingängen nächtigen und um Geld bitten. Ihre Präsenz wird als störend und sogar beängstigend empfunden und immer wieder als Grund genannt, die Innenstadt zu meiden. Das ist starker Tobak aber trifft es eigentlich zu? Und wer sind diese Menschen? Wie kann man ihnen helfen? Ist das Problem bis 2030 tatsächlich zu lösen, wie Bundesministerin Klara Geywitz es angekündigt hat?
    In Krefeld gibt es genauso viele wohnungs- oder obdachlos Menschen wie in anderen Großstädten, sagt Diakonie-Chef Ludger Firneburg, nämlich ca. ein Prozent der Bevölkerung. Das entspricht etwa 2300 Personen.
    Im Unterschied zu früheren Jahren gibt es heute „viel mehr Faktoren, die Obdachlosigkeit auslösen: wirtschaftliche Unsicherheit, Vereinsamung, sich auflösende Zugehörigkeitsräume wie Nachbarschaft, Familie, Kirche“. Dazu kämen noch Alkohol- und Drogenmissbrauch. Viele nehmen die Hilfsangebote der Diakonie und ähnlicher Einrichtungen an. Und mit gemeinsamer Anstrengung und etwas Glück stehe am Ende wieder eine eigene Wohnung, die Grundvoraussetzung für ein selbst bestimmtes Leben. 
    Aber einige seien nur noch schwer zu erreichen, hier könne man vor allem im Winter nur noch das Überleben sichern. „Die Lebenssituation von Obdachlosen ist so herausfordernd, dass die Kraft, da heraus zu kommen, bei einigen nicht mehr da ist.“ Was tun? „Die Lobby für Menschen ohne Obdach ist nicht groß“, sagt Jan Vander, auch weil wir zurzeit so viele andere Probleme hätten. Aber man dürfe diese Menschen nicht sich selbst überlassen. „Respekt“ ist beiden ein zentrales Anliegen.„Als Christ sage ich, dass die Würde nie abhandenkommen kann aber im gelebten Leben erscheint es manchmal so.“ (Ludger Firneburg)
  • F34 Warum klagen Industrie und Handel in Krefeld, Herr Steinmetz?

    22.11.2024 | 1 Std. 2 Min.
    Unser Gast: Jürgen Steinmetz, seit 2017 Geschäftsführer der Industrie und Handelskammer Mittlerer Niederrhein. Neben Mönchengladbach, dem Rhein-Kreis Neuss und Kreis Viersen vertritt er auch in Krefeld die Anliegen von Unternehmen und Handel. Insgesamt vereint die IHK Mittlerer Niederrhein 78.000 Unternehmen mit ca. 400.000 Mitarbeiter:innen.
    Wir sprechen mit Jürgen Steinmetz über den Zustand der Wirtschaft in Krefeld. Obwohl er nicht gerne klagt wie er sagt, gibt es kaum positives zu melden. "Die Top Themen unserer Wirtschaft sind: zu hohe Energiepreise, Bürokratiewahnsinn, mangelnde Infrastruktur." Wie der ebenfalls dramatische Mangel an Facharbeiter:innen komme zu diesen überregionalen Problemen in Krefeld  erschwerend hinzu, dass zu wenig Gewerbegebiete ausgewiesen wurden und dadurch kaum neue innovative Unternehmen angesiedelt werden könnten. Außerdem entspräche die Verwaltung "an vielen Stellen nicht den Anforderungen, die Unternehmen heute haben." Für Krefeld wünscht er sich eine "höhere Attraktivität in der Innenstadt, eine bessere Infrastruktur, mehr Gewerbeflächen und eine bessere Kommunikation in der Stadtverwaltung." Um das zu erreichen schlägt er ein "überparteiliches Bündnis zu den wichtigen Themen der Stadt" vor. "Man muss sich geschlossen hinter einem Plan zur Transformation vereinen."
  • F33 Warum sind die vier Wälle so wichtig für Krefeld, Herr Steiners?

    29.08.2024 | 1 Std. 7 Min.
    Unser Gast: Felix Steiners, 26 Jahre alt, Landschaftsarchitekt bei Schwarze und Partner in Krefeld. 
    Der gebürtige Krefelder Felix Steiners, hatte schon seine Bachelorarbeit den Vier Wällen in Krefeld widmen wollen, ist dann aber dem klugen Rat seines Dozenten Prof. Christian Werthmann (Institut für Landschaftsarchitektur, Leibniz-Universität Hannover) gefolgt, dieses komplexe Thema lieber zum Gegenstand seiner Masterarbeit zu machen. Als zweiten „Betreuer“ der Arbeit konnte er Prof. Harald Hullmann gewinnen, der im Rahmen der Initiative Stadtkultur Krefeld schon lange auf die Bedeutung der Vier Wälle hinweist und auf ihre Neugestaltung dringt (siehe Podcast Nr.7 mit Prof. Siegfried Gronert). 
    Anfang 2014 schloss Steiners die Masterarbeit mit dem schönen Titel Refraiming Krefeld, ab. Das Ergebnis ist eine gründliche fachliche Analyse des Ist-Zustandes sowie ein Konzept für die mögliche Neugestaltung der Wälle. 
    Die Analyse förderte verblüffende Details zu Tage: Bereits die systematische Erfassung des Stadtmobiliars zeigt, weshalb die Wälle heute kränkeln: 5 verschiedenen Bank-Typen, 7 Poller-Typen und nicht weniger als 27 Typen von Straßenlaternen verhindern einen einheitliche Gesamteindruck. 
    Steiners Ziel ist es, die Wälle für ihre Nutzer:innen wieder als zusammenhängenden Raum erfahrbar zu machen. „Die Wälle kann man als Fußgänger nicht als Einheit erleben. Die prägende Mittelachse, wird ständig unterbrochen.“ Ein bestechendes Detail seiner Planung sind Mosaikflächen mit Dessins aus der Geschichte der Krefelder Seidenindustrie, die diese Unterbrechungen überbrückenWir sprachen mit Felix Steiners über seine Motivation, sich mit den Wällen zu befassen und fragten nach seiner Einschätzung der aktuellen Konzepte für den Verkehr und den Umgang mit der historischen Bausubstanz im Innenstadtgebiet. 
    „Die Innenstadt hat Potenzial – aber wenn man das immer nur sagt und keine Taten folgen, verliert man an Glaubwürdigkeit.“ Er glaubt an die belebende Wirkung auf die Nutzer:innen von gut und sinnvoll gestalteten öffentliche Flächen. „Wenn man einen qualitativen, positiven Freiraum schafft, der vielen unterschiedlichen Gruppen Angebote macht, dann mindert das die Lethargie, die schlecht gestaltete Freiräume in der Stadt auslösen.“ 
    Das Verkehrskonzept findet er überzeugend, weil es konkrete Vorschläge macht. Dringenden und schnellen Handlungsbedarf sieht er als passionierter Radfahrer jedoch bei den Radwegen auch wenn mit der Etablierung von breiteren Fahrradspuren z.B. auf der Friedrich-Ebert-Straße oder der Ausweisung von Fahrradstraßen erste Verbesserungen da sind.
    Seine Hoffnung für die Stadt: „Ich wünsche mir, dass wir in Krefeld die Ohnmacht überwinden und man sich wieder seiner Identität besinnt. Wir müssen machen.“
    Themen: Vorstellung; Masterarbeit; gute Freiräume in der Stadt als Schutz gegen Kriminalität und Fremdenhass; Zustand der Stadt, Zustand der Wälle; Gebäudegrün; Hitzestress der Bäume in der Stadt; Entsiegelung; Schwammstadt; Verkehrskonzept; Fahrradwege und öffentlicher Verkehr; Verteilungskampf um öffentliche Flächen in der Innenstadt; Stadtmöblierung; Mobiles Grün.
  • F32: Was muss das Theater heute leisten, Herr Grosse?

    24.07.2024 | 1 Std. 4 Min.
    Unser Gast: Michael Grosse, Schauspieler und Generalintendant des Theaters Krefeld-Mönchengladbach
    „Theater kann vor den Kopf stoßen, es kann irritieren aber es muss gut sein. Wenn es schlecht ist, kommen die Leute nie wieder. Da kannst du soviel Marketing machen wie du willst“, sagt Michel Grosse. Er glaubt an die Kraft des Theaters als Kunstform: „Theater ist, auch wenn es unterhält, eine moralische Anstalt.“
    Wie er das umsetzt, wie er das Zwei-Städte-Theater mit drei Sparten (Schauspiel, Musiktheater und Ballett) und einem großen diversen Team sicher durch ökonomisch und politisch schwierige Zeiten manövriert, und bald auch noch die Sanierung des Krefelder Theaterbaus managen wird, erzählt er in unserem Podcastgespräch.
    Er schätz das rheinische Publikum wegen seiner Offenheit: „Im Rheinland gibt es die Bereitschaft, sich auf Ungewohntes einzulassen – mit einem großen kommunikativen Nachhall – z.B. eine zornige Mail an den Intendanten um 21.30!“
    Wir sprechen mit ihm auch über den aktuellen Nahostkonflikt und die Reaktionen aus der Kulturszene sowie über das gute Abschneiden der AFD bei der letzten Europawahl.
    Auch in diesem Kontext sieht er das Theater in der Pflicht: „Theater muss für den toleranten, menschlichen Umgang werben.“
    Grosse, 1961 in Ost-Berlin geboren, stammt aus einer Schauspielerfamilie. Er studierte an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch und arbeitete ein Jahrzehnt als freier Regisseur, bevor er im Wendejahr 1989 erstmals eine Leitungsposition übernahm. Er hat ein Theater in Bautzen geleitet, war später Intendant des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters in Flensburg. Seit 2010 ist er für die Bühnen in Krefeld-Mönchengladbach zuständig, die älteste Theaterehe in Deutschland.
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