Geist.Zeit

Thorsten Dietz & Andreas Loos
Geist.Zeit
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80 Episoden

  • Geist.Zeit

    Christina Aus der Au: Wie würde Jesus seine KI trainieren?

    24.05.2026 | 58 Min.
    Mit dieser Folge starten RefLab und Fokus Theologie ein kleines KI-Experiment: Sharing Jesus.

    Es geht um einen Jesus-Bot. Also um ein KI-gestützte Programm, das es den Nutzer:innen ermöglicht, interaktive Gespräche mit einem virtuellen Jesus Christus zu führen. Solche Bots gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle. Das Besondere unseres Bots ist: Wir wollen ihn nicht nur einsam im persönlichen Chat erleben, sondern gemeinsam mit unseren Hörer:innen Erfahrungen sammeln und darüber reflektieren.

    Unser KI-Jesus wurde von Spiro Mavrias erstellt. Du kannst ihn hier ausprobieren und unser Experiment mitgestalten und bereichern: https://udify.app/chat/G3UpA7tXsQjAHbRP

    Um Jesus-Chatbots geht es in dieser Folge mit Christina Aus der Au und Andi Loos. Beide haben sich anlässlich der «Bibel-Genuss-Tage 2025» in Flims getroffen. Sie spüren der spirituellen Sehnsucht nach, die in den unzähligen Apps und Jesus Bots zum Ausdruck kommt. Und die Frage poppt auf, ob etliche Nutzer:innen die Jesus-KI nicht als den besseren Gott erleben?

    Ist das eine echte Interaktion, die da zwischen einem Jesus-Bot und uns stattfindet? Oder fühlt sich das nur täuschend echt an? Andi ist hier eher skeptisch, während Christina Aus der Au überraschende Aspekte einspeist, die zeigen, wie eine KI uns tatsächlich als kommunizierendes Du gegenüberstehen kann. Sind wir gerade dabei, etwas ähnliches zu erleben, wie Gott mit uns Menschen? Dass etwas, was wir ursprünglich geschaffen haben, sich von uns emanzipiert und uns in eigener Freiheit gegenübertritt?

    Wie und mit welchen Daten sollte eine KI trainiert werden, damit sie einigermassen nach Jesus klingt? Das Gespräch macht klar: So einfach ist das gar nicht. Sollte da wirklich alles herangezogen werden, was im Neuen Testament und darüber hinaus in den Jahrtausenden danach über Jesus geschrieben worden ist? Und damit auch alle fragwürdigen Jesusbilder. Ein KI-Jesus mutet uns zu, seine Antworten kritisch zu bedenken und zu fragen, ob darin Jesus zu uns spricht. Und das gelingt wohl nur gemeinsam.

    Alle Infos zum KI-Experiment «Der gemeinsame Jesus» gibt es hier https://www.reflab.ch/der-gemeinsame-jesus-ein-kleines-ki-experiment/ oder hier https://fokustheologie.ch/sharing-jesus/

    Wer Christina Aus der Au ist, erfährst Du hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Christina_Aus_der_Au

    Das Kloster Kappel bietet vom 5. bis 6. Juli 2026 Klostertage zum Thema KI und Spiritualität an: https://www.klosterkappel.ch/de/veranstaltungen/klostertag-theologie-ki-spiritualitaet
  • Geist.Zeit

    Moises Mayordomo: Die Bibel historisch ernst nehmen?!

    10.05.2026 | 1 Std. 9 Min.
    Die vorangehenden Folgen haben bei einigen Hörer:innen Fragen aufgeworfen: Wie kann ich nun die Bibel als Glaubensgrundlage lesen und sie zugleich historisch ernst nehmen? Und geht das auch, ohne theologische Vorbildung?

    Um solche Herausforderungen anzupacken ist Moises Mayordomo ein passender Geist.Zeit-Gast. Gleich zu Anfang berichtet der Professor für Neues Testament, wie ihm die Spannung zwischen Glaube und historischen Fakten persönlich begegnet ist und wie er sie lebt.

    Wie viel historisches Wissen brauchen wir über Jesus, ohne dass der Glaube an ihn in einer Faktenversessenheit endet? Die neutestamentlichen Geschichten als Jesusmärchen abtun, scheint jedenfalls keine hilfreiche Alternative. In dieser Gesprächssequenz wird klar: An Jesus als den auferstandenen Christus zu glauben ist mehr als historische Tatsachen für wahr zu halten. Und die Bibel bietet mehr als «Fakten oder nicht Fakten».
    An zwei konkreten Beispielen versuchen Andi und Thorsten mit ihrem Gast aus Basel zu zeigen, wie hilfreich es für heutige Fragen ist, die Bibel historisch ernst zu nehmen.

    Zunächst geht es um die wachsende Sehnsucht vieler junger Männer nach klaren und traditionellen Rollenbildern von Mann und Frau. War damals wirklich so klar, was Geschlecht bedeutet, wie heute gerne behauptet? Wie verstand man Männlichkeit in der Antike, und wie stand dazu die Männlichkeit eines Jesus oder eines Paulus?

    Schliesslich dreht sich das Gespräch um die Offenbarung des Johannes. Sie enthält die gewaltvolle Darstellung eines allmächtigen Gottes, der brutal seinen Heilsplan verwirklicht. Wie gehen wir mit diesen Texten heute um? Was ist ihre Botschaft an uns in einer Zeit, in der Herrscher und Nationen ihre Interessen mit kriegerischer Gewalt durchsetzen und dies manchmal religiös und biblisch begründen?

    Eine Podcast-Folge, in der exemplarisch und konkret klar wird, wie ein Umgang mit der Bibel gelingen kann, der uns hilft zu glauben und zu leben.
  • Geist.Zeit

    Tania Oldenhage: Christliche Bibel, Jüdische Bibel

    26.04.2026 | 1 Std. 10 Min.
    Lange Zeit wurde die Bibel gelesen als ein Buch, das für uns, die christlichen Kirchen, geschrieben wurde. Gemeinsam mit der Pfarrerin und Neutestamentlerin Tania Oldenhage stellen Andi und Thorsten diese Selbstverständlichkeit in Frage. Denn das Alte Testament ist als Hebräische Bibel zugleich die Heilige Schrift des Judentums. Auch die Verfasser des Neuen Testaments waren zum grössten Teil Juden.

    Diese Verwurzelung im Judentum wurde nicht nur verdrängt. Allzu lange wurde das Judentum in der Bibelauslegung als eine Art Dunkelfolie des Christentums benutzt. Und schlimmer. Im Anschluss an einzelne Passagen im Neuen Testament wie die Passionsgeschichte wurden «die Juden» pauschal als «Gottesmörder» verurteilt, die von Gott verstossen wurden.

    Tania Oldenhage macht deutlich, wie tief die Wirkungsgeschichte solcher antijüdischer Stereotype in der Christentumsgeschichte war und ist. Und sie macht Mut, diese Sichtweisen konsequent zu hinterfragen und die biblischen Texte neu zu entdecken, auch wenn das bedeutet, sich auf eine intensive Auseinandersetzung mit den überlieferten Worten einzulassen.

    Im Gespräch kommen sie auf ihr neues Buch «Else Lasker-Schüler und der Flüchtlingssonntag» (2025), in dem Oldenhage zeigt, wie anregend der Bibelumgang einer jüdischen Schriftstellerin wie Lasker-Schüler (1869-1945) auch für uns sein kann. Oldenhage erzählt von der 1933 erfolgten Flucht der deutsch-jüdischen Autorin nach Zürich und ihren dortigen Erfahrungen. Bibeltexte waren für sie Halt und Inspirationsquelle, um ihr Geschick in Zeiten eines mörderischen Antisemitismus zu deuten.

    Wer sich für diese Erfahrungen öffnet, kann nicht übersehen, dass die Schweiz auch heute Ziel von Geflüchteten ist, die vielfach auf Vorurteile und Abwehr treffen. «Gott ist ein Flüchtling», so habe ihr ein Mann aus Eritrea einmal im Zusammenhang eines Gottesdienstes mit Geflüchteten gesagt. Bibeltexte voller Migrationserfahrungen erweisen sich bis heute als lichtvoll, wenn wir sie nicht als sicheren Besitz ansehen, sondern sie mit Erfahrungen unserer Zeit ins Gespräch bringen.

    Quellen:
    Tania Oldenhage (2025): Else Lasker-Schüler und der Flüchtlingssonntag. Impulse für eine biblische Migrationstheologie, Zürich: TVZ

    Videovortrag von Tania Oldenhage: «Selig sind die Unfruchtbaren». Tania Oldenhage zur Gerichtsandrohung an Jerusalem.
    https://www.eaberlin.de/themen/projekte/bildstoerungen/antisemitismuskritische-bibelauslegungen/selig-sind-die-unfruchtbaren/

    In den nächsten Tagen erscheint von ihr ein Vortrag zum Kindermord des Herodes in der Reihe «Antisemitismuskritische Bibelauslegungen» der Evangelischen Akademie in Berlin.
    https://www.eaberlin.de/themen/projekte/bildstoerungen/antisemitismuskritische-bibelauslegungen/

    Im März 2026 wurde die Handreichung «Kirche ohne Antisemitismus» von der Synode der Zürcher Landeskirche angenommen. Hier geht es zum Text und weiteren Materialien.
    https://fokustheologie.ch/stoffwelten-dossiers/kirche-ohne-antisemitismus/
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    Von der Bibel zur Ethik

    12.04.2026 | 1 Std. 13 Min.
    Wie kommt man von der Bibel zu ethischen Urteilen? Möglichst direkt und unmittelbar, denn Gottes Willen gilt für alle Zeit, sagen die einen. Möglichst gar nicht, denn die biblischen Texte sind 2000 Jahre alt und haben mit unserer Welt nicht mehr viel zu tun, sagen die anderen.

    Andi und Thorsten schauen sich die Geschichte des ethischen Umgangs mit der Bibel an und merken bald: Schnellschüsse sind bei diesem Thema gar nicht hilfreich. Wo die Bibel kaum oder gar nicht mehr zu Gehör kommt, verstummt so etwas wie eine christliche Stimme insgesamt in der Öffentlichkeit. Wo man sich direkt auf einzelne Bibelstellen meint berufen zu können, zeigt sich immer: Niemand macht das wirklich konsequent. Selektiv sind alle. Die Frage ist nur, wie ehrlich und reflektiert man damit umgeht.

    Offensichtlich stiften biblische Texte bis heute moralische Orientierung, Sensibilisierung des Gewissens und Schärfung des Blicks auf heutige Herausforderungen. Das geschieht in grosser Vielfalt: Biblische Texte sprechen uns an durch konkrete Weisungen, grosse Visionen vom Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, Haltungen des Mitgefühls, der Ehrlichkeit oder der Treue sowie zentralen Prinzipien wie der Nächsten- und Feindesliebe.
    Wer die Bibel ernstnehmen möchte, kommt nicht daran vorbei, sich mit dem jeweiligen Kontext ihrer Aussagen zu beschäftigen. Dass die Bibel keine Grundlage für eine Regelbefolgungsmoral sein kann, hat man in der Christentumsgeschichte immer wieder eingesehen.

    Die Bibel ist so viel mehr, als man ihr oft zuschreibt, stellen Andi und Thorsten fest. Sie ist Entdeckungszusammenhang wichtiger Einsichten zum Menschsein und zum gelingenden Leben. Sie ist ein Erhellungszusammenhang für das Verständnis auch aktueller Entwicklung. Sie ist Motivationsbuch und Trostschreiben in einem. Sie macht Mut, im Streben nach Gerechtigkeit nie aufzugeben, weil Gottes Geschichte mit uns immer weitergeht. Und sie entlastet uns vom Druck der totalen Reinheit; denn menschliches Leben ist auch in aller Gebrochenheit von Gottes Güte umfangen.
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    Benjamin Schliesser: Ein gekreuzigter Gott

    29.03.2026 | 1 Std. 6 Min.
    Wie konnte es passieren, dass sich ausgerechnet das Christentum in der römischen Antike durchgesetzt hat? Diese Frage wurde zum Ausgangspunkt eines Forschungsprojekts, dass der Berner Prof. Benjamin Schliesser gemeinsam mit Jan Rüggemeier und einem grossem Team in den letzten Jahren betrieben hat. Viele der dabei gewonnenen Erkenntnisse werden nun Interessierten in einem ansprechenden Format zur Verfügung gestellt: In insgesamt 9 YouTube-Videos sieht man die Wissenschaftler:innen auf den Spuren der frühen Christusgläubigen.
    Im Gespräch wollen wir es nun auch wissen: Wie konnte sich eine religiöse Gruppe durchsetzen, die mit ihrer Verehrung eines von den Römern gekreuzigten Juden alle vor den Kopf stossen musste?

    Benjamin Schliesser erklärt, dass der Erfolg der frühen Gemeinde wohl mit einer eigentümlichen Mischung zu tun hat. In vielerlei Hinsicht ähneln die ersten christlichen Kirchen bekannten Phänomenen der damaligen Zeit. Sie bieten Heilung wie der Asklepius-Kult, ethische und weltanschauliche Orientierung wie philosophische Schulen, Vergemeinschaftung wie antike Vereine. Und sie bieten zugleich etwas völlig Neues. In einer Welt, in der Macht und Stärke bewundert und die Erfolgreichen gefeiert werden, stellt die christliche Verkündigung das Leiden eines Menschen ins Zentrum, der von den Römern zur Hinrichtungsart für aufsässige Sklaven bestimmt wurde. Dieser Glaube sprach Menschen an, für die die Antike sonst nur Verachtung und Ausgrenzung kannte.

    Der Erfolg des Christentum war weder notwendig noch nur zufällig. Aber dieser Glaube gab Antworten auf viele Sehnsüchte seiner Zeit; und zugleich forderte er alle heraus. Zuletzt bot dieser Glaube ein Zentrum, das alle seine Mitglieder verband. Der Glaube an Jesus Christus, den Gekreuzigten.

    Zum Forschungsprojekt siehe: https://www.earlychristiancenters.com
    Zum Einstieg in die Videos vgl.: Ein neuer Gott für Roms Imperium. https://youtu.be/VKdQ7LuVZtM?si=-mo-vHz3tguBb2E_
Weitere Religion und Spiritualität Podcasts
Über Geist.Zeit
«Geist.Zeit»: Der Titel bringt auf den Punkt, was Theologie spannend macht. Geist zeichnet den Menschen und seine Zeit aus. Gott ist Geist, heisst es zugleich in der Bibel. Theologie ist Rede von Gott. Wenn es um Gott geht, geht es auch um uns. Nach Gott fragen, bedeutet immer auch, nach Selbst- und Welterkenntnis streben. Die Wahrheit des christlichen Glaubens kann jeweils nur in einer bestimmten Zeit ausgesprochen und verstanden werden. «Geist.Zeit» ist ein neuer Theologiepodcast von Fokus Theologie, der Fachstelle für Erwachsenenbildung der Deutschschweizer Reformierten Kirchen.
Podcast-Website

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