In unserer neunten Folge sprechen wir über den zweiten Roman von Nelio Biedermann „Lazar”, in dem es um den Untergang einer ungarischen Adelsfamilie über fünf Jahrzehnte hinweg geht. Von einem verfallenen Waldschloss im südlichen Ungarn aus tauchen wir ein in die Geschichte der Lázárs, einer Familie, die mit dem Fortschreiten des 20. Jahrhundert untergeht. Die Geschichte beginnt 1901 mit Lajos, dem "Glaskind" und endet 1956 mit der Flucht zweier Geschwister in die Schweiz.
Wir sprechen über die drei zentralen Orte des Romans. Das schon beinahe verwunschene Waldschloss, wo Intrigen und Familiendramen ihren Anfang nehmen, Hévíz am Balaton, wo moralische Schuld während des Zweiten Weltkriegs entsteht, und Budapest, in dem der endgültige Zusammenbruch stattfindet. Wir reden darüber, wie private Katastrophen und politische Gewalt in dieser Familie untrennbar verschmelzen: Verrat, Mord und Suizid in der ersten Generation, Verstrickungen den Weltkrieg in der zweiten, und schließlich Widerstand, Verlust und Flucht in der dritten.
Biedermann erzählt durch diese eine Familie die Geschichte Ungarns. Von Monarchie, Faschismus, Holocaust, Sowjetisierung und Volksaufstand, und fragen uns: Wie passiert es, dass eine Familie nicht nur an großen Entscheidungen zerbricht, sondern an Schweigen, Mitläufertum und vererbten Traumata?
Triggerwarnung: Diese Folge behandelt Themen wie Trauer, Suizid, Tod, Krieg, und Flucht.