Young Urban Anesthesiologists
Ingmar Finkenzeller (Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen)

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65 Episoden
- „Kannst du eben mal eine Prämed machen?" — diesen Satz kennt jede und jeder von uns. Doch was steckt eigentlich hinter dem kleinen Kreuz, das wir auf jedem Narkoseprotokoll setzen? In dieser Folge nehmen Johanna und Ingmar die präoperative Risikoevaluation auseinander: das Feld, das trocken klingt und beim näheren Hinsehen erstaunlich spannend wird.
Der Aufhänger ist ein realer Fall: ein sportlicher 62-Jähriger, der täglich 40 Kilometer Fahrrad fährt und ab Kilometer 35 zunehmend Luftnot bekommt — hinter der sich eine mehrgefäßige koronare Herzkrankheit verbirgt. Zwei erfahrene Kolleg:innen, zwei Einschätzungen: ASA 2 oder ASA 3? Genau an dieser Kontroverse entlang entwickeln wir, warum die Klasse am Ende weniger zählt als das perioperative Risiko dahinter.
Wir sprechen bewusst nicht über Prämedikation im engeren Sinn (welches Medikament an- oder abgesetzt wird), sondern über die relevanten Patienten- und Eingriffsfaktoren, mit denen sich Morbidität und Mortalität abschätzen lassen. Konkret geht es um:
- ASA-Klassifikation — Herkunft (ursprünglich ein Qualitätssicherungs-Instrument!), Nutzen, Subjektivität und Grenzen; warum sie den Eingriff komplett ausklammert.
- Revised Cardiac Risk Index (RCRI / Lee-Index) — die sechs einfachen Ja/Nein-Faktoren und wie schnell man an der kritischen 1-%-Schwelle für kardiale Ereignisse ist.
- Biomarker & moderne Ergänzungen — NT-proBNP als Verfeinerung der Vorhersage, plus die Grenzen eines über 25 Jahre alten Index.
- Chirurgische Risikoscores — Surgical Risk Scale, POSSUM/P-POSSUM und der amerikanische MICA-Kalkulator.
- Pulmonales Risiko — der ARISCAT-Score und warum Routine-Lungenfunktion selten hilft.
- Frailty — Clinical Frailty Scale, Fried-Phänotyp, Edmonton Frail Scale: Warum Gebrechlichkeit oft mehr sagt als das kalendarische Alter.
- METs & funktionelle Kapazität — was hinter der berühmten „Schwelle von 4 METs" steckt und warum unsere Selbsteinschätzung der Patient:innen so ungenau ist.
- Spezielle Patientengruppen — ältere und multimorbide Patient:innen (kognitive Reserve, Delir), onkologische Patient:innen (Anämie, Prähabilitation) und Kinder (ASA pädiatrisch, PRAM-Score).
- Organisation, Ressourcen & Ökonomie — Prozessmanagement, Intensivbett-Planung, die Rolle der Anästhesie als „Perioperative Physician" und die haftungs- und abrechnungsrelevante Bedeutung der OP-Freigabe.
Am Ende steht keine starre Handlungsanweisung — die gibt es bei so patientenindividuellen Fragen auch nicht —, sondern ein klarer Gedanke: Eine gute Risikoevaluation spannt ein Netz aus Anamnese, Untersuchung und gezielt eingesetzten Scores, um Risiko sauber zu definieren. Erst dann können wir im interdisziplinären Team fundiert entscheiden, wie wir mit diesem Risiko umgehen.
Hinweis: Diese Folge ersetzt keine Leitlinie und keine individuelle klinische Entscheidung. Scores sind Werkzeuge, kein Ersatz für Anamnese, Untersuchung und klinisches Urteil.
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Achtung: Fortbildungspunkte können nur innerhalb von 4 Wochen nach Veröffentlichung der Episode beantragt werden. Eine nachträgliche Meldung ist bei der Ärztekammer leider nicht möglich. - In dieser Episode des Young Urban Anästhesiologists Podcasts spreche ich mit Dr. Heike Petermann, einer Expertin für die Geschichte der Anästhesiologie. Wir erkunden die Entwicklung der Schmerztherapie mit besonderem Fokus auf die Anästhesie, die in den 1840er Jahren begann. Dr. Petermann gibt faszinierende Einblicke in die kulturellen Perspektiven auf Schmerz und wie gesellschaftliche Strömungen die moderne Anästhesie beeinflussten. Wir diskutieren die technische Evolution von den ersten Anästhetika wie Äther und Lachgas bis hin zu modernen Geräten, sowie die Herausforderungen, denen Anästhesisten gegenüberstanden. Auch die heutigen Entwicklungen und ethischen Fragestellungen der Anästhesiepraxis kommen zur Sprache, während wir reflektieren, wie wichtig es ist, den Patienten als ganzheitliches Wesen zu betrachten.
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Achtung: Fortbildungspunkte können nur innerhalb von 4 Wochen nach Veröffentlichung der Episode beantragt werden. Eine nachträgliche Meldung ist bei der Ärztekammer leider nicht möglich. - In dieser Episode des Young Urban Anästhesiologist-Podcasts widmen wir uns dem Thema ROTEM, einem Point-of-Care Verfahren zur Beurteilung der Blutgerinnung. Sarah, die neu im Team ist, teilt ihre Erfahrungen aus einem klinischen Fall, in dem sie die Entscheidung treffen musste, ein ROTEM durchzuführen, und stellt die Frage, ob es hierzu bereits eine Podcast-Episode gibt, was zur heutigen Diskussion führte.
Wir starten mit einem tiefen Einblick in die Blutgerinnung und klären die grundlegenden Konzepte der primären und sekundären Hämostase. Während wir die verschiedenen Phasen der Blutstillung analysieren, werfen wir einen Blick auf entscheidende Faktoren wie Thrombozyten, Fibrin und deren jeweilige Funktionen. Es wird ausführlich erklärt, wie die Verkettung der Gerinnungsfaktoren erfolgt und welche Rolle der extrinsische und intrinsische Weg dabei spielt.
Im weiteren Verlauf besprechen wir die klassischen Labortests zur Blutgerinnungsdiagnostik und deren Limitationen. Hierbei wird klar, dass diese Tests oft nur Teilaspekte abbilden und nicht die tatsächliche Blutungsneigung eines Patienten widerspiegeln können. Im Gegensatz dazu zeigt ROTEM die gesamte Gerinnungsdynamik im Vollblut und ermöglicht uns, die Ursachen von Gerinnungsstörungen differenziert zu betrachten.
Sarah und ich führen die Zuhörer durch die wichtigsten Parameter wie Clotting Time (CT), Clot Formation Time (CFT) und die maximale Clot Firmness (MCF). Zudem diskutieren wir spezifische Testansätze wie EXTEM, INTEM, FIBTEM und HEP-TEM, die einen detaillierten Blick auf die Blutgerinnung ermöglichen und helfen, gezielte therapeutische Entscheidungen zu treffen. Dabei betonen wir, wie entscheidend eine frühzeitige und gezielte Gerinnungsdiagnostik in Notfallsituationen ist, um den Patienten bestmöglich zu versorgen.
Ein zentraler Punkt unserer Diskussion ist die Anwendung von ROTEM in der klinischen Praxis, insbesondere bei Patienten mit schweren Blutungen oder während komplexer chirurgischer Eingriffe. Wir erläutern, wie ROTEM die Behandlung von Patienten optimieren kann, indem es schnelle und maßgeschneiderte Entscheidungen ermöglicht, die für die Patientenversorgung von entscheidender Bedeutung sind.
Dennoch halten wir die Limitationen von ROTEM für wichtig, da beispielsweise die Sensitivität gegenüber bestimmten Antikoagulanzien variieren kann und nicht alle Gerinnungsstörungen adäquat erfasst werden. Abschließend runden wir das Gespräch mit einem Ausblick auf die Zukunft solcher Verfahren in der klinischen Anwendung und deren Bedeutung in Leitlinien ab, während wir auf die Notwendigkeit von geschultem Personal hinweisen.
Diese Episode ist für alle, die ein tieferes Verständnis für die Blutgerinnung und die modernen Diagnosetools in der Anästhesiologie und Notfallmedizin entwickeln möchten.
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Achtung: Fortbildungspunkte können nur innerhalb von 4 Wochen nach Veröffentlichung der Episode beantragt werden. Eine nachträgliche Meldung ist bei der Ärztekammer leider nicht möglich. - 🔹 Überblick
In dieser Episode von "Young Urban Anästhesiologists" beleuchten Ingmar und seine Gästin Dalila Illhardt, Leiterin des Medizinkontrollings an der Universitätsmedizin Göttingen, die oft übersehenen wirtschaftlichen Aspekte der Anästhesie. Sie diskutieren die Finanzierung von Anästhesieleistungen im Krankenhaus und die Rolle der Krankenkassen. Anhand des Beispiels einer fiktiven 85-jährigen Patientin mit Schenkelhalsfraktur wird anschaulich erklärt, wie aus Versicherungsbeiträgen die Gehälter der Dienstleister generiert werden.
🔹 Inhalt der Episode
🧠 1. Einleitung
- Die wirtschaftlichen Aspekte der Anästhesie und ihre Relevanz.
🧾 2. Krankenhausfinanzierung
- Überblick über das DRG-System und seine Auswirkung auf Vergütung.
👵 3. Fallbeispiel: Oma Erna
- Analyse einer Patientin und der finanziellen Implikationen ihrer Behandlung.
💰 4. Abrechnung einer Narkoseleistung
- Struktur der Abrechnung und Herausforderungen in der Dokumentation.
📉 5. Probleme im Gesundheitswesen
- Finanzielle Engpässe in Kliniken und deren Einfluss auf die Patientenversorgung.
🔬 6. Zusatzentgelte und neue Behandlungsmethoden
- Bedeutung von Zusatzentgelten und dem Antrag neuer Behandlungsmethoden.
7. Der Alltag im Medizinkontrolling
- Einblicke in die Arbeit des Medizinkontrollings und die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit.
8. Blicke in die Zukunft
- Veränderungen im Gesundheitssystem und deren Auswirkungen auf die Anästhesiepraxis.
9. Fazit und Empfehlungen
- Betonung der wirtschaftlichen Bedeutung im Klinikalltag und der Notwendigkeit zur Vernetzung zwischen medizinischem Personal und Medizinkontrollern.
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Diese Episode bietet wertvolle Einblicke in die komplexe Thematik der Krankenhausfinanzierung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zur Verbesserung der Patientenversorgung.
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Über Young Urban Anesthesiologists
Der Podcast aus der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen. Wir berichten über Aktuelles aus Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin. Manchmal sprechen wir auch einfach über Dinge, die uns interessieren.
"Young Urban Anesthesiologists", kurz "YUAN" referenziert das Weiterbildungsformat der Abteilung, auch wenn wir weder besonders jung noch urban sind.
CME-Fortbildungspunkte für das Hören des Podcasts können über unsere Homepage beantragt werden.
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