36 Episoden
Drei Wege, das Wichtige nicht aufzuschieben (#3): mit Katrin Seyfert und Dr. Nele Stadtbäumer
02.09.2026 | 47 Min.Katrin Seyfert ist Journalistin und schreibt unter einem Pseudonym. Sechs Jahre lang hat sie ihren Mann Marc begleitet, der mit Anfang fünfzig die Diagnose Alzheimer bekam – ein Arzt, ein Vater von drei Kindern, mitten im Leben. Im September 2022 ist er gestorben. In ihrem Buch „Lückenleben. Mein Mann, der Alzheimer, die Konventionen und ich" erzählt sie von dieser Zeit: schonungslos offen, klar und mit einem Humor, der trägt.
Mit der Diagnose zerbrach die Illusion, das Leben sei planbar. Katrin erzählt, wie es begann – mit Notizzetteln überall im Haus: „Fußballtraining 16 Uhr", „Brot kaufen" - bis zu dem Tag, an dem Marc ihren Geburtstag vergaß. Sie spricht über die prämortale Trauer, das Trauern um einen Menschen, der noch lebt. Über den Satz, der ihre Lage auf den Punkt bringt: Aus der Ehe auf Augenhöhe sei ein Versorgungsmodell geworden. Und über die überraschende Erkenntnis, dass die Diagnose für Marc auch eine Erleichterung war – weil er die Fassade nicht mehr halten musste.
Was diese Folge besonders macht: Katrin überhöht den Mutmacher nicht. Sie widerspricht sogar dem verbreiteten Glauben, dass man nach so einer Erfahrung automatisch im Hier und Jetzt lebt und das Wichtige nie wieder aufschiebt. Und sie erzählt, dass Marc das wirklich Wichtige selbst geregelt hat – den Heimplatz, die Bankkarte –, sodass es keine großen Reiseträume brauchte, weil sie einander hatten. Ein Gespräch über den Verlust auf Raten, über gute Nachbarn und schräge Gesangsabende, über das Schnitzen ihres Mannes und den Familiensatz „Papa hätte es so gewollt".
Katrins Buch
📖 Katrin Seyfert: „Lückenleben. Mein Mann, der Alzheimer, die Konventionen und ich" (DVA). Ein SPIEGEL-Bestseller – offen, klug und überraschend komisch.
Neu in dieser Staffel: „Mutmacher konkret"
Am Ende jeder Folge holen wir wieder das große Thema herunter in den Alltag. Die Psychologin Dr. Nele Stadtbäumer ordnet den jeweiligen Mutmacher-Impuls ein und gibt konkrete Tipps für dein eigenes Leben – klar, warm und praktisch. Nele ist promovierte Psychologin, Trauerbegleiterin und Gründerin von grievy, einem digitalen Begleiter für Trauernde. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters hat sie ihre Erfahrung und ihr Fachwissen zusammengebracht. Am 7. Oktober erscheint ihr Buch „Shades of Grief" (Edition Michael Fischer / EMF Verlag), in dem sie den vielen Facetten der Trauer nachgeht – einfühlsam und fern von richtig oder falsch.
Über „Sterben & Trauern"
„Sterben & Trauern" ist kein Podcast über den Tod. Es ist ein Podcast über das Leben. Lea und Michael Reinhard, Tochter und Vater, beide Journalisten, sprechen mit Menschen, die dem Tod begegnet sind – und fragen, was ihre Erfahrungen uns über das Leben verraten. Ohne Pathos, ohne schnelle Lösungen, ohne Floskeln.
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Folge direkt herunterladenDrei Wege, das Wichtige nicht aufzuschieben (#2) – mit Julia Stumpf mit Dr. Nele Stadtbäumer
27.08.2026 | 49 Min.Julia Stumpf ist 29 Jahre alt und hat etwas getan, wovon viele nur reden: Sie hat ihr Leben umgebaut. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einem Studium der Wirtschaftspsychologie schien ihr Weg vorgezeichnet – Personalberatung, Karriere, das Bekannte. Heute begleitet sie sterbende Menschen und sitzt im Vorstand des Würzburger Hospizvereins.
Auslöser war ein Moment im Jahr 2022. Julia kam als Ersthelferin zu einem Verkehrsunfall; die verunglückte Frau war gerade 25 Jahre alt, kaum jünger als sie selbst. Auf einmal war da die Erkenntnis: Das Leben kann auch in meinem Alter schnell vorbei sein. Julia beschreibt diesen Moment als ein Aufwachen. Sie sagt, oft habe man zwei Optionen und entscheide sich immer wieder für den gleichen Weg – einfach, weil er bequem ist. Nach dem Unfall hat sie sich gefragt: Ist mein Leben so, wie ich es mir wünsche, wenn es morgen zu Ende wäre? Sie hat aufgeräumt mit dem, was offen war, den Menschen gesagt, was sie ihr bedeuten, die Reisen gemacht, die sie sich vorgenommen hatte – und schließlich den Beruf gewechselt.
Im Gespräch erzählt Julia, wie ein Flyer des Hospizvereins im Briefkasten den nächsten Schritt anstieß, wie sie ihre erste Begleitung erlebte und warum es dabei vor allem ums Aushalten geht, nicht um großes Wissen. Und sie teilt eine überraschende Erkenntnis: Bei ihren Begegnungen mit Sterbenden geht es meistens gar nicht um den Tod – sondern um das Leben. Ein Gespräch über den Mut, den bequemen Weg zu verlassen, und darüber, was wirklich zählt, wenn man die Zeit nicht mehr für selbstverständlich hält.
Neu in dieser Staffel: „Mutmacher konkret"
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Folge direkt herunterladenDrei Wege, das Wichtige nicht aufzuschieben (#1) – mit Nadja Seipel und Dr. Nele Stadtbäumer
20.08.2026 | 54 Min.Nadja Seipel ist Mutter, Ehefrau, Tierliebhaberin – und palliative Patientin. 2015 bekam sie die Diagnose Brustkrebs, überstand Behandlungen und Operationen und schöpfte Hoffnung. 2021 kam die zweite Diagnose: Der Krebs war zurück, hatte gestreut, war nicht mehr heilbar. Die Ärzte sprachen von wenigen Monaten, die sie noch zu leben habe. Aus diesen Monaten sind bis heute Jahre geworden.
Dieses Gespräch hat Lea gemeinsam mit Meike Schmid aus dem Team von „Sterben & Trauern" geführt. Nadja nimmt die beiden mit in den Moment der zweiten Diagnose – ein älterer Professor, der ihr mit feuchten Augen sagte, dass er selbst in Pension geht, weil er so viele Rückkehrerinnen nicht mehr ertragen könne. Und sie erzählt, was seither anders ist. Wie vieles, das früher wichtig schien – das Auto, das Haus, die Handtasche –, in den Hintergrund gerückt ist. Und wie das Eigentliche in den Vordergrund trat: die Familie, die Freunde, die Zeit.
Nadja ist nach der Diagnose 600 Kilometer gepilgert, um sich über ihr Leben klar zu werden. Sie hat sich mit ihrer Familie einen Camper gekauft, statt lange zu sparen. Sie schenkt ihrer Mutter Städtereisen – jetzt, nicht irgendwann. Und sie macht unzählige Fotos, damit sie eines Tages, wie sie sagt, auf ihrer letzten Liege in diesen Erinnerungen sein kann und nicht im Schmerz. Für ihre Tochter, die sie kaum anders kennt als mit der Erkrankung, will sie ein Vorbild sein: dass man auch mit einer schweren Diagnose das Leben genießen kann. Ein Gespräch über die Endlichkeit, die Hoffnung – und darüber, was bleibt, wenn man das Wichtige nicht mehr aufschiebt.
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Folge direkt herunterladenMutmacher #3: „Schaue der Sterblichkeit in die Augen" – mit Johanna Klug und Dr. Nele Stadtbäumer
13.08.2026 | 54 Min.Johanna Klug ist Anfang dreißig und tut, was die meisten ein Leben lang meiden: Sie sucht die Nähe zu sterbenden Menschen. Aufgewachsen ist sie mit einem klaren Karriereweg vor Augen – sie studierte Medienmanagement in Würzburg und ging danach in die Niederlande, nach Groningen. Und dort, mitten im Studium, kam ein Impuls, den sie selbst als magnetisch beschreibt: Sie wusste plötzlich, dass sie Sterbende begleiten will. Obwohl in ihrer Familie und ihrem Umfeld niemand gestorben war. Obwohl nichts in ihrem Leben darauf hindeutete.
Sie ist diesem Ruf gefolgt. Johanna hat in Hospizen und auf Palliativstationen gearbeitet – in Deutschland, aber auch in Südafrika, wo der Tod selbstverständlicher zum Alltag gehört. Sie hat viele Menschen bis zuletzt begleitet, hat gelernt, auch dort Zugang zu finden, wo andere sich abwenden. Über all das hat sie ein bemerkenswertes Buch geschrieben: „Mehr vom Leben. Was uns die Begegnung mit dem Tod über das Leben lehrt" (Kösel-Verlag).
Im Gespräch sagt Johanna einen Satz, der viele erst einmal stutzen lässt: Die Beschäftigung mit dem Tod mache sie glücklicher. Für sie ist das kein Widerspruch, sondern der Kern ihrer Erfahrung. Sie erzählt von Südafrika, wo Menschen trotz weniger Möglichkeiten eine tiefe Erdung ausstrahlten. Und von dem, was am Sterbebett wirklich zählt: nie die materiellen Dinge, immer die Beziehungen – zu anderen und zu sich selbst.
Es ist ein Gespräch darüber geworden, warum der Blick auf die eigene Endlichkeit das Leben nicht verdunkelt, sondern heller macht. Nicht düsterer, sondern klarer. Nicht ängstlicher, sondern freier.
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Am Ende der Folge holen wir das große Thema dann wieder herunter in den Alltag. Die Psychologin Dr. Nele Stadtbäumer ordnet den jeweiligen Mutmacher-Impuls ein und gibt konkrete Tipps für dein eigenes Leben – klar, warm und praktisch. Nele ist promovierte Psychologin, Trauerbegleiterin und Gründerin von grievy, einem digitalen Begleiter für Trauernde. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters hat sie ihre Erfahrung und ihr Fachwissen zusammengebracht. Am 7. Oktober erscheint ihr Buch „Shades of Grief" (Edition Michael Fischer / EMF Verlag), in dem sie den vielen Facetten der Trauer nachgeht – einfühlsam und fern von richtig oder falsch.
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Folge direkt herunterladenMutmacher #2: „Nenne den Tod beim Namen" – mit Burkhard Hose und Dr. Nele Stadtbäumer
05.08.2026 | 48 Min.Burkhard Hose ist katholischer Hochschulpfarrer in Würzburg, Autor mehrerer Bücher und eine streitbare Stimme, wenn es um ehrliche Sprache in Kirche und Gesellschaft geht. Er engagiert sich in der Initiative „Out in Church" und hält nichts von frommen Floskeln – gerade dann nicht, wenn es ums Sterben geht.
Warum fällt es uns so schwer, den Tod beim Namen zu nennen? Burkhard Hose beginnt ganz persönlich – mit einer engen Freundin, die er bis zuletzt begleitet hat und mit der offen über das Sterben zu sprechen möglich war. Er erzählt von Angehörigen, die am Krankenbett jede klare Formulierung vermeiden, während die Sterbenden selbst die Dinge längst benennen. Und er macht eine überraschende Beobachtung: Nicht die jungen Menschen tun sich schwer mit klaren Worten – oft sind es ausgerechnet die Profis, die sich hinter Ritualen und Formeln verstecken. Ein Gespräch darüber, warum ehrliche Worte mehr trösten als schöne, und warum gerade der Glaube klare Sprache braucht.
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Über Sterben & Trauern
Willkommen zur dritten Staffel von „Sterben & Trauern".
Sie heißt „Trau dich, hinzusehen – 10 Mutmacher-Impulse für ein bewusstes Leben mit dem Tod" und startet am 23. Juli 2025.
Was uns motiviert, ist eigentlich eine einfache Beobachtung: Wer anfängt, offen über den Tod zu reden, verändert die Art, wie er lebt. Bewusster. Aufmerksamer. Oft auch dankbarer. Diese Staffel dreht sich genau darum – nicht um das Sterben selbst, sondern um das, was ein ehrlicher Blick auf die eigene Endlichkeit mit uns macht.
Zehn Mutmacher-Impulse - Gespräche mit Menschen, die uns gezeigt haben, dass das möglich ist: mit dem Wissen um den Tod zu leben, ohne ihn zu verdrängen.
Die Journalistin und TV-Moderatorin Lea Reinhard und ihr Vater, der Journalist Michael Reinhard, sprechen mit außergewöhnlichen Gesprächspartnern – und auch miteinander. Über das, was diese drei Jahre Podcast mit ihnen gemacht haben. Über Familiengeschichten, die lange unerzählt blieben. Und über die Frage, was wir tun können, solange wir noch da sind.
Der Podcast erscheint jeden Donnerstag. Er will nicht erklären, wie man richtig trauert oder stirbt. Er will zeigen, was möglich wird, wenn man aufhört, das Thema zu umgehen.
Abonniert den Podcast, um keine Folge zu verpassen.
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