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Wer wir sind und warum das nicht klappte ...

Jan Schulte-Kellinghaus
Wer wir sind und warum das nicht klappte ...
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    #59 Buhlschaft und Streckbank - Die Hexenverfolgungen

    27.05.2026 | 1 Std. 4 Min.
    Mit Gisela Muschiol: Das ist einer der populären Irrtümer in der deutschen Geschichte: Die Hexenverfolgungen haben nicht im Mittelalter stattgefunden, sie waren ein Phänomen der Neuzeit. 40.000 - 60.000 Menschen wurden in Europa wegen angeblicher Hexerei hingerichtet.

    Die Europäer hatten bereits begonnen, Amerika zu kartographieren, auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig traf sich die intellektuelle Elite und Johannes Kepler war schon davon überzeugt, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt.

    Doch selbst der Begründer der modernen Naturwissenschaften -Johannes Kepler - war vom Hexenglauben betroffen: Seiner Mutter Katharina wurde der Prozess gemacht: wegen Anmischung eines „Hexentranks“ und „Schadenzaubers“. Dabei war ihr Sohn zur Zeit der Anklage der Hofastronom des Kaisers. Aber sein VIP-Status schützte seine Mutter nicht vor der Hexenverfolgung. Eine Nachbarin hatte seine Mutter beschuldigt, ihr einen Zaubertrank verabreicht zu haben. Zusätzlich verspürte ein 8-jähriges Mädchen einen heftigen Schlag, als Katharina Kepler sie im Vorbeigehen berührte. Solche Nebensächlichkeiten reichten, um einen Prozess mit Todesstrafe anzustrengen.

    Hexen wurde die „Buhlschaft“, also der Beischlaf mit dem Teufel, unterstellt. Männern auch: Eine tatsächliche sexuelle Beziehung mit dem Teufel. Diese Beziehung, so glaubte man, verleihe ihnen übernatürliche Kräfte. Hexen könnten in der Nacht fliegen, einerseits um nach Kindern zu suchen, denen sie das Blut aussaugen können und andererseits um sich mit anderen Hexen zum Hexensabbat zu treffen. Heute hört sich das nach einer nicht ganz jugendfreien Form von Bibi Blocksberg an. Vor 500 Jahren waren aber viele Menschen davon überzeugt. Auch davon, dass Hexen mit dem sogenannten „Schadenzauber“ jedes Elend über ihre Mitmenschen bringen können.

    Mit Gisela Muschiol, Professorin für Kirchengeschichte an der Uni Bonn, spreche ich über den Wahn, den man damals für völlig logisch hielt und die Frage, warum es 80 Jahre dauerte, bis kritische Gedanken gegen die Hexenprozesse Gehör fanden.
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    #58 Hexenhammer und Eulenspiegel - Die Bestseller des frühen Buchdrucks

    20.05.2026 | 1 Std. 11 Min.
    Mit den Epochentrottern: Was waren die Bestseller des beginnenden Buchdrucks? Welche Geschichten haben die Menschen vor 500 Jahren am liebsten gelesen? Und wie kamen die ersten gedruckten Bücher ohne Buchhandlungen oder Versandhandel an ihre Leserinnen und Leser? Nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern hatten sich Druckereien in ganz Europa rasend schnell verbreitet. Sie bedienten viele unterschiedliche Genres und vertrieben Millionen von Druckwerken. Wie konnten sich die Buchmessen in Frankfurt und Leipzig europaweit durchsetzen? Was ist überhaupt eine Messe und warum rollten die die Bücher in Holzfässern heran?

    Diese Fragen kläre ich in dieser Episode mit den Epochentrottern. Katharina ist Literaturwissenschaftlerin und Marvin Historiker. Zusammen blicken sie ihrem Geschichtspodcast hinter die Geschichtsbilder in Popkultur und Medien.

    Du willst mehr von ihnen hören? Hier gehts zu ihrem Podcast Epochentrotter:

    https://open.spotify.com/show/29ReW0Vr16BJOLtVOirutA?si=65177e49e2844814

    Die Reisetipps, Bilder und Infos findet Ihr hier:

    www.99xgeschichte.de

    Das Goethe-Institut bietet meine Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an.

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    Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster!

    https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw

    #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa
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    #57 Karl V. - Das Ende eines Weltenherrschers

    13.05.2026 | 51 Min.
    Mit Heinz Schilling: Diese Episode beginnt am Grab Martin Luthers in der Schlosskirche von Wittenberg. Kaiser Karl V. hatte im Schmalkaldischen Krieg die protestantischen Fürsten krachend geschlagen. Nun stand Karl V. am Grab von Martin Luther, der ein Jahr zuvor gestorben war. Auf dem Höhepunkt seiner Macht blickte er auf das Grab seines Kontrahenten. Im Moment des Triumphes schlugen seine Ratgeber vor, Luthers Überreste auszugraben und auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Aber der Kaiser soll abgelehnt haben.

    Karl V. und Luther waren sich zuletzt vor 26 Jahren begegnet auf dem legendären Reichstag in Worms. Damals hatte der junge Kaiser die Reichsacht über den Theologieprofessor verhängt und seine Schriften und seine Lehre verboten. Nur konsequent durchgesetzt hat er dieses Verbot nie.

    Karls Reich erstreckte sich über acht Zeitzonen. Er war nicht nur römisch-deutscher König und Kaiser, er herrschte auch über Spanien und die Übersee-Kolonien, er war König von Neapel und Sizilien. Als Habsburger herrschte er zusätzlich über Österreich, Burgund, Lothringen und Brabant. Er führte über 70 europäische Adelstitel.

    Als gekrönter römischer Kaiser sah er es als seine Aufgabe an, gemeinsam mit dem Papst ein europäisches Universalreich anzuführen, um umfassenden christlichen Frieden zu schaffen. Doch der König von Frankreich, die Osmanen in Südeuropa und die Protestanten in Deutschland hinderten ihn daran.

    Über einen Kaiser, der sich zu viel vorgenommen hatte, die "deutsche Freiheit" und einen untätigen Papst spreche ich mit Heinz Schilling. Der emiritierte Professor lehrte die Europäische Geschichte der frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität in Berlin und ist als Autor vieler Sachbücher und Publizist tätig.

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    #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa
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    #56 Bigamie und Apokalypse - Das Täuferreich Münster

    06.05.2026 | 52 Min.
    Mit Hiram Kümper: Am 22. Januar 1536 wurden den drei Anführern „alles Fleisch mit glühenden Zangen von den Knochen abgerissen“ danach „Gurgel und Herz mit glühenden Eisen durchstoßen“. So steht es in ihrem Todesurteil. Die schaurige Hinrichtung auf dem Prinzipalmarkt von Münster dauerte mehrere Stunden. Ihre Überreste ließ der Bischof hoch aufhängen. Weit sichtbar. Zur Abschreckung.

    Jedem Touristen in Münster werden die Käfige gezeigt. Oben am Südturm der Lambertikirche baumeln drei mannshohe Metallkästen. In Ihnen wurden die Leichen der drei Anführer des Täuferreiches ausgestellt: Bernd Krechting, Bernd Knipperdolling und der "König von Münster": Jan van Leiden.

    Obwohl das Täuferreich in Münster nicht lange währte, zeigt es - wie unter einem Brennglas - das chaotische Ringen um den rechten Glauben. Die Ideen Martin Luthers waren noch nicht 10 Jahre alt. Sie hatten die Gläubigen aufgerüttelt, die alten Autoritäten infrage gestellt, aber noch keine feste neue Ordnung geschaffen. Die Menschen waren plötzlich offen für ganz neue Glaubenslehren und Lebensarten. Jan van Leiden, der selbsternannte "König von Münster", hinterließ zum Beispiel 15 Ehefrauen nachdem er seine Frau Elisabeth hatte hinrichten lassen.

    Mit Hiram Kümper, Professor für die Geschichte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit an der Uni Mannheim, spreche ich über die Motive der Täufer, ihr Charisma und ob es tatsächlich in Münster 1534 einen "Frauenüberschuss" gab.

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    #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa
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    #55 Wie hält man Martin Luther aus? Ringen um die Reformation

    29.04.2026 | 1 Std. 13 Min.
    Mit Volker Leppin: Im zweiten Teil seines Lebens war Luther eingesperrt, 25 Jahre lang. Der Kaiser hatte die Reichsacht über ihn erlassen. Luther war eine rechtlose Person und jedermann war aufgefordert, ihn auszuliefern. Allerdings stand er unter dem Schutz seines Landesherren, dem Kurfürsten von Sachsen. Das heißt, bis zu seinem Tod drohte Martin Luther fast überall im Reich Lebensgefahr, nur nicht in Wittenberg und den dazugehörigen Territorien.

    Luthers Beschützer, Friedrich der Weise, rettete Martin nach dem Reichstag von Worms 1521. Er ließ Martin zum Schein entführen und versteckte ihn auf der Wartburg bei Eisenach. Unter dem Decknamen „Junker Jörg“ verbrachte Luther 10 Monate auf der Wartburg. Eine äußerst produktive Zeit. Er übersetzte die Bibel aus dem Griechischen ins Deutsche.

    In der „Luther-Bibel“ finden sich Wortkombinationen, die wir heute noch gebrauchen: die „Herzenslust“, die „Höllenangst“, der „Geizhals“, der „Denkzettel“ oder der „Feuereifer“. Alles Erfindungen von Martin Luther. Durch seine packende Sprache hat er nicht nur Lust auf die Bibellektüre gemacht. Sein Bibeltext war auch ein wesentlicher Baustein für die Entwicklung des Hochdeutschen.

    Nach einiger Zeit entließ Luther sich selbst aus der Schutzhaft und zog nach Wittenberg, um den Verlauf der Reformation zu steuern. Doch wie geht das, von der Seitenlinie aus?

    Darüber spreche ich mit Volker Leppin. Der Theologe lehrt Kirchengeschichte an der Yale University.

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