82 Episoden
- Mit Dieter Langewiesche: 50 Jahre nach der Französischen Revolution rollte wieder eine Revolutionswelle durch Europa, wieder ausgelöst in Frankreich und diesmal riss sie auch die Deutschen mit. 1848 setzten die deutschen Revolutionäre freie Wahlen zu einer Nationalversammlung durch und entwickelten eine demokratische Verfassung, die beispiellos war.
Hätten die Könige und Fürsten des Deutschen Bunds sich darauf eingelassen, dann hätte das national geeinte Deutschland 1849 die freiheitlichste und demokratischste Verfassung in ganz Europa haben können.
Aber es kam anders. Der Preußische König, dem die Revolutionäre die Kaiserkone dieses fortschrittlichen Nationalstaats anboten, lehnte ab. Das sei eine „Krone aus der Gosse“, der der „Ludergeruch der Revolution“ anhafte. Unter dem militärischen Widerstand der feudalen Obrigkeit brach die Revolution schließlich zusammen.
Wie es zur fortschrittlichsten Verfassung Europas für ein geeintes Deutschland kam, und warum diese revolutionäre Initiative dann doch keine Chance hatte, darüber spreche ich mit dem führenden Experten für Liberalismus uns Nationalismus im 19. Jahrhundert: Dieter Langewiesche, emeritierte Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Uni Tübingen und Autor einschlägiger Standardwerke.
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#Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa - Mit Dieter Langewiesche: Die Ideen der französischen Revolution hatten auch in Deutschland das Denken verändert. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren für viele die schillernden Versprechen der Volkssouveränität. Aber: Napoleon hatte mit seinen vielen Siegen über Österreich, Preußen und das Heilige Römische Reich auch gezeigt, wie wenig schlagkräftig das Heilige Römische Reich mit seinen über 300 Klein- und Kleinstaaten war.
Im Widerstand gegen Napoleon entwickelten sich die ersten Ansätze einer nationalen Idee. Friedrich Jahn propagierte 1811 auf der Hasenheide in Berlin das „patriotische Turnen“: Leibesertüchtigungen von jungen Männern für den Kampf gegen Napoleon und für einen einheitlichen deutschen Nationalstaat. Allerdings einen Nationalstaat mit bürgerlichen Freiheitsrechten.
Diese politische Strömung kombinierte die bürgerlichen Freiheitsrechte der französischen Revolution mit der Vorstellung eines einheitlichen deutschen Nationalstaates.
Die Fürsten und Könige waren weder für bürgerliche Freiheitsrechte noch für die nationale Idee zu haben. Wie die Bewegung für Einheit und Freiheit gegen den Widerstand der Obrigkeit trotzdem langsam Fahrt aufnahm. Welche Rolle die Gebrüder Grimm dabei spielten und warum das Fest auf der Wartburg 1817 und das Fest auf dem Hambacher Schloss 1832 so eine Sprengkraft entwickelten, darüber spreche ich mit Dieter Langewiesche. Der emeritierte Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Uni Tübingen ist der führende Experte zu den Themen Nationalismus und Liberalismus in Deutschland.
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#Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa - Mit Ute Planert: Bewunderter Revolutionär oder gehasster Usurpator? Wie dachten und lebten die Deutschen unter Napoleon? Das besprechen wir in dieser Folge. Wir sind in unserer chronologischen Erzählung bei der französischen Revolution angekommen. Als 1789 in Paris der Sturm auf die Bastille losbrach, war Napoleon Bonaparte 19 Jahre alt und weit weg vom Geschehen. Ein hochbegabter junger Leutnant auf einer Artillerieschule in der Nähe von Dijon.
Er wuchs als Sohn einer angesehenen Familie auf Korsika auf und war ein Mathe-Genie. Nützlich für die Berechnung der Einschläge von Kanonenkugeln. Schnell machte er in der französischen Artillerie Karriere. Als sich im ersten Revolutionskrieg Österreich, Preußen, Großbritannien gegen die französischen Revolutionäre verbündeten, glänzte Napoleon mit seiner Artillerietaktik und wurde mit 24 Jahren zum Brigadegeneral befördert. Zusammen mit den anderen französischen Generälen zwang er Österreich zum Frieden von Campo Formio. Nach dem Sieg über Österreich zog Napoleon nach Ägypten, um den Welthandel der Engländer lahmzulegen. Obwohl dieser Feldzug eine Pleite war, kehrte Napoleon im Triumphzug nach Paris zurück, zettelte einen Staatsstreich an und ließ sich zum Ersten Konsul der Republik wählen. Zehn Jahre nach dem Sturm auf die Bastille – 1799 - erklärte er die Französische Revolution für beendet. Aber die Kriege in Europa gingen weiter. Napoleon besiegte Österreich erneut und ordnete die Mitte Europas neu. Seine Politik führte zum Ende des Heiligen Römischen Reiches. 1806 dankte der Kaiser ab und die Insignien der Macht wanderten als Schaustücke in die Schatzkammer der Hofburg in Wien.
Mit Ute Planert, Napoleonspezialistin und Professorin für Neuere Geschichte an der Universität Köln, spreche ich über das Leben und die Politik in Deutschland in der Zeit als Napoleon Europa dominierte.
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#Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa - Mit Daniel Schönpflug: Am 14. Juli 1789 brach mit dem Sturm auf die Bastille in Paris die Französische Revolution aus. Im August schaffte die Nationalversammlung die Vorrechte des Adels ab. Das Ende des Feudalismus in Frankreich. Das Parlament garantierte jedem Franzosen Menschen- und Bürgerrechte: Gleichheit vor dem Gesetz, Eigentums-, Religions-, Meinungs- und Pressefreiheit.
In Deutschland feierten liberale Intellektuelle Freiheitsfeste. 1790 im "Glücksjahr" der Revolution lud der Hamburger Kaufmann Sieveking zu einem Fest nach Harvesthude anlässlich des ersten Geburtstags der Revolution.
Die anderen europäischen Monarchen blickten zuerst mit Häme, dann mit Entsetzen nach Frankreich. Die französische Revolutionsarmee schlug preußische und östereichische Truppen und besetzte 1792 linksrheinische Gebiete. Revolutionsbegeisterte Mainzer Bürger feierten die Franzosen kurz nach ihrem Einzug als Befreier von alten absolutistischen Unterdrückungsstrukturen. In Mainz wurde ein Jakobinerclub gegründet, der für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit warb. Viele Orte ließen sich von der Begeisterung anstecken. Feierlich pflanzte man Freiheitsbäume und gründete neue Jakobinerklubs. Der größte von ihnen, der Mainzer, zählte 492 Mitglieder.
Im Februar ließen die Franzosen in den besetzten linksrheinischen Gebieten ein Parlament wählen. Die neuen deutschen Volksvertreter trafen sich im März 1793 zum Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent in Mainz und beschlossen die Angliederung der Mainzer Republik an Frankreich.
Das Terrorregime von Robespierre ließ die Begeisterung deutscher Intellektueller schnell wieder abkühlen. Aber auch nach dem Terror blieb die Revolutionsarmee erfolgreich. 1794 besetzten die Franzosen Köln und das Rheinland. Köln blieb die nächsten 20 Jahre französisch.
1795 ließ Preußen die antirevolutionäre Allianz mit Österreich und dem Heiligen Römischen Reich im Stich und schloss einen Separatfrieden mit Frankreich.
Warum verriet Preußen das Reich, und war diese Aufgabe der Anfang vom Ende des Heiligen Römischen Reiches? Was dachten die Deutschen über die französische Revolution? Darüber spreche ich mit Daniel Schönpflug, Professor für Geschichte an der FU Berlin und Leiter der wissenschaftlichen Programme am Wissenschaftskolleg zu Berlin.
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#Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa - Mit Marian Füssel: Was hat der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg in einem Podcast zur deutschen Geschichte zu suchen?
Erstens: Mit der Vermietung von Soldaten für den 3000 Seemeilen entfernten Krieg war viel Geld zu verdienen. Das Schloss Wilhelmshöhe in Kassel zeugt davon.
Zweitens: Die Ideen der Aufklärung wurden das erste Mal politisch umgesetzt. Friedrich der Große war überzeugt, dass das Experiment USA scheitert.
Drittens: Es war ein General aus der Meisterklasse von Friedrich dem Großen, der die Amerikaner militärisch fit für ihren Freiheitskampf machte: Friedrich Wilhelm von Steuben. Steuben wird noch immer jedes Jahr in New York mit der Steubenparade gefeiert. 5000 Marschierende und 150.000 Zuschauer auf der Fifth Avenue gedenken dem preußischen Eliteoffizier, der aus sehr privaten Gründen in den Unabhängigkeitskrieg auswanderte.
Und schließlich wurde dem Bruder von Friedrich dem Großen, Heinrich, die Krone von Amerika angeboten.
Warum er das Angebot ablehnte und wie ernsthaft es gemeint war, darüber spreche ich mit Marian Füssel. Die Militärgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts gehört zu den Forschungsschwepunkten des Professors für die Frühe Neuzeit an der Uni Göttingen.
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#Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa
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