308 Episoden
- Der Koyote, der mit den verrücktesten Methoden versucht den blitzschnellen Laufvogel Road Runner zu fangen, und dabei immer brutal scheitert, ist vielleicht die einprägsamste Figur der Looney Tunes. Er ist in dieser anarchischen Welt der Sysiphus unter den Cartoonfiguren. Ein Antiheld meiner Kindheit, den ich unglaublich gerne gesehen habe. Jetzt kommt er (nach einigen Schwierigkeiten) zurück auf die große Leinwand – als Gerichtsfilm. Denn Wile E. Coyote hat die Schnauze voll von den nutzlosen Erfindungen der Firma ACME (A Company Manufacturing Everything) und verklagt sie. Sein Anwalt ist nur auf einen schnellen Vergleich mit dem Konzern aus. Aber ACME hat ein Geheimnis, das vor Gericht nicht herauskommen soll … Als Gerichtsfilm funktioniert COYOTE VS. ACME nicht wirklich, aber immer wieder bricht sich der Cartoon-Slapstick Bahn und da macht der Film richtig Spaß. Im Podcast direkt nach dem Film sprechen wir über die reibungslose Integration von Animation und Realfilm, über Peter Lorre, kognitive Dissonanz und Kapitalismus. Direkt nach dem Film schon wieder gut gelaunt am Mikrofon: Johanna, Tina, Tom und Thomas.
- Ich bewundere Regisseurin Jane Schoenbrun für die unbekümmerte Art, wie sie eine Meta-Slasher-Groteske inszeniert, ohne sich auch nur einen Deut um Genre-Gesetze und Publikumserwartungen zu scheren. Allein schon die ersten Minuten, die Geburt, Ruhm, Ausbreitung, Absturz und Verachtung eines Horror-Franchises im Schnelldurchlauf zeigen, sind eine liebevolle, kreative und sachkundige Hommage und Parodie der großen Slasher-Reihen. Aber Schoenbrun arbeitet sich nicht an diesen Filmen ab – sie zeigt eine ganz eigene Geschichte: Eine Independent-Regisseurin (Hannah Einbinder), die die abgewirtschaftete Camp-Miasma-Slasher-Reihe irgendwie woke, irgendwie frisch, neu starten soll. Aber sie weiß nicht wie – bis sie auf die Hauptdarstellerin bzw. das Final Girl (herausragend als Diva: Gillian Anderson) des ersten Camp Miasma-Films stößt.
Die beiden charismatischen Frauen nähern sich auf verschiedenen Ebenen an. Es entsteht ein faszinierender Reboot mit unerwarteten Wendungen, der schnell die Oberfläche der üblichen Genreparodien hinter sich lässt und irgendwo zwischen Freud und Marx, zwischen Erotik und Blutfontänen dahin geht, wo weder ein Arthouse-Film noch ein Slasher-Film jemals zuvor gewesen ist. Ein richtiger Festivalfilm – und das ist ein Kompliment. Filmwissenschaftler werden sich die Finger wundtippen bei der Analyse von CAMP MIASMA: die queere Anziehung, das Spannungsfeld von Angst, Gefahr, Gewalt und Sexualität, die Abrechnung mit dem Film-Business, der ebenso subtile wie groteske Humor. Viel Stoff zum Nachdenken auf der einen Seite, aber auch einfach ein großer Spaß auf der anderen Seite. Absolut sehenswert. Direkt nach dem Film gut gelaunt am Mikrofon: Anke, Marc und Thomas. - Erika Mann fährt ihren berühmten Vater Thomas Mann 1949 durch das zerstörte und geteilte Deutschland. Der Westen Deutschlands buhlt dabei genauso um den Literaturnobelpreisträger wie die Sowjetzone. Thomas Mann (gespielt von Hanns Zischler) sieht sich selbst als Relikt eines vergangenen Bildungsbürgertums und verlässt trotz dieser Reflektion mit seiner Goethe-Rede in Weimar den Elfenbeinturm der deutschen Hochkultur nicht. Als gäbe es Deutschland gar nicht mehr, wenn er auch das noch preisgeben würde. Selbst als Sohn Klaus stirbt, setzt er seine Reise unbeirrt fort. Seine Tochter Erika ist hingegen nah an der Wirklichkeit und nah an ihren Gefühlen – Tränen, Schreie und eine überfällige Ohrfeige inklusive.
Interessiert uns Thomas Mann noch, oder geht es eigentlich darum, wie sich zwei verschiedene Ideologien ein Land aufteilen und versuchen die gleiche Kultur ganz unterschiedlich in Besitz zu nehmen? Geht es nicht nur um die Trauer um einen Bruder und Sohn sondern auch mitten in den Ruinen um die Trauer, was Deutschland hätte sein können? Darüber, über berührende Momente, über Gründgens und Bach sprechen wir direkt nach dem Kino im Podcast. Und als SandaHüllerUltras natürlich auch über Sandra Hüller. Am Mikrofon: Katharina, Bettina, Johanna, Anke, Marc und Thomas. - Achtung, diesmal SPOILERN wir, sowohl hier im Text als auch im Podcast. Nach dem Trailer hatte ich etwas anderes erwartet: einen postapokalyptischen Actionthriller, düster und niederschmetternd, weil einem Protagonisten ans Herz wachsen, die dann nach und nach sterben. So sind die Genre-Vorgaben.
Es geht erst einmal langsam los, wir begleiten den Piloten Hig (Jacob Elordi) auf seinen Streifzügen durch das fast menschenleere Denver. Es fühlt sich lange Zeit an, wie eine realistische und ruhige Version von THE OMEGA MAN (I Am Legend) und dann wie A BOY AND HIS DOG. Aber irgendwann trifft Hig auf Cima, eine junge Frau (Margaret Qualley). Beide haben in der pandemischen Apokalypse ihre Partner verloren und nähern sich ganz langsam an.
Auch wenn zwischendurch marodierende Banden für Lebensgefahr und Spannung sorgen, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier um eine postapokalyptische Version von JENSEITS VON AFRIKA handelt. Es geht um Hig und Cima und die respektvolle und anständige Art, wie diese beiden Menschen in einer gesetzlosen Welt nach dem Ende der Zivilisation miteinander umgehen. Es geht um die Frage, ob man gut sein und bleiben kann in einer bösen, gescheiterten Welt.
Ridley Scott wählt dafür zurecht eine ruhige Erzählweise und dreht wunderbare Bilder fast komplett in einer Natur, von der wir erkennen, dass sie bleiben wird, wenn wir längst verschwunden sein werden – durch eine Pandemie oder was auch immer. Im Podcast direkt nach dem Kino sind wir ganz unterschiedlicher Meinung und diskutieren zu siebt über Pacing und Musik, über ein absurdes Zwischenspiel, über Higs Hund und ein Happy End unter Sternen. Am Mikrofon: Johanna, Anke, Gabriele, Heidi, Marc, Tom und Thomas. Folge 1421: THE END OF OAK STREET – Mama, das ist ein Dinosaurier vor dem Fenster
01.09.2026 | 6 Min.Da gehört schon eine Portion Mut dazu, das mittlerweile ausgelutschte Genre „Menschen kämpfen gegen Dinosaurier“ zu bedienen. Grundidee des Films: Eine spielbergeske amerikanische Vorstadtstraße wird in die Zeit der Dinosaurier versetzt. Die Reptilien freuen sich über frisches Fleisch und unsere vierköpfige Familie kämpft ums Überleben. Die Mutter (gut aufgelegt: Anne Hathaway) hat dabei die besten Nerven. Der Vater bemüht sich, eignet sich aber nicht für die Heldenrolle, die Kinder sind ganz realistisch sehr ängstlich. Auch die Saurier sehen glaubwürdig aus – und damit weniger beeindruckend als im Jurassic-Franchise. Überhaupt ist THE END OF OAK STREET düsterer und expliziter. Regisseur David Robert Mitchell kennen wir vom sehr sehenswerten IT FOLLOWS. Hier bleibt er etwas unentschieden, er hätte den Film als humoriger Familien-Action-Film oder als knallhart realistischen Survivalthriller anlegen können. Es ist ein bisschen von beiden – durchaus kurzweilig aber kein großer Wurf. Und über das cheesige Ende kann man auch streiten. Im Podcast direkt nach dem Kino sind wir sehr unterschiedlicher Meinung :-) Am Mikrofon: Harald, Tom und Thomas.
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Über SchönerDenken FilmPodcast
Der erste Eindruck - direkt nach dem Kino - in etwa 12 Minuten und spoilerfrei, versprochen. Das ist unser Kerngeschäft. Ansonsten echte Liebe für japanische Filme, eine Schwäche für Science-Fiction und ungebrochene Entdeckungslust für bekannte und unbekannte Klassiker.
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