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  • SchönerDenken FilmPodcast

    Folge 1431: POSSIBLE LOVE - Die Lebenden und die Toten

    07.11.2026 | 15 Min.
    Lee Chang-dong verwebt in POSSIBLE LOVE gleich drei Stoffe miteinander: Das erste Thema ist die soziale Gerechtigkeit, das zweite Thema ist das zweite Thema ist die Stabilität und die Brüchigkeit von Beziehungen und das dritte Thema ist der Umgang mit einem tiefen Trauma. In mehr als zweieinhalb Stunden wechseln sich die Themen immer wieder ab. Mi-ok und ihr Ehemann Ho-seok haben sind den Streiks der Gewerkschaft engagiert, sind aber dennoch entlassen worden. Sie sind die Toten – diejenigen, die ihren Job nicht verloren haben, sind die Lebenden.

    Ho-seok fühlt sich nach einem brutalen Polizeiangriff leer, ein Phantom, in dem nichts mehr ist außer Angst, Wut und Schmerz. Als die Dokumentarfilmerin Ye-Ji über die entlassenen Arbeiter einen Film drehen will, kommen die unterdrückten Gefühle an die Oberfläche. Besonders als die Dokumentarfilmerin und ihr reicher Ehemann das Arbeiter-Paar zu einem Urlaub in die Strandvilla einlädt, zeigt sich welche Liebe möglich ist und welches (Über-)Leben.

    Es gibt keine einfachen Antworten in POSSIBLE LOVE. Stattdessen komplexe Charaktere, fein beobachtete Details und die Zwischentöne des Lebens: die Ambivalenz von Lust, Neugier und Treue, die Ambivalenz von Abhängigkeit und Privilegien. Nach einem ersten Schauen lässt sich die Vielschichtigkeit des Films kaum erfassen: Zum Beispiel das Spiel mit den Perspektiven. Wir sehen auf einer Ebene, wie die Regisseurin die Szenen für ihren Dokumentarfilm dreht, wir sehen aber auch Ausschnitte aus dem von ihr gedrehten Material, es gibt Rückblicke mit verwackelter Schulterkamera, Material aus Polizeihubschraubern und die Bildschirme einer Videoüberwachung.

    Im Podcast direkt nach dem Kino versuchen Johanna und Thomas ihren ersten Eindruck in Worte zu fassen, diskutieren dabei unter anderem über die Rolle der Dokumentarfilmerin, über die dichte Atmosphäre und pure Schönheit vieler Bilder, das Licht im ersten Morgengrauen und Eheringe, die verloren gehen. Wir haben den Film im Murnau-Filmtheater in Wiesbaden gesehen. Seit dem 6. November 2026 ist er auf Netflix zu sehen.

    Hier unser erster Eindruck von Lee Chang-dongs Film BURNING.
  • SchönerDenken FilmPodcast

    Folge 1430: DIE FRAU, DIE SINGT – INCENDIES

    24.10.2026 | 15 Min.
    Wir nehmen unsere Podcast-Episoden immer direkt nach dem Kino auf – bei der Aufnahme, die wir nach DIE FRAU, DIE SINGT aufgenommen haben, kann man hören, wie angeschlagen wir sind. Im Mittelpunkt des Dramas steht Nawal, eine Frau, die aus dem Libanon stammt und mit ihren beiden mittlerweile erwachsenen Zwillingskindern, einer Tochter und einem Sohn, in Kanada lebt. Nach ihrem Tod erhalten die Kinder zwei Briefe: einen Brief, den sie an den unbekannten Vater aushändigen sollen, und einen Brief, den sie einem Halbbruder geben sollen, von dessen Existenz sie nichts wussten. Sie machen sich auf den Weg und erfahren im Libanon die erschütternde Geschichte ihrer Herkunft …

    Denis Villeneuve erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen: einmal das dramatische Leben von Nawal in einem Bürgerkrieg, der das Land und die Menschen verheert, ein Leben voller Liebe, Hass, Ablehnung, Mord, Gefangenschaft und Folter. Auf der zweiten Ebene die Suche der Zwillinge nach dem Vater und dem Bruder, in der sie nach und nach Zeitzeugen finden, die vom Schicksal ihrer Mutter Nawal berichten. Die Geschichte nimmt immer mehr biblische Ausmaße an, eine klassische, griechische Tragödie in einem absolut realistisch erzählten Rahmen. Als wäre die Handlung nicht schon berührend und schockierend genug, findet Denis Villenueve dafür intensive Bilder, die sich uns eingebrannt haben (der brennende Bus!). Mit belegter Stimme direkt nach dem Kino am Mikrofon: Bettina, Katharina, Götz und Thomas.
  • SchönerDenken FilmPodcast

    Folge 1429: POLYTECHNIQUE - Massen-Femizid in Montreal

    23.10.2026 | 6 Min.
    1989 tötet ein Student 14 Kommilitoninnen, gezielt nur Frauen an der Technischen Universität in Montreal. Er will eine Generation zukünftiger Ingenieurinnen auslöschen. Ein schrecklicher Massen-Femizid. Soll man einen solchen Amoklauf verfilmen und wenn ja wie? Denis Villeneuve entscheidet sich von fiktiven Charakteren zu erzählen – aber in einer authentisch dem echten Verbrechen nachgestellten Handlung. Und er entscheidet sich für Schwarzweiss, um die Wirkung der Gewaltdarstellungen abzumildern. Dabei ist es nicht die Gewalt, die einen als Zuschauer belastet, sondern die starke emotionale Nähe zu den ermordeten und überlebenden Frauen. Der namenlose Täter steht nicht zentral im Mittelpunkt, Villeneuve gibt auch den Opfern und den Zeugen Raum. Er dreht viele Szenen aus drei verschiedenen Perspektiven – erst, wenn man alle Perspektiven gesehen hat, lassen sich die Tat und die Folgen wirklich erfassen. Die Inszenierung ist einfallsreich, aber man bleibt doch sehr auf die dramatische Handlung fokussiert. Thomas – heute alleine am Mikrofon – fühlte sich nach dem Film stark an die eigene (friedliche) Universitätszeit erinnert.
  • SchönerDenken FilmPodcast

    Folge 1428: MAELSTRÖM - Hör auf die Stimme des Fisches

    22.10.2026 | 10 Min.
    Immer wieder überrascht uns Villeneuves Tragikomödie MAELSTRÖM. Die Geschichte windet sich und wendet sich anders, als wir es erwartet hatten. Es geht um das Leben einer privilegierten jungen Frau, das aus eigener Schuld aus den Fugen gerät. Sie strandet in der Realität und weiß nicht, welches Schicksal auf sie wartet. Villeneuve bettet die Geschichte ein in groteske und märchenhafte Elemente (der sprechende Karpfen), experimentiert mutig, spielt mit Farben und dem Verzicht auf Farben, mit Wasser und Meer, mit Close Ups und einer Erzählerstimme, die Götz sehr stark an Godard und die Nouvelle Vague erinnert. Sehr eigen, sehr sehenswert, aber noch keine klare Filmsprache. Vielleicht ist das der Grund, warum Villeneuve nach Maelström fast zehn Jahre pausiert. Am Mikrofon direkt nach dem Kino: Kristin, Katharina, Götz und Thomas.
  • SchönerDenken FilmPodcast

    Folge 1427: DER 32. AUGUST AUF ERDEN - Gegen die eigene Vergänglichkeit

    20.10.2026 | 7 Min.
    Denis Villeneuves erster Langfilm dreht sich um Simone, eine Frau, die nach einem Autounfall ihre eigene Vergänglichkeit erkennt und jetzt ein Kind will – von ihrem besten Freund Philippe, zu dem sie eine platonische Beziehung hat. Ihr Wunsch führt die beiden in die Große Salzwüste in Utah und wieder zurück nach Kanada. Ein Arthouse-Roadmovie mit immer wieder starken Bildern, das den Zuschauer – vor allem nach dem unerwarteten Ende – angefasst und nachdenklich zurücklässt. Thomas mit seinem ersten Eindruck nach dem Kino.
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Über SchönerDenken FilmPodcast
Der erste Eindruck - direkt nach dem Kino - in etwa 12 Minuten und spoilerfrei, versprochen. Das ist unser Kerngeschäft. Ansonsten echte Liebe für japanische Filme, eine Schwäche für Science-Fiction und ungebrochene Entdeckungslust für bekannte und unbekannte Klassiker.
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