303 Episoden
- Peter Parker steht wieder am Anfang: Nach all den Abenteuern, sogar mit den Avengers im All, ist er plötzlich wieder ein Niemand. Selbst sein bester Freund Ned kennt ihn nicht mehr und viel schlimmer noch: MJ kann sich überhaupt nicht an Peter Parker erinnern. Wir erleben ihn wieder als sehr nahbaren Charakter, ein junger Mann, der sich vor lauter Liebeskummer kopfüber in die Superheldenarbeit wirft, bis ihn der Stress in die Knie zwingt. Da ist genau die Coming-of-Age-Melancholie zu spüren, die Spider-Man schon in den Comics zum interessantesten Superhelden gemacht hat. Mit ihm konnten wir uns als junge Leser identifizieren. Und niemand konnte das bislang so gut verkörpern wie Tom Holland.
In SPIDER-MAN: BRAND NEW DAY schwingt ein düsterer Ton mit – von Trauer um die Mutterfigur May, Trauer um die verlorene große Liebe, Trauer um den verlorenen besten Freund und Angst die Kontrolle zu verlieren und die eigenen Werte preiszugeben. Die Gegenspielerin erweist sich ebenfalls als verzweifelter Charakter: Sadie Sink, die mit STRANGER THINGS berühmt wurde, steigt hier in das Marvel Cinematic Universe ein und ich fresse einen Besen, wenn sie nicht in kommenden Filmen noch eine große Rolle spielen wird. Ihr Auftritt hier ist auf jeden Fall sehr beeindruckend und erinnert stark an den unterschätzten Film FALLEN (1998) mit Denzel Washington.
Im Podcast direkt nach dem Kino kommen acht verschiedene Stimmen und Meinungen zu Wort – vom Wunsch in dieser Welt von Spider-Man zu bleiben und einfach im Kino gleich sein nächstes Abenteuer anzuschauen, über den Wunsch nach weniger vorhersehbaren Geschichten bis hin zur Enttäuschung über einzelne Nebendarsteller ist alles dabei. Aber die Runde ist sich einig: SPIDER-MAN: BRAND NEW DAY ist visuell sehr gelungen und sehr unterhaltsam. Das Kino auf jeden Fall war an einem Werktag ausverkauft und Applaus gab es auch. Am Mikrofon direkt nach dem Kino: Anke, Johanna, Gabriele, Katharina P., Marc, Harald, Tom und Thomas. - Eines vorweg: Christopher Nolan hat das Epos von Homer (und das Publikum) mit Respekt behandelt. Gerade für Zuschauer, die sich kaum oder gar nicht mit griechischer Mythologie oder den Geschichten rund um den trojanischen Krieg auskennen, ist Nolans Film ein wirklich guter Einsteig. Mich hat begeistert, wie viel in der Pause und nach dem Kino von fast allen Zuschauern über die Menschen, Monster und Götter der Odyssee gefragt, geantwortet und diskutiert worden ist. Vom Gilgamesch-Epos abgesehen sind Ilias und Odyssee die ältesten literarischen Werke, die wir kennen – mit Odysseus als einem modernen Helden, der neugierig und eigensinnig ist und lieber auf seinen eigenen scharfen Verstand vertraut als auf die Götter.
Nolan entblättert nach und nach seine depriminierende Botschaft: Wir selbst sind der Untergang unserer Zivilisation – und er zeigt Odysseus (Matt Damon) als den klügsten Krieger, der nicht nur den Trojanischen Krieg mit seiner List gewinnt sondern auch die Schuld erkennt, die die siegreichen Griechen mit dem Massaker in Troja auf sich geladen haben. Ein Held mit posttraumatischer Belastungsstörung, der in den Armen der Nymphe Calypso (Charlize Theron) seine schrecklichen Erinnerungen verdrängt. Nolans ODYSSEE wirkt in keiner Szene wie ein Sandalenfilm, weil immer an realen, wunderbar ausgesuchten Orten gedreht wurde und CGI-Effekte zwar existieren aber praktisch unsichtbar sind.
Im Podcast direkt nach dem Kino sind wir unterschiedlicher Meinung und sprechen über Frauenfiguren, nonlineares Erzählen, über Vorteile und Nachteile einer Starbesetzung und ob Nolan mit IMAX einer fixen Idee nachgejagt ist, die dem Film vielleicht nicht gut getan hat … Am Mikrofon nach drei Stunden Kino: Heidi, Johanna, Anke, Marc, Tom und Thomas.
Thomas war zu seiner großen Freude Gast bei Christian im Filmpodcast Second Unit und die beiden haben sich etwas ausführlicher mit Nolans Film beschäftigt – 2,5 Stunden :-) Wir empfehlen: Erst Film schauen, dann bei SchönerDenken ersten Eindruck hören, dann die Langfassung bei Second Unit (aber immer noch kürzer als der Film). Folge 1418: Yutaro Seki/Kentaro Hirase SAI: DISASTER (Sai gekijoban) (NipponConnection2026)
18.07.2026 | 12 Min.SAI: DISASTER gehört zu den Thrillern, bei denen das Publikum mehr weiß als die Polizei – auch wenn es den Zuschauern nicht einfach gemacht wird: Der nonlineare Struktur und die Vielzahl der Protagonisten führen zu einer Überforderung und Irritation, die sich dann Stück für Stück auflöst. Roter Faden ist ein Mann, der als Serienmörder unerkannt bleibt. Kaum ein Polizist erkennt die gemeinsamen Elemente der Taten. Auch wenn die Dramaturgie verkopft wirken mag, die Atmosphäre, die Orte, die Inszenierung und die Darsteller:innen sind großartig. Am stärksten in Erinnerung bleibt ein faszinierender Täter, der gleichzeitig abstoßend und charismatisch ist. Wenn er seinen Opfern nahekommt, ist die Bedrohung fast unerträglich intensiv. Im Podcast direkt nach dem Film auf Nippon Connection 2026 vergleichen wir SAI: DISASTER mit MEMORIES OF MURDER und DAS VERPRECHEN von Dürrenmatt. Am Mikrofon mit ganz unterschiedlichen Eindrücken: Markus von translate or die, Alex von den Abspannguckern, André, Andras, Hendrik und Thomas.- Ich war neugierig auf einen Film, der mit einem überschaubaren Budget einen so großen Erfolg an den Kinokassen hat. Dabei ist er auf den ersten Blick ein eher konventioneller Film: Ein junger Mann traut sich nicht, einer jungen Frau zu sagen, dass er in sie verliebt ist. Aber er hat einen Wunsch frei und so wird die junge Frau mit dem Fluch belegt, ihn mehr als alles andere zu lieben. Das geht auf grausame Weise schief.
Das Besondere: Der junge Mann ist nicht nur völlig außerstande offen seine Liebe zu gestehen – nach dem Wunsch versagt er wirklich in jedem Augenblick dabei mit der bedingungslosen Liebe von Nikki umzugehen. Er stürzt sie in Angst und brennende Eifersucht. Doch das ist nicht der eigentliche Grund ihrer Höllenqualen – das spoilere ich hier nicht.
OBSESSION ist eine düstere, schräge Splatter-Komödie aber zugleich auch eine bitterböse Abrechnung mit einem Incel-artigen Mann. Die jüngeren Menschen im Kino (fast alles Pärchen) hatten einen leichteren Zugang zum Film. Ich war im Podcast mit Heidi direkt nach dem Film beeindruckt aber nicht begeistert. Aber der Film hallt durchaus nach – auch wegen der herausragenden Inde Navarrette als Nikki. - Wir waren auf angenehmste Weise extrem unangenehm berührt: BACKROOMS – basierend auf der Webserie des noch sehr jungen Regisseurs Kane Parsons – ist einer der originellsten und ungewöhnlichsten Horrorfilme, die wir seit langer Zeit gesehen haben. Wenn wir den Protagonisten durch die endlosen Räume folgen, die wie architektonische Metastasen einer sadistischen KI wirken, dann es ist es als würden wir hellwach durch den eigenen Alptraum gehen. Die bedrückende Atmosphäre und das unter die Haut gehende Sounddesign ziehen einen in seinen Bann. Eine Welt, die man so noch nie gesehen hat: Räume, die man zwar glaubt wiederzuerkennen, die aber nur ein sinnentleertes, kaskadierendes Echo einer Erinnerung an Räume ist.
Dazu kommt, dass uns einzelne Szenen genauso verwirren wie die extrem irritierende Architektur der endlosen Gänge, Hallen und Zimmer. Der Versuch, dahinter einen Grund und einen Zweck zu erkennen, laugt unseren Verstand aus: Was das alles bedeutet, dass muss jeder mit sich selbst ausmachen. Meine Idee: Der Raum ist ein Phänomen, dass aus dem Unterbewusstein der Menschen, die den Raum betreten, immer neue Räume Realität werden lässt (wie einst auf Solaris). Nur so ein Gedanke. Im Podcast direkt nach dem Kino wieder draußen in der vertrauten Welt reden wir auch über die großartigen Darsteller, über Höhenangst und Jump Scares. Am Mikrofon: Marc, Hendrik, Tom und Thomas.
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Über SchönerDenken FilmPodcast
Der erste Eindruck - direkt nach dem Kino - in etwa 12 Minuten und spoilerfrei, versprochen. Das ist unser Kerngeschäft. Ansonsten echte Liebe für japanische Filme, eine Schwäche für Science-Fiction und ungebrochene Entdeckungslust für bekannte und unbekannte Klassiker.
Podcast-WebsiteHöre SchönerDenken FilmPodcast, Nerd & Kultur und viele andere Podcasts aus aller Welt mit der radio.de-App

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