312 Episoden
- 1989 tötet ein Student 14 Kommilitoninnen, gezielt nur Frauen an der Technischen Universität in Montreal. Er will eine Generation zukünftiger Ingenieurinnen auslöschen. Ein schrecklicher Massen-Femizid. Soll man einen solchen Amoklauf verfilmen und wenn ja wie? Denis Villeneuve entscheidet sich von fiktiven Charakteren zu erzählen – aber in einer authentisch dem echten Verbrechen nachgestellten Handlung. Und er entscheidet sich für Schwarzweiss, um die Wirkung der Gewaltdarstellungen abzumildern. Dabei ist es nicht die Gewalt, die einen als Zuschauer belastet, sondern die starke emotionale Nähe zu den ermordeten und überlebenden Frauen. Der namenlose Täter steht nicht zentral im Mittelpunkt, Villeneuve gibt auch den Opfern und den Zeugen Raum. Er dreht viele Szenen aus drei verschiedenen Perspektiven – erst, wenn man alle Perspektiven gesehen hat, lassen sich die Tat und die Folgen wirklich erfassen. Die Inszenierung ist einfallsreich, aber man bleibt doch sehr auf die dramatische Handlung fokussiert. Thomas – heute alleine am Mikrofon – fühlte sich nach dem Film stark an die eigene (friedliche) Universitätszeit erinnert.
- Immer wieder überrascht uns Villeneuves Tragikomödie MAELSTRÖM. Die Geschichte windet sich und wendet sich anders, als wir es erwartet hatten. Es geht um das Leben einer privilegierten jungen Frau, das aus eigener Schuld aus den Fugen gerät. Sie strandet in der Realität und weiß nicht, welches Schicksal auf sie wartet. Villeneuve bettet die Geschichte ein in groteske und märchenhafte Elemente (der sprechende Karpfen), experimentiert mutig, spielt mit Farben und dem Verzicht auf Farben, mit Wasser und Meer, mit Close Ups und einer Erzählerstimme, die Götz sehr stark an Godard und die Nouvelle Vague erinnert. Sehr eigen, sehr sehenswert, aber noch keine klare Filmsprache. Vielleicht ist das der Grund, warum Villeneuve nach Maelström fast zehn Jahre pausiert. Am Mikrofon direkt nach dem Kino: Kristin, Katharina, Götz und Thomas.
- Denis Villeneuves erster Langfilm dreht sich um Simone, eine Frau, die nach einem Autounfall ihre eigene Vergänglichkeit erkennt und jetzt ein Kind will – von ihrem besten Freund Philippe, zu dem sie eine platonische Beziehung hat. Ihr Wunsch führt die beiden in die Große Salzwüste in Utah und wieder zurück nach Kanada. Ein Arthouse-Roadmovie mit immer wieder starken Bildern, das den Zuschauer – vor allem nach dem unerwarteten Ende – angefasst und nachdenklich zurücklässt. Thomas mit seinem ersten Eindruck nach dem Kino.
- Der Hype um HOPE war beträchtlich nach dem sehr gelungenen Trailer. Ich lehne mich mal aus dem Fenster: Da werden viele enttäuscht sein. Ich nicht :-) HOPE ist „nur“ ein Genre-Film mit allen Stärken und Schwächen: Die Stärken: Rasante, aufregende Verfolgungsjagden, perfektes Setdesign, interessante Monster, starker Score von Michael Abels und eine Bad-Ass-Polizistin. Die Schwächen: Hemmungsloses Over-Acting, dämliche Dialoge direkt aus der Drehbuchhölle der 1980er und viel zu lange sich wiederholende Actionelemente. Und vor allem: In HOPE steckt kein einziges Molekül Subtilität, kein Hauch von Meta-Ebene. Wenn man sich daran nicht stört, hat man einen kurzweiligen Abend mit einem handwerklich herausragenden SF-Actioner. In unserem Podcast wird klar: Einige freuen sich auf HOPE 2, andere nicht :-) Direkt nach dem Film am Mikrofon: Anke, Marc, Hendrik, Harald, Tom und Thomas.
- Der Koyote, der mit den verrücktesten Methoden versucht den blitzschnellen Laufvogel Road Runner zu fangen, und dabei immer brutal scheitert, ist vielleicht die einprägsamste Figur der Looney Tunes. Er ist in dieser anarchischen Welt der Sysiphus unter den Cartoonfiguren. Ein Antiheld meiner Kindheit, den ich unglaublich gerne gesehen habe. Jetzt kommt er (nach einigen Schwierigkeiten) zurück auf die große Leinwand – als Gerichtsfilm. Denn Wile E. Coyote hat die Schnauze voll von den nutzlosen Erfindungen der Firma ACME (A Company Manufacturing Everything) und verklagt sie. Sein Anwalt ist nur auf einen schnellen Vergleich mit dem Konzern aus. Aber ACME hat ein Geheimnis, das vor Gericht nicht herauskommen soll … Als Gerichtsfilm funktioniert COYOTE VS. ACME nicht wirklich, aber immer wieder bricht sich der Cartoon-Slapstick Bahn und da macht der Film richtig Spaß. Im Podcast direkt nach dem Film sprechen wir über die reibungslose Integration von Animation und Realfilm, über Peter Lorre, kognitive Dissonanz und Kapitalismus. Direkt nach dem Film schon wieder gut gelaunt am Mikrofon: Johanna, Tina, Tom und Thomas.
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Über SchönerDenken FilmPodcast
Der erste Eindruck - direkt nach dem Kino - in etwa 12 Minuten und spoilerfrei, versprochen. Das ist unser Kerngeschäft. Ansonsten echte Liebe für japanische Filme, eine Schwäche für Science-Fiction und ungebrochene Entdeckungslust für bekannte und unbekannte Klassiker.
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