136 Episoden
- Am 31. Mai 2020 wird um 23:46 Uhr an einer Straßenkreuzung in Chicago ein Schuss abgefeuert. Ein akustisches Überwachungssystem namens "ShotSpotter" stuft den Knall zunächst mit einer Sicherheit von 98 Prozent als Feuerwerk ein. 44 Sekunden später stuft ein bis heute anonymer Mitarbeiter das Ereignis als Schuss ein. Ein Mann namens Michael Williams saß daraufhin elf Monate wegen Mordes in Untersuchungshaft, bis die Staatsanwaltschaft ihre eigenen Beweise zurückzog. Im März 2026 zahlt ihm die Stadt Chicago 500.000 Dollar Schadensersatz.
In dieser Folge wird erklärt, wie ShotSpotter Schüsse per Multilateration auf wenige Meter genau orten soll. Zudem wird erläutert, warum am Ende der Algorithmus, der Mitarbeiter und die Staatsanwaltschaft drei verschiedene Geschichten über denselben Alarm erzählen und weshalb die vielzitierte Manipulationsschlagzeile von damals so nicht stimmt. Es geht um Fehlalarme, Automation Bias und die Frage, was ein akustisches Beweismittel vor Gericht wirklich wert ist.
Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
Musik: BACKPLATE von https://josephmcdade.com - Im April 2011 wurde auf Amazon ein Buch über Fruchtfliegen für 23.698.655,93 Dollar zum Verkauf angeboten. Zusätzlich fielen 3,99 Dollar Versandkosten an. Dahinter steckte weder ein Scherz noch ein Tippfehler, sondern zwei Repricing-Algorithmen, die sich gegenseitig Tag für Tag nach oben schaukelten. Der Biologe Michael Eisen hat diese Preisspirale rekonstruiert und seine Ergebnisse in seinem Blog veröffentlicht.
Die automatische Bepreisung von Artikeln ist auf Marktplätzen wie Amazon zunehmend der Standard. Diese Folge erklärt, wie diese Technik funktioniert und warum unabhängige Algorithmen auch ohne Absprachen das gleiche Ergebnis wie ein Kartell erzeugen können. Neben dem Beispiel mit dem Fliegenbuch werden preisbildende Algorithmen auch in anderen Bereichen eingesetzt. Ein Beispiel ist die Festlegung von Mietpreisen, was aktuell in einer Klage gegen den Anbieter RealPage gemündet hat. Dessen Software hat die Mietpreise in einigen US-Städten maßgeblich mitbestimmt.
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Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
Musik: BACKPLATE von https://josephmcdade.com - 1972 fiel in der französischen Urananreicherungsanlage Pierrelatte eine Messung aus dem Rahmen. In Uranerz aus der Mine Oklo in Gabun lag der Anteil von Uran-235 bei 0,7171 Prozent statt bei den üblichen 0,7202 Prozent. Drei Tausendstel eines Prozentpunkts. Klingt nach Messfehler, ist aber keiner: Dieser Wert ist überall gleich. In jedem Bergwerk auf jedem Kontinent, in Meteoriten und in Gestein vom Mond.
Die Erklärung war spektakulär. Vor rund zwei Milliarden Jahren liefen in Oklo natürliche Kernreaktoren, ohne menschliches Zutun. Ein glückliches Zusammenspiel aus hoher Urankonzentration und passender Geologie hielt die Kettenreaktion über Hunderttausende Jahre in Gang. Damit stand der erste Kernreaktor der Erdgeschichte nicht 1942 in Chicago, sondern etwa zwei Milliarden Jahre früher in Westafrika. Und er lief länger, als es die Gattung Homo überhaupt gibt.
Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
Musik: BACKPLATE von https://josephmcdade.com - Totgesagte leben länger. Als in den Medien berichtet wurde, dass am Flughafen Paris-Orly im Jahr 2015 immer noch Windows 3.1 verwendet wurde, staunten viele darüber. Windows 3.1 war zu diesem Zeitpunkt bereits 23 Jahre alt und völlig veraltet.
In Orly kam es noch in einem System zum Einsatz, das sich um die Verteilung bestimmter Wetterdaten kümmerte. Vielleicht wurde es einfach vergessen, da es über einen langen Zeitraum hinweg seinen Dienst verrichtet hatte.
In der Berichterstattung wurde allerdings auch erwähnt, dass es nur noch drei Personen gab, die sich mit dem System auskannten, und dass in der Vergangenheit bereits Ersatzteile auf eBay gekauft werden mussten.
Die Geschichte von Orly ist jedoch kein kurioser Einzelfall. Systeme veralten und Wissen geht immer verloren. Deshalb ist es wichtig, dies im Blick zu behalten und rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
Musik: BACKPLATE von https://josephmcdade.com - Die Idee hinter Juicero war die Kombination einer Hochleistungspresse mit einem Druck von vier Tonnen. Damit sollte Saft aus fertig gewaschenem und geschnittenem Obst und Gemüse, das in Einzelportionsbeuteln verkauft wurde, gepresst werden.
Es handelte sich um ein geschlossenes System, wie man es von Tintenstrahldruckern oder Kaffee-Kapselmaschinen kennt.
In einem Artikel bei Bloomberg zeigten zwei Journalistinnen jedoch, dass man diese Päckchen auch ganz ohne Hochleistungspresse ausdrücken konnte. Und das sogar schneller als mit dem Gerät.
Dieser Artikel besiegelte das Ende von Juicero. Was bleibt, außer einer kuriosen Geschichte? Und was kann man aus diesem Fehlschlag lernen?
Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
Musik: BACKPLATE von https://josephmcdade.com
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