Credit to the Edit Podcast
Rainer Nigrelli & Jan Henrik Pusch

Neueste Episode
67 Episoden
- Es gibt diesen Moment im Schneideraum, in dem man merkt: Das Material hat schon eine Meinung. Kamera, Regie, Drehbuch, tausend Menschen haben mitgedacht, bevor die erste Klappe fiel. Und dann sitzt man davor und soll den Studierenden erklären, was Montage eigentlich ist. Beatrice Babin hat für sich einen anderen Weg entschieden: nicht fertige Szenen sezieren, sondern die Studierenden selbst drehen lassen. Kleines iPhone, kleine Crew, große Frage: Wie erzählt man das eigentlich?
Zu Gast im Podcast ist Beatrice Babin, die sich mit Michael Palm die Professur für Montage an der HFF München teilt. Sie spricht über den Impuls, den ihr ein Montagekongress 2020 gegeben hat, über die Lust, Studierende ins Ausprobieren zu schubsen, und darüber, warum das "Wie" fast immer wichtiger ist als das "Was". Es geht um die Schule des Sehens, um das Wippen am Stehtisch, um Empathie als Handwerkszeug und um Humor als Überlebensstrategie im Schneideraum.
Zwischendurch bekommt man eine Anekdote geschenkt, für die dieser Podcast eigentlich gemacht wurde: wie eine junge Studentin aus einer Telefonzelle südlich von Rom monatelang bei Federico Fellini anrief, und am Ende tatsächlich ein Interview bekam.
Beatrice Babin hat in München Philosophie und Filmwissenschaft studiert und 1990 ihre Magisterarbeit über die Clownfigur bei Fellini geschrieben. Nach längeren Aufenthalten in New York, Rom, Brasilien und Afrika, wo sie als Theaterdramaturgin und Fotografin arbeitete, kam sie über die Videokunst zur Montage. Sie hat unter anderem mit Emily Atef, Volker Koepp, Wael Shawky, Wim Wenders und Markus Imhoof gearbeitet, dessen "Eldorado" 2018 als Schweizer Beitrag für den Auslandsoscar eingereicht wurde. Seit 2019 hat sie zusammen mit Michael Palm die Professur für Montage an der HFF München inne. 2027 startet dort ein neuer Studiengang Filmmontage mit Bachelor und Master.
Wer wissen will, warum sechs Studierende genau die richtige Zahl sind, warum man beim Schneiden besser mitwippt und wie man Fellini am Telefon austrickst: reinhören lohnt sich.
Timeline-Shortcuts
00:00 Anmoderation
02:22 Gesprächsstart / Wie unterrichtet man Montage?
05:58 Selber drehen statt fertiges Material schneiden
10:34 Schule des Sehens und Arbeitsbedingungen
18:08 Wer kann Montage lernen?
21:34 Kategorien
23:12 Die Fellini-Anekdote
30:19 Was Beatrice von den Studierenden lernt
35:07 Abmoderation
Weiterführende Links
Personen Beatrice Babin
Beatrice Babin (BFS-Profil)
Beatrice Babin (HFF München)
Michael Palm (HFF München)
Filme Eldorado (Markus Imhoof, 2018)
La voce della luna (Federico Fellini, 1990)
Institutionen & Archive Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF)
Lehrstuhl Montage (HFF München)
Cinecittà (Rom)
Bundesverband Filmschnitt Editor e.V. (BFS)
Deutsche Filmakademie - Berlin, vierter Stock, Deutsche Kinemathek. Zwischen einem Steenbeck und einer Umrolle steht eine Person, die sich beruflich mit etwas beschäftigt, das die meisten Filmschaffenden lieber verdrängen: dem Älterwerden ihrer Arbeit. Dem Verblassen der Farben, dem Essiggeruch zersetzter Acetatfilme, den fehlenden Bildern, den verlorenen Fassungen. Und der unbequemen Frage, was eigentlich das "Original" eines Films ist, wenn es nie nur eine Version gab.
In der aktuellen Folge geht es im Credit to the Edit Podcast um Filmrestaurierung als Schwesterdisziplin der Montage. Julia Wallmüller erzählt, wie ihr Team Filme von der Stummfilmzeit bis in die 2000er für die digitale Welt rettet, warum jede Restaurierung im Grunde eine zweite Schnittentscheidung ist, und wie sie aktuell an "Jenseits der Straße" (1929) arbeitet, mit zwei sehr unterschiedlichen Ausgangsmaterialien, einem italienischen Duplikatnegativ und einer russischen Kopie, die im Anfang anders aufgebaut ist.
Es geht um Vinegar Syndrome, um den Brand im brasilianischen Filmarchiv, und um die ernüchternde Erkenntnis, dass weltweit nur rund 20 Prozent der Stummfilmproduktionen überhaupt erhalten sind. Daneben: ein Plädoyer für analoge Ausbelichtung, ein kurzer Schwenk zum Nitrate Picture Show Festival im George Eastman Museum in Rochester, und die Frage, wie man eigentlich digitale Daten so archiviert, dass sie in fünfzig Jahren noch existieren.
zu Gast
Julia Wallmüller wurde in Graz geboren und ist diplomierte Filmrestauratorin, ein Beruf, zu dem sie über das Interesse an der Restaurierung selbst kam, nicht über den Film, und für den sie damals aus Österreich nach Berlin zog, weil sie hier im deutschsprachigen Raum die einzige Studienmöglichkeit fand, und zwar an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin) den Studiengang "Konservierung/Restaurierung von Foto, Film und Datenträgern", heute "Konservierung/Restaurierung von audiovisuellem und fotografischem Kulturgut - Moderne Medien (AVF)". Seit Abschluss ihres Studiums 2006 arbeitete sie in zahlreichen praktischen, theoretischen und akademischen Projekten im Bereich der digitalen Filmrestaurierung, mit einem besonderen Schwerpunkt auf ethischen und ästhetischen Fragestellungen. Seit 2010 arbeitet sie im Filmarchiv der Deutschen Kinemathek und leitet das Restauratorenteam für das Förderprogramm Filmerbe, ein vom Bund, den Ländern und der Filmförderungsanstalt finanziertes Digitalisierungsprojekt.
Timeline-Shortcuts
00:00 Anmoderation
00:30 Gesprächsstart / Studium der Filmrestaurierung
06:15 Was macht die Deutsche Kinemathek?
08:37 Vom Förderantrag zur Materialrecherche
13:13 Fassungsfragen und Restaurierungsethik
23:38 Digitalisierung, Nitrofilm und Bildraten
27:43 Praxisbeispiel: Jenseits der Straße
44:00 Kategorien: Tipps am Schneidetisch & Lieblingsbegriffe
49:42 Aktuelle Projekte und Festival Film Restored
53:46 Abmoderation
Weiterführende Infos
Filme
Jenseits der Straße (Leo Mittler, 1929)
Sylvester – Tragödie einer Nacht (Lupu Pick, 1924)
Cyankali (Hans Tintner, 1930)
Personen
Julia Wallmüller (Deutsche Kinemathek, Team Management FFE und Filmrestaurierung)
Stephen Horne (Stummfilmmusiker und Komponist)
Institutionen & Archive
Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen
Cineteca Nazionale (Centro Sperimentale di Cinematografia, Rom)
Bundesarchiv (Filmarchiv)
Kinematheksverbund
George Eastman Museum (Rochester)
Festivals & Veranstaltungen
Film Restored – Das Filmerbe-Festival (Deutsche Kinemathek, Ende Oktober)
San Francisco Silent Film Festival
Nitrate Picture Show (George Eastman Museum, Rochester) - Wer schon einmal eine Übertragung der Berliner Philharmoniker im Stream geguckt hat, hat wahrscheinlich gar nicht bemerkt, dass da jemand in einer Regie sitzt und im Sekundentakt entscheidet, was zu sehen ist. Erste Geige? Pauke? Dirigent? Halbtotale? Der Mann hinter diesen Entscheidungen liest dabei nicht den Spielplan, sondern die Partitur.
Heute geht es im Credit to the Edit Podcast um eine Variante des Schneidens, die in Echtzeit passiert: Live-Bildregie bei klassischen Konzerten. Zu Gast ist Sascha Etezazi, der für den WDR und andere Sender Konzerte als Streams und Filme begleitet. Sascha erzählt, wie er Wochen vor einem Konzert mit der Partitur "ins Bett" geht, wie er aus jedem Takt eine Bildidee macht und warum sein Job am Ende vor allem eines verlangt: Vertrauen. Vertrauen vom Bildmischer, der seine Anweisungen sekundengenau umsetzen kann. Vertrauen vom Orchester, das sich nicht ungerecht ins Bild gesetzt sehen will. Und Vertrauen ins eigene Bauchgefühl, wenn der Dirigent plötzlich vom Plan abweicht.
Sascha Etezazi ist Tonmeister, Klangregisseur und Komponist. Er studierte Tonmeister am Erich-Thienhaus-Institut der Hochschule für Musik Detmold bei Bernhard Güttler und Komposition an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf bei Oliver Schneller. Seine Arbeit bewegt sich zwischen CD- und Radioproduktion, Bildregie, Klangregie und eigener Komposition für Konzert und Klanginstallation. Als Video Recording Producer gestaltet er seit Jahren die Bildregie der Klangkörper des WDR und ihrer internationalen Gäste; als Klangregisseur ist er regelmäßig bei den Darmstädter Ferienkursen, den Donaueschinger Musiktagen und Podium Esslingen aktiv. Aktuell beschäftigt er sich verstärkt mit der musikalischen Erkundung virtueller Umgebungen und mit den künstlerischen Mechanismen der Digitalität.
Eine Folge über das Schneiden ohne Schnitt-Taste, über die Dramaturgie eines Konzertabends als Filmgrammatik und über den einen Konzertschnitt, der gegen die Maus verloren hat.
Timeline-Shortcuts
00:06 Anmoderation
01:55 Gesprächsstart / Was machst du als Video Recording Producer?
06:18 Vorbereitung & Partitur: Wochen vor dem Konzert
14:20 Dramaturgie der Bilder: Mikro, Makro, Dirigent als Anker
24:30 Zeitdruck, Vertrauen & Konflikte am Bildmischer
36:00 Schnittschau & Tipps: Karajan, Sokolov, Messiaen
46:25 Kategorien: Anekdote & Liebling der Woche
52:58 Abmoderation
Weiterführende Links
Konzert, das wir besprochen haben: Resonanzen – Hadelich & Schostakowitsch (WDR Sinfonieorchester, Dima Slobodeniouk, 17./18.04.2026 Kölner Philharmonie, Live-Mitschnitt)
Resonanzen – Hadelich & Schostakowitsch | Programm Kölner Philharmonie
Mehr über Sascha Etezazi: Klassiktonmeister – Sascha Etezazi
Sascha Etezazi auf LinkedIn
Sascha Etezazi auf IMDb
Westfalen-Blatt-Porträt: »Mein Beruf? Ich bin Streamer!«
Filme & Aufnahmen, die in der Folge besprochen wurden: Vom Ende der Welt in Görlitz – Olivier Messiaen und sein Quatuor pour la fin du temps (ARTE / Accentus Music, 2021, Regie: Ute Feudel)
Grigory Sokolov spielt Bach: Partita Nr. 1 BWV 825, La Roque d'Anthéron 2015 (Regie: Bruno Monsaingeon) - Stell dir vor, du bist Regie, Kamera, Ton, Schnitt, Marketing-Abteilung und Buchhaltung in Personalunion. Während viele Editor:innen im Schneideraum auf das Material warten, das andere gedreht haben, fängt für Videograf:innen die Arbeit schon beim ersten Händeschütteln mit der Kundschaft an. Doch wie behält man den Überblick, wenn man die gesamte Pipeline allein stemmen muss?
Heute geht es im "Credit to the Edit Podcast" um die Welt der Videografie. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen eines Arbeitsmodells, das radikale Flexibilität verlangt: Vom Recruiting-Film über Event-Dokus bis hin zu Social-Media-Hooks, die in den ersten drei Sekunden sitzen müssen. Wir besprechen, warum es ein riesiger Vorteil sein kann, den Schnitt schon beim Dreh im Kopf zu haben, und warum Zuverlässigkeit manchmal das wichtigste Marketing-Tool überhaupt ist.
zu Gast
Laura Grocholl ist eine in Köln tätige Videografin und Videoproduzentin. Sie absolvierte am SAE Institute Köln ein praxisorientiertes Studium im Bereich Digital Film (bzw. Digital Film Making) & VFX und schloss dieses 2016 mit einem Bachelor of Arts ab. Seit 2015 arbeitet Grocholl selbstständig und realisiert Videoproduktionen vor allem im B2B-Umfeld.
Lust auf einen Einblick in die Welt einer "One-Woman-Show"? Dann ist diese Folge genau richtig für dich.
Timeline-Shortcuts
00:14 Anmoderation
02:53 Gesprächsstart / „Was ist Videografie eigentlich?"
04:14 Recruiting, Event, Social und Testimonials
11:38 One-Woman-Show
23:42 Schnittgeschwindigkeit
26:29 Sichtbarkeit: Website und der USP als Klammer
40:39 „Wir können alles schneiden"
42:47 Anekdote & Abmoderation
Weiterführende Links
Laura Grocholl - Manchmal reicht ein einziger Schnitt, und plötzlich wird aus dem Wirtschaftsfilm eine kleine Sketch-Comedy. In dieser Folge geht es im Credit to the Edit Podcast um genau diesen Moment: wenn ein Imagefilm mal nicht nach "Drohnenflug über das Firmengelände" klingt, sondern nach Menschen mit Geschichten.
Im Gespräch wird der Imagefilm als Genre ernst genommen und gleichzeitig entmystifiziert. Was macht einen schlecht geschnittenen Imagefilm aus? Für Fabian ist das ziemlich klar: Einer, der keine Story und keine Emotion vermittelt, sondern bloß Fakten abspult. Von dort aus geht's tief rein in die Praxis: Mal über Humor und Selbstironie, mal über Rhythmus und Musik, mal über Struktur. Und zwischendrin wird deutlich: Imagefilm-Montage ist nicht „leichter" als andere Genres, sondern nur anders. Oft sogar gnadenlos anders, weil der Witz sitzen muss, sonst fällt das ganze Konstrukt in sich zusammen.
Wer wissen will, wie man aus O-Tönen erst eine belastbare Tonspur baut (inklusive Abnahme-Schleife), warum Shortcuts kreatives Denken freiräumen und weshalb ein Satz wie „Das verspielt sich" im Schneideraum Gold wert sein kann: Dann ist diese Folge ist euer Play-Button.
Zu Gast
Fabian Prager hat sein Handwerk klassisch gelernt: Von 2007 bis 2010 absolvierte er bei der ProSiebenSat.1 Produktion eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild & Ton. Danach ging's Richtung Unternehmertum, bis klar wurde: Das Administrative ist nicht sein Spielfeld. Stattdessen zog es ihn in den Schneideraum: Als Video-Editor war er über mehrere Jahre bei der Bavaria Communications (heute in Bavaria Entertainment aufgegangen) tätig und merkte dabei, dass ihm der Schnitt fremden Materials mehr liegt als die ursprünglich anvisierte Regie. Nach einem kurzen Ausflug in den TV-Schnitt arbeitet er seit Dezember 2021 als festangestellter Senior Video Editor bei Al Dente Entertainment im Corporate-Film-Bereich, wo er u.a. Imagefilmen Rhythmus verleiht.
Timeline-Shortcuts
00:06 Anmoderation
02:06 Gesprächsstart
04:26 Was ist ein schlecht geschnittener Imagefilm?
10:29 Menschlichkeit, Humor, Selbstironie – und der „nackte Mann" als Konzept
22:49 Konzept schlägt Produkt: Der „Menschen-Film" & die Reaktions-Montage
34:29 Workflow im Schnitt: O-Ton-Abnahme → Musik → Bilder
42:25 Kategorien
52:44 Abmoderation
Weiterführende Links
Fabian Prager
Al Dente Entertainment – Team (Fabian Prager)
Fabian Prager bei Crew United
Al Dente Entertainment – Awards
Fabian Prager auf LinkedIn
Al Dente Website
Al Dente Instagram
Filme/Beispiele
DBL // Nichts zu verstecken
Hagedorn // Die Möglichmacher
Dräxlmaier // A Story of Character
FIEGE // Wir sind Fiege
What does a Good Life mean? // Emotional Employer Branding Film (Wernsing Food Family)
PINCK // Mission TGA
Fabians Darling
Jindal Steel – „The Steel Of India" (YouTube)
Buch / Hintergrund
„Filmische Mittel, industrielle Zwecke – Das Werk des Industriefilms" (Amazon)
Eintrag in der Deutschen Digitalen Bibliothek (Titel/ISBN)
Festival / Kategorien
Cannescorporate Festival – Kategorien
Internationale Wirtschaftsfilmtage – Kategorien
Weitere Filminterviews Podcasts
Trending Filminterviews Podcasts
Über Credit to the Edit Podcast
"Filmschnitt ist gar nicht so kompliziert!". In dieser Reihe beschäftigen wir uns mit diversen Schnittgenres. In Gesprächen mit Filmeditoren erfahren wir, was den Schnitt in ihrem Bereich ausmacht, wundern uns über Unterschiede und entdecken Gemeinsamkeiten. Egal ob es dabei um den Schnitt eines News-Stücks geht, um einen Youtube-Beitrag, einen Spielfilm oder ein Hochzeitsvideo. Lernt diese Schnittgenres gemeinsam mit uns kennen.
Mehr Informationen zu den einzelnen Folgen unter www.credittotheedit.de
Feedback gerne an info@credittotheedit.de
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