547 Episoden
- In der SED-Diktatur war Freiheitsentzug nicht nur Strafe, sondern auch ein Instrument staatlicher Repression.
Als politischer Gefangener der DDR gilt, wer wegen eines politischen Straftatbestandes, wie z. B. „ungesetzlichem Grenzübertritt“, inhaftiert wurde. Zudem sind auch Menschen umfasst, die aus politischen Gründen und oft unter konstruierten Vorwürfen zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Abhängig von der Definition schwankt die Anzahl der Betroffenen: Nach Expertenschätzungen ist vom Beginn der DDR im Jahr 1949 bis zu ihrem Ende 1989 von etwa 200.000 politischen Gefangenen auszugehen.
Die Gründe für politische Inhaftierung waren vielfältig. Sie reichten von strafrechtlichen Paragrafen wie „staatsfeindliche Hetze“, „ungesetzliche Verbindungsaufnahme“ und „Zusammenrottung“ bis hin zum Ausreisebegehren. Auch Jugendliche wurden inhaftiert, wenn sie durch nonkonformes Verhalten auffielen.
Zwangsarbeit war integraler Bestandteil politischer Haft in der DDR. In vielen Haftanstalten mussten Inhaftierte für staatliche oder westliche Firmen, etwa IKEA oder ALDI, produzieren. Die Einnahmen flossen in die Staatskasse der DDR. Bei der verpflichtenden Arbeit im Strafvollzug waren die Gefangenen erheblichen Gesundheitsrisiken ausgesetzt, da Sicherheitsstandards vernachlässigt wurden. Wer die Arbeit verweigerte, riskierte Bestrafungen bis hin zu Einzelhaft.
Über die juristische und moralische Aufarbeitung dieser wirtschaftlichen Ausbeutung gibt es anhaltende Debatten. Institutionen und Verbände setzen sich seit Jahren dafür ein, dass gesundheitliche Folgeschäden anerkannt und die Betroffenen entschädigt werden.
In der Veranstaltung kommen Zeitzeugen und Experten miteinander ins Gespräch. Gemeinsam blicken sie auf die Strukturen und Bedingungen politischer Haft in der DDR und diskutieren den aktuellen Stand der Aufarbeitung – insbesondere im Hinblick auf Haftzwangsarbeit und ihre Folgen. Stimmen aus Ruinen – eine literaturgeschichtliche Begehung Berlins nach 1945
01.01.1 | 1 Std. 22 Min.Nach 1945 war Berlin nicht nur physisch zerstört, sondern auch literarisch-kulturell eine Stadt der Abbrüche wie der verlorenen Enden und Ansätze. In den Texten der unmittelbaren Nachkriegszeit spiegelt sich diese Erfahrung von Leere, Schweigen und Verlust ebenso wie die neuerliche Suche nach Ausdrucksformen und Deutungen jener schmerzlichen Situation, in der man sich wiederfand.
Die Veranstaltung „Stimmen aus Ruinen“ widmet sich unterschiedlichen Perspektiven auf das literarische Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Dagebliebene und Exilierte wie Martin Kessel, Wolfgang Koeppen, Gabriele Tergit, Günter Anders u.a. die zerstörte Stadt wahrnahmen, erinnerten und neu verorteten. Sie alle deuteten jene als Schauplatz weitreichender politischer Umbrüche, als Projektionsfläche geistiger Selbstvergewisserung und als Allegorie anhaltender Spannungen und Ambivalenzen, die nicht zuletzt im Berlin des beginnenden Kalten Krieges aufzuspüren waren.
Einen neuen Blick auf die Literatur dieser Zeit bietet das Buch „Die leere Zentrale. Berlin, ein Bild aus dem deutschen Nachkrieg“ des Literaturwissenschaftlers Till Greite. Im Zentrum der Veranstaltung steht ein Gespräch zwischen ihm und der Historikerin Hélène Miard-Delacroix, begleitet wird dieses durch eine Lesung von Originaltexten aus Ost und West.- Über 40 Jahre lang war Deutschland geteilt. Berliner Mauer und innerdeutsche Grenze trennten Familien, Freunde, S- und U-Bahnnetze, Dörfer und ganze Landschaften. Bis heute spüren wir die Folgen der Teilung in Politik und Gesellschaft. Doch was bedeuteten Stacheldraht und Todesstreifen eigentlich für die Tierwelt rund um Mauer und Grenze? Vom »Grünen Band« über Ost-West-Waschbären bis hin zu den berühmten Mauerhasen nehmen wir die Bedeutung der Teilung für Wildtierpopulationen und Artenvielfalt in den Blick. Und erfahren Überraschendes darüber, wie sie auch bei Waschbär, Hase und Co. bis heute nachwirkt. Die Wissenschaftsjournalistin Julia Vismann spricht mit Berlins Wildtierreferenten Derk Ehlert, der früheren Bundesumweltministerin Steffi Lemke sowie dem Zeithistoriker Dr. Clemens Maier-Wolthausen.
Geteiltes Erinnern: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Aufarbeitung der NS-Gewaltverbrechen in Polen und im geteilten und vereinten Deutschland
01.01.1 | 1 Std. 41 Min.Die Beziehung zwischen Polen und Deutschland ist bis heute tief geprägt von den Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands. Bis heute bestehen dabei erhebliche Unterschiede in der Erinnerungskultur. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die jahrzehntelange Teilung Europas nach dem Krieg, die auch in der DDR und der Bundesrepublik Deutschland zu unterschiedlichen Narrativen führte. In der Bundesrepublik standen lange Zeit die Themen Flucht und Vertreibung im Vordergrund. Nicht selten wurde die Anerkennung polnischer Opfer vernachlässigt. Die Oder-Neiße-Grenze als neue deutsch-polnische Grenze war über Jahrzehnte innenpolitisch umstritten. Die DDR hingegen erkannte die polnische Westgrenze frühzeitig an, stilisierte sich aber zugleich als antifaschistischer Staat und schob die alleinige Verantwortung für Krieg und Völkermord des „Dritten Reiches“ auf die Bundesrepublik. Auch kulturell und gesellschaftlich gab es kaum Annäherungen: Bis in die 1970er-Jahre hinein gab es keinen nennenswerten Austausch zwischen den sozialistischen Nachbarstaaten. Erst die polnische Oppositionsbewegung der 1980er-Jahre beeinflusste die DDR-Bürgerrechtsbewegung nachhaltig. Auch nach der Normalisierung der bilateralen Beziehungen und der Verständigung zwischen Polen und dem vereinten Deutschland seit 1990 bleiben bis heute viele Fragen im öffentlichen und gesellschaftlichen Diskurs virulent: Wie wird 80 Jahre nach Kriegsende in beiden Ländern an die NS-Verbrechen in Polen erinnert? Teilen Polen und Deutsche die Erinnerungen, oder bleiben sie geteilt? Wie kann eine gemeinsame europäische Erinnerungskultur aussehen? Wie schauen junge Menschen aus beiden Ländern heute auf die Beziehungen, und welche Hoffnungen an die Zukunft verbinden sie damit?Jugendkongress „Einheit: Jetzt!“ – Junge Perspektiven auf 35 Jahre deutsche Einheit
01.01.1 | 1 Std. 51 Min.Wie geht’s, wie steht’s, deutsche Einheit? 35 Jahre sind seit der Vereinigung zweier deutscher Staaten vergangenen. Zeit, nachzufragen: Wie (er)lebt sich deutsche Einheit im Jahr 2025?
Beim Jugendkongress »Einheit: Jetzt!« am 23. September in Berlin stehen junge Sichtweisen auf Einheitsdinge im Mittelpunkt: Junge Menschen zwischen 15 und 35 Jahren reflektieren von 10 bis 16:30 Uhr mit eigenen Beiträgen und in Workshops ihre persönlichen Bezüge zur deutschen Teilungs- und Einheitsgeschichte und entwerfen Visionen für ein Update (oder Upgrade?) der deutschen Einheit im Jahr 2025.
In einer öffentlichen Podiumsdiskussion um 18 Uhr (vor Ort und im Live-Stream) kommen sie mit politisch und gesellschaftlich Verantwortlichen zusammen und haken nach bei denen, die den Transformationsprozess seit 1990 erlebt und gestaltet haben. Die Ergebnisse der Workshops und Gespräche werden als Einheitsmanifeste, Einheitsbotschaften oder Einheitsfragen an Entscheidungsträgerinnen und -träger übermittelt – denn die Zukunft der Einheit ist jetzt!
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Mit diesem Podcast-Angebot stellt die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Audio-Mitschnitte von Veranstaltungen zum Nachhören zur Verfügung.
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