Vor gar langer Zeit begab es sich, dass ein junger Mann namens Phil eines Morgens aus unbegreiflichem Zauber als kleine Fliege erwachte.
Als er die Augen aufschlug, fand er zu seiner Verwunderung ein vergilbtes Kärtlein neben sich liegen. Darauf standen in feinen Lettern die folgenden Worte:
"Drei Tage und drei Nächte seien dir gewährt. Erkennt innerhalb dieser Frist ein Mensch dein wahres Wesen, so sollst du deine Gestalt zurückerhalten. Erkennt dich niemand, so bleibst du auf ewig, was du geworden bist."
Kaum hatte Phil die Zeilen gelesen, zerfiel das Kärtlein zu Staub.
Da machte sich Phil voller Zuversicht auf den Weg. Er sprach bei seinen Freunden vor, soweit es einer Fliege möglich war, und umkreiste jene, die ihm nahestanden. Doch die Menschen sahen in ihm nichts als ein lästiges Insekt und jagten ihn fort, wohin er auch flog.
So wandte er sich an seinen Bruder C-Bas, denn er sprach bei sich: Wenn mich einer auf dieser Welt erkennen kann, so gewiss mein eigener Bruder.
Phil flog zu ihm und setzte sich auf dessen Schulter. Doch C-Bas schlug nach ihm und rief: „Fort mit dir, du Plagegeist!“
Am nächsten Tage versuchte Phil es aufs Neue. Er ließ sich auf Bilder nieder, auf denen die Brüder gemeinsam abgebildet waren. Er setzte sich auf sein eigenes Antlitz, als wolle er sagen: Sieh doch hin, ich bin es! Doch C-Bas bemerkte nichts.
Je näher das Ende der Frist rückte, desto verzweifelter wurden Phils Versuche. Er erschien überall dort, wo einst die Brüder gemeinsam gewesen waren. Er saß auf dem Mikrofonen, Kameras und auf dem Stuhl, auf er sonst zu sitzen pflegte. Stets hoffte er, dies möge endlich die Erinnerung seines Bruders wecken.
Doch nichts geschah.
Am Abend des zweiten Tages begann Phil zu fürchten, dass sein Schicksal bereits besiegelt sei. In der Nacht saß er einsam auf einer Laterne und blickte auf die Welt hinab. Da dachte er daran, wie viele Worte zwischen ihm und seinem Bruder gewechselt worden waren, wie viele gemeinsame Wege sie gegangen waren und wie sonderbar es doch sei, dass all dies nun so tragisch enden sollte.
Als der dritte und letzte Tag anbrach, war seine Hoffnung beinahe erloschen.
Dennoch flog er ein letztes Mal zu C-Bas. Müde ließ er sich auf dessen Schreibpult nieder und erwartete sein Schicksal.
Da geschah etwas Sonderbares.
C-Bas betrachtete die kleine Fliege, ohne sie zu verscheuchen. Er legte den Kopf schief und sprach schließlich:
„Es ist ein närrischer Gedanke. Doch diese Fliege verfolgt mich seit Tagen, wohin ich auch gehe. Sie sitzt stets dort, wo Phil einst saß, und erscheint immer dann, wenn ich an ihn denken muss. Und je länger ich sie betrachte, desto mehr dünkt mir, als sei sie niemand anderes als mein Bruder Phil.“
Kaum waren diese Worte gesprochen, da hielt die Welt den Atem an. Die Uhren verstummten, der Wind legte sich, und ein sanftes Licht erfüllte die Kammer.
Wo eben noch eine Fliege gesessen hatte, stand nun wieder Phil in seiner menschlichen Gestalt.
Da erkannten die Brüder, dass zwischen manchen Menschen ein Band besteht, das weder durch Entfernung noch durch Zauberei zerschnitten werden kann.
Und so lehrt uns diese alte Geschichte, dass wahre Verbundenheit oftmals mit den Augen nicht zu sehen ist und doch die stärkste Kraft der Welt sein mag.